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Ein vielleicht gar nicht mal so überraschendes Ergebnis lieferte die Bestenliste-Runde im Freiburger Literaturhaus. Werke, die auf die Vergangenheit zurückblicken, führten nicht selten zu hitzigen Diskussionen über die Gegenwart. Meike Feßmann, Eberhard Falcke und Jörg Magenau diskutierten über vier auf der SWR Bestenliste im März verzeichneten Werke. Auf Platz 4 steht ein Buch aus der Friedenauer Presse, nämlich Banines „Liebe ist Dir verboten. Ernst Jünger und ich. Aufzeichnungen 1942-1991“. Die von Alexander Pschera übersetzten, eingeleiteten und herausgegebenen Reflexionen der in Baku geborenen Schriftstellerin führten zur kontrovers beantworteten Frage, wie neben der geistigen Anziehung das erotische Verhältnis, insbesondere ein sexueller Übergriff Jüngers zu bewerten sei. Safae el Khannoussis Roman „Oroppa“ in der deutschen Fassung von Stefanie Ochel wird durchweg gelobt. Das Buch der marokkanisch-niederländischen Autorin, das im Hanser Verlag erschienen ist, steht auf Platz 3 der März-Bestenliste und zeichnet sich vor allem durch eine vielschichtige und zunächst nicht leicht zu lesende Mehrstimmigkeit aus. Trotzdem oder auch gerade deshalb wird es als „Meisterwerk“ gefeiert. Kurios, komisch und surreal ist Dorota Masłowskas Episodenroman „Im Paradies“, den Olaf Kühl für den Rowohlt Berlin Verlag aus dem Polnischen ins Deutsche übertragen hat. Die ästhetischen Mittel der Autorin und das Roman-Etikett werden innerhalb der Jury unterschiedlich bewertet, genau wie die Frage, ob „Im Paradies“ (Platz 2) auch als Gesellschaftsportrait Polens zu lesen sei. Äußerst kritische Anmerkungen gab es zu Judith Hermanns Erinnerungsbuch „Ich möchte zurückgehen in der Zeit (S. Fischer Verlag). Hermann begibt sich auf Spurensuche in Polen. Dort möchte sie mehr über ihren Großvater erfahren, der Mitglied der SS und mutmaßlich an Verbrechen der Besatzer beteiligt war. Doch die Recherche verläuft im Dunklen. Worum geht es in dem Text? Handelt es sich um eine literarische Familienaufstellung? Wie fügt sich der Besuch der Erzählerin bei der Schwester in Neapel in die Gesamtkonstruktion ein? Welche Rolle spielt der Stil der Autorin bei Einordnung des Buchs? Es wurden viele Fragen gestellt, die zu heftiger Kritik der Jury führten. Ein Buch, das auf Platz 1 der SWR Bestenliste steht, das Publikum nachdenklich stimmt und Debatten über die Gegenwart der Vergangenheit auslöst. Aus den vier Büchern lasen Antje Keil und Sebastian Mirow. Durch den Abend führte Carsten Otte.
Der Geiger und Komponist Florian Willeitner sorgt mit seinem „New Piano Trio“ immer wieder für Überraschungen. So auch mit seinem Album „What the Fugue“, das sich einer sehr alten Kompositionstechnik widmet: Der Fuge und ihrer polyphonen Mehrstimmigkeit.
Eine der frühesten praktischen Quellen europäischer Mehrstimmigkeit
Um 1200 erlebt die Welt der Musik eine Revolution: Die Entwicklung der Mehrstimmigkeit, schafft neue Dimensionen des Hörens und Musikerlebens. Die Folgen dieser Revolution klingen bis heute nach. Von Markus Vanhoefer
Wie heißt der Bürgermeister von Wesel? ... Esel! Das Echo hielt im 16. Jahrhundert Einzug in die Musik und legte den Grundstein für Sinfonien und Solokonzerte, wie Schumanns „Rheinische“ oder Webers Klarinettenkonzert. Als Erfinder der Mehrstimmigkeit gilt Gabrieli, der an seinem Arbeitsplatz, dem 8.000 m² großen Markusdom in Venedig mit der speziellen Raumarchitektur experimentierte. Er platzierte seine Musiker in unterschiedlichen Nischen und auf Emporen des Doms und erzeugte durch die Echos einen frühen Surround-Sound. Was vor über 400 Jahren im Markusdom begann, inspiriert Komponisten bis heute. Zum Beispiel Manfred Trojahn zu dessen „Ariosi“ für Sopran, Bassettklarinette und Orchester.
Beginnend mit der heutigen Folge wechseln wir ins Salzburger Mittelalter. Wir starten mit dem wohl einflussreichsten Komponisten des Mittelalters. Als erster deutschsprachiger Komponist arbeitete er mit Mehrstimmigkeit und dem Kanon. Von niemandem aus dem Mittelalter gibt es so viele überlieferte Lieder und dennoch wissen wir nicht einmal seinen Namen. Es geht um den sogenannten Mönch von Salzburg.
Sie ist die kunstvollste Ausprägung der Mehrstimmigkeit: die Polyphonie - die Vielstimmigkeit aus jeweils eigenständigen vokalen oder instrumentalen Stimmen. Kontrapunkt, Kanon, Fuge und Motette sind Techniken und Formen, im Rahmen derer sich Polyphonie entfaltet.
Guillaume de Machauts "Messe de nostre dame" aus dem 14. Jahrhundert ist nicht nur das älteste Werk der Musikgeschichte, bei dem man den Komponisten kennt, sondern auch die erste von vorn bis hinten durchdachte Vertonung einer Messe und vielleicht der entscheidende Auftakt für den Siegeszug der Mehrstimmigkeit. Da kann man eigentlich nur noch wie im abschließenden "Ite missa est" sagen: Dank sei Gott dem Herrn. Findet jedenfalls Autor Martin Zingsheim.
Die Frage steht im Raum: von wem ist dieser Film? Orson Welles liefert klar eine Vision und die Bilder, aber ihre Montage und die gesamte Postproduction bleibt für uns eine Rekonstruktion, die wir nicht fest verankern können. Auch wenn wir diese Verunsicherung ablegen, THE OTHER SIDE OF THE WIND, schon in sich eigentlich der Titel des Films im Film, tut alles dafür, uns in einem Status absoluter Inhaltsüberforderung zu halten. Überdeterminierungen, Wechsel der Film-Realitäten, Materialien und Perspektiven, sowie eine Mehrstimmigkeit in der Narration machen es nicht einfach. Wir nähern uns dem Film mit Blick auf die Fertigung, aber auch die filmgeschichtliche Einordnung zwischen altem Hollywood, dem Aufkommen der movie brats und der Ästhetisierung im neuen europäischen Film. Dabei können wir, in aller Unsicherheit über die Autorschaft, eines sagen: so richtig autobiographisch ist hier nichts, diesen doppelten Boden hat uns Orson Welles definitiv gelegt, aber er zieht ihn mehrfach im Laufe des Filmes unter unseren interpretatorischen Füßen weg, ob nun in genau der Form, wie er es komponiert hätte, oder eben in Form einer Rekonstruktion.
Der Begriff ist in der musiktheoretischen Literatur seiner Zeit kaum zu finden, auch heute ist er wohl nur wenigen geläufig: Gymel, eine Stimmführungs- und Satztechnik vor allem in der frühen englischen Mehrstimmigkeit.
Bedeutende Phase in der Entwicklung der frühen Mehrstimmigkeit: die Notre-Dame-Schule
Ehemalige Benediktinerabtei im französischen Limoges, mittelalterliches Zentrum früher Mehrstimmigkeit.
Früheste Quelle europäischer Mehrstimmigkeit
Der neue Full-Combo Podcast ist endlich eingetroffen und beschäftigt sich diesmal mit dem Thema Gesang – allerdings nur mit dem einstimmigen Teil, Mehrstimmigkeit als Thema ist uns irgendwie entfallen. Kein Wunder, gab ja auch genügend andere Themen, um 2 Stunden und 18 … Weiterlesen →
Zentrales Kompositionsprinzip der Mehrstimmigkeit
Frühe Form abendländischer Mehrstimmigkeit