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Die Reportagen rücken Menschen ins Zentrum, deren Schicksale und Abenteuer. Gezeigt werden neben den grossen Abenteuern auch die kleinen Sensationen des Alltags.

Schweizer Radio und Fernsehen (SRF)


    • Jan 11, 2023 LATEST EPISODE
    • monthly NEW EPISODES
    • 35m AVG DURATION
    • 117 EPISODES


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    Latest episodes from Reporter

    Andrea Schläfli – Plötzlich ohne Augenlicht

    Play Episode Listen Later Jan 11, 2023 32:55


    Andrea Schläfli wachte am 4. August 2013 auf und sah nichts mehr. In der Nacht waren ihre Sehnerven explodiert. Die Auftritts- und Kommunikationstrainerin kämpfte sich ins Leben und in den Berufsalltag zurück und engagiert sich heute aktiv für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen. Von einem Tag auf den anderen wurde aus Andrea Schläfli, der Auftritts- und Kommunikationsberaterin, Schauspielerin, Sekundarlehrerin, Theaterpädagogin und Kulturmanagerin ein Mensch mit Sehbehinderung. Ihr Alltag sei ein Memoryspiel, bestehend aus auswendig Gelerntem, Erinnerungen und einem kleinen Sehrest auf ihrem rechten Auge, erzählt sie Reporterin Helen Arnet. Es war ein langer, schmerzhafter Prozess, in dem sich Andrea Schläfli ins Leben und in den Berufsalltag zurückkämpfte. Eine IV-Rente zu beantragen, widersprach ihrem Selbstverständnis: Sie kehrte in ihre früheren Tätigkeitsfelder zurück und wagte sogar den Schritt in die Selbstständigkeit. Doch immer wieder traf und trifft sie auf Hindernisse, die sie und andere Menschen mit Behinderung diskriminieren – sei es an ihrem ehemaligen Arbeitsort, dem «Superblock» der Stadt Winterthur, in überfüllten Bahnhofsunterführungen ohne Blindenleitsystem oder auf nicht barrierefreien Webseiten. Es sei anstrengend, sich als Mensch mit Behinderung immer wieder ausgeschlossen zu fühlen: «Dabei geht es nicht um Sonderrechte, sondern um gleiche Rechte für Menschen mit Behinderungen», sagt Andrea Schläfli.

    Nico und das Spiel der Könige

    Play Episode Listen Later Dec 14, 2022 32:58


    Schach ist eine der härtesten Sportarten der Welt. Glück gibt es nicht – ein falscher Zug, und die Partie ist verloren. Schach-Grossmeister Nico Georgiadis ist einst fast zerbrochen an diesem nervenaufreibenden Brettduell. Jetzt stellt er sich an der Schach-Olympiade in Indien dem Spiel der Könige. Nico Georgiadis ist einer der besten Schachspieler der Schweiz. Der 26-jährige Schwyzer darf sich Grossmeister nennen. Dieser international anerkannte Titel ist ein Ritterschlag in der Schachwelt. Seinen Erfolg hat er nicht zuletzt seinem ehrgeizigen und zielstrebigen Vater zu verdanken. Wie man im Schach mehrere Züge vorausdenken muss, so hat er die Schach-Karriere seines Sohnes mit strategischem Weitblick geplant. In jungen Jahren ist Nico Georgiadis dem Schach-Club beigetreten, hat Fachbücher auswendig gelernt und sich sogar für mehrere Monate bei der Nummer 1 von Spanien weitergebildet. Irgendwann aber ist er am Spiel fast zerbrochen – zu gross war die Angst vor dem Versagen. Beim Schach wird man unmittelbar mit den eigenen Unzulänglichkeiten konfrontiert. Anders als bei fast allen anderen Spielarten kann man die Schuld hier auf niemanden abschieben. Reporterin Viveca Kammermann begleitet Nico Georgiadis nach Indien an die Schach-Olympiade, an das grösste Schachturnier der Welt. Hier stellt er sich nicht nur den weltweit besten Opponenten, er kämpft am Schachbrett vor allem gegen sich selbst. Die Reporterin geht der Frage nach, wie ihn das Spiel über all die Jahre geprägt hat, und warum es ihn trotz allem immer noch so begeistert.

    Silvias Leben mit Parkinson

    Play Episode Listen Later Nov 30, 2022 32:46


    Vor sieben Jahren erhält Silvia die Diagnose Parkinson. Für die damals 42-jährige ein Schock. Ein Weg mit vielen Hochs und Tiefs beginnt – und einer Operation: In ihr Hirn werden zwei Sonden implantiert, um die Symptome zu lindern. Eine Reportage über eine Frau, die nicht aufgibt. 2019 nimmt Silvia bei der grossen «SRF DOK»-Expedition mit Hundeschlitten quer durch Lappland teil. Damit geht für sie ein fast unerreichbarer Traum in Erfüllung – denn vier Jahre zuvor wird bei ihr Parkinson diagnostiziert. Sie zieht die fünftägige Tour durch – bei teils 30 Grad minus. Dank Medikamenten und vor allem ihrem starken Willen. Ein Jahr später wäre eine solche Tour nicht mehr möglich gewesen – die Symptome und die Schmerzen sind zu stark, mit der Medikation ist sie am Limit. Denn Parkinson ist eine degenerative Nervenkrankheit, die nicht heilbar ist. Doch Silvia ist eine Kämpferin. Als sie die Diagnose erhält, gründet sie einen eigenen Verein für junge Parkinson-Erkrankte, trainiert für die Parkinson-Tischtennisweltmeisterschaft und spielt weiter Tenorhorn in einer Brassband – obwohl ihr die Kontrolle über ihren Körper immer schwerer fällt. Doch der Parki, wie Silvia ihn nennt, schreitet voran. Im Sommer 2021 ist die Tiefenhirnstimulation ihre einzige Hoffnung. Es ist eine Wachoperation, bei der ihr zwei Sonden ins Hirn operiert werden. Diese sollen über Stromimpulse die Funktion in den Hirnregionen stimulieren, in denen Parkinson entsteht und die Symptome lindern. Wird sich ihre Hoffnung erfüllen? Ist ihr Leben danach wirklich wieder lebenswerter? Eines ist klar: Der Weg mit Parkinson verändert ihre Sicht aufs Leben. Drei Jahre lang haben der Autor Frank Senn und die Autorin Denise Schneitter Silvia Lerch auf ihrem Weg begleitet. Entstanden ist eine berührende Reportage über eine Frau, die ihr Schicksal akzeptiert, mitten im Leben steht und sich nicht stoppen lässt.

    Mein Vater der Privatdetektiv

    Play Episode Listen Later Nov 9, 2022 32:56


    Er ist kein TV-Detektiv, sondern echt: Hans Ruch aus Münsingen ist seit 32 Jahren Privatdetektiv. Er führt seinen Sohn und SRF-Reporter in die Kniffe seiner Branche ein, die häufig an der Grenze zur Illegalität operiert. Ein ungefilterter Einblick in die Arbeit von Schweizer Privatdetektiven. «Wir kennen die roten Linien des Gesetzes, die nicht überschritten werden dürfen», sagt Ex-Polizist Hans Ruch. Als Privatdetektiv muss er häufig in rechtlichen Grauzonen operieren: Hier eine Geschwindigkeitsübertretung begehen, da einen GPS-Tracker an einem Auto anbringen. Denn ohne solche Rechtsübertretungen wäre so manche Observation nicht erfolgreich. Hans Ruch beobachtet hauptsächlich Versicherungsbetrüger: Etwa Leute, die krankgeschrieben sind und Geld kassieren, daneben aber trotzdem arbeiten. Besteht ein Anfangsverdacht, engagieren die Schadensabteilungen der Versicherungen gerne Privatdetektive für die heiklen Überwachungen im Feld. Oft ist der Alltag echter Privatdetektive unspektakulär: Für seine Observationen sitzt Hans Ruch stundenlang im Auto und filmt. Nervenkitzel gibt es dann, wenn er eine Zielperson mit dem Auto verfolgt oder ein GPS-Gerät unter einem Fahrzeug befestigt. Doch mit den Positions-Trackern an fremden Autos bewegen sich die Privatdetektive im gesetzlichen Niemandsland. Sich nicht erwischen zu lassen, gehört zum Geschäftsmodell. «Es handelt sich um eine Branche, die sich schon immer im dunkelgrauen bis schwarzen Bereich bewegt hat und auch davon lebt», kritisiert Rechtsprofessor Thomas Gächter von der Universität Zürich. Nach 32 Jahren im Geschäft gewährt der 73-jährige Hans Ruch einen einzigartigen Einblick in seine Arbeit. Reporter André Ruch porträtiert seinen Vater, der seine Firma gerne an einen seiner Söhne weitervererben würde. Die Parallelen zwischen Journalisten und Privatdetektiven sind augenfällig: Beide recherchieren, holen Informationen ein und fertigen am Ende einen Bericht. So beschäftigt sich der Reporter nun damit, vielleicht doch eines Tages ins Geschäft des Vaters einzusteigen – und gerät dabei in moralische Konflikte.

    Dominik Bein – Opfer lebenslänglich

    Play Episode Listen Later Oct 12, 2022 33:14


    Am 26. April 2003 wurde der 15-jährige Schüler Dominik Bein beim Eisenwerk in Frauenfeld von sieben Rechtsextremen halb totgeprügelt. Dominik Bein ist seither schwer behindert. Und er wartet noch immer auf Schadenersatzzahlungen der Täter. Rosmarie Bein, Dominiks Mutter, bricht heute noch in Tränen aus, wenn sie von Dominiks Peinigern spricht: «Ich versuche immer, diesen Menschen zu vergeben. Aber ich kann es nicht – die Wut kommt immer wieder durch.» Die sieben Skinheads haben nicht nur Dominiks Leben zerstört. Auch Rosmarie Bein, 73, musste ihr bisheriges Leben aufgeben. Sie kümmert sich seit bald zwanzig Jahren Tag und Nacht um ihren Sohn, um diesem möglichst viel Selbstständigkeit in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen. Die Täter haben ihre Strafen schon längst abgesessen. Doch Dominik Bein, 34, ist Opfer – lebenslänglich: «Sie haben sein Leben zerstört, aber bezahlen wollen sie nicht dafür – was sind das nur für Menschen?», sagt seine Mutter Rosmarie Bein zu Reporterin Helen Arnet. Dominik muss nicht nur mit seiner schweren Behinderung leben, die es ihm verunmöglicht, zu arbeiten, Freunde, eine Beziehung, eine Familie zu haben. Er wartet auch vergeblich auf Schadenersatzzahlungen der Gewalttäter. Darum fristen er und seine Mutter ein Dasein am Existenzminimum. Bis heute sind lediglich ein paar tausend Franken an Dominik geflossen. Perfid: Würden Dominiks Hirnverletzungen von einem Verkehrsunfall stammen, kämen die Haftpflichtversicherungen der Unfallverursacher für den Schaden auf. Weil Dominik zum Zeitpunkt des Überfalls noch Schüler war, muss er mit einer IV-Rente von 1400 Franken im Monat leben. Aus diesem Geld muss er auch die Selbstbehalte für seine diversen Therapien berappen. Für Dominiks Anwalt Manfred Dähler ist dies ein unerträglicher Umstand. Darum ist er jetzt am Ausarbeiten von Zivilklagen gegen einige der Täter.

    Kranke Kinder ohne Heimat

    Play Episode Listen Later Sep 28, 2022 32:22


    Anhelina, Denis und Nazar sind vor dem Krieg in der Ukraine in die Schweiz geflüchtet. Die drei Kinder haben Krebs und brauchen medizinische Versorgung. Schwierige Situationen kennen sie. Tapfer stellen sie sich auch dieser neuen Herausforderung – wäre da nur nicht das Heimweh. Die überlebenswichtigen Therapien können nicht warten, bis wieder Frieden herrscht. Deshalb fliehen die drei ukrainischen Kinder Anhelina, 8, Denis, 8, und Nazar, 11, schon bald nach Kriegsausbruch zusammen mit ihren Müttern und Geschwistern aus dem bombardierten Land. Im zürcherischen Küsnacht finden sie Zuflucht im stillgelegten Altersheim «Sonnenhof». Seither leben sie zusammen mit anderen jungen «Sonnenhöflern», die das gleiche Schicksal teilen – alle mit der Ungewissheit, ihre Väter, Grosseltern und Haustiere vielleicht nie wieder zu sehen. Kinder wie Anhelina, Denis und Nazar haben krankheitsbedingt schon viel erleiden müssen. Und auch dieser Situation stellen sie sich tapfer. Unterstützung bekommen sie von Menschen aus der Region: Sie sollen sich zuhause und willkommen fühlen. Die Kinder nutzen Freizeitangebote, bekommen Schulunterricht, Velos, Kleider und sogar neue Möbel. Dennoch: Das Heimweh bedrückt Anhelina, Denis und Nazar und deren Mütter je länger je mehr. Sie sehnen sich nach ihren Verwandten, ihrem Zuhause, ihren Haustieren. Reporterin Viveca Kammermann geht der Frage nach, wie sie damit umgehen. Letztlich müssen sich die «Sonnenhöfler» der Grundsatzfrage stellen: «Was ist wichtiger, in Sicherheit zu sein oder auf das Herz zu hören und zurückzukehren in die Heimat?»

    Christoph Spörri muss ins Gefängnis

    Play Episode Listen Later Sep 21, 2022 32:40


    Der Ex-DJ Christoph Spörri wurde zu vier Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Bis zuletzt kämpft der Familienvater gegen die Gefängnisstrafe, ohne Erfolg. «Reporter» begleitete ihn und seine Familie während zweieinhalb Jahren, bis er im Gefängnis ist. 14. März 2022, 09.50 Uhr, Bern. Christoph Spörri verbringt seine letzten Minuten in Freiheit. Er muss ins Gefängnis. Zurück lässt er seine zwei Söhne und seine Frau. «Ich liebe dich, pass gut auf die Kinder auf», sind seine letzten Worte zu seiner Frau. Dann ist er weg, im Regionalgefängnis Bern. Das Verdikt der Richter 2018: Vier Jahre Freiheitsstrafe wegen Anstiftung zu Brandstiftung und versuchten Versicherungsbetrugs. Verurteilt wurde der Ex-DJ Christoph Spörri in einem Indizienprozess. Für die Richter war klar, dass er seine Plattensammlung abfackeln liess, um die Versicherungssumme zu kassieren. Doch Christoph Spörri sagt bis heute, dass er unschuldig sei. Sein Kampf gegen die Verurteilung war aber erfolglos. Christoph Spörri und seine Frau Tina müssen deshalb den Kindern erklären, dass ihr Vater ins Gefängnis gehen muss. «Wir sprechen offen mit ihnen. Sie wissen, was geht. Unsere Familie ist ein Team, wir halten zusammen», erklärt Christoph Spörri. Seine Frau Tina blickt sorgevoll auf die Zeit ohne ihren Mann: «Ich kann mir kaum vorstellen, wie es sein wird, als alleinerziehende Mutter zu leben. Mein Mann unterstützte mich immer bei der Betreuung der Kinder, das wird hart», erzählt sie Reporter Christof Schneider. 14. April 2022, Justizvollzugsanstalt Witzwil, Kanton Bern. Hier sitzt Christoph Spörri seine Strafe ab. Was ihm am meisten fehlt: seine Familie. Täglich telefoniert er mit seiner Familie, täglich schreibt er einen Brief nach Hause. Doch nach Hause kann er nicht, von seiner vierjährigen Gefängnisstrafe hat er erst ein halbes Jahr abgesessen.

    Mein Brieffreund in der Todeszelle

    Play Episode Listen Later Sep 14, 2022 32:38


    Will man jemanden in sein Leben lassen, der in den USA zum Tode verurteilt wurde? Kann man mit einem Mörder befreundet sein? Vier Menschen erzählen, wieso sie ihre Brieffreundschaft mit jemandem in der Todeszelle noch nie bereut haben. «Mein Name ist William Kopsho. Ich bin seit 21 Jahren im Gefängnis. Ich wurde zum Tod verurteilt, weil ich jemandem das Leben genommen habe», sagt ein sympathisch wirkender Mann Mitte 60. Er hat in einem Streit seine Frau erschossen. Nun wartet er in einem Gefängnis im Bundesstaat Florida auf seine Hinrichtung. Einer seiner engsten Freunde wohnt im Kanton Bern. Patrik Gerber ist Mitte 20 und studiert Medizin. Kennengelernt haben sich die beiden über einen Verein namens «Lifespark», der seit fast 30 Jahren Brieffreundschaften mit Menschen in der Todeszelle vermittelt. «Wenn Patrik Urlaub macht oder mit Freunden essen geht, schickt er mir Fotos», erzählt William Kopsho der Sendung «Reporter». «Das gibt mir das Gefühl, dabei zu sein. Und das ist wunderbar. Durch ihn fühle ich mich zwischendurch wie ein freier Mann. Zumindest in meinem Geist.» Patrik Gerber auf der anderen Seite ist durch die Freundschaft mit Kopsho klar geworden, was für ein Privileg es ist, frei zu sein: «Ich schätze und geniesse mein Leben jetzt viel mehr.» Die Tatsache, dass er es mit jemandem zu tun hat, der einen Menschen getötet hat, tut der Nähe keinen Abbruch. Das Delikt sei schnell in den Hintergrund getreten. Aus einem fremden Mörder wurde ein enger Freund. Reporter Simon Christen hat drei Frauen und einen Mann porträtiert, die in der Schweiz leben und einen Brieffreund haben, der in der Todeszelle sitzt. Was hat sie dazu motiviert, einen solchen Menschen in ihr Leben zu lassen? Was gibt ihnen dieser Kontakt? Und wie gehen sie damit um, dass es eine Freundschaft auf Zeit ist? Irgendwann wird der Tag der Exekution kommen. Dann dürfen die Gefangenen Menschen, die ihnen wichtig sind, einladen, dabei zu sein. Auch ihre Brieffreundinnen und Brieffreunde aus der Schweiz.

    Ode an Berlin

    Play Episode Listen Later Aug 31, 2022 32:25


    Vier Jahre lang war Bettina Ramseier SRF-Korrespondentin in Berlin. Nun blickt sie – gemeinsam mit Freunden und Wegbegleiterinnen – zurück auf ihr Leben in der deutschen Hauptstadt. Ein persönlicher Film über Widersprüche und Faszination, über eine Stadt, die polarisiert. Inge Schmidt wohnt seit 40 Jahren im Prenzlauer Berg, hat die Verwandlung eines schäbigen Quartiers zum Trend-Ort miterlebt. Die rasante Gentrifizierung hat ihr Freunde genommen – und doch möchte sie nirgendwo anders leben. Kamerafrau Vivian Wang ist in einem Land aufgewachsen, das es nicht mehr gibt. Als die Mauer fiel, war sie ein Teenager. Sie erzählt, wie die DDR sie geprägt und sie ihren Weg in einer neuen Welt gefunden hat. Video-Editor Julius Eisel blickt auf den Hedonismus seiner Stadt und was in den letzten Jahren aus ihm geworden ist. Und Denise Fetzke gewährt Einblicke in den Alltag einer Lehrerin an einer Berliner Brennpunktschule. Sie alle haben Bettina Ramseier während vieler Jahre begleitet und waren Inspiration für ihre Arbeit als Journalistin. Von Berlin hat sie gelernt, wie von keiner anderen Stadt: Über die Geschichte Europas, über Politik, über Armut in einem reichen Land. Denn in Berlin zeigen sich die Versäumnisse der deutschen Regierung besonders deutlich: Eine Wohnpolitik, die internationalem Kapital kaum Grenzen setzt oder eine bürokratische Verwaltung, die Schulen verlottern lässt. Dieser Film ist ein rasantes Kaleidoskop über eine Stadt, die weder lieblich noch besonders schön ist und doch ein Lebensgefühl verkörpert, das jedes Jahr Zehntausende anlockt. Es treffen Freigeist, Toleranz und Rohheit aufeinander. Berlin ist Schmelztiegel und Sehnsuchtsort. Berlin ist Leben – und Leben lassen.

    Bondo – Der Bergsturz und seine Folgen

    Play Episode Listen Later Aug 24, 2022 22:54


    Annemieke Buob Müller tut sich schwer. Seit dem Bergsturz müsse sie ihre Emotionen verdrängen und nur noch funktionieren. Ihr Mann Reto Müller steht ihr zur Seite. In seinen Schmerz mischt sich jedoch Genugtuung. Er habe seit langem gewarnt. Aber nur wenige hatten ihn und die Experten hören wollen. Der Bergsturz kam in der Tat nicht unerwartet. Doch als am 23. August 2017 mehr als drei Millionen Kubikmeter Felsen vom Piz Cengalo zu Tal donnerten und ein Murgang aus Schlamm und Wasser das Dorf Bondo bedrohte, erschütterte diese Naturgewalt die Menschen im Bergell in ihrem Innersten. Zum einen waren da die acht Menschen, allesamt Touristen, die am Berg starben. Zum anderen verloren Familien ihr Hab und Gut. Häuser wurden von einem Augenblick auf den anderen zerstört oder zumindest unbewohnbar. Immerhin: Weil Bondo ein Notfallszenario vorgesehen hatte, war das Dorf innert nützlicher Frist evakuiert. Die Bewohner kamen nicht zu Schaden. Welche Auswirkungen aber hat der Bergsturz für die ganze Alpenregion? Wirft er ein neues Licht auf die Siedlungspolitik in den Bergkantonen? Und: Gibt es einen Zusammenhang mit dem Klimawandel? «Reporter» zeigt, welche Folgen der Bergsturz von Bondo für die Menschen im Dorf hat. Erstausstrahlung 10.9.2017

    Neuanfang - wie kann er gelingen?

    Play Episode Listen Later Aug 21, 2022 81:43


    Selbstgewählt oder aufgezwungen – ein Neuanfang bedeutet eine Zäsur im Leben eines Menschen. Was ist das Geheimnis eines erfolgreichen Neuanfangs? Wie gelingt ein gesellschaftlicher Neuanfang? Mona Vetsch begibt sich auf Spurensuche. Der Krieg hat tausende Menschen aus der Ukraine vertrieben. Die zweifache Mutter Natalia Kaminska ist eine davon. Seit drei Monaten lebt sie im Reka-Dorf an der Lenk. Vorübergehend. Ihre Tochter Aline geht da zur Schule und möchte in der Schweiz bleiben. Natalia Kaminskas 17-jähriger Sohn hingegen ist noch in der Ukraine. Er will in den Krieg ziehen und kämpfen. Für die Mutter eine unfassbar schreckliche Vorstellung und das grösste Hindernis, um an einen Neuanfang ausserhalb ihrer Heimat zu denken. Noch während der Dreharbeiten wird sie in die Ukraine zurückreisen, um ihren Sohn in die Schweiz zu holen. Ob ihr das gelingen wird? «Du musst das Schicksal annehmen und weitergehen», sagen Ladina und Sven Kindschi. «Nur so gelingt ein Neuanfang.» Auch sie mussten unfreiwillig neu anfangen. Ihr Sohn Emil wurde von einem Traktor überfahren und ist seither schwer behindert. Für die Familie eine grosse Belastung. Die Beziehung des Paars ging in die Brüche. Die Sorge um Emil helfe aber auch, zu fokussieren im Leben: «Unser Bub steht im Zentrum, alles andere ist unwichtig.» Den Entscheid für einen Neuanfang selbst gewählt hat Sarah Schädeli. Sie verliess Hof, Mann und drei Kinder für eine Frau. Obwohl sie wegen der Liebe zu einer Frau viel Häme ertragen musste, bereut die ehemalige Bäuerin ihren Schritt nicht: «Wer nicht wagt, lebt nicht.» Schliesslich trifft Moderatorin Mona Vetsch Menschen, die nicht nur den persönlichen Neuanfang wagen, sondern einen gesellschaftlichen herbeiführen wollen: Freiheitstrychler und Klimastreikende. Was die beiden Gruppierungen verbindet und warum sie trotzdem nie gemeinsam für einen gesellschaftlichen Neuanfang kämpfen würden, erfährt Mona Vetsch in einem Gespräch hautnah: Erstmals debattieren Klimastreikende und Freiheitstrychler an einem Tisch.

    Mein Körper und ich

    Play Episode Listen Later Aug 14, 2022 79:11


    Wir formen und tunen den Körper, lassen ihn hungern oder künstlich verändern. Mona Vetsch geht der Frage nach, welche Beziehung wir zu unserem Körper haben und trifft dabei auf Menschen, die dem gängigen Ideal nicht entsprechen können oder auch einfach nicht wollen. «Ja, ich bin fett», sagt Melanie Dellenbach von sich selbst. Sie habe die Begriffe «dick» und «fett» für sich zurückerobert und möchte damit den Beleidigungen die Macht entziehen. Als sogenannte Fett-Aktivistin hat die Pflegefachfrau der Gewichtsstigmatisierung den Kampf angesagt. Denn gerade mehrgewichtige Menschen haben es in unserer Gesellschaft nicht eben leicht, sie erleben Gewichtsdiskriminierung und Ausgrenzung in fast allen Lebensbereichen. Schlanke, durchtrainierte Bodies sind längst ein Massenphänomen und Garantie für Anerkennung und Likes. Den Körper zu formen, ist für die beiden Natural Bodybuilderinnen Rahel Scherrer und Venesa Sadrijaj eine den Alltag beherrschende Leidenschaft. Muskeltraining, Aufbau- und Diätphasen geben den Takt vor. Wann wird Kalorienzählen zur Sucht? Bei Naera Giaimo begann die Krankheit schleichend und endete fast tödlich. Die 26-Jährige hat zwar ins Leben zurückgefunden, ihre Beziehung zum Körper ist aber nach wie vor kompliziert. Franziska Quadri ist seit einem Gleitschirmunfall vom Hals abwärts gelähmt. Die Tetraplegikerin musste ihren Körper neu kennenlernen. Dazu kommt, dass die Gesellschaft anders, meist mitleidig, auf sie reagiert. Selbstakzeptanz als Befreiungsschlag. Als Mädchen hat sich Andrea Vollgas für ihren Körper geschämt, er entsprach nicht der sogenannten Norm. Heute sieht sie keinen Grund mehr, ihren Körper zu verstecken. Im Gegenteil. Als Illustratorin zeigt Andrea Vollgas mit ihren Bildern, dass es nicht nur Standardkörper gibt, Menschen sind vielfältig und divers. «Das darf man ruhig auch sehen!»

    Einmal Opfer, immer Opfer?

    Play Episode Listen Later Jul 10, 2022 78:21


    Betroffene von Gewalttaten sind oftmals schwer traumatisiert und stellen sich immer wieder die Frage: «Warum hat es gerade mich getroffen?» Im Gespräch mit ihnen erfährt Mona Vetsch, dass die Erlebnisse zwar nie vergessen werden, die Betroffenen sich aber oft aus ihrem Opferdasein befreien können. Corinnes T.'s Ehe war ein Albtraum, der zwölf Jahre dauerte: Nach der Geburt des gemeinsamen Kindes fühlte sich ihr Ehemann vernachlässigt, tröstete sich mit Alkohol und wurde gewalttätig. Mehrere Male brach er Corinne T. das Nasenbein und schlug sie spitalreif. Die Demütigungen und Schläge führten dazu, dass Corinne T. jegliches Selbstwertgefühl verlor. «Es war wie eine Gehirnwäsche – ich war überzeugt davon, dass ich nichts wert war und ich dankbar sein musste, dass er sich überhaupt mit mir beschäftigte», erzählt Corinne T. Mona Vetsch. Heute habe sie sich mit Therapie und viel Selbstliebe aus der Opferrolle befreien können. Doch das Erlebte hinterliess auch bei ihrem Sohn Spuren. Darum rät sie Betroffenen: «Wenn ihr nicht wegen euch gehen könnt, geht wegen eurer Kinder!» Denn anders als vermutet, habe das gemeinsame Kind jede einzelne Facette des jahrelangen Terrors mitbekommen. Mona Vetsch trifft auch Bloggerin Morena Diaz. Diese wurde 2018 von einem guten Freund vergewaltigt und machte diese Straftat in den sozialen Medien öffentlich, um das Tabu «sexualisierte Gewalt» zu brechen. Danach erntete sie nicht nur viel Verständnis und Empathie von anderen Frauen und Betroffenen, sondern auch Schuldzuweisungen und Häme: Viele solidarisierten sich mit dem Täter statt mit dem Opfer. Morena Diaz wurde für die Tat verantwortlich gemacht oder gar als Lügnerin betitelt. Auch Walter Nowak wurde nicht geglaubt, was er als kleiner Junge hinter den dicken Mauern des Klosters Fischingen erlebt hatte: Er wurde von einem Pater aufs Schändlichste missbraucht. Doch damit nicht genug: Weil seine schulischen Leistungen als Folge des Missbrauchs absackten, wurde der 14-jährige Walter in die psychiatrische Klinik Münsterlingen eingewiesen und dort – als menschliches Versuchskaninchen – für Medikamentenversuche eingesetzt. Unter den körperlichen Folgeschäden leidet Nowak bis heute. Und auch die seelischen Wunden sind unheilbar. Doch Walter Nowak kämpft bis heute für sein Recht. Mona Vetsch lernt Mobbingopfer Maik Bisquolm kennen, erfährt bei der Opferhilfe beider Basel, warum sich Opfer von Gewalttaten so oft im Stich gelassen fühlen und spricht mit Psychiaterin Rosilla Bachmann darüber, ob und wie Betroffene das Erlebte hinter sich lassen können. Im Gespräch mit Yves Bossart, Moderator von «Sternstunde Philosophie», wird klar, dass sich schon die alten Römer mit Selbstliebe, Resilienz und Vergebung beschäftigt haben und dass es Nietzsche war, der die Weisheit «Was dich nicht umbringt, macht dich stärker», geprägt hat.

    Einmal Täter, immer Täter?

    Play Episode Listen Later Jul 3, 2022 85:01


    Wieso werden Menschen kriminell? Wie bringt man sie zurück auf den rechten Weg? Und was tun, wenn sie unbelehrbar sind? Diesen Fragen geht Mona Vetsch nach. Giorgio kam als 3-Jähriger ins Kinderheim – der Anfang einer Odyssee durch verschiedene Institutionen und Pflegefamilien. Er war schon früh verhaltensauffällig und tat sich schwer damit, Regeln einzuhalten. Als Jugendlicher beging er Bagatelldelikte. Als Volljähriger wurde er zum Serieneinbrecher und verbrachte insgesamt fast zehn Jahre im Gefängnis. Heute ist er dreissig Jahre alt und seit einem halben Jahr auf freiem Fuss. Arbeit hat er noch nicht gefunden. Er hofft auf eine Musik-Karriere. Giorgio möchte unter dem Künstlernamen «Scorp808» Hip-Hop-Star werden. Und wie gross ist die Chance, dass er wieder kriminell wird? «Gering», antwortet er auf Mona Vetschs Frage. «Ich bin älter geworden und kann mir nicht vorstellen, wieder einbrechen zu gehen. Ich habe so viel Zeit verschwendet im Gefängnis. Das will ich nicht mehr.» Hansueli Gürber kennt solche Fälle. Gürber wurde zum wohl bekanntesten Jugendanwalt der Schweiz, weil er den sogenannten «Fall Carlos» betreute. Dass er diesen Fall 2013 in einem «Reporter»-Film publik machte, bereut er heute. Er habe die Brisanz eindeutig unterschätzt. «Der grösste Teil der Arbeit eines Jugendanwaltes sind Bagatell-Sachen», erzählt der inzwischen pensionierte Gürber Mona Vetsch. «Töffli-Geschichten oder ein einmaliger Ladendiebstahl.» Aber es gibt auch schwerere Fälle: zum Beispiel jugendliche Gewalttäter. «Da muss man sicher mit Sanktionen arbeiten», sagt Gürber, «aber man muss das Gewaltproblem auch mit dem Jugendlichen diskutieren. Das Strafen allein nützt nichts.» Vielmehr gehe es in der Regel darum, den Jugendlichen eine Perspektive zu vermitteln. «Das ist für mich auch der zentrale Grund von Jugenddelinquenz: Es hat viele Jugendliche, die sich als grosse Verlierer sehen.» Wer die Kurve nicht bekommt, der landet irgendwann in einem Gefängnis wie der JVA Thorberg. Hans-Rudolf Schwarz, der Direktor des Thorberg, antwortet auf die Frage, wieso Menschen kriminell werden: «Das ist so verschieden wie die Lebenswege. Gewisse sind durch alle sozialen Maschen gefallen. Die haben das Elternhaus verlassen, die Schule und die Lehre abgebrochen. Und dann sind sie in Kontakt mit Drogen gekommen.» Andere seien Persönlichkeiten, die meinten, sie könnten 100'000 pro Monat verdienen. Weiter gebe es Illegale, die kein Einkommen hätten und darum kriminell würden. Und schliesslich auch Menschen mit psychischen Krankheiten.

    Synchronschwimmen – Zwischen Eleganz und Erniedrigung

    Play Episode Listen Later Jun 29, 2022 32:39


    Anouk, Fabienne und Aline waren jahrelang im Schweizer Nationalkader des Synchronschwimmens und haben an Welt- und Europameisterschaften teilgenommen. Sie haben mit den «SRF Investigativ»-Reporterinnen Maj-Britt Horlacher und Nina Blaser über die Abgründe in diesem Sport gesprochen. Synchronschwimmen verlangt von den Mädchen und jungen Frauen – und es sind auch heute noch fast ausschliesslich Frauen – extrem viel ab. Die Trainings und der Umgang im Hallenbad sind hart, nicht selten übers erträgliche Mass hinaus. Das wissen Anouk, Fabienne und Aline aus jahrelanger Erfahrung. Alle drei sind im Kanton Bern aufgewachsen, alle drei haben schon in jüngsten Jahren mit Synchronschwimmen begonnen. Bald kamen die ersten Wettkämpfe. Physische und psychische Übergriffe hätten zum Alltag gehört, erzählen sie, «so ist das Synchro-Leben». Es klingt nach Déjà-vu: Im Herbst 2020 gab es schon einmal einen riesigen Knall im Schweizer Sport. Im Kunstturnen und in der Rhythmischen Sportgymnastik wurden Missstände aufgedeckt; Athletinnen, die eingeschüchtert und erniedrigt worden waren. Die sogenannten Magglingen-Protokolle. Es gab einen Aufschrei, die Politik reagierte. Bundesrätin Viola Amherd zeigte sich persönlich betroffen. Bundesrätin Amherd rief eine neue Beschwerdestelle ins Leben. Und auch ein Gutachten gab sie in Auftrag. Dieses zeigte grobe Verstösse in mehreren Sportarten. Und wörtlich: Artistic Swimming – so wird Synchronschwimmen offiziell genannt – schnitt am schlechtesten ab. Im Gutachten ist die Rede von «signifikant höheren Werten psychischer Gewalt». Etwa Anschreien, Beschimpfen, Drohen. Auch physische Gewalt wird erwähnt, anzügliche Bemerkungen und Dauerbelastungen. Am Schluss heisst es: Im Artistic Swimming bestehe grundsätzlich Handlungsbedarf. Das war im letzten Herbst. Was ist seither passiert? Die Recherchen der «SRF Investigativ»-Reporterinnen Maj-Britt Horlacher und Nina Blaser zeigen: Synchronschwimmen hatte und hat grundsätzliche Probleme. Etwa: Was macht dieser Sport mit jungen Frauen und ihrer Beziehung zum eigenen Körper? Dieser Frage wollte Anouk genauer nachgehen und schrieb ihre Maturaarbeit über das Thema Essstörungen im Synchronschwimmen. Dafür verschickte sie Fragebögen an Schweizer Trainerinnen und Schwimmerinnen. Das Fazit ihrer Maturaarbeit: Essstörungen sind weit verbreitet. Und: Die Trainerinnen haben einen grossen Einfluss darauf, ob junge Athletinnen eine ungesunde Beziehung zum Essen entwickeln.

    Familie mit ALS-Diagnose

    Play Episode Listen Later Jun 22, 2022 32:14


    Mit 40 Jahren erhält Dennis Schneider die Diagnose der unheilbaren Nervenkrankheit ALS (Amyotrophe-Lateralsklerose). Seine Frau Daniela und er entscheiden sich, trotz verkürzter Lebenserwartung eine Familie zu gründen. Seither kämpfen sie für ein selbstbestimmtes Leben trotz ALS-Diagnose. Die Geschichte beginnt 2013. Dennis und Daniela werden ein Liebespaar. Sechs Monate später diagnostiziert man bei Dennis die unheilbare Nervenkrankheit ALS, mit einer Lebenserwartung von drei bis fünf Jahren. Die beiden heiraten und gründen eine Familie. Während die Tochter an Lebenskraft gewinnt, baut der Vater ab. Doch die Familie kämpft für ein selbstbestimmtes Leben. Heute ist Tochter Melissa 5-jährig und Dennis fast komplett gelähmt. Er kann noch sprechen, schlucken und mit einem Finger die Maus des Computers bedienen. Einschränken lässt sich der ehemalige Volleyballspieler von der Krankheit nicht. Er ist Assistenztrainer beim Volleyballclub BTV Aarau und so oft es geht mit Tochter Melissa draussen unterwegs. «Ich bin ein hoffnungsloser Optimist. Wegen der Krankheit den Kopf in den Sand zu stecken, bringt ja nichts.» Assistenzpersonen und Spitex unterstützen die Familie. Davor lastete das meiste auf der heute 35-jährigen Daniela. Die Mehrfachbelastung als Mutter, Arbeitstätige und Pflegerin führten sie in eine Krise. «Manchmal sehe ich keinen Sinn im Leben und denke, dass ich nie glücklich werde im aktuellen Umfeld. Dann wünsche ich mir eine normale Familie.» Durch einen Reha-Aufenthalt findet die Mutter zurück ins Gleichgewicht und lernt, sich trotz pflegebedürftigem Ehemann und Tochter ihre eigenen Auszeiten zu nehmen.

    Nicht ohne meinen Zwilling

    Play Episode Listen Later Jun 15, 2022 32:52


    Samuel hat das Down-Syndrom, seine Zwillingsschwester Virginie nicht. Die beiden wohnen zusammen mit Virginies Familie unter einem Dach. In drei Monaten erwartet sie ihr zweites Kind. Wie organisiert sich das aussergewöhnliche Geschwisterpaar im Alltag? Bis vor zwei Jahren lebte Samuel in verschiedenen betreuten Institutionen. Der 32-Jährige war unglücklich und aggressiv, bekam Medikamente zur Beruhigung. Darum entschied sich Virginie, ihren Zwillingsbruder zu sich zu nehmen. Schon immer habe sie sich für Samuel verantwortlich gefühlt. Ihre Eltern Rose-Marie und Emmanuel Bickit waren bei der Geburt überrascht: «Diskordante Down-Syndrom-Zwillinge» – ein äusserst seltenes Phänomen. In der Schweiz gibt es schätzungsweise eine Handvoll. «Für mich war es ein Schock. Ich dachte, Zwillinge … da ist alles in Ordnung.», sagt Rose-Marie Bickit. Um beiden gerecht zu werden, kämpften die Eltern der Zwillinge bei den Behörden, sodass auch Samuel in eine Regelklasse konnte. Samuel arbeitet vier Tage pro Woche in einer Stiftung im Gartenbereich. Sein Betreuer Börge Pietschmann steht dem Zusammenleben von Virginie und Samuel kritisch gegenüber: «Samuel ist ein erwachsener Mann. Er sollte eine Wohngruppe haben, ein eigenes Zuhause. Einen Ort, wo er mehr Abstand zur Familie hat.» Die hochschwangere Virginie arbeitet drei Tage pro Woche als Lehrerin. Zusätzlich ihrem einjährigen Sohn Marvin gerecht zu werden, ihrem Zwillingsbruder Samuel und auch noch sich selbst: ein tagtäglicher Spagat. Wie lange kann das gut gehen? Immer wieder steht zur Diskussion, Samuel aus der Familie zu nehmen. Virginie macht sich Gedanken über den weiteren Verlauf ihrer Beziehung zu ihrem Zwillingsbruder. «Nicht ohne meinen Zwilling» ist eine spannende Reportage über das Zusammenleben, Grenzen der Integration und die Frage, wie viel Nähe und Distanz ein Mensch braucht, um glücklich zu sein.

    Lotti Latrous – Ein Leben für die Armen

    Play Episode Listen Later Jun 8, 2022 32:07


    Die Schweizerin Lotti Latrous kümmert sich seit 23 Jahren an der Elfenbeinküste um die ärmsten der Armen und rettet so unzähligen Menschen das Leben oder ermöglicht ihnen ein würdevolles Sterben. «Reporter» besucht sie nach zwölf Jahren erneut. Vor fünf Jahren musste Lotti Latrous eines ihrer Zentren aufgeben, damit der Staat auf diesem Gebiet eine Flugpiste bauen konnte. Nach langem Suchen fand sie einen Platz für die Errichtung einer neuen Wirkungsstätte. Gebaut wurde das neue Zentrum mit Waisenhaus, Ambulatorium und Spital unter Anleitung von Lottis Ehemann Aziz Latrous, einem pensionierten Bauingenieur. Die Gebäude stehen auf Pfählen mitten im sumpfigen Slum, die Bewohnenden hausen in Hütten, die behelfsmässig aus Brettern zusammengezimmert wurden. Es mangelt an Essen, und Krankheiten wie Aids, Malaria und Tuberkulose sind weit verbreitet. Diese Not der Slumbewohnenden versucht Lotti Latrous zu lindern. Sie empfängt täglich bis zu 250 Hilfesuchende. Die «Schweizerin des Jahres 2004» kümmert sich zusammen mit ihren rund 80 Mitarbeitenden selbstlos um die Kranken. Manchmal kommt jedoch jede Hilfe zu spät. Ohne Tabu aber mit viel Einfühlungsvermögen teilt Lotti Latrous den todkranken Patientinnen und Patienten mit, dass sie bald sterben müssen. Sie wolle den Menschen ihre Würde zurückgeben, sagt die inzwischen 68-Jährige. Reporter Hanspeter Bäni besucht die engagierte Schweizerin nach zwölf Jahren. Damals starben wöchentlich bis zu fünf Menschen in Lottis Armen – heute sind es viel weniger. Die Reportage zeigt auf, weshalb das so ist und wie sich ihr Leben und Wirken in dieser Zeit verändert hat.

    Spätschicht auf dem Notfall – Der ganz normale Wahnsinn

    Play Episode Listen Later May 25, 2022 32:42


    Kopfverletzung nach Treppensturz, häusliche Gewalt, Patient mit Aggressionspotenzial: Die Notfallcrew des Unispitals Zürich muss täglich mit allem rechnen. «Reporter» ist bei einer Spätschicht dabei. «Eine Notfallmedizinerin muss schnell entscheiden können», sagt Oberärztin Aline Herzog. Seit sieben Jahren arbeitet sie in der Notfallstation des Universitätsspitals Zürich. Arbeitskollege Christian Tek, der in der Pflege arbeitet, ergänzt: «Gute Nerven sind von Vorteil und dass man es gerne hektisch hat.» Noch während der Übergabe von der Früh- zur Spätschicht kommt ein dringender Fall rein: Treppensturz eines älteren Mannes. Er blutet stark und wird von oben bis unten abgecheckt. Ein beinahe identischer, allerdings weit schlimmerer Fall wird kurz darauf mit der Rega eintreffen. Über 45'000 Patientinnen und Patienten behandelt das Team der Notfallstation der Uniklinik pro Jahr. Dreieinhalb Stunden dauert im Schnitt eine Abklärung, nach viereinhalb Stunden werden die Patientinnen und Patienten entlassen oder auf die Bettenstation verlegt. Der Notfall platzt aus allen Nähten. Corona hat die Situation zusätzlich verschärft. «Es ist ein Stressjob, doch wir sind ein gutes Team», sagt Aline Herzog. Für die Notfallstation verantwortlich ist Dagmar Keller. Sie lebt eine Führungskultur, die nicht der Norm am Unispital entspricht. «Im Gegensatz zu anderen Abteilungen ist bei uns die Hierarchie flach. Wir sind alle per Du miteinander», sagt die Direktorin des Instituts für Notfallmedizin. Ihre einfache Begründung dafür: «Wir müssen gemeinsam Patienten reanimieren, da haben Eitelkeiten keinen Platz.» Ein Fall von häuslicher Gewalt, eine stark betrunkene, suizidale junge Frau, ein potenziell hoch aggressiver Mann, bewacht von einer Spezialeinheit der Polizei – all diese Menschen werden an diesem Abend Anfang Mai 2021 vom Notfallteam des Unispitals erstabgeklärt und behandelt. «Ein normaler Abend», bilanziert die Ärztin Aline Herzog. Was ihnen auf dem Notfall begegne, sei ein Spiegel der Gesellschaft. Erstausstrahlung 19. Mai 2021

    Mein Leben mit Übergewicht – Von Kilos, Mut und Selbstliebe

    Play Episode Listen Later May 11, 2022 31:59


    Das Körpergewicht dominierte ihr Leben. Alexandra Baumann, 43, will loskommen von der Tyrannei der Waage. Ein Magenbypass und ambitionierte Ziele sollen helfen. Erstmals im Leben will Alexandra Baumann einen Klettersteig bewältigen. Doch der Weg zum gesunden Körpergefühl ist anspruchsvoll. «Das Gewicht soll in meinem Leben nicht mehr so viel Platz einnehmen», das ist Alexandra Baumanns grösster Wunsch. Der Teufelskreis aus Esssucht, Diäten und Scham beginnt bei ihr schon in der Pubertät. Die Kommunikationsfachfrau hat zwei Waagen zuhause, wiegt sich mehrmals am Tag. Trotz viel Bewegung und zahllosen Diäten ist sie schliesslich 140 Kilo schwer, bei einer Grösse von 1,60 Meter. Sie leidet an gewichtsbedingter Diabetes. Beim Spielen mit dem Gottimeitli kommt Alexandra nicht mehr vom Boden hoch: «Ich hätte einen Kran gebraucht!» Alexandra Baumann zieht die Reissleine und entscheidet sich für einen Magenbypass. Heute, drei Jahre nach der Operation, steht Alexandra Baumann am Scheideweg. Trotz 40 Kilo Gewichtsverlust hat sich das ersehnte Normalgewicht nicht eingestellt. Soll sie sich noch weiter einschränken und mehr trainieren – oder kann sie Frieden schliessen mit ihrem Körper, so wie er ist? Alexandra Baumann entscheidet sich fürs Trainieren. Ein Klettersteig wird zum Jahresziel. Personal-Coach Steve Husistein begleitet sie auf diesem Weg. Alexandra muss genügend Kraft entwickeln, um ihr Gewicht am Fels hochzuziehen und ihre Angst vor der Höhe zu überwinden. Eine erste Besichtigung lässt jedoch Zweifel aufkommen, ob die Challenge an der Kletterwand für Alexandra das Richtige ist.

    Enes Kanter Freedom – Der Preis der Freiheit

    Play Episode Listen Later Apr 27, 2022 32:06


    NBA-Basketballspieler Enes Kanter Freedom setzt sich für Menschenrechte ein. Für seine Kritik an China, Nike und der NBA bezahlte der in Zürich als Enes Kanter geborene indes einen hohen Preis: Er verlor seinen Job bei den Houston Rockets. Seine bunt bemalten Schuhe sind sein Markenzeichen: «Völkermord», «Folter», «Vergewaltigung», «Sklavenarbeit» steht auf den Basketballschuhen geschrieben, mit denen der bald 30-jährige Enes Kanter Freedom auf die Menschenrechtsverletzungen in China aufmerksam macht. Doch sein Engagement für die Uiguren, Tibet, Taiwan und Hongkong wurde dem NBA-Spieler zum Verhängnis: Statt des geplanten Wechsels von den Boston Celtics zu den Houston Rockets wurde Kanter Freedom aus der NBA ausgeschlossen. Eine offizielle Erklärung der NBA für den Rauswurf gibt es nicht, doch der Schluss liegt nahe, dass sein Aktivismus gegen China der Grund dafür ist: «Wenn das der Grund dafür ist, dass die NBA mich aus der Liga wirft, kann ich nichts dagegen tun. Aber irgendjemand muss diese Dinge tun», sagt der ehemalige NBA-Spieler. Enes Kanter Freedom, der letztes Jahr US-Amerikanischer Staatsbürger wurde und dabei seinen Nachnamen von Kanter zu Freedom wechselte, wurde 1992 in Zürich geboren. Sein Vater Mehmet Kanter, war dort am Tierspital tätig. Mehmet Kanter wurde nach seiner Rückkehr in die Türkei wegen seiner Verbindungen zu Fethullah Gulen festgenommen und zu 15 Jahren Haft verurteilt. 2020 wurde er freigelassen, musste sich aber öffentlich von seinem Sohn Enes distanzieren, weil dieser die Menschenrechtsverletzungen von Präsident Erdogan öffentlich anprangerte. Reporter Jean-Cosme Delaloye begibt sich in Zürich und Istanbul auf Spurensuche und begleitet Enes Kanter Freedom zum «Geneva Summit for Human Rights and Democracy», wo diesem der «Courage Award 2022» verliehen wird.

    Radikale Christen – Die Sekte von Ivo Sasek (Teil 2)

    Play Episode Listen Later Apr 20, 2022 33:51


    Sie werden geschlagen und gezüchtigt bis zur Teufelsaustreibung: Erstmals erzählen zwei Söhne über das Innenleben der Organischen Christus-Generation (OCG), einer Sekte im fundamentalistisch-christlichen Milieu mit Sympathien für Adolf Hitler. Begonnen hat er klein: Ivo Sasek gründet im ausserrhodischen Walzenhausen eine kleine christliche Gemeinschaft mit dem Ziel, Randständigen und Familien zu helfen. Noch heute propagiert Sasek, er helfe Familien, doch die Realität ist eine andere. Wer sich nicht seiner Lehre unterwirft und eigene Wege gehen möchte, fällt unter das sogenannte «Aussätzigen-Gesetz»: Aussteigende dürfen keinen Kontakt mehr zu anderen OCG-Anhängerinnen und -Anhängern haben, auch wenn das ihre eigene Familie betrifft. Erfahren mussten dies auch Ivo Saseks Söhne. Simon, David und Joschua Sasek: Alle drei sind ausgestiegen. In seinen Predigten verweist ihr Vater darauf, dass sie von dämonischen Mächten gefangen seien, Infizierte, und damit eine Bedrohung für die OCG. Warum die Söhne ausgestiegen sind, davon erzählt er wenig oder nur zu seinen Gunsten. In «Reporter» schildern die Söhne, was sie bewegt hat, die Sekte ihres Vaters zu verlassen. Und sie decken auf, was ihr Vater seit Jahrzehnten bestreitet und als «Medienlüge» bezeichnet: Sie wurden geschlagen und gezüchtigt, und wenn das alles nichts genützt hat, folgte eine Teufelsaustreibung. «Züchtigung heisst in der OCG: Mit einer etwa ein Meter langen Bambusrute werden gezielt Schläge gesetzt. Das war für uns völlig normal und ich habe das schon als Zweijähriger erfahren. Es gehörte zur Erziehung», erzählt Simon Sasek. Das letzte Mal gezüchtigt wurde er im Erwachsenalter, als er sich wagte, seinem Vater zu sagen, es sei ihm zu eng, er wolle mehr Freiheit. Daraufhin wurde ihm mit massiver Gewalt «der Teufel ausgetrieben». Als Kinder wurden sie von ihrem Vater aufgefordert, «Mein Kampf» von Adolf Hitler zu lesen. «Für ihn kommt das Buch gleich nach der Bibel», sagt Simon Sasek. Ivo Sasek selbst sagt dazu, er identifiziere sich mit Hitlers Biografie, er würde heute von den Medien genauso gejagt und verteufelt wie damals Adolf Hitler. Mit seinem Internet-Kanal «KlaTV» verschafft sich Ivo Sasek zunehmend Reichweite. Ein Internetsender, von OCG-Anhängerinnen und -Anhängern produziert und moderiert, der sich auf Verschwörungstheorien und umstrittene Personen und Ansichten spezialisiert hat. Die Coronakrise hat ihm zusätzlich Publikum beschert. Ängste werden geschürt, bestehende Strukturen in Zweifel gezogen, eine vermeintlich andere, wahre Sicht gezeigt. Sein Sohn dementiert: «Meinem Vater geht es nicht um Wahrheit, er will einzig und allein Reichweite gewinnen.»