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Eine der ersten Gruppen, die während der NS-Diktatur verfolgt wurden, waren die Zeugen Jehovas. Sie verweigerten den Wehrdienst und den Hitlergruß und nahmen nicht an NS-Veranstaltungen teil. Anfang 1933 wurden sie verboten. Zeugen Jehovas wurden verhaftet, deportiert, ermordet. Doch erst 2023 hat der Bundestag beschlossen, eine Gedenkskulptur für diese vergessene Opfergruppe zu errichten.
Zu Anne Franks 95. Geburtstag: Eva Schloss, geborene Geiringer, ist in Wien aufgewachsen. Sie war neun Jahre alt, als Hitler 1938 seine alte Heimat mit dem Deutschen Reich "wiedervereinigte" und sie ihre verlor. Die Geiringers flüchteten über Brüssel nach Amsterdam und wohnten am Merwedeplein - direkt gegenüber von Familie Frank. Eva war nur einen Monat älter als Anne Frank, aber ganz anders: blond und blauäugig, jungenhaft, extrem sportlich, scheu. Wie Anne, aber getrennt von Vater und Bruder, tauchte sie in Amsterdam unter, musste von einem Versteck ins andere flüchten, wurde verraten. Doch sie überlebte Auschwitz-Birkenau zusammen mit ihrer Mutter Fritzi. Nach dem Krieg heiratete Evas Mutter Anne Franks Vater. 40 Jahre lang schwieg Eva Schloss über ihr Schicksal. Dann plötzlich, im Jahr 1986 bei der Eröffnung der Anne-Frank-Wanderausstellung in London, fing sie an zu reden und konnte nicht mehr aufhören. Renate Maurer hat sie getroffen und lange Gespräche mit ihr geführt. Autorin: Renate Maurer Produktion ORF 2015
Wer die gesellschaftliche Macht hat, definiert meist auch, wer in der Geschichte vorkommt - und wer nicht. Und er oder sie definiert damit auch, wer in der Gesellschaft heute sichtbar ist - und wessen Geschichten kaum gehört oder gesehen werden. Einige dieser nichterzählten Geschichten sollen heute Gelegenheit bekommen, gehört zu werden. Warum wurde die Wiesbadenerin Margot als Kind zwangssterilisiert? Und warum bringt die Liebe zweier junger Menschen im Senegal eine ganze Dorfgemeinschaft ins Wanken?
"Ich tue es für Euch!", betont Margot Friedländer immer wieder. Am 5. November 1921 in Berlin geboren, setzt sich die Holocaust-Überlebende seit ihrer Rückkehr aus den USA dafür ein, die Erinnerung an die Verbrechen der Nazis wachzuhalten. Vor allem junge Menschen möchte sie zur Zivilcourage und zu gegenseitigem Respekt ermutigen. Wenn die Zeitzeugen nicht mehr da sind, sollen die nachfolgenden Generationen ihre Geschichte als Zweitzeugen weitertragen.
Obwohl er vom Holocaust wusste, hat Papst Pius XII. nicht dagegen protestiert. War ihm das Schicksal der Opfer gleichgültig? Der Kirchenhistoriker Hubert Wolf und sein Team, die den Nachlass von Pius XII. wissenschaftlich unter die Lupe nehmen, stießen im Archiv des Vatikan auf 15.000 Bittschreiben jüdischer Menschen. Die Akten belegen: In vielen Fällen hat der Vatikan sich konkret bemüht, zu helfen.
Art Spiegelman wurde skeptisch beobachtet, als er 1978 begann, das Schicksal seiner Eltern im Dritten Reich zu schildern. Ihren Weg von den ersten Pogromen in Polen bis ins Konzentrationslager. Der Künstler wählte dafür den Comic. Das war neu und für viele der Gipfel der Unverfrorenheit, Als 1992 der zweite Band von "Maus" erschien, hatte Art Spiegelman bewiesen, dass der Comic fähig ist, jedes noch so komplexe Thema adäquat zu verarbeiten. Auch die Anschläge vom 11. September verarbeitete er als Comic. Jetzt feiert der Künstler seinen 75. Geburtstag. Feature-Autor Christian Gasser hat ihn getroffen.
Wolfgang Borchert machte aus seiner kritischen Einstellung zum Nationalsozialismus keinen Hehl. In seinem einzigen Theaterstück „Draußen vor der Tür“ geht es um einen Kriegsheimkehrer, der mit der Ignoranz seiner Umwelt konfrontiert wird. Die Premiere des Stücks hat er nicht mehr erlebt. Der Schriftsteller, der an der Front selbst schwer erkrankte, starb tags zuvor am 20.11.1947 im Alter von nur 26 Jahren.
Ihre dramatische Überlebensgeschichte erzählte sie in ihrer Autobiografie "Ich trug den gelben Stern". Jetzt ist die Holocaust-Zeitzeugin und Autorin Inge Deutschkron im Alter von 99 Jahren gestorben. Unermüdlich war sie als Zeitzeugin unterwegs, um vor allem jungen Menschen ihre Geschichte zu erzählen. Zu ihrem 80. Geburtstag hat Magdalene Kemper sie getroffen und mit ihr über das Überleben, die Flucht und die Rückkehr nach Deutschland gesprochen.
Im Norden Polens in der Nähe von Danzig liegt das ehemalige KZ Stutthof. Bis 1945 waren hier 110.000 Menschen inhaftiert. Unter ihnen der Großvater des Dichters und Musikers Grzegorz Kwiatkowski. Dieser bemerkte 2015 rund um das Gelände hunderte Schuhe, die, eilig vergraben, seit dem Zweiten Weltkrieg der Natur überlassen worden waren. David Zane Mairowitz und Malgorzata Zerwe erzählen in ihrem Feature von dem zähen Kampf Kwiatkowskis, die historischen Artefakte im Stutthof-Museum auszustellen. Eine Sendung anlässlich der Woche der Brüderlichkeit.
Der 30. November 1941 ging als Blutsonntag von Riga in die Geschichte ein: In nur drei Tagen erschossen Angehörige der SS in einem Kieferwäldchen 26.000 lettische und mehr als 1.000 Berliner Juden. Die Gedenkstätte Rumbula ist einer der Schauplätze des Zweiten Weltkriegs, den eine Gruppe junger Europäer im Rahmen des Projekts Peace Line besucht. 80 Jahre nach den Massenmorden wollen sie als Friedensbotschafter im vereinten Europa wirken.
Tausende Juden setzten in der NS-Zeit ihre Hoffnung auf eine Aktion polnischer Diplomaten in der Schweiz. Mit Pässen von Paraguay und anderen lateinamerikanischen Staaten sollten vor allem polnische Juden gerettet werden. Auch etwa 50 Berliner Juden hofften, mit einer neuen Staatsbürgerschaft den Vernichtungslagern zu entgehen. Einigen hat der Pass geholfen, doch viele Schicksale sind ungeklärt. Forscher in Berlin, Polen und der Schweiz versuchen erst seit kurzem, die Geschichte dieser Rettungsaktion aufzuarbeiten.
Kaum jemand kennt sie heute noch; den öffentlichen Raum Deutschlands besetzen sie dennoch: Scheibe, Thorak, Wackerle, Wamper – allesamt Künstler, gefördert vom NS-Regime, vom Kriegseinsatz verschont, festgehalten auf der sogenannten „Liste der Gottbegnadeten“. Ihre Bronzen, Plastiken, Plaketten finden sich in Berlin noch immer in großer Zahl: im Zoo, im Park und sogar als Ehrenmal. – „Stunde Null“ my ass, denkt sich der Autor Oliver Martin, von wegen Neuanfang der Kunst! Er, Jahrgang Millennial, macht sich also auf, verfolgt Spuren vergessener Skulpturen und denkt nach, über vererbte Verantwortung, und vergangene Versäumnisse.
Margot Friedländer ist eine jüdische Zeitzeugin und feiert am 5. November ihren 100. Geburtstag. Ihr Überleben im Untergrund als Jüdin im Berlin der 40er Jahre war von vielen Zufällen, aber auch von viel Hilfe abhängig. Ein Gespräch über ihre Memoiren aus dem Jahr 2013 mit rbb-Kulturredakteur Harald Asel.
Die deutschsprachige Literatur und das Verlagswesen sind geprägt von jüdischen Autoren und Verlegern. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten waren jüdische Autoren und Herausgeber jedoch unerwünscht, ihre Texte wurden oft "arischen" Verfassern zugeschrieben und die jüdischen Urheber wurden verfolgt. Noch heute profitieren Verlage von jüdischen Autoren und Verlegern und auch wenn das Thema langsam ins Bewusstsein kommt, wird diesem Kapitel deutscher Geschichte rund 80 Jahre nach Kriegsende wenig Bedeutung beigemessen.
Sie seien wie Schafe zur Schlachtbank gegangen: Dieses Bild wird häufig bemüht, um die die Vernichtung der europäischen Juden durch die Nationalsozialisten zu beschreiben. Aber es ist falsch, sagt Achim Doerfer. Das Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde in Göttingen, von Beruf Rechtsanwalt, hat ein Buch über jüdischen Widerstand und jüdische Rache geschrieben.
Vor 80 Jahren begannen die Deportationen von Juden aus Berlin. Unter anderem am Bahnhof Grunewald wird am Montag daran erinnert. Am ehemaligen Güterbahnhof in der Quitzowstraße gibt es seit fünf Jahren den Gedenkort Gleis 69. Der pensionierte Kinderarzt Thomas Abel hat sich dafür eingesetzt. Matthias Schirmer hat mit ihm gesprochen.
Hinter einer Wohnungstür oder in scheinbar gewöhnlichen Bahnschienen kann sehr viel Geschichte stecken - und viel Grausamkeit. Vor 80 Jahren bestiegen tausende Menschen in Berlin die Züge, die sie letztendlich in den Tod fuhren: Die Deportationen begannen. Spuren davon findet man heute noch.
September 1939. Kurz nachdem die Bomben der deutschen Luftwaffe Warschau zerstört hatten, reist der Direktor des Berliner Zoos nach Warschau. Er hat den Auftrag, die besten der noch verbliebenen Tiere auf deutsche Zoos zu verteilen. Während er die wertvollsten Exemplare evakuieren lässt, schmuggeln der Zoodirektor Jan Zabinski und seine Frau Antonina Juden in den Zoo. In den ehemaligen Löwenkäfigen finden sie ein vorübergehendes Versteck. Doch ihr Leben bleibt noch immer in Gefahr.
Vor 75 Jahren fand der Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess gegen die Spitzen des nationalsozialistischen Staates mit der Urteilsverkündung seinen Abschluss. Doch die juristische Ahndung von Unrecht aus der NS-Zeit dauert an, heute mit den wohl letzten Verfahren gegen frühere KZ-Mitarbeiter.
Am 1. Oktober 1946, vor 75 Jahren, endete der Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher. In der Dokumentation von Thomas Fitzel berichten Zeitzeugen von ihrer Teilnahme. Ganz gleich in welcher Rolle sie teilnahmen, müssen alle, um sprechen oder berichten zu können, Übersetzungen finden - Übersetzungen für etwas Unvorstellbares. Diese Worte benutzt die Überlebende Marie-Claude Vaillant-Couturier für das Konzentrationslager Auschwitz: Nicht vorstellbar.
Sie war die Stimme gegen Faschismus und für Menschlichkeit: Esther Bejarano. Die 96-Jährige verstarb am Samstagmorgen in ihrer Wahlheimat Hamburg. Aus diesem Anlass können Sie hier ein Gespräch hören, dass Magdalena Kemper am 24.1.2016 mit ihr führte.
Die „jüdische Nase“ – ein ungewöhnliches Familienporträt, anlässlich des Jubiläums „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. Der Autor Rainer Schildberger erzählt von seiner Familie, über deren jüdische Herkunft und die Schrecken vor 1945 kaum gesprochen wird. Während seiner Recherche stößt er auf manche Merwürdigkeiten
1939. Die deutschen Juden Hermann und Anita lernen sich im polnischen Exil kennen. Auf ihrer Flucht nach Palästina werden sie gefasst und nach Bergen-Belsen deportiert. Doch sie überleben und bleiben ihr Leben lang zusammen. Der Autor und langjähriger Leiter der Feature-Redaktion Wolfgang Bauernfeind hat die Geschichte aufgezeichnet.
Schulen und Straßen sind nach ihr benannt: Sophie Scholl, das Gesicht der Weißen Rose. Am 9. Mai hätte sie ihren 100. Geburtstag gefeiert. Thomas Hartnagel ist mit den Erinnerungen an sie und ihren Bruder Hans aufgewachsen, denn diese waren in seinem Elternhaus präsent. Sein Vater, Fritz Hartnagel, war der Freund und Geliebte von Sophie Scholl, seine Mutter Elisabeth war ihre Schwester. Was der Historiker vom aktuellen Gedenken an seine Tante hält, wie er sie sieht und ob sie wirklich zum Vorbild taugt, davon erzählt er im Gespräch.
Zwei Ausstellungen befassen sich mit Schicksalen während des Endes des Zweiten Weltkrieges und mit NS-Zwangslagern anhand von archäologischen Funden. Es geht um individuelle Geschichten, gleichzeitig um abstrakte Strukturen von Gewalt und Widerständigkeit. Von Harald Asel.
Um die Person Sophie Scholl ist ein regelrechter Hype ausgebrochen – aus verschiedenen Lagern. Scholls Neffe, Thomas Hartnagel, sieht das kritisch. Er erzählt aus einer Kindheit mit der Familie Scholl und davon, dass die Ermordeten Hans und Sophie oft auch eine Belastung waren. Von Matthias Bertsch
Der 27. Januar ist der Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. Doch wie entwickelt sich eine Gedenkkultur weiter, wenn kaum noch Zeitzeugen leben und Menschen mit unterschiedlichen Herkunftsgeschichten fragen, was hat das mit mir zu tun? Von Harald Asel
"Versuche, dein Leben zu machen" hatte ihre Mutter auf einen Zettel geschrieben: Margot Friedländer hat den Holocaust überlebt. In diesem Jahr wird sie 100 Jahre alt. Nach wie vor gibt sie ihre Erfahrungen weiter, wie in diesem Gespräch. Von Harald Asel
Clever Girls – rebellisch, feministisch, wegweisend | rbbKultur
Eine Frau steht vor der Tür und bittet um ein Dach über dem Kopf. Sie ist Jüdin und soeben knapp der Deportation in ein Konzentrationslager entkommen. Susanne Witte nimmt die verfolgte Regina Kirschbaum bei sich auf. Teilt in den knapp drei Jahren bis zum Kriegsende mit der untergetauchten Frau ihre Wohnung, die Lebensmittelmarken und auch die seelischen Nöte. Sie riskiert ihr Leben. Dafür wird sie im Jahre 1999 von der Gedächtnisstätte Yad Vashem in Jerusalem in die Reihe der "Gerechten der Völker" aufgenommen. Susanne Witte würdigen wir im Gespräch mit: Barbara Schieb, sie ist Historikerin an der Gedenkstätte Deutscher Widerstand und Kurt Schilde, der Historiker hat Susanne Witte noch persönlich kennengelernt. Bücher: Kurt Schilde, Jörn Jensen und Norbert Schmidt (Hg.): Versteckt in Tiergarten Auf der Flucht vor den Nachbarn. Gedenkbuch für die im Bezirk in der Zeit des Nationalsozialismus Untergetauchten, Weidle Verlag 1995 || Stille Helden. Widerstand gegen die Judenverfolgung in Europa 1933 bis 1946 (Katalog zur Dauerausstellung) www.gedenkstaette-stille-helden.de
Wladimir Kukurusa ist einer der letzten Juden im ukrainischen Lypowez.1941 bis 1944 lebte Wladimir versteckt im Haus einer nichtjüdischen Verwandten. Er spricht von der Angst, die sie hatten, wenn deutsche Soldaten ins Haus kamen und von Strafaktionen der SS, die er durchs Fenster beobachtete. Von den Massenerschießungen am Stadtrand, bei denen fast alle 2.000 Bewohner des Ghettos ermordet wurden, erfährt Kukurusa erst im Erwachsenenalter. - Eine Baumgruppe in einem Sonnenblumenfeld. Jahrzehnte lagen die Gräber hier unbeachtet. Wer kümmert sich um die Gebeine, wer um das Gedenken? Was weiß Lypowez von seiner jüdischen Vergangenheit? Von Lorenz Hoffmann und Lars Meyer
Vor genau 75 Jahren hat die evangelische Kirche mit dem sog. „Stuttgarter Schuldbekenntnis“ ihre Mitschuld eingeräumt an den Verbrechen des Nationalsozialismus. Führender Autor dieses Bekenntnisses war Martin Niemöller. Der war während des Krieges Pfarrer der Bekennenden Kirche und hatte jahrelang im KZ gesessen. Nach dem Krieg wurde er Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen-Nassau und zu einer Ikone des linksliberalen Protestantismus. Der ehemalige U-Boot-Offizier des 1. Weltkrieges kritisierte die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik nach 45 und bezeichnete Soldaten als Mörder. Doch nun kratzt eine neue Biographie an diesem radikal-pazifistischen Image. War Martin Niemöller Zeit seines Lebens Antisemit? Und hat er seine einst nationalistische Haltung nach 1945 nur übertüncht? Michael Hollenbach ist für Camino in hr2-kultur der Frage nachgegangen, wer Martin Niemöller wirklich war.
Ein Symposium der Physikalisch Technischen Bundesanstalt widmet sich am Mittwoch der Verfolgung und Vertreibung von WissenschaftlerInnen während der NS-Zeit. Thomas Prinzler berichtet über die Veranstaltung, die auch per Livestream übertragen wird.
Die öffentliche und wissenschaftliche Debatte um die Rolle der Familie Hohenzollern werde behindert. Das kritisiert Professor Eva Schlotheuber, die Vorsitzende des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands. Denn von Seiten der Familie des letzten deutschen Kaisers gebe es viel juristischen Druck auf Wissenschaftler und Journalisten - auch auf sie selbst. Mit der Professorin und Mittelalterspezialistin kam unser Geschichtsredakteur Harald Asel ins Gespräch.
Naxos-Halle Frankfurt - der Name steht seit 20 Jahren für eine außergewöhnliche Kulturkulisse in der Mainmetropole. 100 Jahre zuvor war die Naxos-Halle ein Industriebetrieb zur Herstellung von Schleifmaschinen. Er gehörte dem jüdischen Industriellen Arthur Pfungts. In der NS-Zeit folgten dann Enteignung und Arisierung des Betriebes und die Beschäftigung von Zwangsarbeitern. "Dieser Teil der Geschichte der Naxos-Halle wurde bisher wenig erforscht", sagt Jan Philipp Stange. Er ist der Leiter der Themenwoche gegen das Vergessen, die am 25. September in der Naxos-Halle beginnt und an diesen Teil der Geschichte des Industriebetriebes mit einem Kulturprogramm erinnern will.
Unruhig sein, sich von der Geschichte beunruhigen lassen, das ist ihr wichtig. Und sie schafft es, mit ihrer Forschung und ihrer Lehre auch andere zu packen und zu beunruhigen. Sybille Steinbacher ist Direktorin des Fritz Bauer Instituts und gleichzeitig Professorin an der Goethe-Universität Frankfurt. Dort hat sie hat den Lehrstuhl zur Erforschung der Geschichte und Wirkung des Holocaust. (Wdh. vom 07.05.2020)
Am Hansa-Ufer 5 in Berlin-Moabit findet sich ein Stolperstein: "Hier wohnte Hans Otto, Jahrgang 1900, gefoltert, ermordet von der SA 1933." Auch wenn das Potsdamer Theater nach ihm benannt ist, sind der Werdegang und das Schicksal des Schauspielers beinah völlig vergessen. Roland Schneider erinnert an Hans Otto.
Die „Stiftung Zurückgeben“ ist einmalig in Deutschland: Sie fördert jüdische Frauen in Kunst und Wissenschaft. Gegründet wurde die Stiftung unter anderem von Hilde Schramm, Tochter des NS-Architekten Albert Speer, mit einem Erlös aus dem Erbe ihres Vaters. Sigrid Hoff über die Arbeit der Berliner Stiftung und deren Beitrag zu einem prosperierenden jüdischen Leben in Deutschland.
Was verraten Fotos der Nazis über die Verbrechen in den Konzentrationslagern? Für sein Buch "Die fotografische Inszenierung des Verbrechens" ist der Historiker Christoph Kreutzmüller von der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz dieser Frage nachgegangen. Mit Maria Ossowski hat er über seine Erkenntnisse gesprochen.
Kinder mit Migrationshintergrund sind an vielen Schulen in Berlin in der Mehrheit. Wenn die deutsche NS-Vergangenheit Thema im Geschichtsunterricht wird, ist das Interesse bei ihnen meist nicht sehr groß, manchmal reagieren sie sogar ablehnend. Woher kommt diese Haltung? Wie gehen Lehrerinnen und Lehrer, aber auch Gedenkstätten, damit um? Wie kann bei migrantischen Jugendlichen das Interesse für die deutsche Geschichte geweckt werden?
Vor sechzig Jahren kam es in Buenos Aires zu einer spektakulären Entführung: Der NS-Verbrecher Adolf Eichmann wurde von den Israelis gekidnappt und vor Gericht gebracht. "Für Israel war es der Prozess, der endlich den Holocaust, die Shoah thematisierte", sagt Michael Wildt, Professor für deutsche Geschichte.
Yehuda Bacon hat die Konzentrationslager Theresienstadt und Auschwitz überlebt. Bei Kriegsende vor 75 Jahren wurde der heute 90-Jährige befreit. Die Begegnung mit humanistischen Menschen habe ihm den Glauben an die Menschlichkeit zurückgegeben, sagt Bacon.
75 Jahre Ende des zweiten Weltkrieges. In der heutigen zweiten Folge der Reihe „Kinder des Krieges“ erinnern sich Überlebende des Holocaust an die Befreiung durch die Alliierten. Helga, Vera und Josef erleben die letzten Kriegswochen in Konzentrationslagern der Nationalsozialisten.
Herta Zerna, die 1907 in Moabit in einfachsten Verhältnissen geboren wurde und sich zur Journalistin hoch arbeitete, leistete während der Nazi-Zeit Widerstand und riskierte ihr Leben: Sie versteckte in ihrer Berliner Wohnung und ihrem Haus im brandenburgischen Kagar Juden und einen Deserteur. Als „Banalität des Guten“ bezeichnete sie rückblickend ihren Einsatz, für den sie außer dem Ehrentitel „unbesungene Heldin“ wenig Aufmerksamkeit erfuhr. Stefanie Oswalt mit einer späten Würdigung, 75 Jahre nach Kriegsende.
Kommunistisch geführte Widerstandsgruppen hatten kurz vor der Ankunft der US-Armee am 11. April 1945 die verbliebenen SS-Wachen im KZ Buchwald entwaffnet. Aus diesem Ereignis basiert die in der DDR gepflegte Erzählung von der Selbstbefreiung des Lagers, die Teil des antifaschistischen Gründungsmythos des Staates wurde.
"Shoah" von 1985 gilt als radikalster Dokumentarfilm über die Judenvernichtung. Regisseur Claude Lanzmann wollte das System der Massenmorde detailliert festhalten, doch erst die Montagetechnik der Editorin Ziva Postec erzeugt die Wirkung des Films. Natascha Freundel hat mit Lanzmann und Postec über die Entstehung von "Shoah" gesprochen.
In Auschwitz-Birkenau haben die Deutschen über eine Million Menschen ermordet. Geblieben sind nur die Habseligkeiten der Opfer. Diese stummen Beweise des Holocaust drohen nach einem dreiviertel Jahrhundert zu zerfallen. Gleichzeitig boomt der Auschwitztourismus. Maria Ossowski über das Gedenken in Auschwitz heute.
Es gibt sie noch, auch 75 Jahre nach der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau: Erinnerungen, die noch nicht erzählt wurden. Erinnerungen von Überlebenden, die lange Zeit ihres Lebens geschwiegen haben. Eine der Überlebenden ist die Pariserin Ginette Kolinka, 1925 geboren als jüngste von sechs Töchtern einer jüdischen Familie. „Rückkehr nach Birkenau“ heißt ihr Buch, das bereits mit denen von Ruth Klüger, Primo Levi oder Jean Améry verglichen wurde und in Frankreich ein Bestseller ist.
Zwölfzweiundzwanzig - Das Gespräch am Wochenende mit Sabina Matthay | Inforadio
Die Zeitzeugen des nationalsozialistischen Völkermords an den europäischen Juden sterben aus. Hat sich das Gedenken an den Holocaust zu einem rein rituellen Charakter gewandelt – angesichts des aktuellen Antisemitismus? Sabina Matthay spricht darüber mit dem israelischen Diplomaten Avi Primor.
Der 27. Januar ist ein einschneidender Tag in der deutschen Geschichte. Vor genau 75 Jahren wurde an diesem Tag das Konzentrationslager Auschwitz befreit.
Stella besitzt ein Kleid aus einem blauen Seidenstoff, den ihre russische Ururgroßmutter vor 100 Jahren mit einem goldenen Faden eingefasst hat. Ein Erbstück, das wundersame Erzählungen in sich birgt, vom alten Russland, dem Berlin der 20er Jahre, der Flucht der jüdischen Familie nach New York und einem Neuanfang in Berlin.
Er liebte das schnelle, hektische Leben eines Reporters in den turbulenten zwanziger Jahren. Als die Nazis an die Macht kamen, musste Egon Jakobsohn Berlin verlassen, ging nach London und nannte sich fortan Jameson. Homestories und Undercover-Recherchen hatte er zuvor für Berliner Boulevard-Blätter salonfähig gemacht. Anlässlich seines 50. Todestages am 23.12. 2019 erinnert Ansgar Hocke an den Journalisten und lässt ihn noch einmal selbst zu Wort kommen.
Er war Arzt und Künstler und überlebte im niederländischen Untergrund die Nazi-Zeit: Hans Keilson. Wir erinnern an diesen außergewöhnlichen Menschen kurz vor seinem 110. Geburtstag und wiederholen ein Feature aus dem Jahre 2006. Mechthild Müser traf den damals 96-jährigen, der inzwischen – im Jahre 2011 – verstorben ist.
Ruth Barnett ist eine der bekanntesten Kindertransport Flüchtlinge. Geboren wurde sie als Ruth Michaelis in Berlin. Aufgewachsen ist sie in Halensee, bis Mitte der 1930er Jahre die Familie auseinander gesprengt wurde. Sie wurde von der Mutter mit dem Kindertransport nach England gebracht, zusammen mit dem Bruder.
Die erste republikanische und demokratische Verfassung für Deutschland von 1919 hatte nur 14 Jahre Bestand. Sie war jedoch nicht dafür verantwortlich – wie vielfach angenommen – dass die Weimarer Republik 1933 scheiterte. Annette Wilmes über eine Verfassungsgeschichte, die man heute nicht von ihrem schrecklichen Ende her lesen sollte.
Als Zehnjährige wird Schoschana Rabinovici ins Ghetto ihrer Heimatstadt Wilna getrieben, sie durchleidet Konzentrationslager und Todesmarsch. Dass sie als Kind die Torturen überhaupt überlebt, verdankt sie ihrer Mutter. Am 2. August ist Schoschana Rabinovici in Tel Aviv gestorben. Hier können Sie das Gespräch vom 26. April 2015 nachhören.
Die Montessori-Pädagogin Paula Fürst leitete in den 1930er Jahren die Theodor-Herzl-Schule am Kaiserdamm in Berlin. Nach dem Novemberpogrom 1938 an die Spitze der Schulabteilung der "Reichsvereinigung der Juden in Deutschland" berufen, organisierte sie bis zu ihrer Deportation im Juni 1942 den Neuaufbau des jüdischen Schulwesens. Seit 2013 trägt eine Charlottenburger Gemeinschaftsschule ihren Namen, am Fernsehgebäude des rbb erinnert eine Ehrentafel an sie. 2015 wurde am Kaiserdamm 101 ein Stolperstein verlegt.
Im Namen des Volkes verhängten Richter im Dritten Reich Unrechtsurteile. Doch statt sie selber nach 1945 strafrechtlich zu belangen, durften viele von ihnen einfach weitermachen, wurden sogar befördert. Otto Langels untersucht an mehreren Fallbeispielen, wie im verantwortlichen Bundesministerium vertuscht wurde und wie erst vor ein paar Jahren die Aufarbeitung begonnen hat.
Es war Alma Rosé, eine Wiener Geigerin, die als Dirigentin des Mädchenorchesters von Auschwitz eine solche Autorität besaß, dass sie vielen jungen Frauen das Leben retten konnte. Sie selbst überlebte Auschwitz nicht: Am 4. April 1944, gut neun Monate vor der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, starb Alma Rosé unter besonders tragischen Umständen. "hr-iNFO Wissenswert" erinnert an eine bemerkenswerte Frau und Musikerin.