Die Welt der Literatur - Neuerscheinungen und Empfehlungen zum Wiederlesen.

Die Corona-Pandemie ist Vergangenheit. Die Zeit der Isolation ist vorbei. Für die meisten von uns. Nicht so für Menschen mit Long Covid. Für die 1,4 Millionen Menschen allein in Deutschland mit Long Covid oder dem chronischen Fatigue-Syndrom in Folge einer Corona-Infektion ist nichts wie vorher. Doch was wissen wir eigentlich über sie und ihre Krankheit? Wenig. Die Schweizer Schriftstellerin und Theaterregisseurin Ivna Žic trägt dazu bei, Long Covid sichtbar zu machen: Morgen erscheint ihr Essay „Die Unversehrten“, in dem sie sich literarisch mit ihrer Long-Covid-Erkrankung auseinandersetzt – pünktlich zur Verleihung des Wortmeldungen Literaturpreises, der jährlich einen literarischen Kurztext von gesellschaftlicher Dringlichkeit auszeichnet: in diesem Jahr den Essay von Ivna Žic. radio3-Literaturkritikerin Sarah Murrenhoff hat „Die Unversehrten“ gelesen.

Francis Kéré ist in Afrika aufgewachsen. In seinem Heimatdorf gab es weder elektrisches Licht noch fließendes Wasser. Heute zählt er zu den weltweit führenden Architekten. Er hat 2022 den Pritzker Preis erhalten, der als Nobelpreis der Architektur gilt und ein Jahr später den Praemium Imperiale. Nun erscheint im Taschen-Verlag sein Buch "Building Stories". Es stellt seine wichtigsten Werke vor: den Serpentine Pavillon in London, die Entwürfe für die Nationalversammlungen von Burkina Faso und Benin und das Las Vegas Museum of Art. Nikolaus Bernau hat es gelesen und für radio3 die Buchpremiere besucht.

Die Stadt Rheinsberg ist heute eines der beliebtesten Reiseziele in Brandenburg, sie hat eine rege Kulturszene und sonnt sich immer noch zu Recht im Glanz von Kurt Tucholskys Erzählung und seinem schönen Schloss am Grienericksee. Der Verein "Stadtgeschichte Rheinsberg" hat nun gemeinsam mit Knut Elstermann ein Buch über die noch kaum erforschte Zeit des Endes des Zweiten Weltkriegs in Rheinsberg herausgegeben. Mit Hilfe von zahlreichen Zeitzeugenberichten und Recherchen in Archiven hat Knut Elstermann ein reich illustriertes Buch geschaffen, das eine Lücke in der Stadtgeschichte schließen soll. Frank Schmid spricht mit Knut Elstermann über seine Recherchen.

Es ist sicher eine schlimme Erfahrung, wenn man irgendwann im Verlauf seiner Kindheit, Jugend oder auch später erfährt, ein unerwünschtes Kind, nicht gewollt zu sein, und eigentlich abgetrieben hätte werden sollen. Die Arte-Journalistin Miriam Carbe, die 1967 als Kind einer Deutschen und eines Nigerianers in Gießen geboren wurde, hat diese Erfahrung gemacht. Die Familie ihrer Mutter wollte ein schwarzes Kind unbedingt verhindern, und nicht zuletzt ausgehend von der eigenen Geburt und wie es dazu kam, hat Miriam Carbe nun einen Roman über ihre Familie geschrieben: "Unerwünschte Töchter". Gerrit Bartels hat den Roman gelesen.

Bei der diesjährigen Frankfurter Buchmesse wird Tschechien als Gastland auftreten. Da darf eine Schriftstellerin nicht fehlen: Radka Denemarková. Sie ist die international bekannteste Gegenwartsautorin aus unserem Nachbarland. Als Einzige ist sie vier Mal mit dem prestigeträchtigen tschechischen Preis "Magnesia Litera" ausgezeichnet worden – in den Kategorien Prosa, Sachbuch und Übersetzung. 2024 erhielt sie vom tschechischen Präsidenten die Verdienstmedaille 1. Grades für ihre Verdienste um den Staat im Bereich der Kultur und Kunst. Und jetzt ist ihr neues Buch auf Deutsch erschienen: "Schokoladenblut". Unsere Kritikerin Corinne Orlowski hat es gelesen.

An Mythen und Legenden um Leben und Werk von Ernest Hemingway herrscht kein Mangel. Und die Faszination rund um den Kultautor, Lebemann und Draufgänger Hemingway hält bis heute an - 65 Jahre nach seinem Tod. Der Schriftsteller und Anna-Seghers-Preisträger Michael Kleeberg macht sich in seinem Roman "Achilles in Taormina" auf die Suche nach Hemingways letztem Geheimnis. Auf radio3 verrät Literaturkritikerin Marlen Hobrack, ob wir einen weiteren Hemingway-Roman brauchen.

Mit ihren schlichten Zeichnungen in Schwarzweiss über ihre Kindheit und Jugend in den 70er Jahren im Iran wurde Marjane Satrapi weltbrühmt. Ihre Grapic Novel "Persepolis" hat die französisch-iranische Künstlerin später selbst verfilmt. Bis zuletzt beschäftigten sie die Ereignisse in ihrer Heimat. 2023 hatte Satrapi einen Sammelband mit dem Titel "Frau, Leben, Freiheit" veröffentlicht. Sie wollte so die Menschen würdigen, die im Iran ihr Leben riskierten. Nun ist die Comiczeichenrin im Alter von 56 Jahren gestorben. Wir sprechen mit David Basler, Gründer des Comicverlags Edition Moderne, der die meisten ihrer Bücher verlegt hat.

"Wenn ich deine Worte lese, finde ich den Weg zurück nach Hause." Diese Zeile entstammt einem Brief, und sie ist zugleich der Titel eines neuen Buchs mit Briefen von Autor:innen im Exil. Das von Annika Reich und Mirjam Wittig im Rahmen des Kulturprojekts "Weiter Schreiben" herausgegebene Buch versammelt Briefe unterschiedlicher Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die sich aus ganz verschiedenen Ecken der Welt gegenseitig schreiben. Sie tauschen sich aus über Erinnerungen und insbesondere ihren Alltag im Krieg, im Exil oder auf der Flucht. Sofie Czilwik erzählt auf radio3 von ihrer Lektüre der bei Ullstein erschienenen Briefsammlung.

Eine der bekanntesten und streitbarsten Schriftstellerinnen Deutschlands feiert heute ihren 85. Geburtstag: Monika Maron. Streitbar, weil sie erst vor ein paar Tagen bestritten hat, dass eine "Brandmauer" gegen die AfD Sinn ergebe. Aber gegen vorherrschende Meinungen zu sprechen, zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Leben und Schreiben. Joachim Dicks mit einer Würdigung zum Geburtstag.

Die autobiografische Graphic-Novel "Fun Home" hat die amerikanische Comic-Künstlerin Alison Bechdel weltberühmt gemacht. Berühmt ist auch ihr Bechdel-Test, mit dem man mit drei einfachen Fragen stereotype Frauendarstellungen in Filmen ausfindig machen kann. (Gibt es mindestens zwei Frauenrollen? – Sprechen sie miteinander? – Unterhalten sie sich über etwas anderes als einen Mann?) Diesen Test hatte Alison Bechdel in ihrer Serie "Dykes to watch out for" als Witz erfunden. Jetzt hat sie einen autofiktionalen Comic herausgebracht, indem sie Elemente aus ihren früheren Comics vermischt. "Kaputt" heißt das Buch, das in einem Provinznest vor der Wahl von Donald Trump angesiedelt ist. Andrea Heinze stellt den Comic vor.

Auf Platz 1 der SWR Bestenliste steht in diesem Monat der Roman "Transkription" des US-amerikanischen Schriftstellers Ben Lerner. Das Buch stellt uns jetzt unsere Literaturredakteurin Anne-Dore Krohn vor. Aber nicht nur das – denn sie gehört zur Jury der Empfehlungsliste und bringt uns jeden Monat zwei Titel mit, die ihr von den zehn besonders gefallen haben.

Die Berliner Pfaueninsel ist immer eine Reise wert - auch literarisch. Das dachte sich Florian Illies, der große Geschichtenerzähler. Sein neues Buch "Träume aus Feuer" widmet er dieser versonnenen Insel - Zeichen eines anderen, idyllischen Preußens - und seinem ersten Bewohner: Johannes Kunckel, der lange vor den Pfauen auf der Insel war. Der Alchemist und Glasmacher Johannes Kunckel erhielt die Insel im 17. Jahrhundert als Geschenk vom Großen Kurfürsten, in der Hoffnung, Gold zu zaubern. Statt Gold war es ein ganz neues Glas, rot wie Rubin, das Kunckels Ofen auf der Pfaueninsel entstiegen ist. Unser Literaturkritiker Gerrit Bartels hat die literarische Reise unternommen und "Träume aus Feuer" von Florian Illies - erschienen im neu gegründeten Pfaueninsel Verlag - gelesen.

Drei Monate hat die komplette Internetsperre im Iran angedauert. Drei Monate, in denen es schwer möglich war, Nachrichten aus dem Inneren des Iran zu erhalten. Drei Monate, in denen es schwer war, hinter die Kulisse der iranischen Regierungspropaganda zu blicken. Seit dieser Woche ist der Iran wieder online - teilweise zumindest. Doch genau in diesen drei Monaten ist viel passiert: Das Regime kämpft nicht mehr nur gegen die Bevölkerung, sondern auch gegen die USA und Israel. Der Oberste Führer Chamenei wurde getötet. Wie geht es den Menschen im Iran? Was erleben sie, wie fühlen und denken sie? Raha Nik-Andish (der eigentlich anders heißt) hat das Leben in Irans Hauptstadt in den Monaten und Tagen vor dem Kriegsausbruch und währenddessen dokumentiert. Seine "Teheran Tagebücher. Nachrichten aus einem belagerten Land" sind jetzt auf Deutsch erschienen. Unsere Kritikerin Marlen Hobrack stellt sie uns auf radio3 vor.

In den USA gehört "The House on Mango Street" längst zu den modernen Klassikern der Jugendliteratur. Jetzt erscheint der Roman der mexikanisch-amerikanischen Autorin Sandra Cisneros, nach der ersten deutschen Übersetzung im Jahr 1992, erneut auf Deutsch. In kurzen, poetischen Episoden erzählt das Buch vom Erwachsenwerden und den Wünschen der jungen Esperanza in einem armen Latino-Viertel von Chicago. Unsere Kinder- und Jugendbuchexpertin Sonja Kessen hat die Neuauflage gelesen.

"Berlin liest ein Buch" – jedes Jahr lädt die Aktion Berlinerinnen und Berliner mehrere Wochen lang dazu ein, gemeinsam über einen Roman ins Gespräch zukommen. In diesem Jahr steht Daniela Dröschers Roman "Lügen über meine Mutter" im Mittelpunkt. Angelehnt an die Biografie der Autorin erzählt das Buch von familiären Machtverhältnissen, Körperbildern und sozialem Druck im Westdeutschland der 1980er Jahre. Noch bis zum 7. Juni liest Daniela Dröscher aus ihrem Roman und diskutiert mit dem Publikum über die Themen des Buches – in Bibliotheken, Buchhandlungen und Kulturorten in vielen Bezirken der Stadt. Antje Bonhage war bei einer der Veranstaltungen dabei – in der Gottfried-Benn-Bibliothek in Zehlendorf.

Kunst im Krieg? Ist bestenfalls eine Verteidigung der Menschlichkeit unter unmenschlichen Bedingungen. Die ukrainische Schriftstellerin und Fotografin Yevgenia Belorusets sucht seit Beginn des russischen Kriegs gegen die Ukraine 2014 Worte und Bilder für die Veränderungen ihres Landes. Nach Kurzgeschichten über das Leben im Donbas, nach ihrem Kriegstagebuch von 2022 und fantastischen Erzählungen "Über das moderne Leben der Tiere" ist jetzt bei Matthes & Seitz das erste Theaterstück von Yevgenia Belorusets erschienen: "Zündhölzer". Natascha Freundel hat es gelesen.

Bestseller-Autor Florian Illies taucht in seinem neuen Buch "Träume aus Feuer" ein in die Geschichte des Alchemisten Johannes Kunckel. Die Buchpremiere wird moderiert von Shelly Kupferberg. Aufnahme vom 27.05.2026 im STUDIO 14 – DIE rbb-DACHLOUNGE

Wer Gegenwartsliteratur aus Italien sucht, dürfte beim Berliner Wagenbach Verlag schnell fündig werden. Ein Roman, der in Italien ein Bestseller war, ist nun dort erschienen: "Die Pause ist vorbei" von Dario Ferrari. Dieser Campusroman schlägt einen Bogen von der frustrierenden Gegenwart junger, italienischer Akademiker zurück in die 19070er, als die Mischung von Hedonismus und anarchistischer Militanz Italien zum Sehnsuchtsort vieler Linker in Deutschland werden ließ. Tomas Fitzel, bestens vertraut mit der italienischen Literatur und Kultur, stellt ihn vor.

Wie können die Erfahrungen von Überlebenden von Genoziden und anderen Verbrechen gegen die Menschlichkeit gesammelt und zugänglich gemacht werden? Damit beschäftigt sich das kanadische Forschungsprojekt "Survivor-Centred Visual Narratives", in dem die Geschichten von Überlebenden gesammelt und mit künstlerischen Mitteln zugänglich gemacht werden. Auf diese Weise sind zum Beispiel Filme und Comics in Zusammenarbeit mit Überlebenden des Holocaust entstanden. Der Comickünstler Tobi Dahmen hat in diesem Rahmen die Geschichte eines Studenten aufgezeichnet, der in Syrien politisch verfolgt wurde. "Al-Fazia' - Das Grauen" heißt der Comic, der heute im Carlsen Verlag erscheint. Tobi Dahmen erzählt auf radio3, warum es wichtig ist, mehr über das Schicksal von politisch Verfolgten in Syrien zu wissen.

"Mord im Orient-Express" ist wohl Agatha Christies bekanntester Roman. Erschienen ist er 1934. Es folgten unzählige Ausgaben weltweit. Mehrfach wurde der Stoff auch verfilmt. Bei uns auf radio3 läuft aktuell eine Lesefassung von "Mord im Orient-Express". Aus diesem Anlass sprechen wir mit Barbara Sichtermann - die eine Christie-Biografie geschrieben hat - über den Roman und natürlich über seine Schöpferin.

Nicht immer reicht das Recht aus, um Gerechtigkeit zu schaffen. Elisa Marie Hoven weiß das nur zu gut. Sie ist Professorin für deutsches und ausländisches Strafrecht an der Universität Leipzig und hat ihre juristische Expertise in einen neuen Roman gegossen. "Feine Risse" erscheint am 27. Mai - und heute Abend findet die Buchpremiere im Renaissance-Theater statt. Frauke Thiele hat das Buch bereits gelesen.

Alle Literaturinteressierten sind ab sofort zur Lektüre eingeladen, um dann im Aktionszeitraum vom 24. Mai bis 7. Juni 2026 an zahlreichen Veranstaltungen in Berlin teilzunehmen. Zum Auftakt der Aktionswoche ist Daniela Dröscher am 24. Mai 2026 um 18.00 Uhr zu Gast in der Sendung "Die Literaturagenten" auf radioeins und radio3. Darüber reden wir jetzt mit dem Literaturagenten Thomas Böhm.

Im Sudan herrscht Bürgerkrieg - und das schon seit drei Jahren. Die Vereinten Nationen sprechen von der größten humanitären Krise der Welt. Und doch fehlen uns hier in Europa Geschichten von den Menschen im Sudan. Die in Khartum aufgewachsene Schriftstellerin Stella Gaitano mit südsudanesischen Wurzeln ist vor vier Jahren mithilfe des Writers-in-Exile-Programms des PEN Berlin nach Deutschland geflohen und hat Geschichten aus dem Sudan und dem Südsudan mitgebracht. In Form eines Romans: „Eddos goldenes Lächeln“ heißt der frisch von Larissa Bender übersetzte Roman, der auch auf der Shortlist des Internationalen Literaturpreises steht. Sarah Murrenhoff erzählt uns von ihrer Lektüre.

Der Westend Verlag galt lange als linker Verlag: Der Linken-Politiker Gregor Gysi, die taz-Journalistin Ulrike Herrmann oder der Armutsforscher Christoph Butterweggeder haben hier publiziert. Jetzt wenden sich 30 Autorinnen und Autoren vom Westend Verlag ab und werfen ihm in einem Offenen Brief eine Erweiterung seines Spektrums „bis zur extremen Rechten“ vor. Christoph Scheffer berichtet.

Was Familie eigentlich ist, weiß Marcin lange nicht. Es gibt in seiner Kindheit und Jugend nur ihn und seine depressive, alkoholkranke Mutter. Sie floh in den 80ern aus Polen vor dem Überwachungsstaat. Marcin ist in Deutschland geboren, sein Vater, ein polnischer Gastarbeiter, hat sich früh aus dem Staub gemacht. Der Lyriker Martin Piekar verarbeitet in seinem Debütroman "Vom Fällen eines Stammbaums" auch seine eigene Geschichte. 2022 hat er beim Bachmannpreis zwei Auszeichnungen für einen Auszug aus diesem Text bekommen. Heute Abend feiert Martin Piekar seine Berlin-Premiere im Literaturforum im Brecht-Haus in Berlin. Unsere Literaturkritikerin Nadine Kreuzahler hat den Roman gelesen.

Heute ist "Tag der kulturellen Vielfalt". Ein schöner Begriff – aber wie soll er sich im Alltag zeigen? Wie liest er sich – und wie schmeckt er? Doris Anselm hat passende Buchtipps. Darin gibt es auch das drohende Gegenteil: kulturelle Einfalt.

Nach seiner autobiografischen und viele tausend Seiten zählenden Romanreihe "Min kamp" hat der norwegische Schriftsteller Karl Ove Knausgård sofort eine weitere Reihe mit Romanen begonnen, die alle mal mehr, mal weniger miteinander zusammenhängen. Zumal in allen Romanen ein neuer Stern am Himmel auftaucht, der die Figuren begleitet, der "Morgenstern", nach dem diese Reihe auch benannt ist. Jetzt ist der fünfte Band dieser Reihe erschienen mit dem Titel "Arendal". Gerrit Bartels hat ihn für uns gelesen.

Heinrich von Kleists Novelle "Michael Kohlhaas" ist weltbekannt und beruht auf einer wahren Begebenheit. Ein brandenburgischer Pferdehändler führt einen aberwitzigen Rachefeldzug, weil ihn ein Junker um zwei Rösser betrogen hat. Sein Rechtsgefühl macht ihn zum Räuber und Mörder. Die Geschichte aus dem 16. Jahrhundert wurde mehrfach verfilmt, vertont und bearbeitet. Und jetzt holt die allein im letzten Jahr mit drei großen Literaturpreisen ausgezeichnete sächsische Autorin Heike Geißler den Kohlhaas in unsere Gegenwart – und macht ihn zu einer Frau: zu "Michaela Kohlhaas", so heißt das Buch, das heute erscheint. Corinne Orlowski hat es gelesen.

Im radio3-Kultursalon wird am 27. Mai der Schriftsteller Florian Illies zu Gast sein und sein neues Buch vorstellen. Illies ist bekannt als Journalist und Bestsellerautor unter anderen von „Generation Golf“ oder „Zauber der Stille“ über Caspar David Friedrich und zuletzt „Wenn die Sonne untergeht,“ in dem er über die Flucht der Familie Mann aus Deutschland und den Zufluchtsort Sanary-sur-mer schrieb. Nun legt er ein schmales Bändchen im neu gegründeten Pfaueninsel-Verlag vor und wird es im Gespräch mit unserer Moderatorin Shelly Kupferberg im radio3-Kultursalon vorstellen.

Die Bücher von Hans-Ulrich Treichel beschäftigen sich häufig mit Psychoanalyse. Die meisten spielen zudem im Berlin der 1980er-Jahre mit Figuren, die alles andere als heldenhaft sind. Berühmt wurde Treichel mit dem Roman „Der Verlorene”, in dem es um einen auf der Flucht aus dem Osten am Ende des Zweiten Weltkriegs verlorenen Bruder geht – oder vielmehr um eine Kindheit im übergroßen Schatten dieses Verlorenen. Nun ist ein neuer Roman von Hans-Ulrich Treichel erschienen: „Das Karussell”. Jörg Magenau hat ihn für uns gelesen.

Wie geht sie aus, die Affäre zwischen dem jungen Mann und der Lebedame? In der radio3-Lesung senden wir diese Woche schon die letzten 4 Folgen des Roman-Hörbuchs "Chéri" von Colette. Vorab kommt jetzt die letzte Mitlesekolumne von Doris Anselm – aber keine Sorge, gespoilert wird nicht! Nur gelogen. Und zwar auch mit dem Körper.

Mit dem Poesiefestival verwandelt das Berliner Haus für Poesie die Stadt in einen internationalen Treffpunkt der Dichtkunst – mit Lesungen, Buchpremieren, Workshops, Filmvorführungen und poetischen Interventionen in Ausstellungen. Inhaltlich setzt sich das diesjährige Festival mit alten Mythen und Figuren in neuen Kontexten auseinander, thematisiert Trauer als sprachliches Phänomen und hinterfragt vermeintlich Unantastbares im literarischen Kanon. Über das vielfältige Programm an zwölf Veranstaltungsorten sprechen wir mit Katharina Schultens, der Leiterin des Hauses für Poesie und künstlerischen Verantwortlichen des Festivals.

Als der Schweizer Georg-Büchner-Preisträger Lukas Bärfuss fünfzehn, sechzehn Jahre alt war, stahl ihm seine Mutter erst das Geld, das er für ein Stipendium bekommen hatte, und schmiss ihn dann aus dem Haus, und Bärfuss lebte fortan auf der Straße und schlug sich mit Gelegenheitsarbeiten durch, eine Beziehung zu seiner Mutter hatte er dann nie wieder. Nun hat er ein Buch über sie geschrieben, „Königin der Nacht. Eine kurze Geschichte über meine Mutter“. Gerrit Bartels hat das Buch für uns gelesen.

Für seinen Roman "Zeitzuflucht" wurde der bulgarische Autor Georgi Gospodinov 2023 mit dem International Booker Prize ausgezeichnet. Nun erscheint im Aufbau Verlag sein neues Buch "Physik der Schwermut". Im Zentrum des Romans steht ein einfühlsamer Junge, der sich in andere hineinversetzen kann – in seinen Großvater ebenso wie in eine Gartenschnecke. Jörg Magenau hat den Roman über Vergänglichkeit, Erinnerung und Empathie gelesen.

"Du Opfer!" gehört längst zum Standardrepertoire an Beschimpfungen. Häufig schwingt nicht nur Abwertung, sondern auch ein Vorwurf mit: Jammere nicht so viel, nimm dein Leben in die Hand. In ihrem neuen Buch "Anti-Opfer. Warum wir Verletzlichkeit verachten" beschäftigt sich die Bestseller-Autorin Alice Hasters mit einem gesellschaftlichen Klima, in dem Sensibilität vermeintlich verpönt ist und Härte an Attraktivität gewonnen hat. Trifft diese Analyse zu? radio3-Redakteurin Susanne Lang bespricht das Buch.

Die wachsende Rivalität globaler Großmächte, neue militärische Risiken für Europa, der schwindende sicherheitspolitische Rückhalt der USA sowie der rasante Fortschritt der Künstlichen Intelligenz markieren einen tiefgreifenden Umbruch. Welche Folgen sich daraus für Deutschland ergeben - ein Land, das nach 1945 auf dem Vertrauen ehemaliger Gegner neu aufbauen konnte - analysiert Joschka Fischer in seinem Buch "Wer sind wir? Deutschland auf der Suche nach seiner Identität". Der frühere Außenminister erläutert zudem, was es heute bedeutet, diesem Vertrauen weiterhin gerecht zu werden. Eine Buchkritik von Arno Orzessek.

Es geht weiter mit "Chéri", dem berühmten Roman von Colette. Diese Woche senden wir die Folgen 6 bis 9 des Hörbuchs und Doris Anselm hat darin Strategien gegen Liebeskummer entdeckt – und eine perfekte neue Kaffeespezialität für Hipster.

Die Spaltung zwischen Stadt und Land gilt als altbekanntes Klischee, wurde jedoch vor zwei Jahren sichtbar, als Landwirte mit ihren Treckern Straßen blockierten. Wie tiefgreifend diese Gegensätze sind und welche Risiken sie für Ernährungs- und Energiesicherheit sowie den demografischen Wandel bergen, untersucht Andreas Möller in seinem Buch "Die Unterschätzten". Darin analysiert er die bestehende Schieflage, ordnet die Debatten ein und zeigt auf, wie sich Gräben durch gezielte Kommunikation überwinden lassen.

Das Setting klingt verheißungsvoll. Da sind drei Freundinnen, ein Lottogewinn und die Hoffnung auf Freiheit. Doch die Berliner Comickünstlerin Lilli Loge macht daraus eine fein beobachtete Beziehungsstudie, die nicht nur ernüchternd endet, sondern auch noch voller Erotik steckt. Andrea Heinze stellt "Bunny war böse" vor.

Gerhard Henschel ist innerhalb der deutschen Gegewartsliteratur der Dokumentarist in eigener Sache. Die Romane um sein literarisches Alter Ego Martin Schlosser zeichnen seinen eigenen Lebensweg nach, vom "Kindheitsroman" über den "Künstlerroman" bis zum "Großstadtroman". Zwölf Martin Schlosser-Romane hat er in den letzten zwanzig Jahren vorgelegt, und wer sie gelesen hat, kennt auch "Oma Jever" als Teil, als Herz der Familie. Ihr ist nun ein eigenes Buch gewidmet, das genau so heißt: "Oma Jever". Jörg Magenau hat es gelesen.

Der Trend geht schon seit Jahren zu autobiografischen oder autofiktionalen Büchern. Viele Neuerscheinungen kreisen um das Leben der Autor*innen. Hinzu kommt oft ein Ruf nach Wahrheit und historischer oder aktueller Genauigkeit. Die junge schwedische Autorin Ellika Lagerlöf ignoriert mit ihrem Debüt diesen Trend völlig und legt stattdessen einen surrealistischen Erzählungsband vor: "Body", der heute auf Deutsch erscheint. Irène Bluche stellt das ungewöhnliche Debüt vor.

In ihrem Debütroman "Die rastlosen Jahre" (Originaltitel: Quarterlife) beschreibt Devika Rege das Mumbai nach einer historischen Wahl aus der Sicht von drei jungen Menschen. Naren kehrt nach Jahren an der Wall Street in ein Indien zurück, das ihm zugleich vertraut und fremd geworden ist. Amanda arbeitet in einem Slum für eine internationale NGO. Rohit, Narens Bruder, sucht nach Zugehörigkeit und gerät zunehmend in den Sog des erstarkenden Hindu-Nationalismus. Was die drei verbindet, sind Freundschaft, Loyalität und Begehren - und die Erfahrung, dass politische Überzeugungen immer stärker in ihr privates Leben eingreifen und vertraute Bindungen verändern. Nadine Kreuzahler stellt das Buch vor.