Die Welt der Literatur - Neuerscheinungen und Empfehlungen zum Wiederlesen.

In Polen geboren, in Bayern aufgewachsen, heute Berliner - das ist (extrem reduziert) die Biografie von Matthias Nawrat. Er hat schon viele Literaturpreise gewonnen und heute kommt ein neuer dazu - der mit 30.000 Euro dotierte Berliner Literaturpreis der Stiftung Preußische Seehandlung. Nawrat reiße den eingeschränkten westlichen Horizont immerzu auf, schreibt die Jury, und er blicke dabei gleichzeitig auf Vergangenheit und Gegenwart. Heute Abend wird er den Preis im Roten Rathaus in Berlin entgegennehmen. Vorab spricht er auf radio3 über seine deutsche und seine polnische Seite und über seinen neuen Roman "Das glückliche Schicksal".

Menschen, die einander fremd geworden sind, einsam sind oder Außenseiter - es gibt sie in vielfältiger Form in unserer Gesellschaft - und die polnische Autorin Joanna Bator erzählt ihre Geschichten. In ihrem neuen Roman "Die Flucht der Bärin" verbindet sie 16 Handlungen, die sich jeglicher Logik entziehen und die Grenze zwischen Alltag und Unheimlichem verwischen lassen. Tomas Fitzel hat es gelesen.

Schnelles Duzen entwerte das Du, sagt der Schweizer Bestsellerautor Martin Suter. Heute erscheint sein neues Werk mit dem Titel "Können Sie mich sehen? Die Business Class im Homeoffice", in dem er satirische Geschichten aus der Welt des Topmanagements versammelt. Die förmliche Anrede und Etikette thematisiert er darin u.a. am Beispiel eines Bankmanagers. Massimo Maio spricht anlässlich dessen mit Dr. Horst Simon über das Duzen und Siezen. Er ist Professor für Historische Sprachwissenschaft an der FU Berlin und erforscht die Entwicklung von Anredepronomina.

Heute Abend diskutiert Navid Kermani anlässlich der Veröffentlichung seines neuen Romans "Sommer 24" im Rahmen der Akademie-Gespräche in der Akademie der Künste mit Diedrich Diederichsen, Eva Menasse und Manos Tsangaris über die Paradoxien unserer Zeit. Morgen ist er dann in der Humboldt-Universität zu Gast: Unter dem Titel "Iran akut" – eine Gesprächsrunde mit Natalie Amiri, Parastou Forouhar und eben Navid Kermani.

Nicht verstummen, sondern weiter schreiben. Trotz Gewalt, Krieg und Flucht. Das ermöglicht seit 2017 das Programm "Weiter Schreiben" Autor*innen aus Kriegs- und Krisengebieten wie Syrien, Afghanistan, der Ukraine. Sie führen einen Briefwechsel in Tandems mit deutschsprachigen Autor*innen. Anlässlich des 4. Jahrestags der Kriegsausweitung in der Ukraine schreiben sich diesmal syrische und ukrainische Autor*innen, die nicht geflohen sind und tauschen sich über ihren Alltag in weit voneinander entfernten Kriegs- und Krisengebieten aus. Wie schauen die Tandems jeweils auf die Lage in ihren Heimatländern, welche Hoffnungen hegen sie? Welche Gemeinsamkeiten werden dabei zutage gefördert? Darüber spricht Anja Herzog mit der ukrainischen Verlegerin, Autorin und Übersetzerin Kateryna Mishchenko. Sie hat das Projekt, das in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung entstanden ist, mitkuratiert.

Die Schriftstellerin Judith Hermann ist bekannt geworden durch ihre Erzählbände "Sommerhaus später" und "Nichts als Gespenster". In ihrem neuen Buch "Ich möchte zurückgehen in der Zeit" erkundet die Autorin die Geschichte ihres Großvaters, der während des Zweiten Weltkriegs für die SS in Polen stationiert war. Damit ist Hermann nicht die erste Autori:in, die sich mit der NS-Vergangenheit ihrer Familie auseinandersetzt. Ob diese Spurensuche guter Lesestoff ist, das besprechen die radio3 Literaturkritiker:innen Anne-Dore Krohn und Jörg Magenau in der Rubrik "Ein Buch, zwei Stimmen".

Welche Spuren die gewaltvolle Geschichte des 20. Jahrhunderts und Zwangsarbeit hinterlassen haben bis in die Gegenwart und Landschaften hinein, das macht Svenja Leiber in ihrem neuen Roman sichtbar. Im Zentrum steht die 16-jährige Nelka, die 1941 in Lemberg von Soldaten aufgegriffen und mit zahlreichen Mädchen und Frauen nach Westen verschleppt wird. Auf einem norddeutschen Gutshof werden sie zu schwerer Arbeit gezwungen. Gerrit Bartels hat das Buch "Nelka" für radio3 gelesen.

Gianrico Carofiglio gilt als der "italienische Ferdinand von Schirach". Vor seiner Karriere als Krimi-Autor hat er viele Jahre als Richter, Senator und Anti-Mafia-Staatsanwalt in Apulien gearbeitet. Seine Erfahrungen sind unter anderem in die Kriminalromane um den Anwalt Guido Guerrieri geflossen. Jetzt erscheint Band sechs der erfolgreichen Reihe: "Der Horizont der Nacht". Corinne Orlowski hat das Buch gelesen.

Mit seiner Polemik "Der Osten. Eine westdeutsche Erfindung" löste der Leipziger Literaturwissenschafter Dirk Oschmann vor drei Jahren eine heftige Debatte aus: Hat "der Westen" sich "den Osten" als für immer minderbemittelte andere Hälfte Deutschlands zurechtgelegt? Inwiefern "der Westen" nicht auch eine Konstruktion "des Ostens" war und ist, wurde dabei selten thematisiert. Nun hat die Literaturkritikerin Cornelia Geißler ein Buch herausgegeben, in dem viele namhafte, in Ostdeutschland sozialisierte Autorinnen und Autoren über ihre Erfahrungen mit Westdeutschland schreiben: "Der Westen. Eine ostdeutsche Empfindung" lautet der Titel, den Natascha Freundel und Arno Orzessek für unsere Rubrik "Ein Buch, zwei Stimmen" ausgewählt haben.

Vor einem halben Jahr machte die Runde, die Berliner Staatsbibliothek wolle ihre Zettelkataloge vernichten - die Inhalte der Karteikästen seien bereits mikroverfilmt und digitalisiert, so hieß es. Doch diese Pläne hatten Proteste hervorgerufen – u.a. von Historikern und Provenienzforschern: Am Montag dann kam die Entwarnung - die Zettelkataloge bleiben (vorerst) erhalten. Wir sprechen nun darüber mit Prof. Dr. Ulrich Schneider, dem ehemaligen Direktor der Universitätsbibliothek Leipzig.

Mit ihrem Comic "Die Frau als Mensch" hat Ulli Lust die landläufigen Vorstellungen von der Geschlechterrollenverteilung in der Frühgeschichte der Menschheit zurechtgerückt und wurde dafür als erste Comickünstlerin überhaupt mit dem deutschen Sachbuchpreis ausgezeichnet. Nun legt sie den zweiten Band ihrer Erkundungen der Frühgeschichte vor, in dem sie die Geschichte der Schamaninnen erzählt. Andrea Heinze stellt den Comic vor.

Wenn Gisèle Pelicot – die Frau, die von ihrem Mann jahrelang betäubt und vergewaltigt sowie fremden Männern bewusstlos zur Vergewaltigung ausgeliefert wurde – ihre Memoiren schreibt und diese "Eine Hymne an das Leben" nennt, dann lässt das staunen. Vor anderthalb Jahren hat Gisèle Pelicot die Welt schon einmal zum Staunen gebracht, als sie entschieden hat, den Vergewaltigungsprozess gegen ihren Ex-Mann und die 50 weiteren Angeklagten in Avignon öffentlich und damit zu einem Jahrhundertprozess zu machen. Alle Welt sollte die Augen auf die Täter und die Videos der Vergewaltigungen richten. Denn: "Die Scham muss die Seite wechseln." Nicht die Opfer, sondern die Täter sollten sich schämen. Heute erscheinen Gisèle Pelicots Memoiren weltweit in 22 Sprachen. Sarah Murrenhoff hat sie schon gelesen.

Ein Zitat und seine Geschichte – Christoph Marx hat in seinem Buch "Von Platon bis Loriot" 100 berühmte Zitate gesammelt und ihre Geschichten erzählt. Von "Schau mir in die Augen, Kleines!" bis "Carpe Diem", von "Möge die Macht mit dir sein" bis "Ich habe fertig". Im Gespräch mit radio3 verrät Christoph Marx, welche Sprüche die interessantesten Hintergründe haben und welche Geschichte ihn am meisten überrascht hat.

Mit diesem Roman blicken wir hinter die Fassaden Europas und werden mitgezogen in einen Strudel von Geschichten: "Oroppa" wird in den Niederlanden hoch gelobt. Es ist der erste Roman der niederländischen Schriftstellerin Safae el Khannoussi, die 1994 in Tanger geboren wurde und in Amsterdam aufgewachsen ist. Unser Literaturkritiker Jörg Magenau hat "Oroppa" für radio3 gelesen.

Die Berlinerin Anne Stern ist promovierte Germanistin und Historikerin – und eine Bestseller-Autorin. Ihre Romane rund um die Berliner Hebamme "Fräulein Gold" verkaufen sich ähnlich glänzend wie die der historischen Reihe "Das Opernhaus". Nun erscheint ihr neuer Roman "Die weiße Nacht", ein historischer Kriminalroman zur Stunde Null nach dem Zweiten Weltkrieg. Geschichtlich präzise, bewegend und extrem spannend. Anlässlich der Buchpremiere wird Thomas Böhm die Autorin Anne Stern befragen. Aufnahme aus dem radio3-Kultursalon am 11.02.2026 im Studio 14 – DIE rbb-DACHLOUNGE

Für Liebhaber von J.R.R. Tolkiens "Herr der Ringe"-Trilogie, des "Silmarillion" und des "Hobbit" ist es eine großartige Nachricht: Ein noch unbekannter Fantasy-Text Tolkiens erscheint erstmals auf Deutsch, nachdem er auch erst im Oktober 2025 von Tolkiens Sohn Christopher im Original herausgegeben wurde. J.R.R. Tolkien selbst bezeichnete seine Erzählung aus den 1950er Jahren als "Fantasy-Satire", eine spielerische Kritik an der Technik- und Konsumversessenheit seiner Zeit. Irène Bluche stellt "Die Bovadium Fragmente" vor.

Robert Menasse ist einer der wenigen Schriftsteller, der sich kontinuierlich mit Europa und europäischer Politik auseinandersetzt. Essays wie "Kurze Geschichte der europäischen Zukunft" oder "Kritik der Europäischen Vernunft" stehen ebenso dafür wie sein Roman "Die Hauptstadt", der erste Roman über die Europäische Union, für den er 2017 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde. Nun gibt es neues Buch von Robert Menasse, die Novelle "Die Lebensentscheidung". Jörg Magenau stellt es vor.

Er war einer der großen europäischen Schriftsteller der Nachkriegszeit: Cees Nooteboom. Und er war immer wieder nah dran an vielen bedeutenden historischen Ereignissen: beim Ungarn-Aufstand 1956 genauso wie beim Fall der Berliner Mauer. Bekannt wurde er in Deutschland für seine Romane "Rituale" und "Die folgende Geschichte". Die Werke von Cees Nooteboom wurden in 30 Sprachen übersetzt. Der Schriftsteller Rüdiger Safranski war mit Cees Nooteboom befreundet. Auf radio3 würdigt er ihn als Mensch und Schriftsteller.

Wie verändern Maschinen unser Leben? Das ist eine Frage, die heute im Angesicht von Künstlicher Intelligenz wieder an Bedeutung gewinnt. Aber auch schon in früheren Zeiten haben sich Menschen an Antworten versucht und Rechenmaschinen erträumt, die das Leben der Menschen einfacher machen sollten. Heute erscheint der neue Roman "Selbstregulierung des Herzens" von Peggy Mädler. Er spielt in der DDR und erzählt von einem Technik-Visionär, der über KI nachdenkt - ohne, dass es schon so hieße. Unsere Literaturkritikerin Nadine Kreuzahler hat das Buch gelesen.

In Dänemark gehören Tove Ditlevsens Gedichte in jeden Bücherschrank. Sie werden in Poesiealben geschrieben, bei Festen zitiert oder als Lieder vertont. Acht Gedichtbände hat die skandalumwitterte Schriftstellerin veröffentlicht, zusammen mit zahlreichen Romanen, Erzählungen und Theaterstücken, bis sie sich 1976 das Leben nahm. Einige davon hat der Aufbau Verlag in den letzten Jahren bereits herausgebracht, jetzt erscheinen mit diesem Gedichtband erstmals ausgewählte Gedichte Ditlevsens in deutscher Sprache. Irène Bluche stellt "Da wohnt ein junges Mädchen in mir, das nicht sterben will" vor.

Bücher bieten eine reiche Quelle von Geschichten, Charakteren und Welten. Deshalb werden sie oft und gerne verfilmt. Manche sogar mehrmals und von verschiedenen Filmschaffenden. Die Schriftstellerin Doris Anselm empfiehlt heute drei Bücher, die nach einer Verfilmung verlangen.

Es ist der zweite Roman der US-amerikanischen Schriftstellerin Rachel Khong: "Real Americans" heißt er und schaffte es direkt auf die Bestsellerliste der New York Times - und das im Jahr 2024. Jetzt ist er auf Deutsch erschienen – unter dem englischen Titel "Real Americans", die echten Amerikaner. Es ist ein Familienroman, der sich über drei Generationen einer chinesisch-US-amerikanischen Familie erstreckt. Sofie Czilwik stellt ihn vor.

Lola Randl ist als Filmregisseurin bekannt geworden, bevor sie zur Schriftstellerin mutierte. Ihr letzter Film aus dem Jahr 2018 hieß "Von Bienen und Blumen" und behandelte das Leben auf dem Land, in Gerswalde in der Uckermark, wo Randl mit ihrer Familie vor fünfzehn Jahren hingezogen ist. Genau davon handelte auch ihr Debütroman "Der große Garten", der 2019 für den "Deutschen Buchpreis" nominiert war. Das Dorfleben als Thema hat sie nicht losgelassen, und auch ihr neuer, gerade erschienener Roman "Der lebende Beweis" spielt wieder dort, allerdings unter veränderten Vorzeichen, denn Lola Randl ist vor kurzem weggezogen, hat Gerswalde wieder verlassen. Jörg Magenau stellt das Buch vor.

Die Wirtschaft schwächelt, Autokratien sind in der Mehrheit, in Europa herrscht Krieg. Eine bessere Zukunft scheint ungewisser denn je. Trotzdem plädiert die Historikerin Mirjam Zadoff für Lebensmut - und schreibt in ihrem aktuellen Buch "Wie wir überwintern" über die Möglichkeiten, aktiv zu werden und damit Zuversicht zu gewinnen. Über ihren Essay und ihre eigene Zuversicht sprechen wir heute mit Mirjam Zadoff auf radio3.

Anke Feuchtenberger ist eine der wichtigsten und einflussreichsten Comickünstlerinnen Deutschlands. Zuletzt im Jahr 2023 veröffentlichte sie "Genossin Kuckuck", eine kunstvolle und dichte Mentalitätsgeschichte der DDR. Nun ist ein Band mit grafischen Essays von ihr erschienen. "Der Spalt" ist unser radio3-Comic des Monats. Andrea Heinze stellt ihn vor.

"Mischkas Erzählungen, Yvettes Erzählungen. Was war schlimmer?", fragt Barbara Honigmann in ihrem neuen Buch einmal und meint damit Erzählungen einerseits über den Holocaust, andererseits über den Gulag, den ihre Figuren überlebt haben. In ihrem neuen Buch "Mischka" widmet sich die 1949 in Ost-Berlin und seit 1984 in Straßburg lebende Schriftstellerin einmal mehr der mörderischen Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts und wie diese auf die Menschen einwirkte. Gerrit Bartels hat das Buch für uns gelesen.

Russland hatte im Verlauf seiner Geschichte unzählige Konflikte mit seinen westlichen Nachbarstaaten. Viele gehörten zeitweise zum Russischen Reich oder zur Sowjetunion. Der Historiker Jens Oliver Schmitt blickt in seinem Buch "Moskaus westliche Rivalen" auf die Erfahrungen, die die skandinavischen und baltischen Staaten, aber auch Polen, Belarus, die Ukraine und Moldawien im Lauf der Jahrhunderte mit Russland gemacht haben und stellt eine erstaunliche Kontinuität fest. Heute liest er an der Viadrina in Frankfurt (Oder) aus seinem Buch. Vorher spricht Jens Oliver Schmitt auf radio3 mit Imke Griebsch darüber, warum Nord- und Osteuropäer so entschlossen auf die aktuelle Bedrohung durch Russland reagieren.

Seit 22 Jahren arbeitet der Berliner Hirnkost Verlag mit sehr viel Herzblut an engagierten Büchern. Der aus dem Archiv der Jugendkulturen hervorgegangene Verlag hat Nischen-Themen besetzt wie Subkulturen, Punk, Klimakrise, Flucht und anspruchsvolle Science-Fiction. Schon seit Jahren kriselt es immer wieder in diesem kleinen, unabhängigen Verlag. Doch jetzt - nach 22 Jahren - steht das Lebenswerk des Publizisten Klaus Farin endgültig vor dem Aus: Die Gesellschafterversammlung hat zum Jahresende 2025 beschlossen, Insolvenz anzumelden. Doch einen kleinen Funken Hoffnung gibt es noch. Unser Reporter Tomas Fitzel hat mit Klaus Farin gesprochen und berichtet für radio3.

Die SWR-Bestenliste ist eine Empfehlungsliste und damit ein Gegenprogramm zu den Bestsellerlisten, die sich nach den Verkaufszahlen richten. Für die SWR-Bestenliste wählen jeden Monat 30 Kritikerinnen und Kritiker ihre Lieblingsbücher aus. Eine davon ist unsere Literaturredakteurin Anne-Dore Krohn. Sie stellt zwei Titel der Bestenliste vor.

Christian Brückner ist nicht nur die deutsche Synchronstimme von Robert De Niro - er ist auch Schauspieler und Hörbuchsprecher. Er hat Texte von Kafka und Karl Marx eingesprochen, aber auch Romane wie "Moby Dick" oder "Das Dschungelbuch". Im Berliner Renaissance-Theater hat er nun eine Lesereihe, in der er einmal monatlich Werke der Weltliteratur präsentiert. Zum Auftakt gab es gestern "Der alte Mann und das Meer" von Ernest Hemingway. Oliver Kranz war für uns vor Ort.

Ob USA, Ukraine oder Iran - an neuen, zumeist negativen Neuigkeiten herrscht derzeit kein Mangel. Da kann es gut tun, sich mit einem Buch für eine Weile vom Weltgeschehen abzulenken. Die Schriftstellerin Doris Anselm empfiehlt drei solcher kleinen Fluchten aus dem Alltag.

Die Kämpfe im Iran sind nichts Neues. Seit Jahren rollt eine Protestwelle nach der anderen über das Land hinweg - und mit ihnen die gewaltvolle Niederschlagung durch das islamistische Regime. Ab und zu finden Zeugenaussagen, Texte und Berichte darüber den Weg nach Europa. So auch der Text "Auf den Straßen Teherans" von NILA. Die junge Frau schrieb ihn unter diesem Pseudonym Ende 2022, als nach dem Tod von Jina Mahsa Amini Tausende unter dem Motto "Frau, Leben, Freiheit" auf die Straße gingen. Morgen erscheint die deutsche Übersetzung des Buchs. Darüber sprechen wir mit der Verlegerin Constanze Neumann.

Ein Gedankenexperiment: Was wäre, wenn wir den Klimawandel mit einer einzigen Maßnahme begrenzen könnten? Wenn wir auf Basis von Geoengineering weitere klimawandelbedingten Schädigungen der Biosphäre verhindern könnten? Die Sache hätte nur einen Haken: Der Himmel über unseren Köpfen wäre danach nie wieder derselbe - er wäre nicht länger blau. In ihrem Roman "Das Blaue vom Himmel" spielt Magdalena Schrefel die Frage durch, wie viel sich ändern muss, damit wir dieselben bleiben können. Welche Verluste wir ertragen können – und welche nicht. Marlen Hobrack hat das Buch gelesen.

Dorota Masłowska hat mit nur 18 Jahren einen sensationellen Debütroman geschrieben, seither gilt sie als eine der spannendsten Stimmen in der polnischen Literatur. Mit der ihr typischen, provokanten Sprachgewalt seziert die 42-Jährige nun die Scheinwelten unserer digitalen Zeit. "Im Paradies", so heißt ihr neuer Roman, der diese Woche auf Deutsch erschienen ist. Susanne Lang hat ihn gelesen.

Immer mehr Menschen werden in Zukunft ihre Heimat verlieren. Durch den Klimawandel, Kriege oder Diktaturen. Oder einfach, weil die politischen Verhältnisse sich so ändern, dass man sich plötzlich im eigenen Land fremd und heimatlos fühlt. Die Journalistin Ece Temelkuran fordert in ihrem neuen, sehr persönlichen Buch "Nation of Strangers" Heimat neu zu denken. Bevor sie die Türkei 2016 aus politischen Gründen verlassen musste, war sie eine der wichtigsten Stimmen der türkischen Zivilgesellschaft. radio3-Kritikerin Nadine Kreuzahler hat "Nation of Strangers" gelesen.

Noah lebt in einem Dorf im Irak, er ist 14 Jahre alt und Taubenzüchter: Die Tauben, die er auf dem Dach hält, sind sein ganzer Stolz. Doch dann übernehmen islamistische Ideologen die Macht und alles wird anders. Der Berliner Schriftsteller Abbas Khider, 1973 im Irak geboren, erzählt in seinem neuen Roman von schmerzhaften Umbrüchen, von gestutzten Federn und dem Traum vom Fliegen. Anne-Dore Krohn hat das Buch gelesen.

Darf man kritiklos über etwas berichten, das gesellschaftlich verpönt ist? Muss man sich immer positionieren und erklären? Müssen alle unsere Handlungen immer korrekt sein? Diese und viele andere Fragen stellt die isländische Schriftstellerin Kristín Eiríksdóttir in ihrem Roman "Der Film" in den Raum. Sie liefert darin eine labile und ehemals alkoholkranke Regisseurin der gnadenlosen Öffentlichkeit aus. Ihr Frevel: Sie hat einen Dokumentarfilm über einen Walfänger mit krimineller Vergangenheit gedreht. Irène Bluche stellt "Der Film" vor.

Amira rechnet mit altem Gerümpel, als sie die Tür zur Lagerhalle ihres verstorbenen Großvaters öffnet. Sie entdeckt die Kunstsammlung ihrer jüdischen Familie, die seit dem Zweiten Weltkrieg verschollen war. Was soll sie damit machen? Verkaufen? Behalten? In ein Museum geben? Amira ist auf einmal Multimillionärin, beneidet von ihrer Familie, gejadt von der Presse und den eigenen Zweifeln. "Balagan" heißt der neue, bereits viel beachtete Roman von Mirna Funk. Wie haben ihn unsere beiden radio3 Literaturkritiker:innen Anne-Dore Krohn und Jörg Magenau gelesen? Ein Buch, zwei Stimmen.

Krimis gelten nicht unbedingt als belletristische Meisterleistungen – und auch Comics haftet immer noch der Ruf an, eher schlichte Geschichten zu erzählen. Umso erstaunlicher, wenn Comics und Krimis auf vielschichtige Weise zusammengebracht werden. Radio 3 Comicexpertin Andrea Heinze stellt 3 Comics vor, die literarisch morden.

E.T.A. Hoffmann wurde vor 250 Jahren, am 24. Januar 1776 in Königsberg geboren. Doch mit Berlin war der Schriftsteller ganz besonders verbunden. Von seinem Fenster in der Taubenstraße, Ecke Charlottenstraße, wo er zuletzt wohnte, beobachtete er das Treiben auf dem Gendarmenmarkt. Anlässlich seines 250. Geburtstages hat Tomas Fitzel E.T.A. Hoffmanns "Meister Floh" wiedergelesen. Die Erzählung erschien 1822 und führte zu einer Berliner Staatsaffäre.

Um die Welt des Leistungssports mit seinen gnadenlosen Wettbewerbsprinzipien, Missbrauchsskandalen und Ausbeutung geht es in dem Roman "Die Routinen" der Kölner Autorin Son Lewandowski. Im Mittelpunkt ihres Buches steht die Leistungsturnerin Amik mit ihren Alltagssorgen inmitten einer Vorbereitung auf die bevorstehenden Wettkämpfe. Sofie Czilwik hat das Buch gelesen.

In seinem Buch "Das violette Hündchen" lädt Michael Maar zu einem neuen Streifzug durch die Weltliteratur ein und führt dabei vor, welche Lust und welchen Reiz aufmerksames Lesen bescheren kann. Denn: Nicht nur der Teufel steckt im Detail, auch das Geheimnis großer Literatur. Am 25. Januar präsentiert Michael Maar sein Buch zusammen mit Martina Gedeck und Ulrich Matthes in der Schönen Lesung von radio3 und radioeins im Großen Sendesaal des rbb. Bis dahin stellt er uns jede Woche ein Werk der Weltliteratur in unserer neuen Rubrik "Die großen Zehn - Michael Maar erklärt die Weltliteratur im Detail" genauer vor. Heute geht es um die französische Schriftstellerin Irène Némirovsky