Das Radio: seit einem Jahrhundert Wegbegleiter der deutschen Geschichte. Historische Tondokumente vermitteln ein Gefühl für wichtige Ereignisse und Stimmungen vergangener Jahrzehnte.

25 Jahre nach dem Bau der Mauer kam es 1986 zur ersten Städtepartnerschaft zwischen einer bundesdeutschen und einer Gemeinde der DDR. Die Initiative ging von Saarlouis aus, von den Fraktionen von SPD und Grünen.

Nach Ende der Naziherrschaft lebten nur noch wenige Juden in Deutschland. Erst langsam wurde jüdisches Leben wieder aufgebaut. Rabbiner mussten aus dem Ausland geholt werden, weil es in Deutschland keine Ausbildungsstätte gab.

Ergebnisse der ersten PISA-Studie sickern am 3. Dezember 2001 durch, am 4. Dezember werden sie offiziell bekannt gegeben. Und Fachleute sind sich einig: Es gibt keine Ausrede – die Studie ist methodisch sauber.

Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 war die weltweite Anteilnahme groß, auch Russlands Staatspräsident Wladimir Putin bekundet seine Solidarität mit den USA.

Um 14.30 Ortszeit, 20.30 Uhr MEZ, tritt US-Präsident George W. Bush ein drittes Mal an diesem 11. September 2001 vor die Mikrofone und hält eine Ansprache an das amerikanische Volk. https://1.ard.de/archivradio-11-september-w?=par

Wie viele Radiosender unterbricht auch SWR1 am 11.9.2001 sein laufendes Programm. Korrespondent Thomas Nehls berichtet live über den terroristischen Anschlag.

11. September 2001, 15 Uhr. 20 Minuten zuvor ist ein Flugzeug in den Südturm des World Trade Centers geflogen. In den Radionachrichten von SWR1 und SWR3 kommt die Meldung aus New York kurz, aber an erster Stelle.

Am 1. Januar 2002 wird in Deutschland die D-Mark durch den Euro ersetzt. Damit bald alle ihr Bargeld umtauschen können, müssen Banken im ganzen Land mit Banknoten und Münzen versorgt werden.

1951 beantragte die Bundesregierung unter Konrad Adenauer das Verbot zweier Parteien: Die Sozialistische Reichspartei; das ging schnell. Und die KPD. Das dauerte.

Es war eines der großen gesellschaftspolitischen Projekte der rot-grünen Bundesregierung unter Gerhard Schröder: Die Einführung der gleichgeschlechtlichen Partnerschaft.

Seit Katharina denken kann, hat sie das Gefühl, nicht richtig zu sein. Die Familie schweigt über die Vergangenheit. Nur ein kleines Foto: ein Mann neben ihrer Mutter. Wer ist das?

Die Weltwirtschaftskrise spitze sich in der Bankenkrise 1931 zu. Anleger und Sparer verlieren ihr Vertrauen und heben ihr Erspartes ab. Banken geht das Bargeld aus. Reichsfinanzminister Hermann Dietrich versucht zu beruhigen.

1936, kurz vor den Olympischen Spielen in Berlin, wird in Frankfurt der Flug- und Luftschiffhafen Rhein-Main eröffnet. Es spricht Erhard Milch.

Nach dem Fall der Berliner Mauer 1989 geht auch die Epoche der Sowjetunion langsam zu Ende und mit ihr löst sich das mächtige Militärbündnis des Ostens auf, der Warschauer Pakt.

6.7.1976 | Bis 1976 war klar: Nach einer Hochzeit bekommt die Ehefrau den Nachnamen des Mannes. Allenfalls darf sie ihren Mädchennamen mit Bindestrich dazusetzen. Am 1. Juli 1976 gibt es ein bisschen mehr Gleichberechtigung: Die Eheleute dürfen sich nun auch auf den Namen der Frau einigen. Die Bindestrich-Option gibt es weiterhin. Eigentlich ist das schnell gesagt, doch die Ausführlichkeit und der Ton, in der der folgende Beitrag vom 6. Juli 1976 dieses Thema breittritt, verrät etwas darüber, wie gewöhnungsbedürftig das neue Namensrecht offenbar damals ist. https://archivradio.de/

Lehrkräftemangel, marode Schulen – und etliche Kinder, die nicht die Bildung bekommen, die ihrer Begabung entspricht. Das alles beklagt 1964 der bekannte Pädagoge Georg Picht (1913 - 1982). Er warnt: Die schönen Zeiten des Wirtschaftswunders könnten bald vorbei sein.

1966 ist Bundeskanzler Ludwig Erhard drei Jahre im Amt und sein Image ramponiert. Der einstige Star der Wirtschaftswunderjahre hat die Erwartungen nicht erfüllt.

Bei den Beratungen im Parlamentarischen Rat 1948 war schon klar: Eine wirksame Verfassung für ganz Deutschland wird es bis auf weiteres nicht geben. Was aber bedeutet das für das entstehende Verfassungswerk – wie provisorisch ist es, wie muss es geschrieben sein, um dem geteilten Zustand gerecht zu werden? Dazu äußert sich Carlo Schmid, der Wortführer der SPD. Er war es auch, der den Begriff „Grundgesetz“ prägt – und am Ende dieser Aufnahme auch für die Nationalfarben Schwarz-Rot-Gold plädiert. In der gleichen Sitzung des Parlamentarischen Rats erklärt Adolf Süsterhenn von der CDU, welche Aufgaben genau das Bundesverfassungsgericht haben soll – Konrad Adenauer habe da klare Vorstellungen: Das Gericht solle den Staat vor den Ländern schützen und umgekehrt, und es soll die Bürger vor einer diktatorischen Mehrheit schützen. Zu diesem Zeitpunkt ist noch nicht klar, dass das Gericht nach Karlsruhe kommen würde.

1966 schwimmt ein Weißwal, auch Beluga genannt, den dreckigen und verseuchten Rhein hinauf, bis nach Duisburg. Zwei Rheinschiffer entdeckten ihn am 18. Mai 1966. Die Nachricht spricht sich schnell herum.

Die Wahlen waren eine Farce, trotzdem machte Hitler "Wahlkampf" – mithilfe eines Deutschlandfahrt der Luftschiffe "Hindenburg" (LZ 129) und "Graf Zeppelin" (LZ 127).

Slips und BHs für Ayatollah Khomeini? Showmaster Rudi Carrell löst in "Rudis Tagesshow" durch einen Satire-Beitrag diplomatische Verstimmungen aus und entschuldigt sich.

Jürgen Habermas (1929 – 2026) gehört zu den bedeutendsten deutschen Philosophen des 20. Jahrhunderts. Er war ein politischer Philosoph, Forschungsassistent bei Theodor W. Adorno und Max Horckheimer und wird somit der zweiten Generation der sogenannten „Frankfurter Schule“ zugerechnet. Sein bekanntestes Werk ist die „Theorie des kommunikativen Handelns“, er nahm aber häufig auch zur Tagespolitik Stellung. Habermas starb am 14. März 2026. Er hatte eine angeborene Sprachbehinderung. Aufgrund einer angeborenen Gaumenspalte war seine Aussprache sehr nasal. Er blieb deshalb bis zuletzt deshalb vor allem über seine Schriften bekannt, während er in Radio und Fernsehen selten zu hören war. Eine Ausnahme ist der folgende Vortrag über Wissenschaft und Ideologie vom 5. August 1974.

15 Jahre nach Fukushima ist Atomkraft in Deutschland vorbei. Ein paar Kilometer von uns, in Frankreich, sieht's ganz anders aus: Da ist Kernkraft King. Woher kommen diese Unterschiede15 Jahre nach Fukushima ist Atomkraft in Deutschland vorbei. Ein paar Kilometer von uns, in Frankreich, sieht's ganz anders aus: Da ist Kernkraft King. Woher kommen diese Unterschiede15 Jahre nach Fukushima ist Atomkraft in Deutschland vorbei. Ein paar Kilometer von uns, in Frankreich, sieht's ganz anders aus: Da ist Kernkraft King. Woher kommen diese Unterschiede15 Jahre nach Fukushima ist Atomkraft in Deutschland vorbei. Ein paar Kilometer von uns, in Frankreich, sieht's ganz anders aus: Da ist Kernkraft King. Woher kommen diese Unterschiede – und wieso löst ein Reaktorunfall in Japan gerade bei uns so viel aus?

Jahrzehntelang war Baden-Württemberg CDU-Land. Von 1953 bis 2011 stellten die Christdemokraten den Ministerpräsidenten. Dann kommt Winfried Kretschmann an die Macht.

Am Morgen des 11. März 2011 melden die deutschen Nachrichten ein schweres Erdbeben vor der japanischen Küste. Auf das Erdbeben folgt ein Tsunami – der bis dahin größte der japanischen Geschichte, soweit bis dahin bekannt.

1953 starb Diktator Josef Stalin. Sein Nachfolger als Parteichef der KPdSU wurde Nikita Chruschtschow. 1956 rechnete er mit Stalin ab.

Werner Heisenberg prägte die Grundlagen der Kernphysik und ihre Anwendung, die Kernenergie. Im Zweiten Weltkrieg arbeitete er an einem ersten deutschen Kernreaktor.

1957 eröffnet der erste Supermarkt, die Deutschen entdecken Autos, Mallorca und das Fernsehen. Die Gegenbewegung der "Gammler" entzieht sich dem Ideal von Fleiß und Konsum.

In den 1960er-Jahren entwickelt sich in den beiden deutschen Staaten die Subkultur der Gammler – eine Art Gegenentwurf zum arbeitsamen Deutschen der Wirtschaftswunderjahre.

Konrad Adenauer und Nikita Chruschtschow hatten die Rückkehr der letzten deutschen Kriegsgefangenen vereinbart. Gut einen Monat später begrüßt Theodor Heuss Heimkehrer in Friedland.

Das Ruhrgebiet ist in den 1950ern Zentrum des wirtschaftlichen Aufschwungs; Kohle treibt die Wirtschaft an. Reportage aus der Zeche Friedrich-Heinrich in Kamp-Lintfort.

Die regierende Fatah von Präsident Mahmud Abbas wird 2006 abgewählt. Sie gilt als korrupt und hat die Bevölkerung enttäuscht. Viele setzten deshalb ihre Hoffnung in die Hamas.

Bis 1953 war Grönland dänische Kolonie. Dann wurde es ein Teil Dänemarks. Doch die Unzufriedenheit wuchs; nicht zuletzt wegen der Zwangssterilisation indigener Frauen.

Die Invasion in Panama am 20. Dezember 1989 begründet die US-Regierung auch damit, dass sie Machthaber Manuel Noriega für seine Drogengeschäfte zur Verantwortung ziehen will. Doch so schnell findet sie ihn nicht. An Heilig Abend findet Noriega ausgerechnet Unterschlupf in der Nuntiatur – also der Botschaft des Vatikan in Panama. Die USA scheuen davor zurück, in die Botschaft einzudringen und versuchen es mit anderen Methoden. Am 29. Dezember beschallen sie die Botschaft extrem laut mit Rockmusik. Nachdem auch das nicht hilft, blockieren die USA erstmal die Botschaften von Kuba und Nicaragua, damit Noriega nicht noch womöglich dorthin wechselt. Unterdessen spekuliert ein Bericht vom 2. Januar darüber, welches Interesse ausgerechnet der Vatikan hat, einen Schwerverbrecher wie Noriega Schutz zu bieten. Erpresst Noriega womöglich den Vatikan möglich mit Dokumenten über dessen Kontakte zur Drogenmafiaß Am 3. Januar schließlich ist es soweit, Noriega verlässt die vatikanische Botschaft und stellt sich. Noriega wird nach Florida gebracht. Ein Gericht in Miami verurteilt ihn schließlich zu einer Freiheitsstrafe von 40 Jahren. In Frankreich und in Panama selbst folgen weitere Prozesse. Noriega stirbt 2017 an einem Hirntumor.

20.-22.12.1989 | Manuel Noriega, der langjährige Machthaber in Panama, stand lange auf der Gehaltsliste der CIA. Denn über Panama konnten die USA Waffen ins benachbarte Nicaragua schmuggeln, um die dortigen Contra-Rebellen zu unterstützen. Doch 1988 hat Washington genug von Noriega. Der ist offensichtlich in Drogenhandel und Geldwäsche verstrickt. Die USA sorgen sich außerdem um den freien Zugang zum Panamakanal. 1989 gibt es Wahlen in Panama – doch Noriega ignoriert sie und bleibt mit Gewalt an der Macht. Ende des Jahres spitzt sich die Situation weiter zu. Bis US-Präsident George Bush (sen.) befiehlt kurz vor Weihnachen, in Panama einzumarschieren und Noriega festzunehmen. Bemerkenswert ist, dass diese Ereignisse in den bundesdeutschen Nachrichten oft nicht an erster Stelle stehen – denn zeitgleich kommt es auch in Rumänien zum Sturz von Diktator Ceaucescu. Diese Meldungen aus Bukarest sind oft der Aufmacher in den Nachrichten, dann erst kommen die Nachrichten aus Panama. Die ersten Berichte von der Invasion erreichen das deutsche Radiopublikum am Morgen des 20. Dezember 1989. 20.000 US-Soldaten sind an der Invasion beteiligt. Doch so schnell wie erhofft, kommen sie nicht zum Ziel. Am Folgetag wird die Lage erstmal unübersichtlich. Finden am Tag der Invasion mehr als 90 Prozent der US-Bevölkerung die Militäraktion gut und richtig, fängt die Stimmung am zweiten Tag danach bereits an zu kippen. Noriega gelingt es, an Heilig Abend in die Botschaft des Vatikan in Panama zu fliehen. Wie es die danach weiterging und die USA mit dem Vatikan stritten, erzählt die Archivradio-Folge „USA verhaften Panamas Machthaber Noriega“. (http://swr.li/noriega)

2. Januar 2001: Knapp 250 Frauen werden als Soldatinnen in die Bundeswehr aufgenommen. Sie sind erstmals für den Dienst an der Waffe zugelassen.

Historische Tonaufnahmen und Radioberichte vom 19. Jahrhundert bis (fast) heute. Das Archivradio der ARD macht Geschichte hör- und die Stimmung vergangener Jahrzehnte fühlbar.

Prostitution, Tötung auf Verlangen, Suizid: Die katholische Kirche protestiert 1951 vor der Premiere; die FSK will den Film nicht freigeben.

"Das Wissen" ist nicht nur ein erfolgreicher Podcast, es war auch einer der ersten öffentlich-rechtlichen Podcasts überhaupt. Und den wenigsten, die ihn heute hören, ist bewusst, dass dieser Podcast seine Ursprünge im alten Schulfunk hat. Der Schulfunk gab es schon im Radio der 1950er-Jahre. Es war, wie der Name ahnen lässt, ein gediegenes Bildungsprogramm mit zeitlosen Themen – viel Geschichte, Kultur, aber auch Naturwissenschaft. Offiziell gedacht für Schülerinnen und Schüler, hauptsächlich aber genutzt von erwachsenen Radiohörern. Der Physiker Detlef Clas kam 1977 vom Europäischen Kernforschungszentrum CERN in die Schulfunkredaktion des Süddeutschen Rundfunks. Er half mit, aus dem Schulfunk zunächst ein modernes, akustisch reizvolles Radiofeature zu machen. Mit der Entstehung des Radioprogramms SWR2 wurde auch der Name "Schulfunk" strichen und die Sendung in SWR2 Wissen umbenannt (seit 2024 "Das Wissen"). Ein Steckenpferd von Detlef Clas waren von Anfang an Computerthemen, später das Internet. Auch das war ein Einfluss seiner CERN-Vergangenheit. Er experimentierte früh mit den digitalen Möglichkeiten des Rundfunks und sorgte dafür, dass 2004 SWR2 Wissen einer der ersten und einer der meistgehörten öffentlich-rechtlichen Podcasts wurde. Seine Redaktion war es auch, die 2007 das Archivradio einführte – doch das ist ein anderes Thema. 2016 ging Detlef Clas in den Ruhestand. Neun Jahre später spricht er über diese Entwicklung. Weitere Aufnahmen zur Geschichte des Rundfunks: http://swr.li/rundfunkgeschichte

Dass im Rundfunk getalkt oder gar gelabert wird, war 1930 ganz neu. Friedrichkarl Roedemeyer, Ernst Schoen und Richard Plant diskutieren die Chancen.

25.3.1930 | Am 27. März 1930 zerbricht die letzte Große Koalition der Weimarer Republik, die Regierung unter dem sozialdemokratischen Reichskanzler Hermann Müller.

Vor 80 Jahren, im November 1945, haben in Nürnberg die Prozesse gegen die Hauptkriegsverbrecher der Nazizeit begonnen. Zum ersten Mal wurde dort Gerechtigkeit auf einer internationalen Ebene verhandelt und gleichzeitig der Grundstein für das moderne Völkerstrafrecht gelegt. Das Dokudrama "Nürnberg 45 – Im Angesicht des Bösen" erzählt dieses geschichtliche Ereignis durch die Augen von zwei Überlebendenden des Konzentrationslagers Auschwitz. Die Nürnberger Prozesse sind auch ein großes Thema im History-Podcast "Alles Geschichte": In zwei besonderen Staffeln geht es um die Psyche der Angeklagten und um das dramatische Leben der polnischen Hauptzeugin Seweryna Szmaglewska.

Mehr als 10 Jahre nach Kriegsende kommen rund zehntausend Kriegsgefangene, aber auch zivilinternierte Frauen und Kinder aus sowjetischer Gefangenschaft frei.

Gebietsabtretungen, Demilitarisierung und vor allem: ein Riesenberg an Reparationszahlungen – das war der Preis, den Deutschland nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg zahlen musste. Was die Schulden betrifft, hat es fast hundert Jahre gedauert, bis diese abgezahlt waren. Am 1. Oktober 2010 schließlich war es so weit.

14.9.1965 | Am 11. September 1965 beginnt die erste Deutschland-Tournee der Rolling Stones. Düsseldorf, München, Hamburg: Wo immer die Stones hinkommen, ist die Polizei im Großeinsatz. Auch der Rundfunk berichtet von dieser "Bedrohung der öffentlichen Ordnung", von den "Lärm-Millionären" den "langhaarigen Sängern, die keine anständige Kleidung kennen". Es sei "wie in einem Irrenhaus". Ein Jugendpsychologe erklärt das Phänomen als Reaktion auf das städtische Leben, wo den Jugendlichen Grenzen gesetzt sind, sodass sie auch mal Dampf ablassen müssten. In der Musikgeschichte gäbe es jetzt einen Bruch, der Rhythmus habe die Führung übernommen.

Im September 1955 reist Bundeskanzler Konrad Adenauer nach Moskau. Er verhandelt dort über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Sowjetunion. In Bonn, auch in Adenauers CDU, ist dieser Schritt umstritten und wird mit großer Skepsis betrachtet. Diplomatische Beziehungen ausgerechnet mit der sowjetischen Diktatur, die aus Bonner Sicht den Osten Deutschlands, die DDR, vereinnahmt und so der Wiedervereinigung im Weg steht. Doch es ist, zwei Jahre nach dem Tod Stalins, in der Zeit des Tauwetters der Versuch einer Annäherung. Am Ende des Besuchs in Moskau, am frühen Morgen des 14. Septembers 1955, lädt Adenauer zu einer kurzen Pressekonferenz, bevor er mit der Delegation zurückfliegt. Wie außergewöhnlich der Moskauer Besuch war, wird auch in der anschließenden ausführlichen Reportage vom Abflug deutlich, wo Adenauer auf dem Flugfeld noch eine Erklärung abgibt. Am selben Tag kommentiert im DDR-Rundfunk Karl-Eduard von Schnitzler den Moskau-Besuch des Bundeskanzlers, wie üblich mit scharfer, hämischer Kritik am Bundeskanzler und unverhohlener Sympathie für Moskau. Adenauer hat auf der Pressekonferenz in Moskau erklärt, dass die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit der Sowjetunion nichts an der Haltung gegenüber der DDR ändert, in der die Bundesrepublik nach wie vor keinen eigenständigen Staat sieht. Moskau wieder sieht das erwartungsgemäß anders und gewährt der DDR wenige Tage später volle Souveränität – zumindest auf dem Papier. Am 22. September 1955 stimmt der Bundestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Moskau zu. Adenauer bekräftigt im Bundestag noch einmal die Haltung der Bundesrepublik und formuliert das, was später die Hallstein-Doktrin heißen sollte: Demnach sieht sich die Bundesregierung als alleinige Vertretung des deutschen Volkes und wenn ein anderes Land mit Ost-Berlin diplomatische Beziehungen aufnehmen sollte, werte die Bundesregierung das als unfreundlichen Akt.

8.9.1985 | 1912 ist das damals größte Passagierschiff der Welt, die "Titanic", auf seiner Jungfernfahrt von Southampton nach New York. Im Nordatlantik, südlich von Neufundland, schrammt es einen Eisberg. Das Schiff läuft voll Wasser, drei Stunden später ist es gesunken. Mehr als 1.500 Passagiere kommen ums Leben. Lange gilt der Dampfer als verschollen, doch 73 Jahre später, im September 1985, wird das Wrack gefunden.

Italien war schon immer ein begehrtes Reiseziel für die Deutschen. Mit der Eröffnung des Gotthard-Straßentunnels rückte Italien noch näher – jedenfalls dann, wenn es keinen Stau vor dem Tunnel gab. Aber auch innerhalb der Schweiz erleichterte der Tunnel den Transport und Verkehr zwischen der Zentralschweiz und dem italienischsprachigen Tessin. Heute ist der Tunnel selbstverständlich. Am 5. September 1980 war es im wahrsten Sinne ein Durchbruch.

Sommer 2015: Der Krieg in Syrien treibt Menschen in die Flucht. Über die sogenannte Balkanroute ziehen sie in die EU – zusätzlich zu vielen anderen, die schon all die Jahre regelmäßig aus Südosteuropa kommen. Die deutschen Kommunen organisieren Hilfe und Unterkünfte. Gleichzeitig stoßen die Asyl- und Ausländerbehörden bald an Grenzen bei der Bearbeitung der vielen Fälle. Am 31. August 2015 gibt Bundeskanzlerin Merkel eine Pressekonferenz, auf der ihr berühmter Satz fällt: "Wir schaffen das!" – Wie sie das genau gemeint hat, wird klar, wenn man sich das gesamte Statement anhört – ebenfalls hier im Archivradio. Dann folgen dramatische Tage. In Budapest kommen immer mehr Geflüchtete an, die Regierungschef Viktor Orbán aber nicht aufnehmen will. Österreich und Deutschland entscheiden daraufhin, ihre Grenzen offen zu lassen. Das bedeutet im Ergebnis, dass in den Folgetagen tausende Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Die ersten von ihnen kommen am 5. September 2015 in einem Sonderzug in München an und werden teils mit Applaus willkommen geheißen. Angela Merkel: "Wir schaffen das!" | 31.8.2015 https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:22c6a802f0b67859/

"Wir schaffen das!" – Auf diesen Satz wird Angela Merkels Pressekonferenz am 31. August 2015 oft reduziert. Wir schaffen das – eigentlich war es Wolfgang Schäuble, der den Satz am Tag zuvor in der "Bild am Sonntag" fallen ließ. Aber Merkel hat ihn nun mal gesagt, als Kanzlerin, innerhalb einer 15-minütigen Stellungnahme zur damaligen Situation, als insbesondere infolge des syrischen Bürgerkriegs immer mehr Flüchtlinge in die EU und nach Deutschland kamen. Hier die gesamte Rede.

Mitte der 1990er-Jahre ist das ehemalige Jugoslawien schon weitgehend zerfallen. Die serbische Führung in Belgrad versucht jedoch, so viel Territorium wie möglich unter der eigenen Kontrolle zu behalten. Im Sommer 1995 liegt der Fokus auf Bosnien-Herzegowina. Die Republik hatte 1992 ihre Unabhängigkeit erklärt, woraufhin bosnische Serben die Hauptstadt Sarajevo jahrelang belagern. Der Krieg wird immer brutaler. Im Juli 1995 kommt es zum Massaker von Srebrenica, dessen Ausmaß allerdings nur langsam bekannt wird. Parallel laufen unter internationaler Vermittlung Friedensverhandlung, die aber zu nichts führen. Am 28. August 1995 beschießen die bosnischen Serben auch Sarajevo mit Granaten. Das ist der Punkt, an dem sich die NATO dazu entschließt, in den Krieg einzugreifen. Am 30. August 1995 beschießt sie mehrere serbische Stellungen in Bosnien-Herzegowina. Es ist der erste Kriegseinsatz der NATO in Europa.