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Der Schlüssel zum heutigen Evangelium steht am Schluss: „Ist dein Auge böse, weil ich gut bin?“ Man kann auch übersetzen: „Bist du neidisch, weil ich (zu anderen) gütig bin?“ Das Gleichnis Jesu stellt jedem die Frage: Bist du neidig, weil einem anderen Gutes getan wird, oder kannst du dich ehrlich mit dem anderen und für ihn freuen? Neid oder Mitfreude?
Drei Worte halten jede Beziehung lebendig: „Danke! Bitte! Verzeih!“ Um Verzeihung bitten, ist wohl das schwierigste der drei Worte. Es gehört aber auch zum Schönsten im Leben, wenn wir es wagen und wenn es angenommen wird. Petrus weiß wie wir alle, dass das Wort einem nicht leicht über die Lippen kommt, in beide Richtungen: „Bitte, verzeih mir!“ und „Ich verzeihe dir!“.
Soll ich es sagen oder lieber schweigen? Er hat mich gekränkt, verletzt. Ich zögere, es ihm direkt zu sagen. Wie wird er reagieren? Gibt es Krach oder doch Einsicht? Kommt es zur Klärung oder eskaliert der Konflikt? In diesem Hin- und Herüberlegen passiert mir immer wieder das Falsche: Statt ihn anzusprechen, schütte ich mein Herz anderen gegenüber aus.
Im heutigen Evangelium geht es um eine Urfrage des Menschen. Jesus spricht sie klar aus, als er Petrus vorwirft: „Du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.“ Zwei Willen stehen gegeneinander, der unsere und der Gottes. Woran entzündet sich der Konflikt?
Es ist unvermeidlich, dass wir von „uns“ und den „anderen“ sprechen. So ist das Leben. Die eigene Familie ist uns vertraut. In ihr sind wir unter uns. Hier haben wir ein „Wir-Gefühl“. Es bedeutet Zugehörigkeit. Nirgendwo dazuzugehören, ist unerträglich. Deshalb gibt es „Fanclubs“ im Fußball, in der Musik, in Vereinen. Auch Religion gehört dazu. Die eigene Glaubensgemeinschaft vermittelt Beheimatung.
Schau auf dich selber! Denk an dich! Du hast Vorrang! – Nein, die anderen haben Vorrang! Denk an deinen Nächsten! Es ist ein lebenslanges Ringen um das rechte Maß zwischen beidem: der Sorge um mich selbst und dem Dasein für die anderen. Die Bibel fasst es in ein knappes Wort: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Beides sollen wir unter einen Hut bringen: den Nächsten lieben, ohne dabei uns selber zu vergessen.
Stille ist ein kostbares Gut. Wir brauchen sie lebensnotwendig, schon allein, um gut schlafen zu können. Staunen ist die Fähigkeit, über den Tellerrand des Alltags hinaussehen zu können. Beides kommt im heutigen Evangelium vor, wenn wir es näher betrachten. Es spricht nicht nur von längst vergangenen Ereignissen. Es wirft Licht auf Lebenssituationen, die jeden betreffen können.
Eigenartig: Jesus spricht oft vom Himmelreich. Es ist eigentlich sein Hauptthema. Doch wenn er versucht zu sagen, was denn das Himmelreich sei, dann spricht er meist von der Erde, heute ganz konkret vom Erdreich, vom Ackerboden.
Das Glück ist ein Vogerl, sagt man. Es kommt geflogen und ist auch schnell wieder weg, zumindest in diesem Leben. Ewiges Glück ist eine Verheißung.
Im heutigen Evangelium kommen die Weisen und Klugen schlecht weg. Gelobt werden „die Unmündigen“, wörtlich die kleinen Kinder, im weiteren Sinn die Kindlichen, die schlichten Gemüter. Ist das ein Lob der Dummheit? Jubelt Jesus den schlichten Kinderglauben hoch? Ist Weiterdenken nicht erwünscht? Der alte Verdacht wird wieder wach: Religion ist gegen die Vernunft! Glauben ist Sache derer, die auf eigenes Denken verzichten.
Diese Frage hat Jesus bei einem denkwürdigen Frühstück am Ufer des Sees Genezareth dem Petrus gestellt: „Liebst du mich mehr als diese?“ Petrus hat behutsam geantwortet: „Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebhabe.“ Wir lieben die Menschen, die wir liebhaben, nicht alle gleich. Das ist berechtigt. Es gibt eine Rangordnung in der Liebe. Es ist natürlich, dass Eltern ihre eigenen Kinder mehr lieben als die Nachbarskinder oder die hungerleidenden Kinder in armen Ländern. Mehr lieben heißt nicht, die anderen nicht zu lieben.
Wie soll das zusammenpassen: Vertrauen und Drohung? Sie stehen im heutigen Evangelium nahe nebeneinander. Dreimal sagt Jesus nachdrücklich: „Fürchtet euch nicht!“ Zweimal droht er: mit der Hölle und mit der Ablehnung durch Gott. Ich habe stark verunsicherte Kinder erlebt, die sich nicht mit den Botschaften der Eltern auskannten: Auf der einen Seite starke emotionale Zuwendung, dann aber unerwartete Strafen und Härten. Kein Wunder, dass diese Kinder schlechte Startbedingungen im Leben haben.
„Sie waren müde und erschöpft“. Diesen Eindruck hatte Jesus von den vielen Menschen, denen er in Städten und Dörfern von Galiläa begegnete. Müde und erschöpft wirken auch die meisten Menschen in den U-Bahnen der Großstädte. Entspannte, fröhliche Gesichter scheinen wie eine Ausnahme im Gedränge und Geschiebe der Menschenmenge. Kaum jemand schaut auf die anderen. Fast alle sind fixiert auf ihr Handy. Es wirkt eher peinlich, wenn man den anderen ins Gesicht blickt, gar ihnen zulächelt. Lieber anonym bleiben und möglichst bald aussteigen!
Vor fast 1000 Jahren zeigte ein Mainzer Bischof besonders eindrucksvoll: Es lohnt sich, auch nach einem totalen Desaster nicht aufzugeben. Christoph Schäfer erinnert sich daher an dessen Gedenktag gerne an den heiligen Bardo.
Was hat das heutige Evangelium mit der KI zu tun? In seiner ersten Enzyklika, seinem Lehrschreiben, spricht Papst Leo ausführlich über das Thema Künstliche Intelligenz (KI), über die großen Herausforderungen, die mit dieser beeindruckenden digitalen Entwicklung verbunden sind. Er sieht darin nicht nur Gefahren, weist aber eindringlich auf sie hin. Nie wird KI das ersetzen können, was Jesus heute im Evangelium sagt: „Geht und lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer!“
Des einen Freud‘, des andern Leid! Schon wieder ein Feiertag am Donnerstag, also ein günstiges langes Wochenende! Die Wirtschaft stöhnt, die meisten anderen sind froh darüber. Wir stellen fest, dass die religiösen Feste vor allem dem Urlaub dienen und nicht dem Gottesdienst. Klagen hilft wenig. Schön wäre es, wenn wir alle an diesen religiös begründeten freien Tagen uns Zeit für die Familie, das Miteinander, die Besinnung nehmen würden.
Christen glauben an den einen Gott. Das haben sie gemeinsam mit den beiden anderen monotheistischen Religionen, dem Judentum und dem Islam. Alle glauben an einen Gott. In meinem Alltag im 2. und 20. Bezirk begegne ich vielen Muslimen und auch nicht wenigen Juden. Ich bin persönlich überzeugt, dass wir mehr gemeinsam haben als uns trennt.
Nur der Mensch kann beten. Ich bin überzeugt, dass die meisten Menschen beten, auch wenn sie es nicht Gebet nennen. Niemand muss beten. Man kann auch ohne Gebet leben. Ich habe es selber in jungen Jahren eine Zeit lang getan, bis ich gemerkt habe, dass es mir fehlt. Warum fangen Menschen an zu beten? „Not lehrt beten“, sagt das Sprichwort. Ich glaube, dass auch schöne Erfahrungen uns zum Gebet erwecken können. Beten hat mit Bitten zu tun, aber mindestens ebenso viel mit Danken.
Alles, was wir sagen oder tun, hat seinen „Sitz im Leben“. Was war die Situation, in der ich dies und das gesagt oder getan habe? Es hilft oft entscheidend, danach zu fragen, um es besser einordnen und verstehen zu können. Was war der „Sitz im Leben“ des heutigen Evangeliums? Er könnte kaum dramatischer gewesen sein. Was Jesus an diesem Abend gesagt und getan hat, geschah im Angesicht des Todes.
Eine österreichische Bank wirbt um junge Kunden mit der Ermutigung: „Glaub an dich!“ Glauben ist vor allem Vertrauen. Hab Selbstvertrauen – so kann man die Werbung verstehen. Gerade junge Menschen brauchen diese Ermutigung. Zweifel an sich selber, vor allem im Vergleich mit anderen, nagen am Selbstvertrauen. Um es zu stärken, braucht es vor allem die Erfahrung, dass die Älteren den Jüngeren Vertrauen schenken. Das baut auf und macht Mut.
Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn, am 26. April 2026 Johannes 10, 1–10 In Österreich sagt man gerne, die wichtigste Tür sei die Hintertür. Durch sie kann man über die Hintertreppe leichter zum Ziel kommen. Wer durch den Haupteingang geht und nicht ein „Promi“ ist, muss sich oft mühsam durchfragen, um schließlich zu einem anderen Amt geschickt zu werden. Ich sage das nicht, um unsere Ämter schlechtzumachen.
Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn, am 19. April 2026 Joh 21, 1-14 Wir leben in einer Welt der vielfältigen Meinungen. Dieselbe Sache wird von einem so, vom anderen anders gesehen. Das führt oft zu Streit und Konflikten. Die derzeitigen gewaltsamen, kriegerischen Auseinandersetzungen zeigen es schmerzlich.
Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn, am 5. April 2026 Joh 20,1-9 Um es ehrlich zu sagen: Wir haben keine Vorstellung von der Auferstehung. Wie soll das aussehen: die leibliche Auferstehung? Werden wir wirklich einen unsterblichen Leib haben? Und das für ewig! Wir können uns sowieso Ewigkeit nicht vorstellen, weil wir immer an Raum und Zeit gebunden sind. Der christliche Glaube an die Auferstehung ist aber so etwas wie der Schlussstein eines Gewölbes. Nimmt man ihn heraus, bricht alles zusammen.
Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn, am 29. März 2026 Mt 21, 1-11
Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn, am 8. März 2026 Joh. 5,1–18; 28–30; 34–42 Warum geht im Orient eine Frau in der brütenden Mittagshitze zum Brunnen, um Wasser zu schöpfen? Die Antwort ist sehr einfach: weil sie da sicher ist, keinen anderen Frauen zu begegnen. Die gehen alle in der Früh, wenn es noch kühl ist, oder am Abend, wenn es wieder kühl ist. Warum meidet sie die Begegnung mit den anderen Frauen?
Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn, am 1. März 2026 Mt 17,1-9 Billiger Trost tröstet nicht. In Momenten großer Trauer, tiefer Schmerzen ist oberflächlicher Trost peinlich, sogar verletzend. Trost tröstet nur, wenn er echt ist, aus Mitgefühl und Anteilnahme kommt. Manchmal sind es kleine Gesten, Aufmerksamkeiten, die mehr Trost spenden als viele Worte. Trösten ist nicht die Lösung aller Leiden, es macht sie nur leichter erträglich. Wer Trost erlebt, ist nicht mehr ganz alleine mit seinem Schmerz. Ein tröstliches Erlebnis kann helfen, Durststrecken der Not durchzustehen.
Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn, am 25. Jänner 2026 Mt 4,12-31 Gestern wurde im Stephansdom, im Herzen von Wien, Josef Grünwidl zum neuen Erzbischof von Wien geweiht. Er ist der 33. Bischof von Wien. Ich durfte ihm, gemeinsam mit dem Erzbischof von Salzburg und dem Bischof meiner Heimatdiözese Leitmeritz in Tschechien, durch Handauflegung die Weihe spenden. Ein Gedanke hat mich dabei besonders bewegt: Seit 2000 Jahren gibt es eine ununterbrochene Folge von Bischöfen, die bis zu den Aposteln zurückreicht. Deshalb werden die Bischöfe zu Recht „Nachfolger der Apostel“ genannt.
Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn, am 8. Februar 2026 Mt 5,13-16 Salz ist selbst keine Speise, aber ohne Salz ist jede Speise geschmacklos. Salz ist kein Nahrungsmittel, sondern ein Zusatz. Zu viel Salz macht das Essen ungenießbar, zu wenig Salz macht es fad. Auf das rechte Maß kommt es an. Das wissen alle, die kochen, und ebenso alle, die das Gekochte essen dürfen. Was will Jesus sagen, wenn er von seinen „Followern“, wie man heute sagt, seinen Jüngern, schlicht und einfach behauptet, sie seien „das Salz der Erde“?
Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn, am 18. Jänner 2026 Johannes 1,29-34 „Es ist besser, einen Tag als Löwe zu leben als 100 Jahre als Schaf.“ Dieses Wort wird Benito Mussolini zugeschrieben, dem faschistischen Diktator Italiens (1883–1945). Was meinte er damit? Der Löwe gilt als stark, majestätisch, mächtig, mutig. Könige und Kaiser haben im Löwen das Symbol ihrer Herrschaft gesehen. Für Mussolini sollte das Wort vor allem das Heldenhafte seiner Regierung, seiner faschistischen Bewegung betonen. Das Leben des Löwen mag kurz sein, aber nicht feige und untertan. Das Gegenbild ist für ihn das Schaf.
Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn, am 1. Februar 2026 Mt 5,1-12a Immer wieder treffe ich Flüchtlinge aus der Ukraine. Der Krieg will dort nicht und nicht enden. Wenn ich mit ihnen zu sprechen versuche, kommt immer ein Wort: Mir! Frieden! Würde in der Ukraine Frieden herrschen, gäbe es wohl kaum Flüchtlinge. Man flieht den Krieg, nicht den Frieden. Der Frieden ist das, wonach sich die Menschen der Ukraine sehnen, mehr als nach allem anderen, weil der Friede die Grundlage von allem ist.
Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn, am 4. Jänner 2026 Joh 1,1-5.9-14 „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ – dieser Vers von Hermann Hesse wird oft zitiert. Er mag stimmen für die Geburt eines Kindes, für den Beginn einer Liebe. Passt der Vers auch für den Anfang des neuen Jahres? Dunkle Wolken hängen über diesem Neujahr. Überall wird aufgerüstet. Man spricht von Krieg als Möglichkeit. Klimawandel, wirtschaftlicher Abschwung – stehen wir am Anfang einer ernsten Krisenzeit? Aller Anfang hat auch ein Ende.
Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn, am 11. Jänner 2026 Mt 3,13-17 Staunen und Überraschung in Frankreich: Dieses Land, das als besonders „säkularisiert“, entchristlicht gilt, erlebt zurzeit eine Welle von Erwachsenentaufen. Die Taufbewerber sind mehrheitlich junge Erwachsene und kommen „von weither“, sind nicht religiös aufgewachsen.
Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn, am 22. Februar 2026 Mt 4,1-11 Oft schon habe ich Briefe oder Mails mit Fragen zum Vater-Unser-Gebet bekommen. Fast immer ging es um die Bitte: „und führe uns nicht in Versuchung“. Dieser Text müsse unbedingt geändert werden, denn Gott könne uns unmöglich in Versuchung führen. Manche „bibelfesten“ Schreiber hatten auch gleich ein Zitat zur Hand, das ihre Kritik bestätigt.
Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn, am 15. Februar 2026Mt 5,20-22a; 27-28; 33-34; 37War Jesus ein Rigorist? So bezeichnet man Menschen, die es mit der Moral ganz genau nehmen. Sie können nicht streng genug sein, vor allem den anderen gegenüber, denen sie gern die Leviten lesen. Genau diese Haltung hat Jesus den Pharisäern vorgeworfen: Sie schnüren schwere (moralische) Lasten, laden sie den Leuten auf, rühren aber selber keinen Finger, um sie zu tragen. So lautet eine scharfe Kritik Jesu an den „Moralaposteln“.
Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn, am 15. Februar 2026 Mt 5,20-22a; 27-28; 33-34; 37 War Jesus ein Rigorist? So bezeichnet man Menschen, die es mit der Moral ganz genau nehmen. Sie können nicht streng genug sein, vor allem den anderen gegenüber, denen sie gern die Leviten lesen. Genau diese Haltung hat Jesus den Pharisäern vorgeworfen: Sie schnüren schwere (moralische) Lasten, laden sie den Leuten auf, rühren aber selber keinen Finger, um sie zu tragen. So lautet eine scharfe Kritik Jesu an den „Moralaposteln“.
Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn, am 8. Februar 2026Mt 5,13-16Salz ist selbst keine Speise, aber ohne Salz ist jede Speise geschmacklos. Salz ist kein Nahrungsmittel, sondern ein Zusatz. Zu viel Salz macht das Essen ungenießbar, zu wenig Salz macht es fad. Auf das rechte Maß kommt es an. Das wissen alle, die kochen, und ebenso alle, die das Gekochte essen dürfen. Was will Jesus sagen, wenn er von seinen „Followern“, wie man heute sagt, seinen Jüngern, schlicht und einfach behauptet, sie seien „das Salz der Erde“?
Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn, am 1. Februar 2026Mt 5,1-12aImmer wieder treffe ich Flüchtlinge aus der Ukraine. Der Krieg will dort nicht und nicht enden. Wenn ich mit ihnen zu sprechen versuche, kommt immer ein Wort: Mir! Frieden! Würde in der Ukraine Frieden herrschen, gäbe es wohl kaum Flüchtlinge. Man flieht den Krieg, nicht den Frieden. Der Frieden ist das, wonach sich die Menschen der Ukraine sehnen, mehr als nach allem anderen, weil der Friede die Grundlage von allem ist.
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Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn, am 28. Dezember 2025Mt 2,13-15.19-23Weihnachten ist noch nicht vorbei, da meldet sich die Wirklichkeit in aller Härte zu Wort: „Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und flieh.“ Wenn es stimmt, dass das Kind im Stall von Bethlehem der Sohn Gottes ist, dann hat ihn das Schicksal der Menschen schnell eingeholt. Gottes Sohn, Jesus, das Kind, erlebt gleich nach seiner Geburt, was seit jeher das Schicksal zahlloser Menschen war und ist: Familie auf der Flucht!
Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn, am 21. Dezember 2025Mt 1, 18–24Weihnachten steht vor der Tür, das Fest der Geburt Jesu. „Mit der Geburt Jesu Christi war es so…“ Bevor der Evangelist Matthäus darüber Genaueres sagt, stellt er die Genealogie Jesu vor: „Buch des Ursprungs Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams.“ So beginnt das Matthäusevangelium. Wie wir alle steht auch Jesus in einer langen Folge, von Generation zu Generation.