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Mit seinem 4. Klavierkonzert betritt Sergei Rachmaninow Neuland. Als er das Werk 1926 vollendete, lebte er bereits seit fast einem Jahrzehnt im amerikanischen Exil. Die Musikwelt hatte sich verändert: Jazz war allgegenwärtig, die Moderne auf dem Vormarsch. Auch Rachmaninow suchte nach neuen Ausdrucksformen. Das Ergebnis war ein Klavierkonzert, das sich deutlich von seinen berühmten Vorgängern unterscheidet – schlanker, rhythmisch markanter und überraschend modern. Die Uraufführung 1927 in Philadelphia verlief jedoch enttäuschend: Publikum und Kritiker vermissten die grossen, eingängigen Melodien der früheren Konzerte. Rachmaninow nahm sich die Kritik zu Herzen und überarbeitete das Werk gleich mehrfach. Die heute gespielte Fassung von 1941 ist deutlich kürzer und konzentrierter als das Original. Lange Zeit blieb das vierte Klavierkonzert ein Aussenseiter im Repertoire. Im Schatten des zweiten und dritten Konzerts wurde es nur selten aufgeführt. Erst in den letzten Jahrzehnten begann eine eigentliche Wiederentdeckung. Heute schätzen viele Pianistinnen und Pianisten gerade jene Qualitäten, die das Publikum einst irritierten: die raffinierte Harmonik, die rhythmische Energie und die ungewöhnliche Verbindung von russischer Spätromantik und amerikanischem Zeitgeist. In der Diskothek stehen fünf Aufnahmen von Rachmaminows g-Moll-Konzert zur Diskussion. Gäste von Eva Oertle sind die Pianistin Aglaia Graf und der Pianist Manuel Bärtsch.
Robert Knöll ist Kunsthistoriker und Bilderrahmer. In seinem Atelier, das die grösste Sammlung barocker Bilderrahmen beherbergt, setzt er Kunstwerke gekonnt in Szene. Kunstsammler, Museen und Galerien vertrauen ihm, wenn es darum geht, berühmte Werke in den passenden Rahmen zu setzen. Ein Handwerk, das in seiner Familie eine lange Tradition hat: Schon sein Vater war ein leidenschaftlicher Sammler und Bilderrahmer. Nach dessen Tod übernahm Robert Knöll den Familienbetrieb, doch für ihn war dieser Schritt weit mehr als nur berufliche Verantwortung – er war eine Bestimmung. «Die Beschäftigung mit Bilderrahmen ist nicht nur mein Beruf, es ist meine Passion», sagt Robert Knöll, und es ist spürbar, dass diese Leidenschaft weit über den Arbeitsalltag hinausgeht. In seinen Träumen erscheinen Bilderrahmen, die ihn in seiner Freizeit genauso begleiten wie im Beruf. Wenn es darum geht, ein berühmtes Kunstwerk neu zu rahmen, reist er zu Museen in ganz Europa, um die perfekte Wahl zu treffen. Es fasziniert ihn immer wieder, wie die Wirkung eines Bildes sich verändert, je nachdem, wie es gerahmt wird. Bereits als Kind war Robert Knöll von Archäologie begeistert – der Blick hinter die oberste Schicht, das Entdecken von Geschichte und Kultur. Diese Faszination für Details und den Kontext von Kunstwerken zieht sich durch sein gesamtes Leben und wirkt sich auf seine Arbeit aus. In «Musik für einen Gast» bei Eva Oertle spricht Robert Knöll über seine Faszination für alte Rahmen und erklärt, warum sie oft im Schatten der eigentlichen Kunstwerke stehen. Er erzählt von einem besonderen Stück aus seiner Kindheit – einem echten Donatello, der über seinem Bett hing und heute einen Platz in einem Museum hat. Und er spricht über seine Liebe zum Cello und der Musik von Brahms. Die Musiktitel: - Johannes Brahms: 1. Satz aus Cellosonate Nr. 1 e-Moll (Pieter Wispelwey, Violoncello; Dejan Lazić, Klavier) - Talking Heads: Sugar on My Tongue - Johann Sebastian Bach: Toccata und Fuge für Orgel d-Moll, BWV 565 (Hannes Kästner, Orgel) - Georg Riedel: Seeräuber-Opa Fabian, aus Pippi Langstrumpf (Eva Mattes, Kinderstimme) - Franz Schubert: 7. Ständchen, aus Schwanengesang, Bearbeitung für Klavier von Franz Liszt (Vladimir Horowitz, Klavier) Erstausstrahlung: 27.04.2025
Das Flötenkonzert von Jacques Ibert gilt als das bekannteste Flötenkonzert des 20. Jahrhundert, entstanden ist es 1934 für den französischen Flötenvirtuosen Marcel Moyse, der viel dazu beigetragen hat, dass die Querflöte in Frankreich und den USA wieder populär wurde. Ibert folgt in seinem Konzert nicht der Mode der Zeit - von der damaligen Avantgarde mit ihrer Zwölftonmusik und dem Bemühen, möglichst «atonal» zu schreiben hielt er nichts. Vielmehr verwendete er Elemente des Jazz und interessierte sich für die Musik der Renaissance und des Barock. Auch die drei Sätze des Flötenkonzerts erinnern in ihrer Anmutung an die barocken Tänze Allemande, Sarabande und Gigue. Wo liegen die Herausforderungen bei diesem Konzert? Wie setzt sich die Flöte gegen das Orchester durch? Die beiden Flötisten Felix Renggli und Kaspar Zehnder sind Gäste von Eva Oertle und vergleichen fünf Aufnahmen dieses virtuosen Bläserkonzerts. Erstausstrahlung: 01.03.2021
Giacomo Carissimi gehört zu den wichtigsten italienischen Komponisten des frühen Barocks und gilt als einer der Wegbereiter des Oratoriums. Von Rom aus prägte er die Entwicklung dieser noch jungen Gattung und beeinflusste zahlreiche Komponisten in ganz Europa, darunter auch Marc-Antoine Charpentier. Carissimis Oratorium Jonas ist vermutlich in den 1640er-Jahren entstand. In kaum mehr als zwanzig Minuten erzählt Carissimi hier die alttestamentliche Geschichte des Propheten Jonas: seine Flucht vor Gottes Auftrag, den Sturm auf See, den Aufenthalt im Bauch des Walfisches und schliesslich die Umkehr der Stadt Ninive. Mit einfachen Mitteln erzielt Carissimi eine grosse dramatische Wirkung. Eindrucksvolle Chorszenen schildern den tobenden Sturm, während die Solisten die Handlung vorantreiben und die inneren Konflikte der Figuren sichtbar machen. Besonders bemerkenswert ist die enge Verbindung von Text und Musik, die bereits auf spätere Meister des Oratoriums wie Schütz und Bach vorausweist. In der Diskothek vergleicht Eva Oertle gemeinsam mit dem Cembalisten Thomas Leininger und dem Chordirigenten Raphael Immos fünf unterschiedliche Aufnahmen von Carissimis Jonas.
Jean-Pierre Bourquin ist Kinderonkologe, Forscher und leidenschaftlicher Cellist. Als Leiter der Onkologie am Kinderspital Zürich begleitet er Kinder und ihre Familien in den schwierigsten Momenten ihres Lebens. Gleichzeitig setzt er sich als Direktor des neuen nationalen Kompetenz -zentrums für Kinderkrebsforschung dafür ein, die Behandlung und Heilungschancen krebskranker Kinder weiter zu verbessern. Eine Erkenntnis begleitet ihn seit vielen Jahren: Kinder spüren immer, ob man ihnen die Wahrheit sagt. Ehrlichkeit und Vertrauen seien deshalb die Grundlage jeder Begegnung. Diese Haltung prägt seine Arbeit ebenso wie seine Überzeugung, dass Kinder niemals unterschätzt werden sollten. Geprägt wurde Bourquin von zwei Welten: der Medizin und der Musik. Sein Grossvater war Organist und vermittelte ihm früh die Freude an der Musik. Mit vierzehn Jahren entdeckte er seine Leidenschaft für das Cello – ein Instrument, das ihn bis heute begleitet. Musik bedeutet für ihn weit mehr als Erholung: Sie eröffnet ihm Räume, die sich mit Worten kaum beschreiben lassen, und verbindet ihn mit den grossen Fragen des Lebens. Trotz der täglichen Konfrontation mit Krankheit, Hoffnung und Verlust empfindet Bourquin seine Arbeit als Privileg. Familien in existenziellen Situationen begleiten zu dürfen, sei für ihn eine Aufgabe von grosser Sinnhaftigkeit. Gleichzeitig treibt ihn die Vision an, durch Forschung die Zukunft von Kindern mit Krebs nachhaltig zu verbessern. In «Musik für einen Gast» bei Eva Oertle spricht Jean-Pierre Bourquin über die Verbindung von Musik und Medizin, über seine Faszination für Kinder und deren Sicht auf die Welt sowie über die Frage, wie man mit Krankheit, Sterblichkeit und den Grenzen des Machbaren umgeht. Er erzählt von seinem Weg zum Cello und von seiner Vision einer besseren Zukunft für Kinder mit Krebs. Die musikalische Reise führt von Johann Sebastian Bach über Johannes Brahms und Ludwig van Beethoven bis nach Kolumbien – Musik, die sein Leben begleitet und geprägt hat. Die Musiktitel: - Johann Sebastian Bach: Prélude aus Cellosuite Nr. 4 Es-Dur (Jean-Guihen Queyras, Violoncello) - Johannes Brahms: Denn alles Fleisch, es ist wie Gras, aus Ein deutsches Requiem (Arnold Schoenberg Chor; Wiener Philharmoniker; Nikolaus Harnoncourt) - Ludwig van Beethoven: Prestissimo, aus Klaviersonate E-Dur op. 109 (Vikingur Olafsson, Klavier) - Carlos Vives: La tierra del olvido - Franz Schubert: Streichquintett C-Dur (Alban Berg-Quartett; Heinrich Schiff, Klavier)
Anton Diabelli war Komponist und einer der bedeutendsten Musikverleger Wiens. Gerade als Verleger prägte er die Musikgeschichte nachhaltig – und das dank einer ebenso einfachen wie genialen Idee: Im Jahr 1819 verschickte Diabelli einen von ihm komponierten Walzer an zahlreiche Komponisten des österreichischen Kaiserreichs mit der Bitte, jeweils eine einzige Variation darüber zu schreiben. Geplant war eine Sammelpublikation für das klavierspielende Publikum – ein musikalisches Gemeinschaftsprojekt voller kurzer, leicht spielbarer Charakterstücke. Die Resonanz war überwältigend. Rund fünfzig Komponisten beteiligten sich an dem Vorhaben, darunter Franz Schubert, Franz Liszt, Johann Nepomuk Hummel, Carl Czerny und Franz Xaver Mozart. Auch Ludwig van Beethoven wurde angefragt. Doch anstatt nur eine einzelne Variation beizusteuern, entwickelte er aus Diabellis schlichtem Walzer einen monumentalen Klavierzyklus: die 33 Diabelli-Variationen – ein Werk von schier unerschöpflichem Ideenreichtum und heute ein Höhepunkt der Klavierliteratur. Diabellis Einfall wirkte weit über seine Zeit hinaus. Bis heute inspiriert der unscheinbare Walzer Komponistinnen und Komponisten zu immer neuen Variationen und musikalischen Deutungen. Genau diesem faszinierenden Kosmos widmet sich die aktuelle «Diskothek». Im Zentrum stehen verschiedene Interpretationen von Beethovens Diabelli-Variationen, aber auch den Variationen von Franz Schubert, Franz Liszt und Johann Nepomuk Hummel, die aus demselben Thema ganz eigene Klangwelten erschaffen haben. Zudem schlagen wir den Bogen bis in die Gegenwart mit einer zeitgenössischen Variation von Jörg Widmann. Was macht eigentlich eine gelungene Variation aus? Wie verwandelt man ein einfaches musikalisches Thema in ein eigenständiges Kunstwerk? Gäste bei Eva Oertle sind der Pianist Oliver Schnyder sowie der Organist, Dirigent und Komponist Rudolf Lutz. Für die Diskothek hat Rudolf Lutz eigens zwei neue Variationen komponiert, die er gemeinsam mit Oliver Schnyder live in der Sendung aufführen wird.
Die Biophysikerin Nora Eifler bewegt sich zwischen zwei Welten, die auf den ersten Blick wenig gemeinsam haben: Molekularbiologie und Musik. Tagsüber arbeitet sie in der Medikamentenentwicklung eines internationalen Pharmaunternehmens, abends übersetzt sie Proteinsequenzen in Klänge und komponiert. Was passiert, wenn Aminosäuren zu Melodien werden? Und warum klingen manche Proteine fast jazzig oder psychedelisch? In «Musik für einen Gast» bei Eva Oertle erzählt Nora Eifler von einer Kindheit zwischen Heilkräutern, Naturbeobachtung und einer grossen Angst vor Krankheitserregern. Sie spricht über ihre Faszination für das Unsichtbare, über das genaue Zuhören und Nachahmen von Stimmen und Dialekten – und darüber, wie daraus später ein wissenschaftlicher Blick auf Moleküle entstand. Die Sendung führt von frühen musikalischen Erinnerungen mit Bruce Low über Amy Winehouse bis zu Heinrich Schütz. Dazwischen erzählt Nora Eifler von ihren Studienjahren und davon, weshalb sie nicht an der Universität geblieben ist, sondern – trotz eigener Vorurteile – auf der «dark side» in der Pharmaindustrie gelandet ist. Sie spricht über ihre Suche nach Mustern: in Proteinen ebenso wie in der Musik. In der Sendung demonstriert sie zudem, wie aus biologischen Sequenzen Melodien entstehen – und erklärt, warum sie sich den Satz «Life is uncertain, eat dessert first» zu Herzen nimmt. Die Musiktitel: - Bruce Low: Noah Found Grace in the Eyes of the Lord - Amy Winehouse: Tears Dry on Their Own - Juicy Lemon Club: 21st Night of May - Nora Eifler: Aquaporin - Räägedag - Heinrich Schütz: Fili mi, Absalon (Matteo Messori, Bass; Cappella Augustana)
In Mozarts Handschriften zu den Hornkonzerten finden sich nicht nur Noten, sondern auch neckische Bemerkungen an seinen Freund, den berühmten Salzburger Hornisten Joseph Leutgeb. Die beiden verband eine enge und humorvolle Beziehung. Für Leutgeb schrieb Mozart drei seiner vier Hornkonzerte – darunter das Hornkonzert Nr. 4 in Es-Dur KV 495, das 1786 in Wien entstand. Mozart nutzt darin die klanglichen Möglichkeiten des damaligen Naturhorns mit viel Fantasie. Weite Melodiebögen, lebendige Dialoge zwischen Solist und Orchester und überraschende musikalische Einfälle prägen das Werk. Zugleich verlangt das Konzert vom Solisten Virtuosität und ein feines Gespür für Klangfarben. Und immer wieder scheint der Komponist seinem Freund Leutgeb kleine musikalische Streiche zu spielen. Auch die Autographe belegen das: In der Handschrift des vierten Konzerts finden sich farbige Tinten und scherzhafte Kommentare, mit denen Mozart einzelne Passagen markierte. In der Diskothek vergleicht Eva Oertle gemeinsam mit dem Hornisten Olivier Darbellay und dem Dirigenten Jan Schultsz fünf unterschiedliche Aufnahmen von Mozarts viertem Hornkonzert.
Dirigent, Organist, Cembalist, Improvisator: Rudolf Lutz gehört zu den prägendsten Bach-Interpreten der Schweiz. Als musikalischer Leiter der J. S. Bach-Stiftung St. Gallen widmet er sich seit mehr als zwei Jahrzehnten der Aufführung und Einspielung des gesamten Kantatenwerks von J.S. Bach. Fast 200 Kantaten hat er bereits dirigiert – jede einzelne mit der Leidenschaft eines Musikers, für den Bach weit mehr ist als ein Komponist: «Bach ist mein Lebenselexier», sagt Lutz. In «Musik für einen Gast» blickt Rudolf Lutz auf ein vielseitiges Musikerleben zurück. Über 40 Jahre war er Organist an der St. Laurenzenkirche in St. Gallen, wurde für seine Auseinandersetzung mit Bachs geistlicher Musik mit einem Ehrendoktor der Theologie ausgezeichnet und hat sich als Improvisator und Vermittler einen Namen gemacht. Im Gespräch mit Eva Oertle spricht Rudolf Lutz über seine musikalischen Wurzeln und die prägende Rolle seiner englischen Grossmutter. Er erzählt von seinem Weg zur Musik, der über eine Ausbildung zum Primarlehrer führte – und von der Vielseitigkeit, die sein künstlerisches Leben bis heute bestimmt. Er spricht über Inspiration und Zweifel, über Glauben, Familie und das Älterwerden – und darüber, was Musik für ihn im Innersten bedeutet. Neben einer Arie von Bach bringt Rudolf Lutz auch ein englisches Volkslied in der Bearbeitung von Benjamin Britten mit, eine Jazzaufnahme von Benny Goodman, einen Sinfoniesatz von Brahms und Musik, die er im Dialog mit Texten von Klaus Merz selbst geschrieben hat: «Bilder von Leben und Tod», ein Werk, das noch eine weitere Seite von Rudolf Lutz zeigt – die des Komponisten. Die Musiktitel - Johann Sebastian Bach: Die Seele ruht in Jesu Händen, BWV 127 Nr. 3 (J.S. Bach-Stiftung St. Gallen; Julia Doyle, Sopran; Rudolf Lutz, Leitung) - Benjamin Britten: Come you not from New Castle (Peter Pears, Tenor; Benjamin Britten, Klavier) - Rudolf Lutz: Feuerverlauf, aus «Bilder von Leben und Tod», mit Texten von Klaus Merz (Sonus Quartett) - Louis Prima: Sing, Sing, Sing (Benny Goodman & His Orchestra, Live in Stockholm 1970) - Johannes Brahms: 4. Satz aus Sinfonie Nr. 1 c-Moll (Tapiola Sinfonietta; Mario Venzago, Leitung)
Die Johannespassion gehört zu den eindrucksvollsten geistlichen Werken von J.S. Bach und ist – neben der Matthäuspassion – die einzige vollständig erhaltene Passion des Komponisten. Bach hat vermutlich insgesamt fünf Passionen geschrieben, doch nur diese beiden sind vollständig überliefert; die übrigen gelten als verschollen. Die Johannespassion wurde am Karfreitag des Jahres 1724 in Leipzig uraufgeführt. Für Bach war dies eine besondere Situation: Erst kurz zuvor hatte er sein Amt als Thomaskantor angetreten und stand damit erstmals in der Verantwortung für die Kirchenmusik an den Leipziger Hauptkirchen. Mit der Johannespassion präsentierte er ein Werk von grosser musikalischer und dramatischer Intensität. Die Passion erzählt die Leidensgeschichte Jesu nach dem Evangelium des Johannes – jedoch nicht nur als Bericht, sondern als emotionales musikalisches Geschehen. Schon bei der Uraufführung beeindruckte das Werk durch seine starke Ausdruckskraft. Chorpassagen voller dramatischer Energie, bewegende Arien und eindringliche Rezitative lassen die biblische Handlung sehr plastisch erscheinen. Gleichzeitig rief diese emotionale Wirkung auch Kritik hervor: Zeitgenossen empfanden die Musik stellenweise als zu leidenschaftlich und beinahe «opernhaft» für den kirchlichen Rahmen. Bach selbst arbeitete immer wieder an dem Werk und nahm im Laufe seines Lebens mehrere Überarbeitungen vor. Nach seinem Tod geriet die Passion zunächst in Vergessenheit. Erst im 19. Jahrhundert, im Zuge der sogenannten Bach-Renaissance, wurde sie wiederentdeckt und zunehmend aufgeführt. In dieser Zeit interpretierte man Bachs Musik oft in grossen Besetzungen und suchte einen monumentalen Klang. Heute versuchen Musikerinnen und Musiker im Rahmen der historischen Aufführungspraxis, sich dem ursprünglichen Klangbild des 18. Jahrhunderts anzunähern. Mit kleineren Ensembles, historischen Instrumenten und einem neuen Blick auf Bachs Partitur wird erforscht, wie die Johannespassion zur Zeit ihrer Entstehung geklungen haben könnte. In der Diskothek stehen fünf unterschiedliche Interpretationen im Vergleich. Gäste von Eva Oertle sind die Sopranistin Stephanie Pfeffer und der Chorleiter Tobias Stückelberger.
Robert Schumanns Kinderszenen op. 15 (1838) gehören zu den poetischsten Klavierzyklen der Romantik. Trotz ihres Titels sind sie nicht primär als Musik für Kinder gedacht, sondern als Musik über Kindheit. Schumann selbst sprach von «Rückspiegelungen eines Älteren für Ältere». Im Zentrum steht also Erinnerung: eine idealisierte, innere Vorstellung von Kindheit. Der Zyklus umfasst 13 Miniaturen, jede mit einem poetischen Titel wie Von fremden Ländern und Menschen, Hasche-Mann oder Träumerei. Die Musik entstand zuerst, die Überschriften wurden später ergänzt und sind daher eher assoziativ als streng programmatisch. Schumann wählt eine bewusste Einfachheit: klare Melodien und überschaubare Formen. Die eigentliche Herausforderung liegt nicht in der technischen Virtuosität, sondern im Ausdruck – in feiner Dynamik, nuancierter Artikulation und lyrischem Klang. Besonders die berühmte Träumerei wurde zum Sinnbild sanfter Melancholie: nicht sentimental, sondern «innig». In der Diskothek werden sechs Interpretationen von Schumanns Kinderszenen verglichen. Wie unterschiedlich kann diese scheinbar einfache Musik klingen? Und wie viele Freiheiten darf sich eine Interpretin oder ein Interpret nehmen, ohne den Charakter dieser Miniaturen zu verlieren? Gäste von Eva Oertle sind die Musikwissenschaftlerin Cristina Urchueguía und der Pianist Manuel Bärtsch.
Der 70-jährige Komponist und Pianist Ludovico Einaudi polarisiert: Seine schlichten, repetitiven Kompositionen berühren viele Menschen tief, während Kritiker sie als zu gefällig oder monoton bezeichnen. Doch sein internationaler Erfolg ist unbestritten. 01:40 – Aktuell Er galt als einer der bedeutendsten Flötisten des 20. Jahrhunderts: Peter-Lukas Graf. Bis ins hohe Alter von über 90 Jahren übte er täglich und reiste um die Welt, um Meisterkurse zu geben und Konzerte zu spielen. Am 31. Dezember ist Peter-Lukas Graf im Alter von 96 Jahren verstorben. (Eva Oertle) 13:04 – Talk Er sprengt Klassikcharts, füllt Konzertsäle, Sportstadien und öffentliche Plätze: Ludovico Einaudi, italienischer Komponist und Pianist, spricht über seine Musik, Inspirationen und seinen aussergewöhnlichen Erfolg. (Gabrielle Weber) 29:43 – Neuerscheinungen Julian Farino und Alice Seabright: Amadeus. Sky Original Dramaserie. Jeneba Kanneh-Mason: Jane Austen's Piano. Sony Classical. (Elisabeth Baureithel) 53:03 – Swiss Corner PHONEM Festival (ehemals Zwei Tage Zeit): Festival für radikale Sounds im Kunstraum Walcheturm Zürich vom 23. bis 25. Januar. Kuratorin Marina Tantanozi gibt Auskunft.
Eine Entdeckungsreise mit The Hanover Band, Concerto Köln und Il Giardino Armonico. Die Jubiläen dreier prägender Klangkörper der historischen Aufführungspraxis bieten den Anlass, ihre interpretatorischen Ansätze einmal unmittelbar nebeneinander zu stellen: The Hanover Band feiert 45 Jahre, Concerto Köln und Il Giardino Armonico jeweils 40 Jahre. Drei Länder, drei Interpretationskulturen – und die Frage: Hat jedes Ensemble im Laufe der Zeit eine eigene musikalische Handschrift entwickelt? Alle drei verbindet ein zentrales Repertoirefundament: die Musik von Johann Sebastian Bach. Zum Jubiläum stellen wir ausgewählte Werke unmittelbar gegenüber. Das 1. Brandenburgische Konzert, das alle drei Ensembles aufgenommen haben, bildet den Ausgangspunkt: Lässt sich allein am Klangbild erkennen, welches Ensemble hinter welcher Aufnahme steht? Zwei der Ensembles haben zudem Vivaldis Vier Jahreszeiten eingespielt – ein ideales Werk, um im «Winter» kontrastierende Lesarten hörbar zu machen. Hört man das zwischen zwei Einspielungen rund 20 Jahre liegen? Auch Bachs Cembalokonzert d-Moll sowie Haydns Sinfonie «La Passione» treten im Doppelvergleich an. So entsteht ein vielschichtiges Panorama. In der Diskothek vergleichen wir Aufnahmen der drei Ensembles und fragen: Spielt man heute anders als vor 40 Jahren? Wie unterscheiden sich die Ensembles voneinander? Haben sie unverwechselbare Profile ausgebildet? Gäste von Eva Oertle sind die Geigerin Leila Schayegh und der Cembalist Jermaine Sprosse.
Johann Sebastian Bach hatte ein feines Gespür für die technischen Möglichkeiten und das klangliche Potential der Traversflöte - ein Instrument, das sich mehr und mehr etablierte und das Bach in seiner Leipziger Zeit immer häufiger anstelle der Blockflöte einsetzte. Die h-Moll-Flötensonate BWV 1030 komponierte Bach vermutlich um 1736–1737. Sie ist die längste und komplexeste von Bachs Flötensonaten und gilt als Höhepunkt seiner Auseinandersetzung mit dem Instrument. Anders als die meisten seiner anderen Flötensonaten ist BWV 1030 keine Triosonate mit Generalbass, sondern eine Sonate für zwei gleichberechtigte Partner: Flöte und Cembalo treten in einen engen Dialog, wechseln sich in Themenführung und virtuosen Passagen ab und schaffen so eine dichte musikalische Struktur. In der Diskothek werden sechs unterschiedliche Aufnahmen der Flötensonate BWV 1030 von J.S. Bach verglichen. Gäste von Eva Oertle sind der Flötist Marco Brolli und die Cembalistin Urte Lucht.
Ob als Schauspielerin, Therapeutin oder Drehbuchautorin – alles, was Franziska von Arb anpackt, tut sie mit Feuer, Leidenschaft und unerschütterlicher Intensität. Schon mit zwölf Jahren wusste sie, dass sie Schauspielerin werden wollte. Ihr Traum: eines Tages auf den ganz grossen Bühnen zu stehen. Entschlossen verfolgte sie diesen Weg, absolvierte die Schauspielschule und spielte zunächst in Kleintheatern. Als sie schliesslich auf der ersehnten grossen Bühne stand, kam die Ernüchterung – der Abstand zum Publikum war zu gross, die Nähe zu den Menschen fehlte. Diese Erkenntnis stürzte sie in eine Lebenskrise. Auf der Suche nach Sinn und einer neuen Richtung brach Franziska von Arb zu einer langen Reise durch Amerika auf. Unter dem endlosen Sternenhimmel kam die Eingebung: Psychologie. Nach dem Studium und der Ausbildung zur Psychotherapeutin spezialisierte sie sich auf Traumatherapie. Sie führt nun seit vielen Jahren eine eigene Praxis und ist neben ihrer therapeutischen Arbeit mit dem «Hirntheater» unterwegs, ihrem interaktiven Theaterensemble, das sich auf Themen im Bereich der Demenz spezialisiert hat. Aber auch sonst brennt der künstlerische Funke weiter: Nach einer Ausbildung zur Drehbuchautorin schreibt Franziska von Arb an Spielfilmen und Serien, um Geschichten auch filmisch zum Leben zu erwecken. In Musik für einen Gast bei Eva Oertle erzählt Franziska von Arb, wie sie schon während der Schauspielausbildung Aidskranke im Lighthouse Basel betreut hat, warum sie immer wieder um ihre Stimme kämpfen musste und wie sich ihre therapeutische und ihre künstlerische Arbeit gegenseitig beeinflussen. Die Musiktitel: 1. Mani Matter - Si hei der Wilhälm Täll ufgfüert [= sie haben Wilhelm Tell aufgeführt] 2. Ambäck – Verändler (Andreas Gabriel, Violine / Markus Flückiger, Schwyzerörgeli / Pirmin Huber, Kontrabass) 3. Marla Glen – The Cost Of Freedom 4. Bait Jaffe Klezmer Orchestra – David's Bulgar von Sascha Schönhaus 5. Bait Jaffe Klezmer Orchestra featuring Ana María Pérez Jiménez - Esta Montagna d'enfrente Das eingespielte Lied: Franziska Maria von Arb – Gschichtebeeri (Geschichten-Beere) aus Bärlauch von StimmKontraBass
Als Himalaya der Klavierliteratur werden sie gerne bezeichnet, die Klavieretüden von Frédéric Chopin. Sie stellen auch für heutige Pianistinnen und Pianisten immer wieder eine Herausforderung dar. Nicht nur rasend schnelle Finger, sondern auch ein grosses musikalisches Feingefühl braucht es dafür. Denn es sind keine technischen Fingerübungen im herkömmlichen Sinne mehr, sondern hochvirtuose Konzertstücke mit gewagter Chromatik, vielen überraschenden Wendungen und meisterhaft gestalteten Schlusstakten. Wie unterschiedlich die Interpretationen sein können, zeigt die Diskothek, in der sechs Aufnahmen im Vergleich stehen. Gäste von Eva Oertle sind die Pianistin Aglaia Graf und der Pianist Oliver Schnyder. Erstausstrahlung: 07.03.2022
Die Jahreszeiten und ihr Wechsel in der Natur haben viele bildende Künstler inspiriert, aber auch Musiker wie Giuseppe Verdi oder Astor Piazzolla. Die berühmtesten Jahreszeiten sind zweifellos «Le quattro stagioni» von Antonio Vivaldi. In vier Violinkonzerten schildert Vivaldi plastische Landschaftsbilder, die bis heute nichts von ihrer Faszination verloren haben: Süss murmelnde Bächlein und sanften Wind, schlafende Hirten, aber auch Blitz und Donner – der Fantasie sind bei dieser Musik keine Grenzen gesetzt. Vivaldi stellt den einzelnen Konzerten Sonette voran, die er wahrscheinlich selbst geschrieben hat. Der «Sommer» mit seiner unerträglichen Hitze, den surrenden Fliegen, dem Gesang von Kuckuck, Turteltaube und Stieglitz, aber auch dem heftigen Gewitter steht im Zentrum der Diskothek. Eva Oertle vergleicht mit ihren Gästen, den beiden Geigerinnen Barbara Doll und Leila Schayegh sechs Aufnahmen von Antonio Vivaldis berühmtem Violinkonzert op. 8 Nr. 2. Erstausstrahlung: 26.07.2021
Salzburg, Wien, Paris, Mailand, New York – die Schweizer Sopranistin Regula Mühlemann singt auf den wichtigsten Opernbühnen und in den renommiertesten Konzertsälen der Welt. Mit ihrer klaren, strahlenden Stimme und ihrer grossen Bühnenpräsenz zieht sie das Publikum in Bann. In Musik für einen Gast bei Eva Oertle erzählt die sympathische Luzernerin, wie sie trotz ihres Erfolgs nie die Bodenhaftung verloren hat, sie spricht über ihre Liebe zur Natur und zu Frankreich und darüber, welche Musik sie am liebsten hört. Die Musiktitel - Dino Brandao, Faber, Sophie Hunger: Derfi di hebe - Camélia Jordana: Ce qui nous lie. Bande originale du film - Samuel Hasselhorn, Ammiel Bushakevitz: «Wohin?» aus Die schöne Müllerin von Franz Schubert - Jessye Norman: «3. Beim Schlafengehen» aus den Vier letzten Lieder von Richard Strauss - Gewandhausorchester Leipzig, Kurt Masur, Leitung Die vorgespielten Titel: - Maria Stader – Non so più cosa son, cosa faccio. (Cherubino), I aus Figaros Hochzeit von W.A. Mozart - Leonard Cohen: Bird on the wire - Philippe Jaroussky: Ombra mai fu von G. F. Händel Erstsendung: 03.03.2024
Erik Satie: Klangpionier zwischen Poesie und Provokation - sein Einfluss auf die moderne Musik ist bis heute spürbar – selbst ein Jahrhundert nach seinem Tod bleibt er ein Visionär und Grenzgänger. Seine Kompositionen begegnen uns überall – im Konzertsaal, im Fahrstuhl oder auf der Kinoleinwand. Saties Werke wirken bis heute überraschend frisch, eigenwillig und voller feinsinniger Ironie. Besonders die geheimnisvolle erste «Gnossienne» zieht das Publikum immer wieder in ihren Bann. Mit minimalistischen, schwebenden Klängen erschuf Satie ein Stück, das zwischen Traum und Wirklichkeit zu schweben scheint. Ebenso visionär ist sein Zyklus «Sports et divertissements», eine Sammlung musikalischer Miniaturen, die alltägliche Freizeitvergnügen pointiert und mit subtilem Humor vertont. Satie vereint darin Musik, Text und Bild zu einem multimedialen Gesamtkunstwerk, das seiner Zeit weit voraus war. In der Diskothek stehen verschiedene Aufnahmen von «Sports et divertissements» im Vergleich, sowie unterschiedlichste Arrangements der ersten «Gnossienne». Gäste von Eva Oertle sind die beiden Pianisten Manuel Bärtsch und Michael Arbenz.
Den Namen Georges Bizet verbindet man vor allem mit seiner berühmten Oper Carmen und seiner Arlésienne Suite. Bizet hat aber bereits als 17-jährig eine Sinfonie komponiert, ein Werk voller jugendlicher Frische und Spielfreude. Die C-Dur-Sinfonie entstand 1855 während seines Studiums am Pariser Konservatorium – als Übungsstück, das zu seinen Lebzeiten nie aufgeführt wurde. Erst 1935, fast 60 Jahre nach Bizets Tod, wurde die Partitur wiederentdeckt und in Basel (!) uraufgeführt. Die Sinfonie überrascht durch ihre Leichtigkeit und die melodischen Einfälle, die an Haydn und Gounod erinnern, aber auch bereits den unverwechselbaren Stil Bizets erkennen lassen. In vier Sätzen entfaltet sich ein farbenreiches Klangbild voller Esprit und Eleganz. Heute gilt die Sinfonie als eines der bedeutendsten Frühwerke der französischen Romantik. Zum 150. Todestag von Georges Bizet, der bereits im Alter von 37 Jahren verstorben ist, stehen in der Diskothek fünf Aufnahmen von Bizets Jugendwerk zur Diskussion. Gäste von Eva Oertle sind der Cellist Joachim Müller-Crepon und die Musikjournalistin Corinne Holtz.
Robert Knöll ist Kunsthistoriker und Bilderrahmer. In seinem Atelier, das die grösste Sammlung barocker Bilderrahmen beherbergt, setzt er Kunstwerke gekonnt in Szene. Kunstsammler, Museen und Galerien vertrauen ihm, wenn es darum geht, berühmte Werke in den passenden Rahmen zu setzen. Ein Handwerk, das in seiner Familie eine lange Tradition hat: Schon sein Vater war ein leidenschaftlicher Sammler und Bilderrahmer. Nach dessen Tod übernahm Robert Knöll den Familienbetrieb, doch für ihn war dieser Schritt weit mehr als nur berufliche Verantwortung – er war eine Bestimmung. «Die Beschäftigung mit Bilderrahmen ist nicht nur mein Beruf, es ist meine Passion», sagt Robert Knöll, und es ist spürbar, dass diese Leidenschaft weit über den Arbeitsalltag hinausgeht. In seinen Träumen erscheinen Bilderrahmen, die ihn in seiner Freizeit genauso begleiten wie im Beruf. Wenn es darum geht, ein berühmtes Kunstwerk neu zu rahmen, reist er zu Museen in ganz Europa, um die perfekte Wahl zu treffen. Es fasziniert ihn immer wieder, wie die Wirkung eines Bildes sich verändert, je nachdem, wie es gerahmt wird. Bereits als Kind war Robert Knöll von Archäologie begeistert – der Blick hinter die oberste Schicht, das Entdecken von Geschichte und Kultur. Diese Faszination für Details und den Kontext von Kunstwerken zieht sich durch sein gesamtes Leben und wirkt sich auf seine Arbeit aus. In «Musik für einen Gast» bei Eva Oertle spricht Robert Knöll über seine Faszination für alte Rahmen und erklärt, warum sie oft im Schatten der eigentlichen Kunstwerke stehen. Er erzählt von einem besonderen Stück aus seiner Kindheit – einem echten Donatello, der über seinem Bett hing und heute einen Platz in einem Museum hat. Und er spricht über seine Liebe zum Cello und der Musik von Brahms. Die Musiktitel: 1. Johannes Brahms Cello Sonate No. 1 in E Moll, 1. Satz Pieter Wispelway, Cello / Dejan Lazić, Piano 2. Talking Heads - Sugar on My Tongue 3. Johann Sebastian Bach – Toccata und Fuge für Orgel d-Moll, BWV 565 Hannes Kästner, Orgel 4. Pippi Langstrumpf, Original TV Serie – Seeräuber-Opa Fabian Eva Mattes, Gesang / Georg Riedel, Komponist 5. Franz Schubert – 7. Ständchen aus dem Schwanengesang, Bearbeitung für Klavier von Franz Liszt Vladimir Horowitz, Klavier
Bedřich Smetanas Moldau zählt zu den berühmtesten Klassikhits. Kaum jemand, der diese sanft dahingleitende, klangmalerische Tondichtung nicht kennt. Im April 1875, also vor 150 Jahren, wurde «Die Moldau» erstmals aufgeführt. Doch weit weniger bekannt ist, dass die Moldau Teil eines grösseren Ganzen ist, eines 6-teiligen Zyklus mit dem Titel «Má vlast» (mein Vaterland) - eine Art Visitenkarte von Smetanas Heimat. Das Werk hat bis heute für die Tschechen eine stark identitätsstiftende Funktion: Es ist eine Art musikalische Bibel mit alten Sagen sowie der Geschichte und der Landschaft Böhmens. So wird mit «Má vlast» auch alljährlich die Konzertsaison des «Prager Frühlings» eröffnet. In «Vyšehrad» erzählt ein wandernder Sänger von kühnen Heldentaten aus längst vergangenen Zeiten, dann verfolgt Smetana den Lauf der «Moldau», der durch «Böhmens Hain und Flur» geht, er erzählt die Geschichte der Amazone «Sárka», und er setzt den hussitischen Freiheitskämpfern samt ihrer Stadt «Tábor» ein Denkmal. In der letzten sinfonischen Dichtung geht es schliesslich um den sagenumwobenen Hügel «Blaník». Eva Oertle mit ihren Gästen, der Dirigentin Lena-Lisa Wüstendörfer und dem Musikwissenschaftler Hans-Georg Hofmann, Ausschnitte aus älteren und neueren Aufnahmen von Smetanas «Ma vlast». Die Sendung entstand 2024, dort zum 200. Geburtstag von Smetana. Erstausstrahlung: 04.03.2024.
«Ein Roman in vier Teilen mit himmlischer Länge» - so bezeichnete Robert Schumann die Sinfonie Nr. 8 in C-Dur von Franz Schubert. Das sinfonische Meisterwerk, auch bekannt als die «Grosse C-Dur», galt mit einer Dauer von etwa einer Stunde zu Schuberts Lebzeiten als das längste Instrumentalwerk überhaupt. Die Sinfonie beeindruckt noch heute mit ihrer epischen Länge und künstlerischen Tiefe. Ihre Entstehungsgeschichte war lange Zeit unklar: Obwohl das Manuskript das Jahr 1828, Schuberts Todesjahr, trägt, geht man davon aus, dass das Werk früher komponiert wurde. Schubert hat die Sinfonie allerdings nie gehört, sie wurde nicht aufgeführt, da sie als «unspielbar» und zu lang galt. Erst 1839 wurde sie von Robert Schumann entdeckt und im gleichen Jahr von Felix Mendelssohn im Gewandhaus Leipzig uraufgeführt. In der Diskothek stehen fünf Interpretationen von Schuberts Grosser C-Dur-Sinfonie zur Diskussion. Gäste von Eva Oertle sind die Musikpublizistin Verena Naegele und der Dirigent Manuel Oswald.
Die Journalistin Monika Bolliger hat in Damaskus, Jerusalem und Beirut gelebt und war langjährige Nahostkorrespondentin der NZZ. Sie hat zudem für den Spiegel geschrieben und ein Buch über Tripolis verfasst. In Musik für einen Gast gibt sie Einblicke in ihre prägenden Erfahrungen und die aktuelle Lage im Nahen Osten. Bolliger, die heute als Produzentin für das Echo der Zeit bei SRF arbeitet, berichtet von ihren eindrücklichen Begegnungen bei ihrem Besuch in Syrien im Dezember, nach dem Sturz von Machthaber Bashar al-Assad, und reflektiert über die besorgniserregenden Entwicklungen in der Region. Sie erzählt von ihrer Studienzeit in Damaskus und darüber, wie ihre größte Stärke zugleich ihre größte Schwäche ist. Sie spricht über die Fähigkeit der Menschen, auch in schwierigen Zeiten Schönheit zu schaffen, über ihre Liebe zur Musik und über ihren Traum eines Friedens im Nahen Osten. Gastgeberin ist Eva Oertle. Die Musiktitel: 1. Lynn Adib: Ode to Mary 2. Mashrou' Leila: Wa Nueid 3. Hello Psychaleppo: Anqa 4. Odd Beholder: Woolen Sweather 5. TootArd: Ash-Sham
Gäste von Eva Oertle sind die Klarinettistin Karin Dornbusch und der Pianist Tomas Dratva.
Von der Diplomatie über die Stromwirtschaft bis hin zum Bundesamt für Wohnungswesen – der Lebensweg von Martin Tschirren ist ungewöhnlich. Trotz seiner beruflichen Wendepunkte hat eine Konstante sein Leben begleitet: die Liebe zur Musik, insbesondere zur Klarinette. Martin Tschirren, heute Direktor des Bundesamtes für Wohnungswesen, blickt auf einen spannenden Karriereweg zurück, der ihn von der Diplomatie in die Stromwirtschaft und schließlich zum schweizerischen Städteverband führte. Dabei waren seine Neugier und sein Interesse für die Politik stets der rote Faden, der ihn durch seine berufliche Laufbahn führte. Besonders die Leidenschaft für die Musik – speziell für die Klarinette – hat ihn stets begleitet und inspiriert. Sein Studium der Geschichte und Theologie legte den Grundstein für ein breites Verständnis von Gesellschaft und Kultur, das ihm später in der Diplomatie zugutekam. In der Stromwirtschaft und beim Schweizerischen Städteverband sammelte er wertvolle Erfahrungen, die heute in seiner Arbeit für das Bundesamt für Wohnungswesen einfließen. In Musik für einen Gast bei Eva Oertle erzählt Martin Tschirren von seiner Liebe zu Holland und von seinen Erinnerungen, die er mit Gershwins Rhapsody in Blue verbindet, und er spricht darüber, warum Wohnen ein Spiegel unserer Gesellschaft ist.
Das Euphonium, die kleine Schwester der Tuba, ist bislang als Soloinstrument weitgehend unbekannt geblieben. Erst im 19. Jahrhundert wurde es von Alphonse Sax, dem Erfinder des Saxophons, entwickelt. Ein bedeutender Beitrag zur Etablierung des Euphoniums gelang dem österreichisch-englischen Komponisten Joseph Horovitz. Sein Konzert für Euphonium entstand 1972 für den Galaabend des prestigeträchtigen National Brass Band Festivals in der Royal Albert Hall in London. Der Erfolg dieses Konzerts ebnete dem Euphonium den Weg in die Konzertsäle. In der Diskothek stehen nun fünf Interpretationen von Joseph Horovitz Euphoniumkonzert zur Diskussion - sowohl Versionen mit Brassband als auch mit Sinfonieorchester. Als Gäste begrüsst Eva Oertle den jungen Euphoniumspieler und Schweizer Finalisten des «Eurovision Young Musician» Wettbewerbs Valerian Alfaré sowie den Tessiner Dirigent Carlo Balmelli. Erstausstrahlung: 12.08.2024
Das Euphonium, die kleine Schwester der Tuba, ist bislang als Soloinstrument weitgehend unbekannt geblieben. Erst im 19. Jahrhundert wurde es von Alphonse Sax, dem Erfinder des Saxophons, entwickelt. Ein bedeutender Beitrag zur Etablierung des Euphoniums gelang dem österreichisch-englischen Komponisten Joseph Horovitz. Sein Konzert für Euphonium entstand 1972 für den Galaabend des prestigeträchtigen National Brass Band Festivals in der Royal Albert Hall in London. Der Erfolg dieses Konzerts ebnete dem Euphonium den Weg in die Konzertsäle. In der Diskothek stehen nun fünf Interpretationen von Joseph Horovitz Euphoniumkonzert zur Diskussion - sowohl Versionen mit Brassband als auch mit Sinfonieorchester. Als Gäste begrüsst Eva Oertle den jungen Euphoniumspieler und Schweizer Finalisten des «Eurovision Young Musician» Wettbewerbs Valerian Alfaré sowie den Tessiner Dirigenten Carlo Balmelli. Diese Diskothek ist ausnahmsweise nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen: das Video ist auf Play SRF verfügbar.
Der französische Pianist und Komponist Camille Saint-Saëns wird heute vor allem mit seiner zoologischen Fantasie «Carnaval des animaux» und der Oper «Samson et Dalila» verbunden. Weit weniger bekannt sind die Bläsersonaten, die der Komponist kurz vor seinem Tod noch komponiert hat. Im hohen Alter von 86 Jahren nahm sich Saint-Saëns vor, den seiner Meinung nach von den französischen Komponisten lange Zeit vernachlässigten Holzblasinstrumenten eine Stimme zu geben und plante je eine Sonate für Oboe, Klarinette, Fagott, Englischhorn und Flöte. Drei der Sonaten konnte er noch realisieren, darunter die Klarinettensonate Es-Dur. Sie ist im Sommer 1921 für Auguste Périer, den Soloklarinettisten der Opéra-Comique und Professor am Pariser Conservatoire, entstanden. Es ist ein elegantes Werk voller Charme, das noch ganz in der klassischen und romantischen Tradition steht. Eva Oertle vergleicht mit ihren Gästen, dem Klarinettisten Reto Bieri und dem Pianisten Tomas Dratva, verschiedene Aufnahmen von Camille Saint-Saëns Es-Dur Sonate op. 167. Erstausstrahlung: 11.10.2021, dort zum 200. Todestag des Komponisten.
«Schnurri der Nation wünscht sich Sound of Silence» - Beni Thurnheer liefert gleich selbst die Schlagzeile für die Sendung.Schlagfertig war er schon immer - musste es sein. Als Kind war er einer der kleinsten, und da er sich nicht mit den Fäusten wehren konnte, tat er es mit Worten. Sprechen war seit jeher seine Leidenschaft, und dank seines geschliffenen Mundwerks bekam er gleich nach dem Jusstudium eine Stelle als Sportreporter - zuerst beim Radio, später beim Fernsehen. Erfolgreiche TV-Shows wie «Tellstar» oder «Benissimo» waren später ganz auf ihn als Moderator zugeschnitten. Beni Thurnheer hat zudem mehrere Bücher geschrieben, u.a. «Der Sportreporter und die Philosophen». In Musik für einen Gast bei Eva Oertle spricht Beni Thurnheer über sein Leben im Rampenlicht, seine Ordnungsliebe und darüber, warum er gerne Ranglisten führt. Er erklärt auch sein Interesse für die Philosophie und die Philosophen. Und wir erfahren, warum ihm Songs wie «Get off of my cloud» von den Rolling Stones oder Bonnie Tylors «Total eclipse of the heart» viel bedeuten. Die Musiktitel - The Rolling Stones – Get Off My Cloud - Bonnie Tyler - Total Eclipse Of The Heart - Simon & Garfunkel - The Sound of Silence - Luciano Pavarotti - Nessun Dorma aus Turandot von Giacomo Puccini London Philharmonic Orchestra / John Alldis Choir / Metha Zubin - Queen - Bohemian Rhapsody Erstsendung: 19. März 2023
Kunst und Wissenschaft faszinieren Kamilla Schatz seit jeher. Diese Leidenschaft an Kinder zu vermitteln, ist ihr ein grosses Anliegen. Seit 2017 organisiert sie die Pestalozzi Schulcamps: Projektwochen, in denen Primarschulklassen ausserhalb der normalen Unterrichtsstruktur eintauchen können in die Welt der Wissenschaften, der Musik und des Tanzes. Musikerin in ihrem ersten Beruf, war Kamilla Schatz früher als Geigerin und Kammermusikerin unterwegs, zudem ist sie seit 20 Jahren künstlerische Leiterin des Resonanzen Festivals im Engadin. Wie es kam, dass sie mit 48 Jahren die Geige weglegte und sich beruflich neu orientierte, was sie an ihrer neuen Aufgabe fasziniert und was sie mit der Musik von Nikolaj Roslavez verbindet, erzählt Kamilla Schatz in MfeG bei Eva Oertle. Die Musiktitel - Kamilla Schatz, Oliver Triendl - «1. Andante» und «2. Allegretto» aus den 24 Präludien für Violine und Klavier - Benjamin Engeli - «2. Andante non troppo e con molto espressione» aus den 3 Intermezzi für Klavier, Op. 117 - Pink Floyd - Another Brick In The Wall (Part 1) - Johann Sebastian Bach - «1. Allegro» aus dem Violinkonzert E Dur, BWV 1042 Isabelle Faust / Akademie für Alte Musik Berlin / Bernhard Forck - Ann Malcolm - Evening (Beau Soir) Erstsendung: 17.09.2023
«Reisen ist mein Tun, mein Tun ist mein Leben» - Hansjörg Hinrichs wollte seit seiner Kindheit weg. Aufgewachsen im St. Gallischen Steinach reiste er als Jugendlicher per Autostopp nach Deutschland, später zog es ihn immer weiter in die Ferne. Nachdem er einige Jahre als Lehrer im Appenzellerland tätig gewesen war, beschloss er mit 28 Jahren, das Reisen zum Beruf zu machen. Vor allem die Inselwelt des Südpazifiks faszinierte ihn mit ihren Farben und Düften. Und so bereist der heute 74-Jährige, der ein kleines exklusives Reiseunternehmen leitet, immer neue Landschaften und Orte fernab von jeglichem Massentourismus. In Musik für einen Gast bei Eva Oertle erzählt Hansjörg Hinrichs über seine Liebe zur Inselwelt des Südpazifiks und über seine Beziehung zu den dortigen Menschen, aber auch über seine Verbindung zur Appenzeller Volksmusik. Und er spricht darüber, wie das Reisen ihn auch immer wieder an seine eigenen Grenzen bringt. Die Musiktitel - Iles Salomon (Musique De Guadalcanal) - Danses De Femmes, Loloele: Pana Tha Na Panani? (Label : Ocora) - Teva Tetuanui, Rod Dannys, Roger Tetuanui: Borabora Nui - Töbi Tobler, Sandro Friedrich, Heinz Bürgin: Töbis Zäuerli - Joe Cocker – Live At Montreux 1987: With A Little Help From My Friends - Mozart. Piano Concertos Nr. 27 & 20: Maria João Pires, Claudio Abbado, Orchestra Mozart: «2. Romance» Konzert für Klavier und Orchester Nr. 20 d-Moll KV 466 Das besprochene Buch Hansjörg Hinrichs – Sehnsucht Südsee: Lebensraum und Lebenstraum. Beschwörung einer entschwindenden Welt Pacific Society Erstsendung: 2.7.2023
Carl Reinecke spielte eine wichtige Rolle im kulturellen Leben Leipzigs. Ein geachteter Komponist und Pianist, war er auch ein hervorragender Lehrer (u.a. von Grieg und Janacek) und vor allem ein geschätzter Dirigent. 35 Jahre lang leitete er das Gewandhausorchester Leipzig, länger als jeder andere Dirigent nach ihm. Alles in Allem Grund genug, in diesem Jahr Reineckes 200. Geburtstag zu feiern. Komponiert hat er fast 300 Werke in allen Gattungen, besonders viel Kammermusik, darunter auch eine der raren grossen romantischen Flötensonaten. Inspiriert hat sich Reinecke dafür bei Friedrich de la Motte Fouqués Märchen «Undine». Das rätselhaft schöne Wasserwesen kann nur eine Seele bekommen, wenn es sich mit einem Menschen vermählt - doch ihrem untreuen Gatten bringt Undine schliesslich den Tod. Reinecke ist mit «Undine» eine wunderbar klangmalerische Sonate gelungen. Heute zählt sie zu den wenigen Werken von ihm, die oft aufgeführt und auf CD eingespielt werden. In der Diskothek stehen fünf Interpretationen von Carl Reineckes «Undine» zur Diskussion. Gäste von Eva Oertle sind die Pianistin Aglaia Graf und der Flötist Felix Renggli.
Bedrich Smetanas Moldau zählt zu den berühmtesten Klassikhits. Kaum jemand, der diese sanft dahingleitende, klangmalerische Tondichtung nicht kennt. Doch weit weniger bekannt ist, dass die Moldau Teil eines grösseren Ganzen ist, eines 6-teiligen Zyklus mit dem Titel «Má vlast» (mein Vaterland) - eine Art Visitenkarte von Smetanas Heimat. Das Werk hat bis heute für die Tschechen eine stark identitätsstiftende Funktion: Es ist eine Art musikalische Bibel mit alten Sagen sowie der Geschichte und der Landschaft Böhmens. So wird mit «Má vlast» auch alljährlich die Konzertsaison des «Prager Frühlings» eröffnet. In «Vyšehrad» erzählt ein wandernder Sänger von kühnen Heldentaten aus längst vergangenen Zeiten, dann verfolgt Smetana den Lauf der «Moldau», der durch «Böhmens Hain und Flur» geht, er erzählt die Geschichte der Amazone «Sárka», und er setzt den hussitischen Freiheitskämpfern samt ihrer Stadt «Tábor» ein Denkmal. In der letzten sinfonischen Dichtung geht es schliesslich um den sagenumwobenen Hügel «Blaník». Zu Smetanas 200. Geburtstag vergleicht Eva Oertle mit ihren Gästen, der Dirigentin Lena-Lisa Wüstendörfer und dem Musikwissenschaftler Hans-Georg Hofmann, Ausschnitte aus älteren und neueren Aufnahmen von Smetanas «Má vlast».
Salzburg, Wien, Paris, Mailand, New York – die Schweizer Sopranistin Regula Mühlemann singt auf den wichtigsten Opernbühnen und in den renommiertesten Konzertsälen der Welt. Mit ihrer klaren, strahlenden Stimme und ihrer grossen Bühnenpräsenz zieht sie das Publikum in Bann. In Musik für einen Gast bei Eva Oertle erzählt die sympathische Luzernerin, wie sie trotz ihres Erfolgs nie die Bodenhaftung verloren hat, sie spricht über ihre Liebe zur Natur und zu Frankreich und darüber, welche Musik sie am liebsten hört. Die Musiktitel - Dino Brandao, Faber, Sophie Hunger: Derfi di hebe - Camélia Jordana: Ce qui nous lie. Bande originale du film - Samuel Hasselhorn, Ammiel Bushakevitz: «Wohin?» aus Die schöne Müllerin von Franz Schubert - Jessye Norman: «3. Beim Schlafengehen» aus den Vier letzten Lieder von Richard Strauss - Gewandhausorchester Leipzig, Kurt Masur, Leitung Die vorgespielten Titel: - Maria Stader – Non so più cosa son, cosa faccio. (Cherubino), I aus Figaros Hochzeit von W.A. Mozart - Leonard Cohen: Bird on the wire - Philippe Jaroussky: Ombra mai fu von G. F. Händel
«Durch den Schatten singen» – in ihrer soeben erschienenen Autobiografie erzählt Ruth Margot von ihrer Kindheit im Bernbiet, geprägt von Entbehrung und Lieblosigkeit. Als uneheliches Kind wuchs sie in ärmlichen Verhältnissen auf. Immer wieder musste die Familie umziehen, da ihr alkoholkranker Stiefvater seine Stelle als Melker verlor. Ruth Margot schämte sich, litt und schwieg. Aber innerlich wusste sie, wenn sie erwachsen sein würde, dann würde sie ein anderes Leben führen. Sie besass schon als Kind eine schöne Stimme und sang leidenschaftlich gerne. Nach einer kaufmännischen Lehre machte sie eine Ausbildung zur Redaktorin. Doch der Wunsch, Sängerin zu werden, liess sie nicht los. Zusammen mit ihrem Mann, dem Musiker Res Margot, hat sie sich diesen Traum erfüllt. Die beiden treten gemeinsam auf, und haben vor kurzem eine CD mit sardischen Gesängen eingespielt. In Musik für einen Gast bei Eva Oertle erzählt die 78-jährige Ruth Margot auch davon, wie sie in Sardinien auf Spurensuche ging nach ihrem leiblichen Vater, einem italienischen Partisanen, und wie sie dabei die sardische Volksmusik kennen und lieben gelernt hat. Die gespielten Titel: Margot/Margot – Dillu Ruth Margot und Res Margot Melina Mercouri – Ein Schiff wird kommen (Les enfants du Pirée) von Manos Hadjidakis Mahalia Jackson – In The Upper Room Nina Simone - Nobody Knows You When You're Down And Out Jimmy & Mama Yancey - Make Me A Pallet On The Floor Maria Carta – Figli di nessuno Margot/Margot – Figli di nessuno Ruth Margot und Res Margot
Kunst und Wissenschaft faszinieren Kamilla Schatz seit jeher. Diese Leidenschaft an Kinder zu vermitteln, ist ihr ein grosses Anliegen. Seit 2017 organisiert sie die Pestalozzi Schulcamps: Projektwochen, in denen Primarschulklassen ausserhalb der normalen Unterrichtsstruktur eintauchen können in die Welt der Wissenschaften, der Musik und des Tanzes. Musikerin in ihrem ersten Beruf, war Kamilla Schatz früher als Geigerin und Kammermusikerin unterwegs, zudem ist sie seit 20 Jahren künstlerische Leiterin des Resonanzen Festivals im Engadin. Wie es kam, dass sie mit 48 Jahren die Geige weglegte und sich beruflich neu orientierte, was sie an ihrer neuen Aufgabe fasziniert und was sie mit der Musik von Nikolaj Roslavez verbindet, erzählt Kamilla Schatz in MfeG bei Eva Oertle.
Als junge Primarlehrerin hat Esther Schütz in den 80er Jahren auch Sexualpädagogik unterrichtet. Später machte sie sich selbständig und gründete das Institut für Sexualpädagogik ISP in Uster, das sie über 20 Jahre leitete. Ihr Lehrbuch «Praxis der Sexualpädagogik» wurde vom Bundesamt für Gesundheit ausgezeichnet und hat den Schweizerischen Kinder- und Jugendmedienpreis «Die rote Zora» gewonnen. In Musik für einen Gast bei Eva Oertle spricht Esther Schütz über ihren Weg zur Sexologin und ihre Arbeit mit Paaren in der Sexualtherapie. Sie erzählt aber auch, wie sie nach einer langjährigen Beziehung mit einem Mann zur Partnerschaft mit einer Frau fand und welche Erinnerungen die Ballade «Bridge over troubled water» von Simon & Garfunkel in ihr weckt. Erstsendung: 15. Mai 2022
Der palästinensisch-syrische Pianist Aeham Ahmad ist im Flüchtlingslager Yarmouk bei Damaskus aufgewachsen. Sein Vater, ein blinder Instrumentenbauer, hat ihm die Liebe zur Musik mitgegeben und ihn zum Klavierspielen ermutigt. Während des Bürgerkriegs in Syrien hat Aeham Ahmad begonnen, auf Strassen und öffentlichen Plätzen aufzutreten und mit den Kindern aus dem Quartier Musik zu machen. Videos von seinen Auftritten wurden in sozialen Netzwerken geteilt und das Bild mit dem Pianisten, der inmitten der Trümmer Klavier spielt, ging um die Welt. Seit seiner Flucht 2015 lebt er in Deutschland und gibt Konzerte. 2017 erschien seine Autobiografie «Und die Vögel werden singen». In Musik für einen Gast bei Eva Oertle erzählt Aeham Ahmad über seine glückliche Kindheit in Syrien, über seine Flucht nach Deutschland, aber auch darüber, warum er heute lieber eigene Musik macht als Beethoven zu spielen. Erstsendung: 19. Juni 2022
«Reisen ist mein Tun, mein Tun ist mein Leben» - Hansjörg Hinrichs wollte seit seiner Kindheit weg. Aufgewachsen im St. Gallischen Steinach reiste er als Jugendlicher per Autostopp nach Deutschland, später zog es ihn immer weiter in die Ferne. Nachdem er einige Jahre als Lehrer im Appenzellerland tätig gewesen war, beschloss er mit 28 Jahren, das Reisen zum Beruf zu machen. Vor allem die Inselwelt des Südpazifiks faszinierte ihn mit ihren Farben und Düften. Und so bereist der heute 74-Jährige, der ein kleines exklusives Reiseunternehmen leitet, immer neue Landschaften und Orte fernab von jeglichem Massentourismus. In Musik für einen Gast bei Eva Oertle erzählt Hansjörg Hinrichs über seine Liebe zur Inselwelt des Südpazifiks und über seine Beziehung zu den dortigen Menschen, aber auch über seine Verbindung zur Appenzeller Volksmusik. Und er spricht darüber, wie das Reisen ihn auch immer wieder an seine eigenen Grenzen bringt.
Seit Andreas Reize 2021 als erster Schweizer zum Thomaskantor in Leipzig gewählt wurde, hat sich das Leben des 45-jährigen Dirigenten stark verändert: Als Nachfolger von J. S Bach hat er ein gewichtiges Amt, das auch in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Seine Woche ist durchgeplant, neben den täglichen Proben mit dem Knabenchor stehen Unterrichtstätigkeit aber auch Planungssitzungen und Pressetermine an, zudem regelmässige Proben mit dem Gewandhausorchester. Viel Zeit für seine zweite Leidenschaft, den Sport bleibt dem ehemaligen Triathlonkämpfer dabei nicht. Dennoch beginnt Andreas Reize seinen Tag immer mit körperlicher Bewegung und baut diese auch in die Proben mit den jungen Sängern ein. In Musik für einen Gast bei Eva Oertle erzählt er über seine Rolle als Thomaskantor, über Parallelen zwischen Sport und Musik und über seine Liebe zu Mozart und Bach. Zudem spricht er über seine Kindheit als Solothurner Singknabe, und er erzählt wie er als Jugendlicher in schlaflosen Nächten Bachs Goldbergvariationen gehört hat.
«Schnurri der Nation wünscht sich Sound of Silence» - Beni Thurnheer liefert gleich selbst die Schlagzeile für die Sendung.Schlagfertig war er schon immer - musste es sein. Als Kind war er einer der kleinsten, und da er sich nicht mit den Fäusten wehren konnte, tat er es mit Worten. Sprechen war seit jeher seine Leidenschaft, und dank seines geschliffenen Mundwerks bekam er gleich nach dem Jusstudium eine Stelle als Sportreporter - zuerst beim Radio, später beim Fernsehen. Erfolgreiche TV-Shows wie «Tellstar» oder «Benissimo» waren später ganz auf ihn als Moderator zugeschnitten. Beni Thurnheer hat zudem mehrere Bücher geschrieben, u.a. «Der Sportreporter und die Philosophen». In Musik für einen Gast bei Eva Oertle spricht Beni Thurnheer über sein Leben im Rampenlicht, seine Ordnungsliebe und darüber, warum er gerne Ranglisten führt. Er erklärt auch sein Interesse für die Philosophie und die Philosophen. Und wir erfahren, warum ihm Songs wie «Get off of my cloud» von den Rolling Stones oder Bonnie Tylors «Total eclipse of my heart» viel bedeuten.
«Andere wachsen sehen, ist das grösste Geschenk» - sagt Bea Latal. Sie ist Professorin für Entwicklungspädiatrie an der Universität Zürich und hat sich als Ärztin auf Kinder mit Entwicklungsrisiken spezialisiert. Die Arbeit mit Kindern ist ihre grosse Leidenschaft. In Musik für einen Gast bei Eva Oertle spricht Bea Latal über ihre spannende Forschungstätigkeit als Entwicklungspädiaterin und wie sie ihr berühmter Vorgänger Remo Largo beeinflusst hat. Sie erzählt aber auch über ihre eigene Kindheit, über ihre Zeit in San Francisco und warum sie gerne Bach hört, wenn sie unterwegs ist.
Jakob Zinsstag ist Professor für Epidemiologie am Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut in Basel.Seit vielen Jahren setzt er sich u.a. für eine bessere Gesundheitsversorgung von Mensch und Tier ein, gerade auch in den armen Ländern. Mehrere Jahre lebte Zinsstag mit seiner Familie in Westafrika und forschte dort u.a. zur Gesundheit der Nomaden. Dies hat seine Forschungskonzeption nachhaltig geprägt. So plädiert er seither für «One Health», einen integrativen Ansatz der Human- und Tiermedizin aber auch Lebensmittelproduktion und Umweltbedingungen berücksichtigt. In Musik für einen Gast bei Eva Oertle blickt Jakob Zinsstag zurück auf sein Leben als Tierarzt und seine Zeit in Gambia, er erzählt über seine Forschungstätigkeit sowie über die Gefahr von Epidemien und über seine Liebe zur Musik.
Schon als Kind liebte es Fiona Coors, in unterschiedliche Rollen zu schlüpfen. Als knapp 16-jährige bekam sie ihre erste Fernsehrolle. Heute ist sie einem grossen Publikum vor allem als Kriminalhauptkommissarin Kerstin Klar in der erfolgreichen Krimiserie «Der Staatsanwalt» bekannt, eine Figur, die sie seit 17 Jahren spielt und die sich mit ihr auch entwickelt hat. Doch ihrer erfolgreichen Fernsehkarriere vorausgegangen ist eine anstrengende Schulzeit, denn Fiona Coors ist Legasthenikerin, was sie selbst lange Zeit nicht wusste. Ihr Defizit wurde weder von ihren Eltern noch in der Schule erkannt. Und sie selbst versuchte jahrelang, ihre Schwäche zu überspielen und zu verstecken. Nun tritt sie mit ihrer Autobiografie «Darf ich vorstellen: Legasthenie – Die Rolle meines Lebens» damit an die Öffentlichkeit. In Musik für einen Gast bei Eva Oertle erzählt Fiona Coors über ihre Liebe zum klassischen Ballett, über die Beziehung zu ihrer englischen Mutter, die viel zu früh verstorben ist, über ihren Umgang mit der Legasthenie und was sie an der Musik des norwegischen Sänger Einar Selvik mag.
«Als Sängerin schrieb niemand über mich, jetzt plötzlich interessiert sich die Presse für mich», sagt Dina König. Der ungewöhnliche Jobwechsel der 30-Jährigen hat das öffentliche Interesse an ihr geweckt. Vor Corona war sie als freischaffende Sängerin unterwegs, hatte schon erste Auftritte als Solistin am Theater Basel und in der Berliner Philharmonie. Und dann waren von einem Augenblick auf den andern alle Engagements weg. Doch anstatt zu verzweifeln beschloss Dina König, einen neuen Job zu suchen. Bei der BVB hat sie ihn gefunden: seit einem Jahr arbeitet sie in Basel als Tramfahrerin. Ein radikaler Wechsel, den sie bis heute nicht bereut, denn er hat viel Positives in ihr Leben gebracht: eine sichere finanzielle Situation, geregelte Arbeitszeiten, Freizeit und ein Ende des Konkurrenzkampfs, unter dem sie als Sängerin gelitten hatte. Denn in der Musikszene musste sie sich täglich neu beweisen und hatte das Gefühl, nie gut genug zu sein. In Musik für einen Gast bei Eva Oertle erzählt Dina König über ihre Kindheit in Kasachstan, über die Gründe für ihren radikalen Berufswechsel und über die Musik, die sie gerne hört. Erstsendung: 20. Februar 2022
Der Lebenslauf von Richard Wherlock erinnert an den Film «Billy Elliot – I will dance», wo ein englischer Junge aus dem Bergbaumilieu gegen den Willen seines Vaters ein erfolgreicher Tänzer wird. Auch Richard Wherlock stammt aus einfachen Verhältnissen. Sein Vater arbeitete im Bergbau, die Verwandten mütterlicherseits waren Seeleute. Seine Eltern hatten keinerlei Bezug zum Tanz, deshalb hatten sie kein Verständnis für Richards Berufswunsch, Tänzer zu werden. Allen Widrigkeiten zum Trotz schaffte er es dank seinem Talent und seiner Leidenschaft an die renommierte Rambert Ballett School in London. Bereits während seiner internationalen Karriere als Tänzer begann er, Choreografien zu entwickeln. Sein Weg führte ihn dann als Ballettdirektor nach Hagen, Luzern, Berlin und schliesslich nach Basel. Und hier hat er seine zweite Heimat gefunden: seit 20 Jahren ist Richard Wherlock Ballettdirektor und Chefchoreograf am Theater Basel. In Musik für einen Gast bei Eva Oertle erzählt er, warum er Tänzer werden wollte, wie er seine Frau, ebenfalls eine Tänzerin, kennenlernte und was er mit Francis Lais Filmmusik zu «Un homme et une femme» verbindet. Erstsendung: 9. Januar 2022
Der palästinensisch-syrische Pianist Aeham Ahmad ist im Flüchtlingslager Yarmouk bei Damaskus aufgewachsen. Sein Vater, ein blinder Instrumentenbauer, hat ihm die Liebe zur Musik mitgegeben und ihn zum Klavierspielen ermutigt. Während des Bürgerkriegs in Syrien hat Aeham Ahmad begonnen, auf Strassen und öffentlichen Plätzen aufzutreten und mit den Kindern aus dem Quartier Musik zu machen. Videos von seinen Auftritten wurden in sozialen Netzwerken geteilt und das Bild mit dem Pianisten, der inmitten der Trümmer Klavier spielt, ging um die Welt. Seit seiner Flucht 2015 lebt er in Deutschland und gibt Konzerte. 2017 erschien seine Autobiografie «Und die Vögel werden singen». In Musik für einen Gast bei Eva Oertle erzählt Aeham Ahmad über seine glückliche Kindheit in Syrien, über seine Flucht nach Deutschland, aber auch darüber, warum er heute lieber eigene Musik macht als Beethoven zu spielen.
Als junge Primarlehrerin hat Esther Schütz in den 80er Jahren auch Sexualpädagogik unterrichtet. Später machte sie sich selbständig und gründete das Institut für Sexualpädagogik ISP in Uster, das sie über 20 Jahre leitete. Ihr Lehrbuch «Praxis der Sexualpädagogik» wurde vom Bundesamt für Gesundheit ausgezeichnet und hat den Schweizerischen Kinder- und Jugendmedienpreis «Die rote Zora» gewonnen. In Musik für einen Gast bei Eva Oertle spricht Esther Schütz über ihren Weg zur Sexologin und ihre Arbeit mit Paaren in der Sexualtherapie. Sie erzählt aber auch, wie sie nach einer langjährigen Beziehung mit einem Mann zur Partnerschaft mit einer Frau fand und welche Erinnerungen die Ballade «Bridge over troubled water» von Simon & Garfunkel in ihr weckt.
Johannes Czwalina ist Theologe und hat über zehn Jahre als Pfarrer gearbeitet, bevor er beschloss, eine eigene Firma zu gründen und Unternehmensberater zu werden. Bis heute berät der bald 70 Jährige Führungskräfte aus Wirtschaft und Industrie, dabei geht es neben rein karrieretechnischen Fragen oft auch um die schwierige Suche einer Balance zwischen Leistungsdruck und Lebensqualität. In Musik für einen Gast bei Eva Oertle spricht Johannes Czwalina über seine Kindheit in Berlin, wie er schon als kleiner Junge auf der Theaterbühne stand. Er berichtet aber auch über seine Erlebnisse in der Ukraine 2014 und warum er darüber zwei Bücher geschrieben hat. Und er erzählt, warum er in Riehen eine Gedenkstätte für jüdische Flüchtlinge errichtet hat.