Wochenende: Endlich Zeit sich den Dingen des Lebens zu widmen, für die sonst keine Zeit im Alltag bleibt. SWR2 lädt Sie ein auf Entdeckungsreise zu gehen. Unsere Reporter besuchen Künstler, Schriftsteller und Musiker daheim oder am Arbeitsplatz. Unsere Fachreporter stellen Ihnen in der HörBar Litera…

Als Jüdin erlebt Dagmar Nick als Jugendliche im Nationalsozialismus Angst und Verfolgung. Schon früh beginnt sie, ihre Erfahrungen in Gedichten zu verarbeiten. Eines ihrer wichtigsten Gedichte - es trägt den Titel „Flucht“ - schreibt sie als 18-Jährige. Erich Kästner, ein Freund der Familie, liest es und ist davon so beeindruckt, dass er es 1945 veröffentlicht. Es ist der Beginn einer beispiellosen literarischen Karriere. Im Mai 2026 wurde Dagmar Nick 100 Jahre alt.

Der Roman „Ellbogen“ (2017) war Fatma Aydemirs literarisches Debüt. Er handelt von der Wut einer jungen Deutsch-Türkin in Berlin, die sich von der Mehrheitsgesellschaft ausgeschlossen fühlt. Für das Hörbuch ist Schauspielerin Aysima Ergün die perfekte Besetzung. Sie verleiht der Protagonistin eine authentische Stimme, auch wenn der trotzige Grundton des Romans leicht monoton wirkt.

Tortenschaufeln, Christbaumkugeln, alte Messer oder Stoffbären: In einem historischen Haus neben der Sayner Hütte haben Rita Ternes und Thomas Naethe eine ungewöhnliche Sammlung zusammengetragen. Die beiden Keramikkünstler bewahren nicht einfach Dinge auf: Sie retten Geschichten. Ihr denkmalgeschütztes Haus, das sie einst für einen Euro kauften und restaurierten, ist heute Wohnort, Kulturstätte und „Schatzkammer“ zugleich. Ein Besuch bei Menschen, die ein Ohr für die Sprache der Dinge haben.

Die ehemalige Kantine des Nähmaschinenherstellers Pfaff in Kaiserslautern steht seit etlichen Jahren leer. Die Mitglieder des Vereins Kulturwerk Pfaff erkennen in dem beeindruckenden Gebäude eine großartige Chance für ein neues Zentrum, in dem Kultur aller Gewerke stattfinden könnte.

Was man in der Gastronomie schon lange bei Fisch oder Fleisch kennt, empfiehlt Genussforscher Thomas Vilgis auch bei Gemüse. Aus Honig, Sojasauce, Tomatenmark, Wein und pürierter Aprikose entsteht eine dickflüssige Substanz, die mit dem Pinsel gleichmäßig auf die gegarte Aubergine aufgetragen wird und für intensive Aromen sorgt. Dazu serviert der Fachmann Mischgemüse mit Senf verfeinert.

Gefühle im Alltag beschäftigen Jil Pappert in ihren Stücken. Mit zunehmender Lebenserfahrung wächst ihre Fähigkeit, den Emotionen Raum zu geben, bevor sie sie kommuniziert. Der Albumtitel „Public Secret" ist für sie gleichbedeutend mit veröffentlichten Tagebucheinträgen. Auf der Suche nach dem eigenen Sound hat die Mannheimerin gelernt, bei sich zu bleiben und eine gewisse Gelassenheit im Umgang mit anderen zu entwickeln. Musikredakteur Konrad Bott vergleicht Jil Papperts Stimme mit Magma, das den Klang der Instrumente umfließt und sie gleichzeitig selbst zum Singen bringt. Ein würdiges Debut einer tollen Stimme - so sein Resümee.

Paul Münch gilt als der bedeutendste pfälzische Mundartdichter, weil er die Sprache und das Lebensgefühl der Pfalz besonders authentisch dargestellt hat. Seine Gedichte und Geschichten beschreiben Alltag, Weinbau, Natur und Menschen der Region mit viel Humor und Heimatverbundenheit. Er schrieb konsequent in pfälzischer Mundart und trug dadurch wesentlich dazu bei, den Dialekt literarisch aufzuwerten.

Sie leitet und unterrichtet Bands, spielt selbst in Duo, Quartett und Big Band, schreibt Jazzmusik für Ensembles und engagiert sich in Institutionen für Jazzmusik: Kerstin Haberecht glaubt an die Kraft der Gruppe und ist dabei recht erfolgreich. Wie sie die nächste Generation Musiker motiviert und wie ihre musikalischen Träume aussehen, erzählt sie bei SWR Kultur.

Trompeter, Tierarzt oder Leistungssportler? Am Ende war es dann doch die Musik, die Max Punstein zu seinem Beruf machte. Statt Trompete studierte er Schlagzeug in Saarbrücken, danach noch Kulturmanagement in Potsdam und heute leitet er die Emmerich-Smola-Musikschule und Musikakademie in Kaiserslautern. Seit ein paar Jahren prägt Max Punstein die Kulturszene seiner Stadt auch als stellvertretender Kulturreferent. Im Gespräch mit SWR Kultur freut er sich über die Vielfalt der Kaiserslauterner Kulturszene und das Interesse daran.

Mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis wurde er 2024 endgültig einem breiten Publikum bekannt: Der Schriftsteller Tijan Sila lebt und arbeitet in Kaiserslautern. Im Gespräch erzählt er von seiner besonderen Verbindung zur Stadt, vom Schreiben neben seiner Arbeit als Berufsschullehrer und dem Familienalltag mit seiner kleinen Tochter, von Kriegserfahrungen als literarischem Stoff – und von seiner Kinderbuchreihe „Lila Leuchtfeuer“, die er gemeinsam mit seiner Frau entwickelt hat.

Sie teilen ihr Leben, ihre Kunst und die Bühne. Die Schriftstellerin Madeleine Giese und der Schauspieler Rainer Furch entwickeln gemeinsam Programme zwischen Literatur, Theater und feinem Humor. Im Gespräch erzählen sie, wie kreative Zusammenarbeit in einer Ehe funktioniert, warum Texte erst durch die Stimme ihre volle Wirkung entfalten – und weshalb sie bewusst in Kaiserslautern leben und arbeiten. Ein Gespräch über Kunst im Dialog, gemeinsame Inspiration und die kulturellen Chancen jenseits der großen Metropolen.

Er ist ein Musiker, der nie stillsteht, der immer noch den Sprung ins Unbekannte, die frischen Begegnungen sucht. Nach vielen Jahrzehnten an der Spitze des US-Jazz hat der Saxofonist und Komponist Joe Lovano aus New York City mit Anfang siebzig nochmal eine neue Band zusammengestellt, die jetzt ihr Debütalbum vorgelegt hat – das Paramount Quartet. Unser Jazzkritiker Niklas Wandt hat mit Joe Lovano gesprochen und stellt uns das neue Album vor.

Bo ist 89 und verbringt seine Tage auf der Küchenbank, seinen Hund Sixten neben sich. In der Küche ist es gemütlich mit dem Ofen, hier empfängt er den Pflegedienst und seinen Sohn Hans. Als dieser meint, Bo könne sich nicht mehr angemessen um Sixten kümmern, gerät Bos Welt endgültig aus den Fugen. Walter Kreye gelingt eine großartige, tief berührende Interpretation der Sicht eines alten Menschen auf sein Leben, das ihm immer mehr entgleitet.

Zwischen Wein und Bier verläuft in der Westpfalz nicht nur eine kulturelle, sondern auch eine kulinarische Grenze. Logisch, dass unser Genussforscher Thomas Vilgis ein regionales Gebäck kennt, das genau dort zuhause ist: Woi- und Bierknorzen. Dazu gibt es zweierlei Radieschenbutter – einmal klassisch pfälzisch mit dem ganzen Radieschen verarbeitet, einmal mit einem feinen japanischen Umami-Twist.

Sammler, Jäger, Gärtner, Baumeister und noch vieles mehr: Ameisen gehören zu den faszinierendsten Lebewesen der Erde. Naturfotograf Ingo Arndt zeigt im Naturkundemuseum Reutlingen, was die kleinen Krabbler zu Superheldinnen macht.

Die erste Frau im Leben eines Mannes ist die Mutter – gefolgt von Freundinnen, Gefährtinnen, Partnerinnen. Von ihnen erzählt Rafik Schami in diesem Roman. Die unterschiedlichen Frauen sind die Orientierungspunkte im Lebensrückblick der Hauptfigur Nadim. Das Glück ist meist vergänglich, oft wurde er enttäuscht oder verletzt, dennoch finden alle ihren Platz. Die Geschichten sind Würdigung und Liebeserklärung zugleich.

Friedrich Schiller und Johann Wolfgang von Goethe schmiedeten 1794 einen gemeinsamen Plan. Ein kleines Geheimprojekt, mit dem sie es der spießbürgerlichen Literaturszene heimzahlen wollten und in deren Zentrum die Xenien standen. Der Begriff geht bereits zurück auf den römischen Dichter Martial und bezeichnet ursprünglich Begleitverse zu einem Gastgeschenk. Bei Schiller und Goethe aber bekamen die Xenien einen stark ironischen und satirischen Charakter - über 1000 Epigramme haben die beiden geschrieben als scharfe Kritik an der damaligen Kulturszene. Die Gattung geriet durch ihre Attacke in Verruf - heute haben die Xenien so gut wie keine Bedeutung mehr in der Literatur.

Rhabarber ist ein richtiges Allroundtalent in der Küche, von der Grütze bis hin zum klassischen Rhabarberkuchen wird er heiß geliebt - nicht immer, aber immer öfter. Doch wer Rhabarber im Garten anpflanzt, weiß auch, dass er einem schnell über den Kopf wachsen kann. Wohin dann also mit den köstlichen Stangen? Unser Genussforscher Prof. Thomas Vilgis schlägt vor, Gsälz (schwäbisch - auch Xäls oder Gselz ) daraus zu machen - und zwar verschiedene Sorten mit Pfiff. Denn Rhabarber-Konfitüre ist nicht nur auf dem Brötchen lecker, sie macht auch auf vielen Käseplatten eine verdammt gute Figur.

Während des Musikstudiums in Mainz vor drei Jahren haben sie sich zusammengetan. Drei Frauen und zwei Männer nennen sich seitdem „Lylac“ und haben sich schnell in der Jazzvokal-Szene einen Namen gemacht. Das Ensemble agiert demokratisch und hat mittlerweile viele eigene Stücke im Repertoire. Warum die fünf so gut harmonieren und was ihnen zur Produktion des zweiten Albums fehlt, erzählen sie in SWR Kultur.

„Wenn ich Shaping-Unterwäsche ablehne, muss ich dann auch aufhören meine Strumpfhosen absichtlich immer eine Nummer zu klein zu kaufen, damit sie meinen Bauch plattdrücken? Ist Make-up, das Männern gefällt, automatisch ein schlechtes Zeichen?" Fragen, die die Autorin Sophie Passmann in ihrem neuen Buch „Wie kann sie nur“ zu beantworten versucht. Es geht um den alltäglichen Wahnsinn, als Frau im Netz präsent zu sein und dabei ständig bewertet zu werden. Ein Erfahrungsbericht zwischen Selbstinszenierung und Selbstbestimmung, vorgetragen von der Autorin selbst, was ihn umso authentischer macht.

Allen Ginsberg gilt als eine der wichtigsten Stimmen der Beat Generation und wurde mit seinem Gedicht „Howl“ weltberühmt. Er rebellierte gegen Kapitalismus und gesellschaftliche Konventionen der Nachkriegszeit. Seine Texte verbanden Literatur mit Themen wie Sexualität, Drogen, Spiritualität und fernöstliche Philosophie. Ginsberg experimentierte mit LSD, beschäftigte sich intensiv mit Zen-Buddhismus und reiste auf der Suche nach Erkenntnis durch Asien und Südamerika. Als politischer Aktivist engagierte er sich unter anderem gegen den Vietnamkrieg, für die Rechte Homosexueller und für eine liberale Drogenpolitik.

Schockverliebt hat sich Maria Wördemann in die Schauspielerei als Jugendliche während eines Theaterbesuchs von Shakespeares „Romeo und Julia" – heute spielt sie die Rolle der Julia selbst auf der Bühne des Staatstheaters Wiesbaden.

Mahan Mirarab wuchs in Teheran auf und lebt heute in Wien. Protest, Gewalt, Angst und Exil haben sein Leben und seine Musik in den letzten vier Jahren verändert. Sein neues Album ist deshalb eine wichtige Botschaft - und sein Instrument ein Beweis dafür, dass der Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Ost und West gelingen kann. Die beiden Griffbretter seiner Gitarre ermöglichen ein Wechselspiel zwischen iranischer Klangtradition und westlicher Harmonik - und sind zugleich ein Symbol für kulturelle Verständigung. Das Album „Unspoken“ erzählt von Austausch und Empathie und wartet mit einer Starbesetzung auf: dem klassischen Cellisten Kian Soltani, dem schwedischen Jazzbassisten Lars Danielsson und der Musikerin Golnar Shahyar. „Der Jazz braucht genau jetzt Menschen wie Mahan Mirarab“ - meint unsere Jazzkritikerin Fanny Opitz: „Musiker, die uns verantwortungsvoll ins Gedächtnis rufen, worum es eigentlich geht. Um ein Miteinander jenseits kultureller Unterschiede.“

Das Wort „Routine“ hat sich in den letzten Jahren zu einem Modewort entwickelt und findet sich als Synonym für Disziplin, Produktivität oder ein erfolgreiches Leben in den sozialen Medien und auch in Ratgebern. Ob Morgenroutinen, Pflegeroutinen oder Erfolgsroutinen aber tatsächlich erstrebenswert sind und wie der Begriff sprachwissenschaftlich einzuordnen ist, darüber hat sich die ehemalige Leiterin der Duden-Redaktion Dr. Kathrin Kunkel-Razum Gedanken gemacht.

Am 24. Mai feiert der Musiker Bob Dylan seinen 85. Geburtstag. Er kann auf eine Karriere zurückblicken, die vor mehr als 60 Jahren begann. 2016 wurde Dylan für seine poetischen Texte mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Einer seiner spannendsten und zugleich rätselhaftesten Texte ist der des Songs „Visions of Johanna“, der 1966 auf dem legendären Album „Blonde on blonde“ erschien.

Das Antoine Spranger Quartet um den deutsch-französischen Pianisten und Komponisten Antoine Spranger ist ein noch junges internationales Jazzensemble. Zur Band gehören außerdem Ludovic Ernault am Saxophon, Matis Regnault am Kontrabass und Tobias Frohnhöfer am Schlagzeug. Das Quartett verbindet Modern Jazz mit klassischer Musik, wobei die Harmonik stark vom musikalischen Impressionismus beeinflusst ist, sagt Antoine Spranger und verweist auf Claude Debussy und Maurice Ravel. Spranger hat an der Musikhochschule in Mannheim studiert und lässt nun mit seinem Debütalbum „Castle of Ice“ aufhorchen, das beim Bremer Label „Laika Records“ veröffentlicht wurde.

Warum ist das Barock Kunst auf Koks und Valium, warum die Renaissance die Streberin der Kunstgeschichte und warum sieht Kubismus aus, als hätte man in einen Spiegel geboxt? Fragen, auf die der Stand-Up-Comedian und Buchautor Jakob Schwerdtfeger in seinem Buch Antworten geben will.

Max und Anna sind beide Anfang sechzig, als sie sich kennenlernen. Max rechnet schon gar nicht mehr mit der Liebe, Anna ist verheiratet und zufrieden, wie sie sagt. Die Liebe trifft die beiden unerwartet und mit voller Wucht. Matthias Brandt und Martina Gedeck geben dem Text von Thomas Hettche durch ihre Interpretation eine enorme Tiefe, in der alles mitschwingt was die Liebe ausmachen kann.

„Man ist, was man isst“, sagte der deutsche Philosoph Ludwig Feuerbach schon Ende des 19. Jahrhunderts. Und möglicherweise stimmt das heute mehr denn je. Schließlich ist Essen mehr als nur Hungerstillen. Essen kann auch Lebensgefühl sein, soziales Ereignis, Ideologie, Statussymbol, Modetrend oder Lifestyle.

In ihrem autofiktionalen Roman hat die Tübinger Autorin ihre ehemaligen Geliebten aufgesucht und mit ihnen Interviews über die lang zurückliegende, gemeinsame Zeit geführt. Dabei fällt der Rückblick auf die Beziehung oft irritierend unterschiedlich aus.

„Nose to Tail“ – von der Nase bis zum Schwanz. Dieser Begriff steht für die Idee, ein Tier möglichst vollständig zu verwerten - also nicht nur die klassischen Fleischstücke. Ganz ähnlich verhält es sich bei dem Trend „Root to Leaf“, bei dem vom Blattgrün über die Schalen bis zur Wurzel alles verwertet wird. Das ist nicht nur nachhaltig, sondern schafft auch Platz im Kühlschrank. Mit am meisten Blätter, die das Gemüsefach füllen, hat der Blumenkohl. Normalerweise werden die weggeschmissen und nur der weiße Kopf wandert in den Topf. Weil Genussforscher Thomas Vilgis vom Max-Planck-Institut in Mainz nur ungern etwas wegwirft, nimmt er die Blumenkohlblätter und das Kraut von Radieschen-Bünden als Grundlage für seine Version eines französischen Klassikers: einer Tarte aus umgestürzten Mürbeteigkuchen.

Gabrielle Cavassa singt bei einer Hochzeit, bei der die Managerin des Saxofon-Stars Joshua Redman als Gast mit dabei ist. Sie ist so begeistert, dass sie die beiden in Verbindung setzt. Joshua Redman holt die junge Sängerin kurzerhand in seine Band. Eine geradezu märchenhafte Entdeckung. Inzwischen gilt Gabrielle Cavassa als Shootingstar der Jazzszene. „Diavola“ heißt ihr Debütalbum, das jetzt beim legendären Label Blue Note erschienen ist.

Schon als Kind im Sandkasten war ihm klar: Spielen, das möchte ich auch als Erwachsener machen. Hat geklappt. Der Theater- und Fernsehschauspieler Aurel Manthei genießt es in neue Rollen zu schlüpfen. Ob als Kommissar im Thüringenkrimi, als Gründer des Open-Air Festivals Wacken oder als verlassener Ehemann. Privat hört der Vater von drei Kindern gerne Heavy Metal und fährt Motorrad.

Eine Schwarze Frau aus den 1970ern wird plötzlich in die Zeit der Sklaverei katapultiert. Octavia E. Butlers Roman „Verbunden“ gilt heute als Klassiker der afroamerikanischen Literatur. Jetzt ist der Roman als ungekürzte Hörbuchfassung erschienen, gelesen von Dela Dabulamanzi. Das Hörbuch erzählt nicht nur von historischer Gewalt, sondern auch davon, wie sich Geschichte in Körper und Sprache einschreibt und wie gegenwärtig sie bis heute geblieben ist.

Im 18. Jahrhundert war ein Freigeist jemand zwischen „nicht gläubig“ und „sich amoralisch verhalten“. Heute ist ein Freigeist eine eher positive Zuschreibung, eine Person mit Verstand und Moral, wie es der Philosoph Friedrich Nietzsche beschreibt. Sandra Richter, Leiterin des Literaturarchivs Marbach, stellt uns den Freigeist als Begriff im Wandel der Zeit vor.

Die deutsch-jüdische Lyrikerin Mascha Kaléko lebte lange in Berlin, wanderte 1938 jedoch aus Angst vor den Nationalsozialisten in die USA aus. Nach Berlin kam sie ein paar mal zurück, nur auf Besuch. Mit ihrem scharfen analytischen Blick nahm sie genau wahr, was sich in der Stadt und in den Menschen dort verändert hatte. Der Autor Volker Weidermann begleitet in seinem neuen Buch „Wenn ich eine Wolke wäre“ Mascha Kaléko auf ihrer Reise durch Berlin. Er liest aus seinem Buch bei der „Freinsheimer Lese“ am 30. Mai in Freinsheim.

Tofu hat den schlechten Ruf, nach „Nichts“ zu schmecken. Unverständlich für Genussforscher Prof. Thomas Vilgis, der mit einem leichten Trick Tofu sehr aufnahmefähig für alle möglichen Geschmacksrichtungen machen kann. Er schätzt ihn vor allem wegen seiner Textur und den wertvollen Proteinen. Dazu passt das Grün von Möhren und anderem Gemüse, das viel zu schade ist zum Wegwerfen.

Der Bahnhof Ahütte in der Vulkaneifel war jahrzehntelang verlassen. Heute ziehen dort Krimidinner, Theatervorstellungen und historische Schienenbusse wieder Besucher an. Museumsbahnhof-Leiter Andreas Kurth hat die frühere Station der Oberen Ahrtalbahn mit viel Originalinventar und kreativen Ideen wiederbelebt. Zwischen Stellwerk, Fahrkartenschalter und nostalgischen Zugabteilen können Gäste in die Atmosphäre vergangener Bahnreisen eintauchen. Ziel ist ein Ort, an dem Geschichte gemeinsam erlebt wird.

Janne liebt ihren Job bei der Post. Sie sieht sich als Briefdetektivin, die dafür sorgt, dass unzustellbare Briefe doch noch den Menschen erreichen, für den sie gedacht waren. Dafür darf Janne die Briefe öffnen und Nachforschungen anstellen. Doch dann wird sie daran erinnert, dass sie schon viel zu lange keinen Kontakt mehr zu ihrem eigenen Großvater hat. Ein an ihn adressierter Brief landet auf ihrem Schreibtisch. Die Adresse stimmt, aber warum ist er unzustellbar? Und wer ist Rieke Hubert, die den Brief geschrieben hat? Janne beschließt, das herauszufinden. Ein einfühlsames Buch darüber, wie schwer und wichtig es ist, die richtigen Worte zu finden.

In ihrem Roman „Alle meine Mütter“ erkundet Lena Gorelik die vielfältigen Facetten der Mutterschaft. Sie collagiert Geschichten von Müttern und Nicht-Müttern und zeigt Frauen, die in ihrer Rolle glücklich, überfordert, wütend und traurig sind. Schauspielerin Inka Löwendorf interpretiert den Text mit viel Feingefühl, wechselt gekonnt zwischen distanzierter Beobachtung und Empathie.

Im „Balladenjahr" 1797 traten Goethe und Schiller in einen freundschaftlichen Wettstreit und schrieben einige ihrer berühmtesten Balladen. Friedrich Schiller hinterfragt in seinen Werken oft gesellschaftliche Vorstellungen von Ehre und Tapferkeit und kritisiert Oberflächlichkeit und leere Moral. Besonders deutlich tritt diese Kritik in seiner Ballade „Der Handschuh" aus dem Jahr 1797 zutage.

Im kleinen Ort Saig unweit des Titisees im Schwarzwald gelegen, trafen sich ab den 1920er Jahren viele namhafte kreative und intellektuelle Geister. Darunter der Maler Otto Dix, der Historiker Gerhard Ritter, der im Widerstand gegen Hitler aktiv war, oder auch der Bildhauer Fritz Klimsch und sein Sohn, der Schriftsteller Uli Klimsch. Gunilla Eschenbach und Rainer Bayreuther haben in einer detaillierten Dorfstudie die überraschenden Begegnungen und den Austausch untereinander lebendig gemacht. Ein faszinierendes Portrait eines magischen Ortes.