Was ist los in den nationalen, internationalen und südwestdeutschen Kulturszenen? Berichte, Rezensionen zu Premieren und Konzerten, Ausstellungen und Museen, Künstlern und Events! Aus den Kulturmagazinen "SWR2 am Morgen", "SWR2 Journal am Morgen", "SWR2 Journal am Mittag" und "SWR2 Kultur aktuell".

Sie ist eine der letzten Zeitzeuginnen: Mit 97 Jahren noch hält Ruth Michel Vorträge über ihr Leben. Sie ist im damals polnischen Mikuliczyn (heute ukrainisch Mykulytschyn) aufgewachsen, das später von den Deutschen besetzt wird. Bei einem Massenmord an der jüdischen Bevölkerung wird auch Ruths Vater getötet. Ihr selbst gelingt zusammen mit Mutter und Schwester die Flucht. Der zunehmende Antisemitismus in Deutschland bereitet der Shoa-Überlebenden Sorge.

Vor mehr als 300 Jahren flohen Tausende Menschen aus der Pfalz und dem Südwesten nach Irland: ein kaum bekanntes Kapitel europäischer Geschichte. Die Uraufführung „Refuge“ am Mainzer Staatstheater schlägt eine Brücke zwischen der Auswanderung pfälzischer Protestanten im Jahr 1709 und einer heutigen Fluchtgeschichte aus Afghanistan. Am fiktiven Schicksal einer Auswandererfamilie zeigt Dramatikerin Deirdre Kinahan, wann Menschen auf der Flucht die Hoffnung auf einen Neuanfang mitbringen und wo Vorurteile, Besitzdenken und patriarchale Rollenbilder auftauchen. Ein berührender Theaterabend mit irisch-deutschem Ensemble, der lange nachwirkt.

Parivz Sayyad ist ein iranischer Schauspieler und Regisseur, den in seiner Heimat jeder kennt. Ein ist ein Vorbild für Regisseure wie Rasoulof und Panahi. Der 87-jährige lebt seit über 40 Jahren im Exil. Nun ist er zu Gast bei dem Heidelberger Format „Salon Underground“, das Künstlern unter Zensur eine Bühne geben will. Seine Filme wirken aktueller denn je.

Schicht für Schicht legt das Stück die NS-Vergangenheit Freiburgs frei. „Fassade“, ein performativer Stadtrundgang des Theater Freiburgs in Kooperation mit dem Dokumentationszentrum Nationalsozialismus stößt unter anderem auf faschistische Schönheitsideale, deren Spuren weit in die Gegenwart reichen.

Simone Buchholz hat sich vor allem als Krimiautorin einen Namen gemacht. Mit ihrem aktuellen Essay wagt sie sich auf neues Terrain. Darin erzählt sie, wie sie als alleinerziehende Feministin ihren Sohn großgezogen hat.

Am Donnerstag startet das diesjährige Musik- und Theaterfestival „Mannheimer Sommer“. Das Motto „Lasst Euch entgrenzen!“ - das gilt beim Festival sowohl für die Genres, als auch für die Auftrittsorte. Beispiel: Ein anarchisches Musiktheaterstück in einer leerstehenden Kirche.

Niemand schreibt so unterhaltsam über Trash-TV wie sie: Jetzt hält Anja Rützel sogar einen Uni-Vortrag zum Thema. Wir haben vorab mit ihr gesprochen.

Lernen durch Spielen ist längst nicht mehr nur etwas für Kinder. Ob NS-Geschichte, Nachhaltigkeit oder medizinische Therapie: Serious Games und spielerische Lernformate kommen in immer mehr Bereichen zum Einsatz. Die Serious Play Conference in Mainz zeigt, warum interaktive Spiele als Innovationsmotor für Bildung, Kultur und Wirtschaft gelten.

Robin Hood, der Beschützer der Armen und Schwachen? Nicht in „The Death of Robin Hood”! Michael Sarnoski porträtiert den edlen Helden als Verbrecher, der auf ein Leben voller Gewalt zurückblickt.

Budapest 1938: Vittorio Giardinos Comic-Klassiker „Ungarische Rhapsodie“ erzählt vom schleichenden Sieg des Faschismus in Europa. Im Zentrum steht der jüdische Tabakhändler und Ex-Geheimagent Max Friedman, der zeigt, wie Menschen in dunklen Zeiten Haltung bewahren. Jetzt erscheint der hochaktuelle Comic in einer Neuauflage.

Immer wieder beschäftigt sich Florescu in seinen Romanen mit der wechselvollen Geschichte Rumäniens. Der Ich-Erzähler Matei ist geprägt von der seelischen Verwüstung, die das kommunistische Regime bei ihm hinterlassen hat. Das Blatt wendet sich, als er zufällig seinem ehemaligen Peiniger wieder begegnet.

Er erzählt seit Jahrzehnten von Solidarität, sozialer Ungleichheit und menschlicher Würde. Kaum ein britischer Regisseur hat dabei das europäische Kino der letzten 50 Jahre so nachhaltig geprägt wie er. Heute wird er 90 Jahre alt

„So ziemlich jeder Betrieb, der mehr als fünf Beschäftigte hatte, beschäftige irgendwann im Laufe des Krieges Zwangsarbeiter“, sagt Norbert Prothmann. Engagierte Bürgerinnen und Bürger in Stuttgart leuchten seit Jahren das Thema NS-Zwangsarbeit systematisch aus.

Während in den Messehallen Kunst für Millionen verkauft wird, ist der eigentliche Szene-Hotspot während der Art Basel der Social Club. In einem verlassenen Bürogebäude trifft internationale Gegenwartskunst auf Clubkultur, Wellness auf Gesellschaftskritik. Der Eintritt ist kostenlos.

Während Ihrer ersten Sendung als Nachrichtensprecherin stand neben ihr ein Mann. Aus Sicherheitsgründen. Sollte Dagmar Berghoff vor lauter Aufregung aus- oder umfallen, wäre er eingesprungen. Doch Dagmar Berghoff überzeugte sofort und wurde Deutschlands erste Miss Tagesschau.

Digitale Gewalt, Mikroaggressionen, Retraumatisierung, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit - all diese Phänomene bringen Betroffene hervor. Die Folgen für das soziale Leben untersucht Maria-Sibylla Lotter in „Opfer. Über Verwundbarkeit als Selbstbild".

Von der Römischen Münze bis hin zur Kryptowährung, von städtischen Wechselstuben bis hin zu mächtigen Großbanken - das Landesmuseum Zürich zeigt in einer neuen Schau die historische Entwicklung des Bankwesens. Wie wurde das kleine Alpenland zu einem der bedeutendsten Finanzplätze der Welt? Und warum sind in der Schweiz Banken nicht nur Teil der Wirtschaft, sondern auch Teil der Identität?

Die Generation Z gilt als politisch engagiert. Warum wenden sich dennoch viele junge Menschen rechtspopulistischen Positionen zu? Rüdiger Maas sucht Antworten.

Zu teuer, zu kommerziell: Der Ruf der FIFA – des Fußballweltverbands – ist gerade zur Fußballweltmeisterschaft der Männer in Nordamerika alles andere als gut. Aber: Es gibt eine FIFA-Alternative – die CONIFA, die Konföderation unabhängiger Fußballverbände. Sie organisiert ihre Auswahl-Teams aus Regionen, die nicht als Nationalstaaten anerkannt sind. Wie funktioniert Fußball bei der CONIFA?

Damar Berghoff: Keine andere Frau steht mehr für die Nachrichten-Sendung mit der Fanfare: Die Tagesschau. Genau heute vor 50 Jahren erschien Berghoff zum ersten Mal nach der blauen Weltkarte auf den Bildschirmen - als erste Frau. Ihre Karriere startete sie beim Südwestfunk in Baden-Baden - eine Spurensuche.

Trauer macht einsam. Der Film „Sechswochenamt“ von Jacqueline Jansen erzählt, wie eine junge Frau mit dem Tod ihrer früh verstorbenen Mutter umgeht. Um deren letzten Wunsch zu erfüllen, muss sich Lore gegen staatliche Vorschriften und gesellschaftliche Erwartungen behaupten.

Das Projekt KuLaDig, das Kulturlandschaften in Rheinland-Pfalz digitalisiert, soll ein Update bekommen. Prof. Speck von der Hochschule Kaiserslautern schlägt dazu eine zentrale Plattform vor.

Vor 200 Jahren schuf ein Arzt schuf mit seinem Bestseller den Mythos der „Seherin von Prevorst“ als spiritisches Medium. Das Museum Heilbronner sucht die Person hinter dem Mythos.

Ewald Arenz ist Bestsellerautor mit einer großen Fangemeinde. Sein neuer Roman „Fünf, sechs, sieben, acht“ ist allerdings auf mehreren Ebenen missglückt.

Verdis Oper über den verarmten Ritter „Falstaff“ ist ein musikalisches Meisterwerk. Der weibliche Blick von Regisseurin Verena Stoiber verleiht dem Werk Aktualität und Brisanz.

Das Thema könnte aktueller nicht sein: In „Das unersättliche Selbst“ analysieren Thomas Arnold und Thomas Fuchs das narzisstische Selbst- und Weltverhältnis als Ausdruck einer existenziellen Leere.

Antisemitische Parolen in der Popmusik – leider kein Einzelfall. Ein Beispiel ist Xavier Naidoo, der mehrfach antijüdische Verschwörungstheorien verbreitet hat, oder auch Roger Waters, Mitbegründer der Gruppe Pink Floyd, der auf Konzerten offen israelfeindliche Parolen verkündet hat. Und es gibt noch mehr Beispiele. Das Festival About Pop, an dem auch SWR Kultur beteiligt ist, beginnt heute in Stuttgart und untersucht dieses Phänomen. Mit Konzerten, aber auch mit Diskussionen und Vorträgen. Die Politikwissenschaftlerin Maria Kanitz hat zusammen mit dem Sozialwissenschaftler Lukas Geck bereits zwei Bücher zu dem Thema geschrieben. Antisemitismus in der Popkultur ist kein Randphänomen Kanitz sagt. „Spätestens seit dem 7. Oktober hat sich eine Radikalisierung bei bestimmten Künstlerinnen und Künstlern gezeigt. Die Boykotte sind stärker und massiver geworden.“ Auch Drohungen seien stärker geworden und einige jüdische Künstlerinnen und Künstler hätten die Branche sogar verlassen. Sensibilisierung durch Workshops Kanitz fordert, die Aufmerksamkeit stärker auf die verschiedenen Formen von Antisemitismus zu richten, zum Beispiel durch Schulungen und Workshops für Festival und Konzertveranstalter. „Viele sind im Moment einfach hilflos und in einer Art Schockstarre, weil sie diese Narrative nicht verbreiten wollen, aber wie geht man damit um?“, sagt Kanitz. Man dürfe nicht alles unter Kunstfreiheit subsumieren, sondern es müssten klare Grenzen definiert werden.

Murat Yeginer thematisiert mit „Die Optimistinnen“ ein wenig bekanntes Kapitel Arbeitsmigration. Es geht um sogenannte Gastarbeiterinnen, die in den 1970er Jahren für ihre Rechte auf die Barrikaden gingen.

30 Jahre Sportfreunde Stiller, ein neues Album und viel gute Laune. Doch „Happy Birthday“ wirft die Frage auf, ob Optimismus allein für gute Popmusik reicht.

Donald Trump feiert seinen 80. Geburtstag mit einem Mixed-Martial-Arts-Kampf vor dem Weißen Haus. Für die US-Komikerin Gayle Tufts ein Missbrauch des Staates und eine Metapher für seine Regierung.

Wie haben Blumen die Kunst geprägt? Die Ausstellung Bloom up! in der Kunsthalle Baden-Baden zeigt aktuelle Werke, die von historischen Blumenmotiven inspiriert wurden.

A Breath Held Long heißt die Ausstellung von Sudarshan Shetty in Koblenz. Es geht um die Megacity Mumbai, um Vergänglichkeit und das Leben zwischen Bruch und Neubeginn.

Der Oscar-nominierte Animationsfilm erzählt die bewegende Geschichte eines belgischen Kindes in Japan, das durch die Liebe seines Kindermädchens die Welt neu entdeckt – eine magische Kinoerfahrung.

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg wollte das Erscheinen dieses Buchs verhindern, vergeblich. Nun ist „Careless People“ sogar auf Deutsch erschienen. In „Mein Traumjob bei Facebook und wie ich alle meine Ideale verlor“ schreibt die Ex-Facebook-Managerin Sarah Wynn-Williams über „Verantwortungslosigkeit“ und „Frauenfeindlichkeit an der Spitze“ - und deren Folgen für Milliarden Nutzende.

Die Fußball-WM 2006 ging in Deutschland als „Sommermärchen“ in die Geschichte ein. Das sei von WM 2026 nicht zu erwarten, da die USA nur ein „bedingtes Interesse“ hätten, ein guter Gastgeber zu sein, so Sportjournalist Ronald Reng.

Künstliche Intelligenz verändert unseren Alltag rasant, von medizinischen Diagnosen bis zu Bewerbungsverfahren. Mit den ethischen Fragen hinter diesen Entwicklungen beschäftigt sich das Institut für angewandte Ethik an der Universität Trier.

Der Amsterdamer Fotograf Hans van der Meer zeigt die Einsamkeit des Torhüters in seinem neuen Buch. 20 Jahre lang hat er in 22 europäischen Ländern Schauplätze des Amateur-Fußballs abgelichtet - mitsamt Hirschen, Priestern und Gleitschirmfliegern am Spielfeldrand.

In Setúbal boomt zur Mitte des 20. Jahrhunderts die Konservenindustrie. Vor dieser Kulisse erzählt der Roman vom Leben einfacher Arbeiterinnen – ein farbiges Porträt Portugals während der Salazar-Diktatur.

Die Fußball-WM 2026 verbindet die USA und Mexiko nicht nur sportlich. Hinter dem Turnier stehen Geschichten über Migration, Identität und den Kampf um Talente.

Angela Merkel, Christian Wulff, Cem Özdemir – sie alle wurden schon mit dem Preis des Zentralrats der Juden geehrt. Die Auszeichnung des Kabarettisten Dieter Nuhr sorgt nun aber für Diskussionen. „Wirklich nachvollziehen kann ich das nicht“ sagt auch der Antisemitismus-Experte Tom Uhlig in SWR Kultur.

heater, Museen und Konzerthäuser stehen vor der Frage, wie sich Kultur klimafreundlicher gestalten lässt. Beim Green Culture Festival im Karlsruher Tollhaus diskutieren Kulturschaffende aus ganz Deutschland darüber. In SWR Kultur am Morgen sagt Anna Haas, Transformationsmanagerin für nachhaltige Kultur am Badischen Staatstheater Karlsruhe: „Nachhaltigkeit muss so selbstverständlich mitgedacht werden wie Budget, Probenplan oder Premierentermin.“ Das Publikum verursacht die meisten Emissionen Anders als viele vermuten, entstehen die größten Umweltbelastungen nicht durch Bühnenbilder. „60 bis 80 Prozent der CO₂-Bilanz kommen durch die Mobilität des Publikums zustande“, erklärt Haas. Energieverbrauch spiele ebenfalls eine große Rolle. Trotzdem könne nachhaltiges Bühnenbild eine wichtige Wirkung entfalten, etwa wenn Materialien wiederverwendet werden und daraus neue Geschichten entstehen. Kultur als Motor für Veränderung Für Haas liegt die besondere Stärke von Kunst und Kultur darin, Menschen emotional zu erreichen. „Kultur hat die Superkraft, Gefühle anzusprechen“, sagt sie. Während reine Fakten oft zu Abwehr oder Resignation führten, könnten Theaterstücke, Konzerte oder Ausstellungen neue Perspektiven eröffnen.

Deutschland gilt im internationalen Vergleich als eines der sichersten Länder der Welt. Allerdings ändert sich die Art der kriminellen Delikte, wie das Buch „True Criminology. Mythen, Fakten, Hintergründe“ nachweist. Außerdem belegt es, dass die eigenen vier Wände gefährlicher sind als nächtliche Straßen.