Die Romane und Kurzgeschichten von Agatha Christie chronologisch gelesen und besprochen: Ein Podcast über die erfolgreichste Kriminalschriftstellerin aller Zeiten. Jede Geschichte, jeder Roman in einer eigenen Folge, dazwischen Sonderfolgen über Sonderfragen oder Fundstücke am Wegesrand. Ein Memory ist ein Rätselspiel und eine Erinnerung, beides findet sich bei Agatha Christie in vielfältiger Weise. In der Regel ohne Spoiler. Viel Spaß!

1936 veröffentlicht Agatha Christie eine Poirot-Kurzgeschichte über einen Juwelendiebstahl in einem englischen Küstenort im Rahmen einer Regatta. Allerdings wechselt sie einige Jahre später den Detektiv und veröffentlicht die gleiche Geschichte mit Parker Pyne. Warum - und hat das etwas mit der Geschichte selbst zu tun?

Auf Rhodos ist die englische High Society unter sich - und Hercules Poirot mittendrin. Eigentlich möchte er Urlaub machen, aber dann wird er hineingezogen in das Beziehungsgewirr zweier Ehepaare. Er ahnt das Schlimmste, kann es aber nicht verhindern. Wieder einmal eine schöne, egozentrische Frau, die nicht merkt, was sie anrichtet - bis es zu spät ist.

Ein amerikanischer Sammelband enthielt 1936 einen mehrseitigen fiktiven Brief Hercules Poirots an seinen US-Verleger Mr. Dodd. Davon ausgehend enthält die Folge einiges „Biographisches“ über Poirot.

Hercules Poirot macht wieder unfreiwillig eine Seereise. Im Hafen von Alexandria wird die reiche Miss Clapperton tot aufgefunden. Sie hat ihren Mann schlimm drangsaliert - aber er hat ein felsenfestes Alibi. Hercules Poirot ermittelt dieses Mal mit ungewohnter Ruchlosigkeit. Die Verfilmung von 1989 bleibt dem Geist der Vorlage treu - und ist an einer Stelle sogar überlegen.

1929 veröffentlicht Agatha Christie einen Artikel zu einem realen Mordfall - der Dreifach-Tragödie in Croydeon. Typisch für sie ist, dass sie im realen Leben den Fokus nicht auf die Tat legt, sondern auf die Menschen, vor allem auf die unschuldigen. Veröffentlicht als Buch in einer aktuellen Ausgabe des Detection-Club-Projekts von 1936 „Six Against The Yard“

Drei Verfilmungen: - The Alphabet Murders (1965): Halb Komödie, halb Krimi - und beides nur halb. Lässt sich anschauen, mehr aber auch nicht. - The ABC Murders (1992 mit David Suchet): Sehr empfehlenswerte werkgetreue Verfilmung - The ABC Murders (2018 mit John Malkovitch): Sehr empfehlenswerte Neuinterpretation, allerdings sehr düster und wenig hoffnungsvoll.

Wieder einmal probiert Agatha Christie in „Die Morde des Herrn ABC“ (1936) ein neues Genre aus - und fügt noch einige eigene Twists hinzu. Diese Folge beleuchtet einige der Stilmittel und Konstruktionen, die sie benutzt - und benutzt dabei massive Spoiler.

Poirot und Hastings verfolgen einen Serienmörder, der sich am Alphabet und an einem Eisenbahnfahrplan orientiert. Eine spannende, überraschungsreiche Handlung - und eine differenzierte Beschreibung kleinbürgerlicher Dramen. Unter den vielen hervorragenden Romanen Christies in den 30er Jahren ein besonderer.

„Ferien mit Agatha Christie“, erschienen 1925 im Atlantik-Verlag, versammelt nach einem kurzen Ausschnitt aus Christies Autobiographie 12 kurze oder etwas längere Geschichten. Sie bieten einen spannenden Querschnitt durch Agatha Christies Schaffen in den 1920ern und 1930ern, auch wenn sie oft wenig mit Ferien zu tun haben und gelegentlich nicht einmal Kriminalgeschichten sind.

1935 erscheint die vorletzte Parker-Pyne-Geschichte von Agatha Christie. Kein Verbrechen, sondern ein zwischenmenschliches Problem: Adela Chester liebt ihren Sohn über alles, aber seine Verlobte kann sie nicht ausstehen. Das macht sie todunglücklich - und wie gut, dass auch Parker Pyne auf Majorca Urlaub macht.

Miss Amelia Barrowby bittet Poirot per Brief um Hilfe - ohne zu erwähnen, worum es geht. Aber als er in ihrem Herrenhaus ankommt, ist sie tot, vergiftet. Aber wie - das ist völlig unklar. Eine tolle „klassische“ Geschichte mit starken Charakteren und einer genialen Auflösung.

Agatha Christie scheint kriminalgeschichtstechnisch in diesem Roman nicht so ganz in Form zu sein - aber sie verblüfft doch an der einen oder anderen Stelle: Über schuldige Personen, Mordpläne A und B, Blasrohre und die übrigen Verdächtigen.

Ein Linienflug von Paris nach London. Eine Frau stirbt, an einem Wespenstich – oder war es doch eher afrikanisches Schlangengift? Ein Fall für Poirot, der spektakulär beginnt und dann ganz klassisch weitergeht. Trotzdem ein tolles Buch mit interessanten Charakteren.

Peter Ustinov und David Suchet stellen Poirot in der Verfilmung desselben Romans ganz unterschiedlich dar - und in Frankreich wird der Roman wieder ganz anders verfilmt. Dazu noch ein Hörspiel der BBC - ein Streifzug in ganz andere Medien.

Three Act Tragedy hat bemerkenswert wenige wirklich Verdächtige, wenige klare Indizien - aber starke Charaktere und zwei unterschiedliche Mordmotive. Massive Spoiler!

Obwohl keine Szene im Theater spielt, gliedert Agatha Christie „Three Act Tragedy“ in drei Akte. Viele Bezüge zum Theatermilieu, eine entsprechende Atmosphäre, ein zurückhaltender und brillanter Poirot - und ein interessantes Detektivteam. Wunderbar.

Im Dezember 1934 erscheint „In a Glass Darkly“, eigentlich für das Radio gedacht - aber der BBC zu düster. Eine Liebesgeschichte, bestimmt von einer Vision in einem Spiegel.

1932 und 1933 erscheinen 12 Geschichten rund um die letzte von Agatha Christies Serienfiguren - Mr. J. Parker Pyne. Ein ehemaliger Statistiker, der Menschen zu ihrem Glück verhelfen möchte. In London und auf Reisen. 1934 erscheint der Sammelband dazu.

Nicht Tommy und Tuppence, aber Frankie und Bobby klären eine Reihe von Morden auf, die wie Unfall oder Selbstmord aussehen. Mit Schwung, ohne viel Ermittlungserfahrung und unter Lebensgefahr. Ein großer Lesespaß!

Geschichten von 1924-1929, meist kleine humorvolle Abenteuergeschichten, dazwischen drei tragische bis böse Kriminalgeschichten. Insgesamt auf sehr hohem Niveau - und eine gute Lektüre für die Weihnachtszeit!

Zum einzigen Mal hören (bzw. lesen) wir die Stimme von Miss Marple selbst, wenn sie bescheiden und doch stolz erzählt, wie wie einen Beschuldigten vor dem Galgen bewahrt - woran alle Männer gescheitert sind. Eine ganz kurze Geschichte, zuerst gesendet in der BBC.

1934 erscheint „Unfinished Portrait“ unter dem Pseudonym Mary Westmacott - ein Entwicklungsroman mit starken autobiographischen Bezügen. Eine Art Therapie für sie selbst - aber auch ein Roman über die Selbstbestimmung der Frau.

Hinter der Faszination über das überraschende Ende und die brillante Konstruktion verschwindet das Hauptthema das Romans: die Gerechtigkeit. Ist das, was wir erfahren - und auch das, was Poirot tut - wirklich gerecht. Agatha Christie spielt auf faszinierende Weise Schattierungen des Rechts durch. In dieser Folge werdne das Ende verraten und die Handlung als bekannt vorausgesetzt.

2. Teil der drei Folgen zum „Mord im Orient-Express“, notwendigerweise voller Spoiler. Wo deutet sich schon an, worauf es hinausläuft, wo führt uns Agatha Christie in die Irre und so einiges mehr. Im dritten Teil (Folge 141) wird es dann um die Gerechtigkeitsfrage und das überraschende/umstrittene Ende gehen.

Agatha Christies Sehnsuchtszug von Kindheit an: der Orientexpress. Eine katastrophale Reise darin bringt sie auf die Idee, ein Verbrechen in diesem Zug spielen zu lassen. Dazu ein realer Kriminalfall - und das Ergebnis des Mixes ist ein Meisterwerk der Detektivliteratur.

Kein Poirot, keine Miss Marple, kaum Ermittlungen - und doch jede Menge Verbrechen und vor allem ganz viel Übernatürliches. Dieser Sammelband enthält keine schlechte Geschichte und Agatha Christie lotet aus, was wäre, wenn es Geister, Dämonen und Kontakte zum Jenseits gäbe. Dazu die „Zeugin der Anklage“.

Zu irgendeinem Zeitpunkt vor 1933 schreibt Agatha Christie eine Gruselgeschichte, die nicht nur in spätviktorianischer Zeit spielt, sondern auch so klingt. Fernöstliche Magie, ein junger Adliger ohne menschliche Persönlichkeit und eine Geisterkatze. Schräg, aber interessant.

Ein verhungertes Kind spukt in einem alten Haus. Die kurze, meisterhafte Geistergeschichte endet tragisch - und doch mit einem Happy End.

Eine belgische Nonne hat Halluzinationen und Träume, fühlt sich als Priesterin einer Parallelwelt - und lässt den Hund des Todes auf eine Horde deutscher Soldaten los. Und ein junger, machthungriger englischer Arzt, der ihre Situation ausnutzt. Oder war alles nur eine Halliuzination?

1933 veröffentlicht, aber wahrscheinlich deutlich früher entstanden: Eine Erzählungen, in der das Übernatürliche das Leben zweier junger Männer berührt. Eine Erzählung wie aus viktorianischer Zeit - und dennoch macht Agatha was Eigenes draus.

Unter den ersten Geschichten, die Agatha Christie geschrieben, aber erst viel später veröffentlicht hat, ist auch „The Call of Wings“. Eine seltsame, spannende Mischung aus Musik, griechischer Mythologie und Sinnsuche.

Nach einigen Bemerkungen zur deutschen Ausgabe („Dreizehn bei Tisch“) und einer Schilderung des Mordabends beleuchtet die Folge kleinere und größere Indizien, die Agatha Christie ausstreut um uns zu helfen - oder in die Irre zu führen.

Lady Edgeware will ihren Mann loswerden, um neu zu heiraten - und praktischer Weise wird er kurz danach ermordet. Sie kann es nicht gewesen sein - aber wer hat den verhassten Lord dann ermordet? Poirot braucht sämtliche kleine grauen Zellen und ein wenig Glück.

2009 wurde die Kurzgeschichte "The Incident of the Dog's Ball" veröffentlicht, mehr als 70 Jahre nach ihrer Abfassung. Sie bietet Poirot, Hastings und den Terrier Bob. Außerdem beleuchtet die Folge zwei gelungene Versuche, sich dem "Leben" Hercule Poirots zu nähern.

Parker Pyne ist nun in Griechenland - und wieder holt ihn das Verbrechen ein. Inmitten der Ruinen von Delphi wird der Sohn einer reichen Amerikanerin entführt und die Kidnapper verlangen die wertvolle Diamantenhalskette. Sonst sind zunächst die Ohren und dann das Leben des Sohnes wertlos. Zum Glück ist Parker Pyne vor Ort.

Parker Pyne versucht immer noch Urlaub zu machen, dieses Mal in Ägypten. Auf dem Nil begegnet er der tyrannischen, steinreichen, unglücklichen Lady Grayle und ihrer Reisegesellschaft. Als sie ermordet wird, gibt es natürlich etliche verdächtige. Auch ein starkes Porträt einer eigenwilligen Frau.

Mitten in der uralten Ruinenstadt Petra in Jordanien diskutiert die Reisegruppe darüber, wo Unehrlichkeit entspringt. Als am nächsten Tag ein wertvoller Perlenohrring gestohlen wird, gewinnt die Diskussion plötzlich an Praxisbezug.

Parker Pyne setze seine Urlaubsreise fort. Ein deutscher Pilot berichtet ihm von einem alten Haus in Shiraz, zwei englischen Frauen und von dem rätselhaften Tod der Frau, in die er sich verliebt hat. Mord? Parker Pyne klärt das auf.

Durch das Osttor von Damaskus führt die Straße nach Bagdad - und deshalb heißt die achte Kurzgeschichte mit Parker Pyne "The Gate of Bagdad". Ein junger Engländer weist Mr. Pynes Hilfsangebot zurück und ist wenig später tot - ermordet.

1933 erscheinen sechs Kurzgeschichten mit Parker Pyne, in denen er im Urlaub im Nahen und Mittleren Osten Kriminalfälle löst. Die erste davon spielt im Orient Express. 1933 begleitet Agatha Christie ihren Ehemann Max außerdem auf seiner ersten eigenen Ausgrabung in der Nähe von Nineveh.

Der Atlantik-Verlag hat einen Sammelband mit sechs Kurzgeschichten herausgebracht, die alle eine (meist vage) Beziehung zum Garten haben. Insofern nicht speziell für Gartenfreunde, sondern für Agatha-Christie-Fans, besonders für solche von Miss Marple.

Mrs. Rymer ist eine steinreiche Witwe - und zutiefst unglücklich. Sie fühlt sich in ihrem Reichtum wie ein Fisch auf dem Trockenen. Mr. Pyne verhilft ihr zum Glück, mit illegalen und riskanten Methoden. Ein würdiger Abschluss der ersten Parker-Pyne-Staffel

Mr. Roberts ist nicht unglücklich, er hat eine guten Job, eine Familie, ein wenig Erspartes - aber es fehlt die Prise Abenteuer. Parker Pyne sorgt dafür und er zieht dabei alle Register der literarischen Klischees.

Reginald Wade möchte nicht, dass sich seine Frau von ihm scheiden lässt. Parker Pynes Methode ist wie immer aufwändig und durchschlagskräftig - aber es kommt anders, als er plant. Eine leichte Geschichte in der Tradition von P.G.Wodehouse

Daphne St. John hat eigentlich alles, was sie braucht - aber sie hat einen Diamantring gestohlen, weil ihr Mann nichts von ihren Spielschulden erfahren soll. Nun will sie ihn wieder zurückgeben, aber wie? Parker Pyne soll helfen - aber das gelingt nur halb ...

Major Wilbraham fühlt sich im Ruhestand unwichtig, unterfordert und einsam. Parker Pyne schickt ihn in ein haarsträubendes Abenteuer, ohne dass der Major merkt, dass er einem Drehbuch folgt, verfasst von der erfolgreichen Schriftstellerin Mrs. Oliver. Aber am Ende ist er glücklich.

1932 veröffentlicht Agatha Christie die erste Geschichte um Mr. Parker Pyne, einen Statistiker im Ruhestand, der sich der Aufgabe verschrieben hat, unglückliche Menschen glücklich zu machen. In diesem Fall: eine betrogene Ehefrau.

Kriminalgeschichten, Humorvolles, Autobiographisches, Religiöses - und fast Science Fiction. Der Sammelband enthält alles, was Agatha Christie an weihnachtlichen Erzählungen erdacht hat, von 1923 bis 1965.

1932 veröffentlicht Agatha Christie im Strand Magazine, wo bis vor wenigen Jahren Sherlock Holmes unterwegs war, eine klassische Kriminalgeschichte: Hercules Poirot löst brillant den Mord an einem unleidlichen Familienpatriarchen: nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Miss Marple löst über ihrem Strickzeug 13 Kriminalfälle - und wir genießen es. Vorzüglich erzählte, variabel aufgebaute Geschichten der Jahre 1927-1931, die eine große Detektivin vorstellen. Leider dieses Mal keine optimale Tonqualität.

Mehrmals ist Nicky Buckley schon dem Tod entgangen, das vierte Mal ganz in der Nähe von Hercules Poirot. Das bringt ihn dazu, dem Ruhestand endgültig zu entsagen und zu versuchen, ihren Tod zu verhindern. Doch dann trifft es die völlig unbeteiligte Cousine - und Poirot ist von Selbstzweifeln geplagt ... Natürlich nicht lange! Ein wunderbarer Roman von 1932.