POPULARITY
Hashtag: Deutschland nach 1945; Politik und Militär; Geschichte des geteilten Deutschlands; Nachkriegsgeschichte Deutschlands; Folgen; Lebenserinnerungen. Im Jahr 1979 reflektiert der Schriftsteller Horst Krüger in mehreren Briefen über die Entwicklung der Bundesrepublik nach dem zweiten Weltkrieg. Von Horst Krüger SWR 1979
Am 21. Juli 2022, heute vor zwei Jahren, starb Uwe Seeler – einer der ganz Großen im Fußball der Nachkriegsgeschichte Deutschlands. Er verkörperte den volksnahen und bodenständigen Fußballer. Von 1946 bis 1972 trug er das Trikot des Hamburger SV und widerstand allen finanziellen Verlockungen aus dem Ausland – heute kaum noch vorstellbar! Nicht nur Hamburg, ganz Deutschland feierte Seeler. Der Star, den man anfassen konnte, der allen gehörte. Der auf Reichtum verzichtete und zum Idol aufstieg. Eine Zeitung schrieb: »Uwe Seeler krempelte die Ärmel hoch, er arbeitete Fußball, er kämpfte, wühlte, biss, wollte. Er warf sich in den Dreck und verkörperte die Werte der jungen Bundesrepublik nach dem Krieg – Einsatz, Fleiß, ehrliche Arbeit.« Seeler war einfach einer von uns. Deshalb wurde er auch »Uns Uwe« genannt.Doch es gibt einen Menschen, der noch bodenständiger, noch nahbarer, noch vorbildlicher war: Jesus Christus. Er lebte nicht für sich selbst, sondern gab alles verschwenderisch für die Menschen: Er tat ihnen wohl, wie es im Tagesvers ausgedrückt wird. Und er »ging umher« – war also ständig unterwegs im Einsatz für die Menschen, hatte noch nicht einmal ein Bett zum Schlafen. Und man konnte ihn sehen, hören und betasten. Für jeden und alle war er zugänglich. Dann heißt es noch: »Gott war mit ihm.« Er war einfach der Inbegriff eines Menschen, wie Gott ihn sich gedacht hatte.Aber im Gegensatz zu Uwe Seeler, den das deutsche Volk feierte, wollte man Jesus loswerden, schlug ihn ans Kreuz und ermordete ihn; auch heute noch lehnen ihn viele ab. Wie kann das sein?, fragt man sich. Die Antwort lautet: Im Gegensatz zu ihm sind wir Sünder, die Vergebung brauchen. Und in diesem Sinne war er keiner »von uns«.Martin ReitzDiese und viele weitere Andachten online lesenWeitere Informationen zu »Leben ist mehr« erhalten Sie unter www.lebenistmehr.deAudioaufnahmen: Radio Segenswelle
Es war als Provisorium gedacht und hat vieles überdauert: die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland, das Grundgesetz. Was hat es so stark gemacht? Welche historischen Erfahrungen sind eingeflossen? Und welche Herausforderungen gibt es jetzt? Das diskutiert Harald Asel mit seinen Gästen.
Im Juni 1948 überschlugen sich in Berlin die Ereignisse: Nach der Währungsreform galten in der Viersektorenstadt zwei Währungen. Es folgte die sowjetische Blockade der Zufahrtswege für die West-Sektoren und die Versorgung der Stadt durch die Luftbrücke der Alliierten. Von Harald Asel
Wolfgang Borchert machte aus seiner kritischen Einstellung zum Nationalsozialismus keinen Hehl. In seinem einzigen Theaterstück „Draußen vor der Tür“ geht es um einen Kriegsheimkehrer, der mit der Ignoranz seiner Umwelt konfrontiert wird. Die Premiere des Stücks hat er nicht mehr erlebt. Der Schriftsteller, der an der Front selbst schwer erkrankte, starb tags zuvor am 20.11.1947 im Alter von nur 26 Jahren.
Im Oktober 1950 wird ein renommierter Rechtsanwalt und Notar verhaftet. Dr. Hans Kemritz soll 1945 und 1946 in Berlin über 20 Menschen dem sowjetischen Geheimdienst ausgeliefert haben. Die meisten Menschen, die nach dem Besuch bei Kemritz verschwanden, kamen nie zurück. Die Angehörigen der Verschwundenen bemühen sich, Kemritz vor Gericht zu bringen, als Doppelspion schützt ihn aber die Besatzungsmacht der USA und nach sechswöchiger Untersuchungshaft ist Kemritz wieder auf freiem Fuß. Eine deutsche Nachkriegsgeschichte von Sylvia Conrad und Kirsten Heckmann-Janz.
Otto John, erster Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, war 1954 unter bis heute nicht geklärten Umständen nach Ost-Berlin gelangt. In der bundesrepublikanischen Presse wurde John, der zum Widerstand des 20. Juli 1944 gehörte und nach dem gescheiterten Hitler-Attentat nach Großbritannien emigrierte, eilfertig als Verräter und "Dauerkollaborateur" beschimpft. 1955 gelang ihm die Flucht zurück in den Westen. Obwohl John behauptete in den Osten entführt worden zu sein, wurde er vom Bundesgerichtshof in Karlsruhe wegen Landesverrats zu einer Haftstrafe verurteilt. In dieser Sendung aus dem Jahr 1997 rekonstruieren Sylvia Conradt und Kirsten Heckmann-Janz den Fall Otto John.
In den Nachkriegsjahrzehnten wurden kleine Kinder massenhaft „in Erholung“ geschickt. In den Heimen erlebten viele Demütigungen und Gewalt durch ihre Betreuer. Ehemalige Verschickungskinder erinnern sich an martialische Strafen, Misshandlungen und sexuellen Missbrauch. Jetzt arbeiten sie ihr Trauma auf.
Am 1. Oktober 1946, vor 75 Jahren, endete der Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher. In der Dokumentation von Thomas Fitzel berichten Zeitzeugen von ihrer Teilnahme. Ganz gleich in welcher Rolle sie teilnahmen, müssen alle, um sprechen oder berichten zu können, Übersetzungen finden - Übersetzungen für etwas Unvorstellbares. Diese Worte benutzt die Überlebende Marie-Claude Vaillant-Couturier für das Konzentrationslager Auschwitz: Nicht vorstellbar.
Die Moderne ist auf dem Vormarsch: Was dem Osten Berlins die Stalinallee ist dem Westen das Hansaviertel. Und während der Propagandakrieg tobt, rückt die endgültige Teilung der Stadt immer näher. Von Harald Asel und Jens Lehmann
Am 17. Juni 1953 rollen sowjetische Panzer die Leipziger Straße hinunter und walzen friedliche Proteste nieder. Der Niedergang von Ost-Berlin und der Aufschwung von West-Berlin sind unübersehbar. Von Harald Asel und Jens Lehmann
Die Luftbrücke ist ein Signal: Wir sind bei Euch. Berlin ist schon längst eine Stadt der zwei Systeme, der zwei Währungen, der zwei Realitäten, zwischen denen sich die Menschen - noch - frei bewegen können. Von Harald Asel und Jens Lehmann
Stunde null. In Berlin türmen sich die Trümmer. Die Menschen durchleben bitterkalte Winter - und fürchten so manchen Befreier. Es sind starke Frauen, die Berlin tragen - bevor die Blockade beginnt.
Stunde null. In Berlin türmen sich die Trümmer. Die Menschen durchleben bitterkalte Winter - und fürchten so manchen Befreier. Es sind starke Frauen, die Berlin tragen - bevor die Blockade beginnt. Von Jens Lehmann und Harald Asel
Bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten hatte die heute 95jährige Jutta Frost eine behütete Kindheit. Dann verlor ihr Vater seine Stelle als Diplomat, weil er mit einer Jüdin verheiratet war. Die Gefährlichkeit einer solchen Mischehe erkannte der Vater, als in Berlin die Synagogen brannten. Die Familie floh zunächst nach England, später in die Schweiz. Schon früh, 1947, kehrte Jutta Frost mit den Eltern nach Deutschland zurück, um ein besseres Land aufzubauen und 'um etwas wieder gut zu machen', was Deutsche angerichtet hatten.
Der Wiederaufbau Berlins gerät durch die Teilung der Stadt nach dem Krieg rasch zu einem architektonischen Wettkampf der Systeme. Ostberlin setzt die Paläste für Arbeiter in der Stalinallee mit großem Pomp in Szene. Westberlin hat als Gegenmodell zunächst nur die unscheinbare Ernst-Reuter-Siedlung zu bieten. In seinem Feature zeichnet Reinhard Schneider die Geschichte der ideologisch aufgeladenen Stadtplanung in Ost- und Westberlin nach.
Zum 100. Geburtstag des Berliner Architekten und Senatsbaumeisters Werner Düttmann zeigt das Brücke-Museum die Ausstellung "Berlin.Bau Werk". Was zeichnen die Düttmannbauten der Nachkriegsmoderne in West-Berlin aus? Von Harald Asel
Das Deutsche Rote Kreuz feiert hundertsten Geburtstag und eine der wichtigsten Aufgaben ist die Suche nach Kriegsvermissten unter anderem aus dem Zweiten Weltkrieg. Inforadio-Redakteur Christian Wildt hat von der Verantwortlichen in Berlin, Judith Klimin, erfahren, was der DRK-Suchtdienst bis heute leistet.
Inge Müller zählt zu den wichtigsten deutschen Nachkriegslyrikerinnen. In den fünfziger Jahren wurde sie als Kinderbuchautorin bekannt - und als Mitarbeiterin ihres Mannes, Heiner Müller. Erst 1985, knapp zwanzig Jahre nach ihrem Freitod 1966, erschien ein Gedichtband, der sie als eigenständige Lyrikerin würdigte. Als Zwanzigjährige wurde Inge Müller während der letzten Kriegstage in Berlin im Keller eines einstürzenden Hauses verschüttet. Dieses Trauma hat sie nie überwunden. Erst viele Jahre später konnte sie ihre Erlebnisse in kurzen, fast atemlosen Versen beschreiben, die durch ihre karge und strenge Sprache beeindrucken.
Clever Girls – rebellisch, feministisch, wegweisend | rbbKultur
"So wie es ist, bleibt es nicht" - das war das Lebensmotto der Berliner Fotografin Eva Kemlein. Auf wilde Jahre als Reisefotografin folgt das Berufsverbot durch die Nationalsozialisten. Die Jüdin überlebt versteckt in Berlin und wird nach Kriegsende zur Chronistin des Wiederaufbaus. Ein Jahrhundertleben zwischen Ost- und Westberlin, zwischen Straßenfotografie und Berliner Bühnen. Wir sprechen mit Sharon Adler, Fotografin und Gründerin des Webportals AVIVA und mit Esra Rotthoff, Fotografin u.a. für das Gorki Theater Berlin.
1948 erschien Susanne Kerckhoffs halbfiktiver Briefroman "Berliner Briefe". In dreizehn Briefen richtet sich eine Helene, die im zerstörten Berlin lebt, nach Kriegsende an ihren nach Paris emigrierten jüdischen Jugendfreund Hans. Die "Berliner Briefe" sind in diesem Jahr neu erschienen. Eine Empfehlung zum (Wieder-)Lesen von Frank Dietschreit.
Im Sommer 1945 trafen sich auf Schloss Celilienhof in Potsdam die "Großen Drei" - Truman, Stalin, Churchill - um über die Zukunft Deutschlands zu entscheiden, aber nicht nur. Nun wird dort am 23. Juni die Ausstellung "Potsdamer Konferenz 1945 - Die Neuordnung der Welt" eröffnet. Im Gespräch mit Harald Asel spricht Kurator Matthias Simmich über die beginnende Konkurrenz im Kalten Krieg, um den Tagungsalltag sowie das Ausstellungskonzept.
Am 17. Juni 1950 starten nach einer aus Amerika importierten Idee des Verlegers Ledig-Rowohlt die ersten Taschenbücher. Die ro-ro-ros sind kleinformatig – 11 mal 18 Zentimeter – und für nur 1,50 DM Verkaufspreis pro Ausgabe werden Rechte zweitverwertet. Die Devise heißt Demokratisierung des Buchmarkts. Durch anspruchsvolle Ausstattung und makelloses Layout holen viele Verlage das Taschenbuch aus der Schmuddelecke und machen es sogar "geschenkfähig". Heute allerdings konkurrieren die E-Books mit der beliebten Buchform.
Er hatte sie alle vor seinem Mikrofon: Von Ephraim Kishon bis Yehudi Menuhin, von Margarete Mitscherlich bis Richard von Weizsäcker. Wer in der Nachkriegszeit Rang und Namen hatte, ließ sich vom Journalisten Harald von Troschke befragen. Er begegnete den prominenten Menschen neugierig, sehr gut informiert und immer mit Respekt. Sein umfangreiches Archiv ist seit ein paar Monaten öffentlich zugänglich. Eine wahre Fundgrube, findet Carmen Gräf.
Zum 75. Jahrestag des Sieges der Alliierten über Hitlerdeutschland am 8. Mai zeigt sich, dass die historischen Ereignisse immer noch umstritten sind. Moderator Dietmar Ringel diskutiert mit seinen Gästen über den Zweiten Weltkrieg - seinen Siegern, seinen Folgen und unseren Umgang mit der Erinnerung an den Krieg.
Dass die Berliner Bühnen nach der deutschen Kapitulation sehr schnell wieder öffneten, grenzt an ein Wunder. Jürgen Werth hat zahlreiche Erinnerungen an den Neubeginn des Theaters vor 75 Jahren aus den Archiven ausgegraben: Anweisungen sowjetischer Generäle, einen Radwechsel der Hildegard Knef, Wutausbrüche von Bertolt Brecht...
Walther Grunwald war sieben Jahre alt, als der Krieg zu Ende ging. „Gehungert haben wir nicht“, heißen seine Aufzeichnungen aus dem Nachkriegs- Berlin. Er ist Architekt, Fotograf, Denkmalexperte und ein Spezialist für die behutsame Restaurierung von Schlössern und Kirchen. Unb er hat in Weimar die Anna-Amalia-Bibliothek wieder aufgebaut.
Hoher Besuch in Berlin: Bundeskanzler Helmut Kohl empfängt US-Präsident Bill Clinton und Russlands Präsident Boris Jelzin. Auch der Adel in der Person von Prince Charles gibt sich die Ehre. Was ist passiert?
Im Jahr 1975, dem "Internationalen Jahr der Frau" bemüht sich auch die Politik, Frauenrechte zu stärken und alte Rollenbilder aufzubrechen. Mit mäßigem Erfolg. Aktivistinnen wie die Rockband "Flying Lesbians" propagieren lieber ihre eigene feministische Ästhetik – und stören die offiziellen Veranstaltungen. Im Osten ist das Jahr der Frau dagegen Chefsache.
Zehn Monate lang, vom 24.6.1948 bis zum 12.5.1949, war der Westteil von Berlin von der Versorgung durch das Umland abgeschnitten und die Transitstrecken durch die sowjetische Zone gesperrt. Die Sowjetunion verfolgte das Ziel, ganz Berlin in den kommunistischen Machtbereich zu integrieren. Ein milder Winter und nicht zuletzt die Findigkeit der Alliierten wie der Berliner führte dazu, dass Stalin das Ziel des Aushungerns der Stadt aufgeben musste.
Gründonnerstag, nachmittags kurz nach halb fünf, Kurfürstendamm. Der Hilfsarbeiter Josef Bachmann schießt mit drei Kugeln den Studentenführer Rudi Dutschke nieder. Der überlebt schwerverletzt. Für die Demonstranten ist klar, wer wirklich Schuld ist an der Tat des 23jährigen Attentäters. Der Springer-Verlag. Sie wollen die Auslieferung der Zeitungen des Folgetages verhindern. Es kommt zu Ausschreitungen.
Im Februar 1967 fegt das Sturmtief Walpurga über Berlin hinweg – und sorgt an der Bezirksgrenze Treptow-Neukölln für den ersten "Mauerfall". Doch nicht nur meteorologisch sind es stürmische Zeiten: In West-Berlin demonstrieren die Studenten, in Ost-Berlin versuchen junge Künstlerinnen und Künstler ihre Freiräume zu erhalten. Vieles, was privat ist, wird zum Politikum, und manches was politisch ist, wird zur privaten Herausforderung.
Studenten protestieren, langhaarige Jugendliche erhitzen die Gemüter, ein sowjetisches Militärflugzeug stürzt in den Stößensee und die SED feiert Geburtstag. Die Zäsur des Jahres 1966 für Berlin ist aber der Karrieresprung von Willy Brandt.
Über die Feiertage durften West-Berliner ihre Verwandten im Ostteil besuchen. Das Passierscheinabkommen machte es möglich. Auch zu Besuch: Martin Luther King, der in beide Teile der Stadt geht. Und in Ost und West bestimmt nun der Beat den Rhythmus.
Die Mauer bleibt auch 1962 das wichtigste Thema in der Stadt. Daneben verschwinden allmählich Kriegsruinen und hier und da zieht neuer Komfort ein.
Zum Jahresbeginn brummt die Stadt noch. Doch im August ändert sich alles.