Wochenende: Endlich Zeit sich den Dingen des Lebens zu widmen, für die sonst keine Zeit im Alltag bleibt. SWR2 lädt Sie ein auf Entdeckungsreise zu gehen. Unsere Reporter besuchen Künstler, Schriftsteller und Musiker daheim oder am Arbeitsplatz. Unsere Fachreporter stellen Ihnen in der HörBar Litera…

Norbert Hummelt hat sich als Lyrik und als Lyrikübersetzer einen Namen gemacht. Für seine kongenialen Übersetzungen der berühmten Werke von T. S. Eliot und Ezra Pound wurde er genauso gelobt und ausgezeichnet wie für seine eigene Lyrik. In seinem neuen Lyrikband „Hellichter Tag“ tauchen die literarischen Vorbilder immer wieder auf.

Zoodles ist ein Lehnwort aus dem Englischen, ein sogenanntes Kofferwort, gebildet aus zucchini (Zucchini) und noodles (Nudeln) und markiert einen Foodtrend - weniger industriell gefertigte Teigprodukte, mehr Gemüse. In Gebrauch ist das Wort seit Mitte der Zehnerjahre. Von Zoodles spricht man, wenn mit einem Spiralschneider aus Gemüse dünne nudelartige Streifen geschnitten werden, die man wie Spaghetti weiter zubereiten kann. Der Begriff nahm zwar von Zucchini seinen Ausgang, lässt sich aber auch auf anderes Gemüse wie Möhren und Kohlrabi übertragen.

Wer im 18. und 19. Jahrhundert etwas auf sich hielt und das nötige Kleingeld hatte, versüßte sich das Zerrinnen der Zeit mit Orgel- und Flötenuhren. Für die aufwendig gestalteten mechanischen Musikautomaten komponierten sogar die ganz großen Komponisten wie Mozart, Beethoven und Haydn kleine Musikstücke. Einer der wohl weltweit ganz wenigen, die sich auf das ausgestorbene Handwerk des Flötenuhrbauers verstehen, ist Matthias Naeschke aus Haigerloch bei Rottenberg. Er betreibt dort seit 1984 eine Uhrmachermanufaktur - inzwischen zusammen mit seinem Sohn - in der auch Flötenuhren herstellt und restauriert werden.

Mit ihrem neuen, vierten Album erweist sich die erst 30jährige Musikerin Kalia Vandever nicht nur als herausragende Posaunistin. Sie überzeugt auch als Bandleaderin und Komponistin. Die New Yorkerin ist daher gefragt, zuletzt war sie mit Popstar Harry Styles auf Tournee. „Another View“ besticht durch eine schwebende, ruhige und sehr transparente Atmosphäre. Für Musikredakteurin Julia Neupert ganz klar ein Album, das zu den Lieblingen 2025 gehört.

Die Welt im Jahr 2119: Der Literaturwissenschaftler Tom ist auf der Suche nach einem Gedicht, das ein bewunderter Lyriker gut einhundert Jahre vorher verfasst haben soll. Tom hat alles gelesen, was sich darüber finden lässt, bis er sich auf eine Reise über das schier endlose Meer macht, um zu erfahren, dass doch alles ganz anders war als er dachte. Eva Mattes und Johann von Bülow lesen diesen Roman mit geduldiger Präzision, ein Meisterwerk von einem Hörbuch, zum Abtauchen in die Abgründe menschlicher Existenz.

Es ist bereits der 34. Roman, den Autor Andreas J. Schulte geschrieben hat - Schreibblockaden kennt er nicht. Diesmal steht wieder sein Ermittler Paul David im Mittelpunkt, ein ehemaliger Militärpolizist, der nach einer Verletzung im Dienst nun einen Campingplatz betreibt und nebenbei eine Detektei. Unterstützung erhält er von seiner Lebensgefährtin Linda Becking. In „Eifelschatten“ bekommen sie es mit einem historischen Fall zu tun, dessen Auswirkungen auch in der Gegenwart noch spürbar sind.

Regierungswechsel in Berlin, ein neuer alter Präsident in den USA und nicht zu vergessen die Bahn – 2025 meinte es gut und das Füllhorn schüttete dem Aschaffenburger jede Menge Stoff vor die Füße. Ganz schön viel Arbeit, meint denn auch Urban Priol. „Was uns die Politik täglich an Futter liefert, das satirisch noch zu toppen, ist anstrengend!“, meint der Kabarettist, der aktuell mit seinem Jahresrückblick „Tilt“ auf Tour ist.

Vom Mittelalter an bis heute sind bunt leuchtende Bleiverglasungen wichtige Elemente der Kirchen-Architektur. Einst waren sie sogar nur eine Notlösung: Weil man keine großen Glasflächen herstellen konnte, fasste man einfach kleine bunte Glasstücke in Bleirahmen ein. Einer, der sich mit dieser Kunst bestens auskennt, ist Yvo Rauch aus Koblenz. Wenn es um die Restaurierung von farbigen Glasflächen geht, ist er ein gefragter Gutachter, auch international. Ein Spezialist, der handwerkliches und wissenschaftliches Know-How vereint.

W2268660.005 SWR2 am Samstagnachmittag: Kultur und Lebensart (3. Stunde) Abstract: Longtermism bezeichnet den Einfluss des Heute auf unsere langfristige Zukunft. Ein elitäres Projekt, das sich mit den Auswirkungen unserer Handlungen auf weit in der Ferne liegende Generationen befasst und viele Fans vor allem in der Tech-Branche und in der KI-Forschung findet. Die Anhänger dieser H

Künstlerkind Christoph Demian aus Ingelheim hätte ohne weiteres Musiker werden können, aber dann sah er eine Zaubershow und war fasziniert. Durch Bücher, Kurse und Kollegen wurde die Trickkiste immer größer und der Wunsch, die Zauberei zum Hauptberuf zu machen. Der studierte Philosoph transportiert in seinem Programmen einiges an Sozialkritik ( Stichwort Fair-zaubern) und sieht seine Kunstsparte als Vorreiter im Re-illusionieren der Gesellschaft. Warum der Anteil der Frauen in seiner Branche eher gering ist, und welchen Typ Zuschauer man besser nicht auf die Bühne holt, erzählt er im Gespräch mit SWR Kultur.

Ein Mineral stand Pate für das neue Album „Selenites! Selenites!“ des finnischen Musikers Jimi Tenor. Die reine Form von Gips ist berühmt für seinen perlmuttartigen Glanz voller Wärme und Feierlichkeit. Sehr passend für diese Produktion, die in den weiten Wäldern von Jimis Heimat entstand. Der weitgereiste Tenor hat sich als Gast die ghanaische Sängerin Florence Adooni eingeladen, einer Künstlerin aus der Frafra-Gospel-Szene. Die entspannte Studioatmosphäre hat sich positiv auf die Musiker übertragen und unser Autor spricht eine eindeutige Empfehlung aus.

Tourtons du Champsaur sind unseren Maultaschen ähnlich – allerdings werden sie frittiert und nicht gekocht. Die Form erinnert an ein Kissen, deshalb hat das Gericht diesen Beinamen, der besonders gut zu Weihnachten passt. Genussforscher Prof. Thomas Vilgis hat zwei Varianten zur Auswahl: Die herzhafte kommt mit Käse, Lauch und Kartoffeln daher und wird mit einem schlichten Salat als Vorspeise auf den Tisch gebracht, die süße bietet weihnachtliche Gewürze. Neben Sahne, Schokolade zaubert der Küchenphysiker mit wohldosierten Mengen von Weihrauch und Myrrhe besondere Geschmackserlebnisse.

Auch der zweite Fall mit Hauptkommissar Arno Groth führt wieder mitten in deutsch-deutsche Befindlichkeiten nach dem Fall der Mauer. Ein 11jähriger Junge verschwindet spurlos aus einer Plattenbausiedlung in einer mecklenburgischen Kleinstadt. Die Suche bleibt erfolglos. Grandios wie Susanne Tägder vor dem Hintergrund einer erstarrten Winterlandschaft die festgefahrene Situation, Ohnmacht und Verzweiflung beschreibt. Ein Spiel mit doppeltem Boden.

Autorin Antje Huhs lässt die Frage, wie wir alte Menschen adäquat versorgen und pflegen können, in ihrem Roman lebendig werden – die Interpretation von Vera Teltz ist filmreif.

Viele Weihnachtsgedichte und -darstellungen porträtieren Maria als erhabene Gottesmutter, mit Heiligenschein, sanftem, wissenden Blick und übermenschlich. Rainer Maria Rilke, dessen 150. Geburtstag wir in diesem Jahr feiern, hat es ganz anders gemacht. In seinem Gedicht „Christi Geburt“ fragt er, wie es Maria wohl ganz persönlich mit dieser außergewöhnlichen Erfahrung ging, Mutter des Gottessohns zu werden. Das Ergebnis ist ein überraschend menschliches Bild von Maria, das verrät, wie aufmerksam Rilke in die weibliche Seele blickte.

Es klingt wie ein filmisches Kammerspiel zwischen Jazz und Neuer Musik und ganz viel Drama, meint unsere Jazz-Kritikerin Fanny Opitz. Mit feinen Nuancen, musikalischer Raffinesse und klug gewählten Effekten, entsteht ein atmosphärischer Klang, der der Soundtrack für True Crime-Serien oder Detektivgeschichten sein könnte.

Mobben, ghosten, nicht wertschätzen oder: Kujonieren. Ein etwas altertümlich anmutender Begriff, der ausdrückt, dass man unwürdig behandelt, schikaniert oder unnötig und bösartig bedrängt wird. Mitgebracht und analysiert von unserer Expertin Sandra Richter, Leiterin des Literaturarchivs in Marbach.

Fast zwanzig Jahre lang hat die ARD-Korrespondentin Annette Dittert ihre Zuschauer durch die Höhen und Tiefen britischer Politik und Lebensart geführt. Vom Brexit bis zum Tod der Queen, von Kindergangs in Liverpool bis zu der geheimen Welt der Gentlemen-Clubs. Ende des Jahres ist damit Schluss. Von der Insel wird Annette Dittert aber auch in Zukunft berichten. Als Buchautorin oder in ihrem legendären Blog „London Calling“. Im Gespräch mit SWR Kultur am Samstagnachmittag erzählt Annette Dittert vom Leben auf ihrem Hausboot „Emilia“, mitten in London und warum sie inzwischen auch einen britischen Pass hat.

Wie schafft es die praktizierende Ärztin Susanne Gührs, die zuhause auch noch eine Familie mit zwei Kindern hat, seit vielen Jahren „nebenbei“ Lyrik zu verfassen? Ganz einfach deshalb, weil sie das Gedichteschreiben als Entspannung, Anregung und Unterhaltung empfindet. Seit ihrer Kindheit interessiert sie sich für die Möglichkeiten, die die deutsche Sprache bietet, wenn man sie genauer betrachtet, dreht und wendet und so manchmal ganz neue Worte kreiert. Dem Stuttgarter Verleger Hubert Klöpfer gefallen ihre Gedichte so gut, dass er sie in seinen handgeschriebenen Gedichtekalender aufgenommen hat. Eines ihrer Gedichte war in diesem Jahr darin und auch der Kalender für 2026 hat ein Gedicht von Susanne Gührs.

„Inuit“ ist Grönländisch und bedeutet „Mensch“. Die Grönländerin Laali Lyberth hat den Inuit-Verlag 2024 gegründet, unter dem Dach des Dauner Verlags Kraterleuchten. In diesem Herbst hat sich ihr erstes Buch verlegt und auf der Frankfurter Buchmesse präsentiert: „Sila“, ein Kinderbuch der grönländischen Autorin Lana Hansen. Erzählt wird die Geschichte von einem grönländischen Jungen, der sich in einen Raben verwandeln kann und der den schwierigen Auftrag bekommt, die vom Menschen bedrohte Natur zu retten. Hier treffen sich grönländische Mythen, spannende Abenteuer und Probleme der modernen Gesellschaft. Weitere Titel sollen folgen – Laali Lyberth möchte die grönländische Literatur dem deutschen Publikum bekannt machen.

Im Buch „Scheißkerle“ erinnert sich Andrev Walden an seine Jugend im Schweden der 80er- und 90er-Jahre zwischen Waldorfschule, Alternativmilieu und sieben wechselnden Vaterfiguren. Ein Roman voller Humor, Schmerz und staunender Genauigkeit. Das Hörbuch, gelesen von Shenja Lacher, verstärkt seine außergewöhnlichen Beobachtungen mit einem ganz eigenen und unaufgeregten Ton.

Polvorones, das sind spanische Weihnachtsplätzchen mit Zimt, gerösteten Mandeln und einem Hauch von Anis. Einmal damit angefangen, mag man nie wieder aufhören, diese Erfahrung hat auch unser Genussforscher Thomas Vilgis gemacht. Logisch, dass er das Rezept mit uns teilt, das er, so kennen wir unseren Genussforscher, noch mit einem eigenen kulinarischen Kniff verfeinert hat.

Wie viele Werke er und seine Frau besitzen, kann Manfred Fuchs gar nicht sagen. Schon als Schüler kaufte er von seinem ersten Taschengeld erste Drucke und saß stundenlang in der Kunsthalle Mannheim, um berühmte Werke zu kopieren. Doch nach dem frühen Tod des Vaters musste sich Manfred Fuchs vor allem um das Familienunternehmen kümmern. Die Leidenschaft für die Kunst ist aber immer geblieben. Heute, im Ruhestand, genießt er seine beeindruckende Kunstsammlung und verbringt viel Zeit in seinem Atelier beim Malen.

Dietmar Bertram aus Mainz bespielt mit seinen Figuren nicht nur das Koblenzer Stadttheater, er geht auch direkt zu seinem Publikum. So führt er zum Beispiel in Pflegeheimen seine Produktion „Herr Gerber will heim“ auf.

Die junge Autorin Alina Weber, die aus dem Westerwald stammt, interessiert sich für soziale Prozesse und gesellschaftliche Probleme. Das Thema Gewalt in Beziehungen hat sie zu ihrem Langgedicht „Lola“ inspiriert. Darin geht es um eine junge Frau, die von ihrem Partner ermordet wird. Für ihren Gedichtzyklus ist Alina Weber in Landau mit den Martha-Saalfeld-Förderpreis ausgezeichnet worden.

Krieg in Europa, politische Unsicherheit, gesellschaftliche Polarisierung oder Klimawandel. Weltweit kriselt es, vertraute Gewissheiten bröckeln und die Zukunftsangst wächst. Wie lässt sich das aushalten? In diesem Zusammenhang fällt oft der Begriff Resilienz.

Vanillekipferl, Zimtsterne, Lebkuchen, Makronen oder Spekulatius, um nur einige der populärsten Weihnachtspätzchen zu nennen, die in der Adventszeit gebacken werden. Jeder, der diese Namen hört oder liest, hat sofort eine Vorstellung vom Geschmack des Gebäcks.

Als Kind saß Marleen Dahms vor dem Fernseher und schaute die amerikanische Zeichentrickserie „The Simpsons“. Dort sah sie eine der Figuren Saxophon spielen und das hat sie so sehr beeindruckt, dass sie wenige Wochen später selbst damit anfing. Später kamen noch Posaune und Klavier hinzu und das Studium der Jazz-Posaune in Berlin, Luzern, Leipzig und Barcelona. Nun hat die in Berlin lebende Bandleaderin mit ihrem Quintett „ALLOY“ ihr erstes Album mit dem Titel „Running and Belonging“ veröffentlicht.

Rainer Maria Rilke (1875-1926) hat nicht nur Gedichte, sondern auch lyrische Prosa geschrieben. Sein berühmtestes Werk aus dieser Gattung erschien 1910: „Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“. Es ist das Tagebuch eines jungen Schriftstellers, der im Paris der Jahrhundertwende gestrandet ist. Das Buch gilt als erster großer Roman der literarischen Moderne. Der verstorbene Sprecher und Schauspieler Gert Westphal macht Rilkes Dichtkunst zum beeindruckenden Hör-Erlebnis.

Glück ist das Thema, über das sich der Kabarettist, Autor, Hörfunk- und Fernsehmoderator Florian Schroeder nicht nur auf der Bühne einen Kopf macht. In seinem neuen Buch „Happy End“ geht er gewohnt kritisch, ironisch, provokant, aber auch kenntnisreich dem Zustand der Freude auf die Spur. Dabei rechnet er mit dem Glückswahn ab und geht der Frage nach, warum man ohne Glück glücklicher ist.

In einer Zeit des technischen Aufbruchs und der letzten kolonialen Eroberungen schreibt der französische Autor Charles Derennes einen ungewöhnlichen Abenteuerroman, der von den Geschichten Jules Vernes und H.G. Wells inspiriert ist. Die 1907 erschienene Geschichte hat der kleine Heidelberger Flur Verlag entdeckt und fast 120 Jahre nach seiner Veröffentlichung erstmals ins Deutsche übersetzen lassen. „Ungeheuer am Nordpol“ ist eine geschickt konstruierte, spannende Abenteuergeschichte, die mit Fakten und Fantasie spielt und zugleich sehr moderne ethisch-philosophische Überlegungen anstellt.

Das Ludwig Museum in Koblenz zeigt die Ausstellung „Tools of emotions and desires“ mit Werken des Künstlers Joël Andrianomearisoa. Er ist 1977 in Madagaskar geboren und pendelt zwischen seinem Heimatland und Paris. Der Künstler ist studierter Architekt. In seiner Kunst geht es immer darum Emotionen und Wünschen eine Gestalt zu geben. Dabei arbeitet er mit einfachen Materialien wie Metall, Wolle, Spiegelglas oder Plastik.

Es gibt unzählige Pop- und Rocksongs, deren Lyrics völlig anders verstanden werden, als sie eigentlich gemeint sind. Das reicht vom simplen Verhören oder einer selektiven Wahrnehmung bis hin zur Vereinnahmung und zum Missbrauch eines Songs, etwa zu politischen Zwecken. Der Musikjournalist und Autor Michael Behrendt ist seit jeher fasziniert von der Auseinandersetzung mit Lyrics der Pop- und Rockmusik und spürt in seinem jüngsten Buch „VERHÖRT, VERKANNT, VEREINNAHMT" dem Phänomen des Songmissverständnisses nach. Mit großer Sachkenntnis und einer gehörigen Portion Humor beschert sein informatives Buch Popliebhaber*innen so manches Aha-Erlebnis und sorgt zugleich für eine unterhaltsame Lektüre. Eine absolute Entdeckung für Popenthusiasten, bei der so mancher Lieblingssong in einem ganz neuen Licht erscheint. Musikalische Missverständnisse gab es nicht erst im 20. Jahrhundert und nicht erst in der Popmusik – sondern bereits viel früher. Im Minnesang des Mittelalters – und später in der Klassik und Romantik. Oftmals sind versteckte Codes der Komponisten nicht leicht zu entschlüsseln. Oder verschiedene Bedeutungsebenen, wie sie etwa Schubert in seiner „Winterreise“ angelegt hat. Die Geschichte des musikalischen Missverständnisses hat also eine längere Tradition, mit den modernen Medien aber sind die Möglichkeiten seiner Verbreitung enorm gewachsen und damit ist es auch komplizierter und unberechenbarer geworden.

John Scofield und Dave Holland zählen zu den renommiertesten Künstlern des Jazz – der Gitarrist und der Kontrabassist kennen sich seit über vierzig Jahren und sie haben schon in vielen Projekten zusammengespielt. Doch als Duo haben sie erst vergleichsweise spät zusammen gefunden. „Memories Of Home“ ist ihr erstes gemeinsames Album, auf dem die beiden die musikalische Sozialisation der 1960er Jahre hörbar aufleben lassen. Egal in welchem Genre sich John Scofield und Dave Holland bewegen - sie verstehen es stets mit Leben zu füllen. Es macht große Freude, dieser Unterhaltung zweier Altmeister beizuwohnen - meint unser Jazzkritiker Niklas Wandt.

Einen Hang zur Bühne und Spaß am Verkleiden führten bei dem Mainzer Alexander Böpple vor acht Jahren zu einer zweiten Persönlichkeit: Als elegant-frivole Dragqueen Chardonnay von Tain ist er seitdem in der Szene unterwegs. Wie die Verwandlung genau vor sich geht, welchen besonderen Effekt High Heels haben und was er an der Mainzer Drag-Community schätzt, erzählt Alexander Böpple bei unserem Hausbesuch.

Longevity ist abgeleitet aus dem Lateinischen (longus und vita) und bedeutet wörtlich übersetzt Langlebigkeit. Den Wunsch nach einem langen Leben verbindet der Anglizismus aber immer auch mit der Sehnsucht nach größtmöglicher Gesundheit im hohen Alter. Was mit seriöser Forschung begann – die Suche nach Gründen und Möglichkeiten, länger gesund zu leben, etwa durch eine Änderung des Lebensstils und durch eine gesunde Ernährung – hat sich in den letzten Jahren zu einem Hype in den sozialen Medien entwickelt. Und zu einem wahren Werbeboom für angeblich lebensverlängernde und gesundheitsfördernde Maßnahmen geführt: Neben Nahrungsergänzungsmitteln werben Firmen und Influencer für extrem überteuerte Lifestyle- und Anti-Aging-Produkte, deren Erfolg oftmals recht fragwürdig ist. Und, kritisiert die Sprachwissenschaftlerin Dr. Annette Klosa-Kückelhaus, nur die Wohlhabenden unserer Gesellschaft können sich solche Extraanwendungen überhaupt leisten, was das Gefälle zwischen arm und reich nochmals verstärkt.

Das ist ungewöhnlich: Caroline Wahls Roman gibt es jetzt in zwei Hörbuchfassungen, einmal als Autorinnenlesung und einmal interpretiert von der Schauspielerin Chantal Busse. Gut für das Buch, denn hier wird deutlich, dass nicht alle Autorinnen und Autoren selbst lesen sollten. Manche Lesungen aber sind sehr speziell und haben doch ihren eigenen Reiz.

Schlanganger ist für Thomas Vilgis tief mit Erinnerungen an seine Kindheit in der schwäbischen Heimat verbunden, denn das Gericht aus der Ostalb hat seine Mutter oft zubereitet. „Schlanganger besteht aus Kartoffeln (die es immer auf der rauen Alb gab) und Eiern, die die Hühner im Garten legten“, erzählt Thomas Vilgis rückblickend - und „Milch gab es vom Nachbarn oder man holte sie zu Fuß mit dem Milchkännle in der ‚Molke‘. Und Mehl hatte man sowieso wegen der vielen Spätzle im Haus.“ Schlanganger ist ein schlichter Kartoffelauflauf - aber eine regionaltypische Köstlichkeit aus der Ostalb und fixer Bestandteil der dortigen Esskultur. Der Clou ist die äußerst gesunde resistente Stärke, die durch das Abkühlen der am Vortag gekochten Kartoffeln entsteht. Heute ist das Rezept fast vergessen - Thomas Vilgis hat es für SWR Kultur wiederentdeckt.

Die literarische Welt feiert am 4. Dezember den 150. Geburtstag von Rainer Maria Rilke, einer der bedeutendsten deutschen Lyriker, der 1875 in Prag geboren wurde. Im Alter von 30 Jahren veröffentlichte er sein „Stunden-Buch“, das ihn als Lyriker berühmt machte. Dieser Gedichtband und weitere faszinierten das Publikum, Rilkegedichte wurden in viele Sprachen übersetzt und sie beeinflussten unzählige andere Lyrikerinnen und Lyriker in aller Welt. Die Autoren Jan Wagner und Nobert Hummelt hatten die Idee, deutsche Schreibende dazu einzuladen, sich mit Rilke zu beschäftigen und sich zu lyrischen „Antworten“ auf Rilke inspirieren zu lassen. Die Resonanz war überwältigend. Das faszinierende Ergebnis der unterschiedlichsten Gedichte ist im Band „Tanzt die Orange – 100 Antworten auf Rilke“ im Hanser Verlag erschienen.

Das tägliche Schreiben und Notieren ist für Hanns-Josef Ortheil wahrscheinlich wie Atmen, Essen oder Schlafen. Seit Kindheitstagen schreibt er Erlebnisse auf. Davon konnte er schon oft auch für sein literarisches Schaffen zehren. So auch im Roman „Schwebebahnen“, in dem er von seiner Grundschulzeit in Wuppertal erzählt. Gleichzeitig entwirft er dabei ein Bild von Deutschland in den 1950er Jahren, von dieser Zeit des Neuanfangs. Es sei gewesen, als habe er sich in die Kindheit zurück geträumt, erzählt der Autor. Das merkt man dem Text an: Eine leichte, feinfühlige Erzählung aus der Perspektive des Jungen, der seine ganz eigene Sicht auf die Welt hat.

Die Klarinettistin und Komponistin ist es gewohnt, Ensembles zu leiten. Für die neue, kleinste Besetzung ihrer Formationen hat sie sich drei besonders vertraute Personen ins Studio geholt: musikalisch und persönlich. Das Quartett ermöglicht eine größere Flexibiliät der einzelnen Musiker und lässt ungewohnt viel Raum für Unvorhergesehenes. Fast kammermusikalisch wirken manche Stellen, dann wirkt die Band fast wie ein Sinfonieorchester. Das kommt Rebecca Trescher sehr entgegen, denn sie liebt klassische Musik. Unsere Musikredakteurin empfiehlt das Album uneingeschränkt und verspricht ein ganz neues Hörerlebnis im musikalischen Universum der Rebecca Trescher.

Der Stuttgarter Künstler Thomas Putze geht aufs Ganze - als nackter Heiliger ebenso wie beim Zerklopfen seiner eigenen Skulpturen, oder wenn er einer verstorbenen Freundin den Blues singt. Begegnung mit einem Kunstmalocher und Humorbegabten