Was ist los in den nationalen, internationalen und südwestdeutschen Kulturszenen? Berichte, Rezensionen zu Premieren und Konzerten, Ausstellungen und Museen, Künstlern und Events! Aus den Kulturmagazinen "SWR2 am Morgen", "SWR2 Journal am Morgen", "SWR2 Journal am Mittag" und "SWR2 Kultur aktuell".

Das Verwaltungsgebäude „V1“ des Glasherstellers Schott in Mainz war ein Entwurf des renommierten Architekten Ernst Neufert. Ein bescheidener Fünfziger-Jahre-Bau aus der Epoche der Nachkriegsmoderne und ein wichtiges Zeugnis des Mainzer Wiederaufbaus. Doch die Schott AG hat das historische Bürohaus in den Sommerferien aus wirtschaftlichen Gründen abreißen lassen – und das völlig legal. Denn das Gebäude stand nicht unter Denkmalschutz: Es ist bei der Erfassung durch die rheinland-pfälzische Landesdenkmalpflege durchs Raster gefallen.

„Babylon Berlin“ setzt die Stadt Berlin mit jeder Staffel neu in Szene. Welche Drehorte es bei der fünften Staffel zu entdecken gibt, zeigt eine Tour von der Volksbühne über die Museuminsel bis zu Clärchens Ballhaus.

Eine unerhörte Begebenheit hat sich 1933 in einem Schweizer Dorf an der Grenze zu Deutschland ereignet. Alex Capus macht daraus einen Roman über die unspektakulären Dinge des Lebens.

Am 1. Oktober startet die Dokumentation „Naza“ in den deutschen Kinos. Der Film behandelt den Gaza-Krieg und bespricht unter anderem die Vorwürfe, dass die israelische Armee systematisch zivile Opfer im Gaza in Kauf nehme. Ofer Waldman von der Heinrich-Böll-Stiftung Tel Aviv fordert eine öffentliche Auseinandersetzung der Israelis mit dem Gaza-Krieg.

Ist der Preis von gesicherter Gesundheit der Verlust der persönlichen Freiheit? Der Film „Corpus Delicti“ von Lena Stahl macht aus dem Roman von Juli Zeh einen düsteren Krimi-Thriller über den Kampf zwischen Mensch und Datenkrake. In den Hauptrollen Hannah Herzsprung und Damian Hardung.

Historiker Tobias Becker zeigt, wie sich das deutsche Heimweh nach „gestern“ entwickelt hat – und warum selbst Nostalgie-Kritik rückwärtsgewandt sein kann.

Warum die Erinnerung nicht der Vergangenheit, sondern der Gegenwart dient – die Psychologinnen Ciara Greene und Gillian Murphy räumen auf mit überkommenen Vorstellungen vom menschlichen Gedächtnis.

Wirtschaftskrise und Jobverlust: Ödön von Horváths "Kasimir und Karoline" wurde 1932–- mitten in der Weltwirtschaftskrise - uraufgeführt. Aber Horváths Volksstück weist viele Parallelen zur Gegenwart auf - konsequenterweise hat Regisseurin Charlotte Sprenger ihre Inszenierung am Nationaltheater Mannheim vom Oktoberfest auf die Betriebsfeier eines Tech-Konzerns verlegt, inklusive Roboterhund und Drohnen.

Der Vorwurf, der Autor Thélyson Orélien habe seinen neuesten Roman mit KI geschrieben, wirft viele Fragen auf. Ist ein Text weniger literarisch, wenn eine Maschine mitgeschrieben hat?

Geoffrey Bawa ist einer der erfolgreichsten Architekten des 20. Jahrhunderts. Das Vitra Design Museum zeigt, wie er Asien und seine Heimat Sri Lanka architektonisch prägte.

Keine Bienen, dafür KI-Drohnen, die jeden Regelverstoß bestrafen: In Kirsten Fuchs' „Sneaker“ bringt nur die Liebe zweier Teenager das radikal sichere Zukunftssystem ins Wanken.

Sie konnten es selbst kaum fassen, aber es ist wahr: Kritikerinnen und Kritiker der Fachzeitschrift „Opernwelt“ haben das Staatstheater Mainz zum Opernhaus des Jahres gewählt. Eine Sensation für das vergleichsweise kleine Drei-Sparten-Haus. Überzeugen konnten die Mainzer mit ihrem durchdachten Spielplan, der auch Stücke verfolgter Komponistinnen und Komponisten aufwies.

Menschen mit Beeinträchtigungen haben es schwer im Kulturbetrieb. Das Festival „Grenzenlos Kultur“ in Mainz zeigt, dass es auch anders geht: Internationale Produktionen, ein unterhaltsames Miteinander auf der Bühne und technische Neuerungen am Mainzer Staatstheater, die dafür sorgen, dass auch im Publikum mehr Menschen erreicht werden können trotz ihrer Einschränkungen beim Sehen oder Hören.

Im Instrumental-Rock sind Hermanos Gutiérrez längst kein Geheimtipp mehr. Die beiden Schweizer Brüder mit ecuadorianischen Wurzeln lassen mit ihrem neuen Album „Los Ojos Del Cóndor“ die Anden vor unserem inneren Auge vorbeiziehen. Ihren unverwechselbaren melancholischen Gitarrensound bringen sie wieder zur Perfektion.

Das Schauspiel Stuttgart widmet seine neue Inszenierung „Zwischen zwei Menschen entsteht manchmal, wie selten, eine Welt“ der Philosophin Hannah Arendt, ihrer Beziehung zu Martin Heidegger und der Auseinandersetzung mit Elfriede Jelineks „Totenauberg“. Das Publikum wird dabei durch verschiedene Räume des Theaters geführt und erlebt Briefwechsel, historische Dokumente, Texte und Redebeiträge, unter anderem von Daniel Cohn-Bendit. Im Mittelpunkt steht die widersprüchliche Verbindung zwischen Arendt, die als Jüdin ins Exil floh und später zu einer bedeutenden politischen Denkerin wurde, und Heidegger, der Mitglied der NSDAP war. Intendant und Regisseur Burkhard Kosminski möchte mit der ungewöhnlichen Inszenierungsform nicht nur Geschichte vermitteln, sondern auch Begegnungen und Gespräche zwischen den Zuschauerinnen und Zuschauern ermöglichen. „Also mein großer Wunsch ist, dass wir ins Gespräch kommen“, sagt Kosminski, der den Theaterabend zugleich als einen Weckruf versteht, sich mit den eigenen Werten und der Demokratie auseinanderzusetzen. Das Gespräch führte: Martin Gramlich Gespräch mit: Burkhard C. Kosminski, Intendant und Regisseur des Schauspiels Stuttgart

Das 30. Album von Reinhard Mey ist da. Schon der Termin bricht mit einer Tradition: Die meisten früheren Alben von Mey erschienen im Monat Mai. Und fast nie war er darauf alleine zu hören. Nun aber gibt es zum Herbstanfang Reinhard Mey pur, nur mit Akustikgitarre und Gesang. „Schatzhauser“ heißt das Album. Ein berührendes Alterswerk von dem 83-jährigen Liedermacher, der den Rapper Haftbefehl zum Weinen gebracht hat.

Dieses Theaterstück hat in Baden-Baden Geschichte geschrieben: Als es 1962 hier aufgeführt werden sollte, hat es der damalige Oberbürgermeister verboten, weil er es für kommunistische Propaganda hielt. Es ist also als politisches Statement zu verstehen, wenn der neue Intendant, Simon Meienreis, seine erste Spielzeit in Baden-Baden mit Brechts „Mutter Courage und ihre Kinder“ eröffnet.

Ein Moderator lockt mutmaßliche Sexualstraftäter vor die Kamera und stellt sie öffentlich bloß: Der US‑Film „Primetime“ von Lance Oppenheim erzählt von den Mechanismen einer realen Fernsehshow und fragt, wann Aufklärung zum Voyeurismus wird.

Die Schauspieler Woody Harrelson und Matthew McConaughey, bekannt aus „True Detective“, sind enge Freunde. Aus dem Gerücht, sie seien Halbbrüder, machen sie eine Serie über sich selbst: „Brothers“. Zu sehen auf Apple TV.

1.850 Aktenordner, private Korrespondenz und Geschäftsbilanzen: Für die neue Biografie „Augstein. Ein deutsches Leben“ konnten die Autoren Martin Doerry und Hauke Janssen erstmals umfassend das Augstein-Archiv auswerten. Es ensteht ein neues, differenziertes Bild des Spiegel-Gründers, auch von dessen Rolle vor 1945.

Zart, feingliedrig und auch nach 100 Jahren märchenhaft: Scherenschnitt-Künstlerin Lotte Reiniger brachte mit „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ den ersten Animationsfilm ins Kino.

Die Ausstellung „MOVE! Scheinbar kinetisch“ im Kunstmuseum Reutlingen zeigt konkrete Kunst, die das Auge täuscht – zwischen Relativitätstheorie und Klebeband.

Zum 100. Geburtstag von John Coltrane erinnert der Jazzforscher Wolfram Knauer, an den außergewöhnlichen Weg der der Jazz-Legende.

Das Junge Staatstheater Karlsruhe bringt mit „Familienalbum Karlsruhe“ ein Jugendstück über die jüdische Familie Fuchs und ihre Flucht vor den Nationalsozialisten auf die Bühne. Autorin Lisa Sommerfeldt erklärt bei SWR Kultur, was es mit der Geschichte auf sich hat.

Der stets verlorene Kampf ist der Titel von Michel Houellebecqs neuem Gedichtband. Wer von ihm etwas gelesen hat, der weiß, dass hoffnungsfrohe Prosa seine Sache nicht ist. Das gilt ebenso für seine Lyrik. Der Tod ist das allumfassende Thema, der Tod, dem man nicht entkommen wird. Doch in den Gedichten gibt es auch Zwischentöne, die man nicht überhören sollte.

Franz Burda machte aus einer Offenburger Druckerei einen der großen deutschen Medienkonzerne. Seine Geschichte erzählt zugleich von Anpassung im Nationalsozialismus, Wirtschaftswunder und gesellschaftlichem Wandel. In SWR Kultur am Morgen sagt Historiker Tim Schanetzki, Mitautor des neuen Buchs „Der Mann fürs Bunte“: Burda habe stets das Image des „unpolitischen“ Verlegers gepflegt. „Unser Eindruck ist: Das ist eine ziemliche Untertreibung.“ Anpassung und Aufstieg im Nationalsozialismus Schon vor 1933 war Burda mit einer Radiozeitschrift erfolgreich. Doch im NS‑Staat wurde gerade der Rundfunk zu einem hochpolitischen Medium. Schanetzki beschreibt eine „signalisierte Nähe gegenüber dem Nationalsozialismus“, die Burda zugleich geschickt dosiert habe. Den Begriff des Profiteurs hält der Historiker deshalb für angemessen, betont aber die Widersprüche. Burdas Erfolg lasse sich weder allein mit politischer Nähe noch mit unternehmerischem Geschick erklären. Die Bunte war politischer als ihr Ruf Nach dem Krieg wuchs Burda mit dem Wirtschaftswunder. Zeitschriften wie die Bunte und Burda Moden trafen den Geschmack der jungen Bundesrepublik. Doch auch hier entdeckten die Historiker Überraschendes. „Die Bewunderung für Willy Brandt würde man bei einem konservativen Verleger wie Franz Burda erst einmal nicht erwarten“, sagt Schanetzki. Auch mit der 68er Bewegung sei die Bunte differenzierter umgegangen als andere Medien. Burdas vermeintlich unpolitische Wohlfühlwelt war also durchaus politisch.

Der österreichische Podcaster Florian Scheuba hat ein Buch zur politischen Stimmung geschrieben. Im Gespräch erklärt er, was man der Rhetorik von Rechten entgegen setzen kann – und was vor Zynismus schützt.

Neuer Intendant, alte Herausforderungen: Simon Meienreis will das Theater Baden-Baden öffnen und stärker mit der Stadt verbinden. Welche Ideen er mitbringt.

Hohe Baukosten und klamme Kommunen setzen Kultur-Großprojekte unter Druck. Ministerin Petra Olschowski erklärt im Gespräch, worauf sich die Debatte um das Stuttgarter Opernhaus konzentrieren sollte.

„Wie können wir einander zuhören und miteinander streiten, ohne den anderen zu entwürdigen?“ fragt Pierrot Raschdorff in seinem Buch „Die neue Höflichkeit“, in dem er eine alte Tugend neu interpretiert.

Baden war im 19. Jahrhundert liberales Musterland. Die Graphic Novel „Mit aller Macht“ zeigt, wie dieses Dreiländereck zum Labor deutscher Demokratie wurde.

Der 34-jährige Künstler Tim Bengel hat in seiner Heimat Esslingen eine neue Skulptur enthüllt. Was hinter der „Esslinger Welle“ steckt.

Eine große Liebe, ein Mordversuch, zwei Versprechen, die gebrochen werden: Camille Laurens erzählt in „Was wir uns versprechen“ von Gaslighting in Perfektion – ein packender autofiktionaler Psychothriller, dem nur die letzte Portion Mehrdeutigkeit fehlt.

Wie wollen wir eine Technologie kontrollieren, die offenbar nicht einmal ihre Entwickler im Griff haben? Die Regierungschefs müssen jetzt beweisen, dass sie so gut kooperieren können wie die KI-Agenten. Ein Kommentar.

„Blake und Mortimer“ war lange ein Heiligtum weißer Männerfantasien. Peter van Dongen arbeitet daran, die Serie zu modernisieren – mit kritischem Blick auf koloniale Bilder.

Wiederentdeckung aus dem Jahr 1968: Sebastian Haffners „Der Teufelspakt“ beleuchtet die deutsch-russische Geschichte von der Oktoberrevolution bis zur unmittelbaren Nachkriegszeit.

Der Berliner Schriftsteller erhält den mit 50.000 Euro dotierten Preis für sein literarisches Gesamtwerk. Die Jury würdigt ihn als großen Alltagserkunder der deutschsprachigen Literatur und hebt besonders sein humoristisches Erzählen hervor.

Blumig ist nicht nur der Titel. „The Meaning of Flowers“, das neue Album der dänischen Singer-Songwriterin Agnes Obel klingt ungewöhnlich warm: Betörende Musik, die nicht mehr braucht als zwei Ohren und ein Herz, das bereit ist, sich berühren zu lassen.

Das Ensemble aus Marokko führt zur Eröffnung des Festivals für zeitgenössischen Zirkus eine atemberaubende und zugleich poetische Show aus Akrobatik und Urban Dance auf. Die Künstler*innen erzählen von den widerstreitenden Gefühlen der Jugend in Marokko: von großen Träumen und derben Enttäuschungen.

Sieben Millionen Liter Bier, Lederhosen, Vollrausch – das ist das Münchner Oktoberfest. Doch der aktuelle Trend zu weniger Alkohol und das permanente Fotografieren mit Smartphones verändern die Sitten und Bräuche auch auf der Wiesn.

Das Weltkriegsdrama „Pressure“ erzählt aus einer ungewöhnlichen Perspektive von der Invasion der Alliierten am D-Day. Im Mittelpunkt steht der Meteorologe James Stagg, der voraussagen soll, ob das Wetter die Landung in der Normandie erlaubt. Regisseur Anthony Maras („Mumbai Hotel“) macht daraus einen packenden Wettlauf gegen die Zeit.

Jeden Verbrenner durch ein Elektroauto ersetzen? Das ist nicht die Lösung, meint die US-amerikanische Politökonomin Thea Riofrancos. Sie hat ein Buch über Lithium, grünen Extraktivismus und neokoloniale Ausbeutung geschrieben.