Unseren Morgenimpuls hören Sie jeden Morgen um 6:05 Uhr im DOMRADIO.

Heute Abend geht es also los. Die Gruppe der DOMRADIO-Hörer, die sich angemeldet hat, trifft sich heute Abend am Flughafen in Köln. Und dann geht es nach Rom und von dort mit dem Bus nach Assisi. Warst Du schon mal dort? Ich gebe gerne zu, dass ich schon sehr oft dort war und mir diese Stadt sehr ans Herz gewachsen ist. Zum einen, weil die Stadt immer noch aus der Entfernung sehr mittelalterlich aussieht und wenn man durch ihre Gassen geht, immer das Gefühl hat, Franziskus oder andere Brüder von ihm oder Klara und ihre Schwestern könnten einem geradewegs über den Weg laufen. Und zum anderen, weil es viele Ordenshäuser dort gibt und man immer wieder Ordensleuten über den Weg läuft, was ja hier in Deutschland nicht mehr so oft vorkommt; und auch weil in diese kleine Stadt noch so viele Menschen kommen, die Franz und Klara sehr verehren und ihre Kirchen besuchen, Gottesdienste feiern, Andenken kaufen und das herrliche Flair Umbriens genießen.Franziskus hat vor 800 Jahren gelebt und dann ist ja immer die Frage danach, warum er immer noch so populär ist, sehr verständlich. Im Laufe der Jahrhunderte waren es immer andere Aspekte, die die Menschen beeindruckt haben. Am Anfang sein Leben in freiwilliger Armut, obwohl er aus sehr reichem Haus war. Dann sein Dienst an den Aussätzigen und anderen Kranken, obwohl es damals kein Heilmittel gegen die Lepra gab und eine Ansteckung tödlich war. Dann seine Liebe zur Kirche, obwohl sie damals in chaotischen Zuständen war und kaum noch Gott im Mittelpunkt stand. Ebenso sein geschwisterlicher Umgang mit seinen Brüdern, die auf Augenhöhe und ohne Hierarchie zusammenleben wollten. Später die Ablehnung jeglichen Waffentragens, wodurch im zersplitterten Italien plötzlich kaum noch Städtekrieg möglich waren. Und heute ist den meisten die Liebe zur Schöpfung ein Begriff, der sich bei Franziskus im Sonnengesang manifestierte, wobei den meisten nicht klar ist, dass dieser wunderbare Sonnengesang kein liebes Sonne- Mond- und Sterne-Liedchen ist, sondern ein Loblied auf den Schöpfergott.Du merkst schon, dieser Mensch Franziskus hat so viele Seiten in seinem eigenen und dem Leben über die Jahrhunderte angeregt, dass man irgendwie nie fertig wird. Aber der wichtigste Punkt in diesem Leben war die Begegnung mit Christus am Kreuz von San Damiano. Dort erhält er den Auftrag, seine Kirche wieder aufzubauen und damit sind seine Brüder und Schwestern damals und bis heute beschäftigt.

Morgen Abend werden wir mit einer Gruppe DOMRADIO-Hörer nach Assisi aufbrechen um Franziskus und Klara von Assisi näher kennen zu lernen und auch Carlo Acutis. Und am Sonntag besuchen wir die Einsiedelei Carceri oberhalb der Stadt. Das Klostergebäude wurde gebaut zur Zeit, als Bernhardin von Siena dort Oberer war. Und dort ist oben unter der Dachkante auch das Logo eingemeißelt, das er quasi erfunden hat. Ein Kreis von Sonnenstrahlen mit den Buchstaben IHS, ins Deutsche übersetzt als "Jesus, Heiland, Seligmacher". Ignatius von Lojola hat dieses Logo später für seinen neu gegründeten Jesuitenorden verwendet und so hat es sich gerade in Europa sehr stark verbreitet.An diesen Bernhardin denken die Franziskanerminoriten heute besonders. Bernhardin war ein begnadeter Prediger und Friedensstifter. Der Papst wollte ihn viermal zum Bischof ernennen und er hat es immer abgelehnt. Nun wollte er ihn zum Bischof von Siena berufen, was Bernhardin wieder ablehnte. 1427 hielt er dennoch in dieser Stadt 45 Tage lang seine wohl schönsten Predigten auf der Piazza del Campo, die alle mitgeschrieben wurden und überliefert sind. Bernhardin wirkte friedenstiftend in italienischen Städtekriegen und wurde schon zu Lebzeiten als Heiliger verehrt. Sein Ruhm beruht aber vor allem auf seinen Predigten in der Sprache des Volkes, die von seinen Hörern gesammelt und überliefert wurden. Sie beschäftigen sich mit dem familiären, sozialen und politischen Leben jener Zeit und waren auch den ersten humanistischen Strömungen gegenüber aufgeschlossen. Sie überzeugten durch ihre Klarheit und ihren gesunden Menschenverstand, waren reich an Beispielen, kräftigen Tönen und witzigen Aussprüchen. Wegen seines Christussymbols hat er viel Ärger bekommen, wurde mehrfach der Häresie angeklagt und zum Papst vorgeladen, aber immer wieder freigesprochen.Wenn jemand aus Liebe zu Christus so predigen kann, dass die Menschen ihn verstehen und er die Botschaft des Evangeliums unters Volk bringt, dass sie die Mitschriften heute noch kennen, die Berufung zum Bischof fünfmal abgelehnt hat und sogar angeklagt wurde, eine Irrlehre zu verbreiten, dann muss dass ein unglaublicher Mensch und Ordensmann gewesen sein und es ist gut an ihn zu denken.

Manchmal, wenn Zeit ist, höre ich gerne geistliche Musik. Das ist Musik, die biblische oder liturgische Texte nimmt und sie vertont; ob aus dem Mittelalter von Hildegard von Bingen, Claudio Monteverdi aus der Zeit der Renaissance, Händel, Bach oder Praetorius aus dem Barock und noch sehr viele mehr. Und es ist oft ein sehr diffuses Gefühl: Die Musik entführt scheinbar Geist und Seele in eine ganz andere Sphäre und beschwingt oder wühlt auf, beruhigt oder tut einfach gut.Und ganz oft bleibe ich dann so sehr in den Noten und Klängen gefangen, dass ich Raum und Zeit vergesse und ganz berührt bin, wenn nach langer Zeit ein Nachrichtenjingle kommt oder die CD zu Ende ist. Musik wäscht den Staub des Alltags von der Seele, heißt es nicht umsonst. Und noch ganz anders geschieht es, wenn man selbst singt oder ein Instrument spielt oder elektronisch Musik macht.Vorige Woche ist mir das seit langem mal wieder passiert. Wir haben uns zu viert auf der Orgelempore der Mutterhauskirche getroffen, um zwei wundervolle Gesänge zu üben und zu wiederholen, die wir schon lange kennen, aber nur noch selten singen. Für das Jubiläumsfest einiger unserer Schwestern wollten wir das aber gern mal wieder tun. Und ich bin immer wieder verblüfft darüber, wenn die Melodie angespielt wird und die ersten Töne kommen, dann singt es quasi ganz von allein aus mir heraus. Und es kamen in meinem Hinterkopf ganz viele Szenen wieder deutlich hervor, die mit diesen Gesängen und den Feierlichkeiten aus den ersten Ordensjahren zusammenhängen. Und es war dann, nach der kurzen Probe, den ganzen Nachmittag wie eine Dauerschleife eines Filmes mit dieser wunderschönen Musik.Heute ist vielleicht ein guter Tag, um mal wieder die Lieblingsmusik zu hören oder mal etwas ganz anderes und die Seele mit schönen Klängen umarmen zu lassen. Gönn es Dir. Es wird Dir guttun.

Ich habe ein Plakat gesehen, das in wunderbar grüner Natur eine schmale lange Hängebrücke zeigt, wie es sie in Deutschland mittlerweile einige gibt, über die ein Mann in typischer Wanderkleidung mit festen Schuhen und Rucksack läuft. Und diese Brücken sind ja bei Wind oder Sturm ziemlich wackelige Angelegenheiten. Aber auf dem Plakat stand ziemlich fett gedruckt: „In der Hoffnung leben – auch wenn die Welt wankt“ Männerwallfahrt zum Klüschen Hagis am Fest Christi Himmelfahrt. Und in der offiziellen Verlautbarung heißt es dann: Die Männerwallfahrt lädt dazu ein, Hoffnung nicht als bloßes Warten auf bessere Zeiten oder einfachen Optimismus zu verstehen, sondern als feste Grundeinstellung, die Halt gibt und Orientierung schenkt. Die Wallfahrt bietet die Gelegenheit, anzuhalten, neue Impulse zu erhalten und den eigenen Glauben in Gemeinschaft zu stärken. Auf dem Weg begegnen wir Herausforderungen und Erfahrungen, die uns ermutigen, trotz der Unsicherheiten der Welt bewusst in der Hoffnung zu leben.Und die Männerwallfahrt war immer mitten im politischen Umfeld auch hochpolitisch.1956 nämlich, als sich immer mehr herausgestellt hat, dass sich die Teilung unseres Landes verfestigen würde und die Politik immer kirchenfeindlicher geworden ist, haben einige mutige Männer diese Wallfahrt ins Leben gerufen. Und sie wurde der jährliche Höhepunkt für oft mehr als 20 000 Männer und Jugendliche. Gemeinsam als Christen in einem feindlich gesinnten Umfeld zusammenstehen, Gottesdienst feiern und sich im Glauben stärken lassen, war eine starke Botschaft. Einer der wichtigen Aspekte auf dieser Wallfahrt ist immer die Predigt des jeweiligen Bischofs: Es geht immer um die politische, gesellschaftliche und kirchliche Situation im Land, Missstände werden benannt und Ermutigungen für das Leben aus dem Glauben im Alltag gegeben. Das war zu Zeiten der DDR-Diktatur überlebensnotwendig, damit die Christen mutig und gestärkt weitergehen konnten. Interessanterweise ist die Wallfahrt nie verboten worden. Das haben die Staatsverantwortlichen nicht gewagt. Vielen Männern ist bei vielen Wallfahrten deutlich geworden, dass Christsein immer eine politische Dimension hat: um Gottes Willen für die Menschen da sein, auch wenn es unbequem und gefährlich ist. Der gesellschaftliche Aspekt des Evangeliums wurde für viele Menschen hier erst richtig deutlich. Und der Titel „In der Hoffnung leben, auch wenn die Welt wankt“ ist für mich und dich heute ebenfalls gültig und kann ein Auftrag in den Tag und die Woche sein.

Mai ist nun einmal der Marien-Monat. Ich find Maria schwierig. Irgendwie ist sie mir fremd. Diese Frau ohne Erbsünde. Auserwählte. Die eine. Als Kind, da hat mein Vater mir von einer Wallfahrt, ich weiß gar nicht mehr von wo, eine kleine Schachtel mitgebracht, auf der eine Kirche abgebildet war und die man öffnen konnte und in die genau eine kleine Marienfigur passte. Ich fand die toll. Die war einer meiner besonderen Schätze meiner Kindheit. Aber ich habe gar nicht so richtig verstanden, dass das eine Heilige ist. Wer das so genau ist, außer eben die Mutter von Jesus. Was dann später nur noch unglaubwürdiger wurde, als man dann verstanden hat, wie das mit Kindern so funktioniert. Und wenn ich im Mai in die Kindertagesstätten hier fahre, dann sehe ich sie. Diese kleinen bunten Marienaltäre oft am Eingang. Da ist so viel Liebe sichtbar. So viel Schönes. Das ist so wunderbar. Und vielleicht geht's den Kindern auch ein bisschen wir mir mit der Gottes Mutter? Da ist so was Schönes. Auch wenn wir es nicht verstehen? Aber diese kleine Schatulle, die ist mir heute noch wertvoll und hat einen festen Platz. Maria ist mir immer noch fremd. Aber ich habe das mit der Unbefleckten Empfängnis verstanden. Theologisch bedeutet es eben, dass Maria frei von der Erbsünde war. Das kann ich zumindest etwas verstehen. Im Leben wird man krisenfest, wenn man Kohärenz erfährt. Das bedeutet, das, was wir erleben, muss für uns verstehbar sein. Das muss für uns handhabbar sein, damit wir es händeln und anpacken können und es muss Sinn machen. Diese Schatullen hat für mich Maria handhabbar gemacht, ich konnte sie anfassen diese kleine Statur. Der theologische Gedanke zur Erbsünde macht sie mir verstehbarer. Mein Kopf kann das logischer in Einklang bringen. Aber Sinn … Sinn macht das Ganze erst, seitdem Gott in meinem Leben Tag für Tag einen Unterschied macht, weil seine Anwesenheit, sein menschliches Dasein in der Welt erst durch Maria möglich gewesen ist. Und ja – trotzdem ist sie mir fremd. Diese Frau ohne Erbsünde. Auserwählt. Die eine. Der DOMRADIO-Morgenimpuls: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken zu Gott und der Welt. Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen darüber, wie sie Glauben und Alltag miteinander verbinden. Im Radio um viertel nach 6 Uhr und als Podcast.

Brückentage heißen bei uns im Schulkontext bewegliche Ferientage. Klingt auch irgendwie ganz nett. Ja, da kommt wieder was in Bewegung in mir. Ich versuche wieder öfter und regelmäßiger mit dem Fahrrad in die Schule zu fahren. Morgens wenn es noch etwas frisch ist, das mag ich. Ich überquere nur zwei Straßen, den Rest radle ich über weite Felder, die sich auch immer mehr verändern und meist bei uns hier besonders gelb erstrahlen, wenn der Raps beginnt zu blühen. Hier sieht man nicht viele Bäume, eher kleine Hecken und Sträucher am Feldwegrand oder den Weg säumende Kornblumen und roter Mohn. Diese weiten Felder der Zülpicher Börde, die mag ich besonders. Diese Felder, die einen so unfassbar weit schauen lassen und wenn die Sonne scheint, einem viele Sonnenstrahlen, aber auch so wunderbares Licht am Morgen schenken. Die Goldene Stunde. Wie wunderbar es ist dann zu radeln. Ja, so idyllisch kann mein Morgen sein. Aber nur, wenn ich es wirklich schaffe früher aufzustehen als sonst, mein Rad aus dem Gartenhaus zu holen, wenn ich es denn finde und wenn ich eben wieder mehr in Bewegung komme. Gott und ich - wir sind auch in Bewegung. Ich rede jeden Tag von ihm und über ihn im Unterricht. Ich glaube, dass er mich trägt und erträgt, wenn ich auch Schwere und Tiefe mi tragen darf in wertvollen Beratungskontexten. Und ich glaub manchmal, ich rede viel zu wenig mit Gott. Ich bete. Aber ich bin keine Vorzeige-Beterin. Ich habe schon oft Bibellesen, Journaling, Gebetsroutinen versucht … aber ich bin kein Routine-Mensch. Ich bin einfach zu gerne eben in Bewegung. Ich liebe es, Neues auszuprobieren und schaffe es nicht einmal im gleichen Restaurant zweimal das Gleiche zu essen. Ich bin einfach viel zu neugierig. Und Gott, du weißt das doch. Du gehst mit, egal ob ich gehe, laufe, hüpfe oder tanze. Mein Gott ist ein bewegender, bewegter und in Bewegung bringender Gott. Und vielleicht habe ich mehr Routine als ich denke. Da morgens auf dem Fahrrad. Da ist Gott doch auch. In mir. In meiner Bewegung. Im Vogelgesang. In der Weite der Felder. Im Duft, der noch so frischen Morgenluft. Im Fahrtwind, der mir das Haar zerzaust. Da im Morgenlicht, das nur einen Moment die wunderschönste Farbe hat, da will ich seufzen. Seufzen ist vielleicht mein Gebt, um mehr mit, statt nur über Gott zu sprechen. Der DOMRADIO-Morgenimpuls: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken zu Gott und der Welt. Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen darüber, wie sie Glauben und Alltag miteinander verbinden. Im Radio um viertel nach 6 Uhr und als Podcast.

Am Mittwochabend hat in Würzburg das große Glaubensfest, der Katholikentag begonnen. Mehrere Zehntausend Menschen werden bis Sonntag kommen, um zusammen zu beten und zu singen, zu diskutieren und heiße Eisen der Kirchenpolitik anzufassen, um neuesten Erkenntnissen der Theologie zu lauschen und miteinander zu feiern und sich im Glauben zu bestärken. Laura Kunz, Gemeindereferentin und Jugendseelsorgerin im Bistum Würzburg, war gefragt worden, ob sie das Katholikentagsgebet schreiben würde. Sie war erstaunt und fühlte sich geehrt, weil kein Bischof, sondern sie gefragt worden ist. Und sie hat es geschrieben. Mir gefällt es sehr gut und so habe ich überlegt, dass ich es heute und jetzt mit Dir bete."Gott, du schenkst uns das Leben - Moment für Moment und Tag für Tag. Und jeden Tag legst du uns deine Worte ins Herz: Hab Mut, steh auf! Weil du willst, dass wir mutig sind - jede und jeder von uns. Erfülle uns mit deiner Geistkraft, die uns zeigt, dass wir mehr schaffen können, als wir uns selbst oft zutrauen. So segne uns mit dem Mut Jesu, damit wir uns trauen, offen über unsere Zweifel und kritischen Fragen zu sprechen und auch unbequeme Themen in den Mittelpunkt zu stellen. Lass uns im Dialog mit dir und den Menschen unseren Blick weiten und neue Perspektiven gewinnen. Segne uns mit deiner Kraft, damit wir nicht aufhören, von einer gerechten und friedlichen Welt zu träumen, auch mal ungewöhnliche Wege gehen und uns für Vielfalt und Respekt einsetzen. Lass uns mutig aufstehen, unsere Träume verwirklichen und über uns selbst hinauswachsen. Segne uns mit Begeisterung für diesen Katholikentag, damit wir unseren Glauben gemeinsam leben und feiern und eine Gemeinschaft erleben, die trägt und stärkt. Lass uns spüren, dass du mitten unter uns bist und uns inspirierst, mutig und hoffnungsvoll in die Zukunft zu gehen. Gott, wer du auch bist und wie du auch aussiehst, du große Kraft des Lebens, begleite uns mit deiner unendlichen Liebe. Heute, während des Katholikentags in Würzburg und an allen Tagen. Amen.

40 Tage nach Ostern feiern wir das Fest Christi Himmelfahrt. Es markiert das Ende der Zeit des irdischen Jesus. Seit Ostern ist er immer wieder den Aposteln und Jüngern erschienen, hat mit ihnen gesprochen und gegessen, ihnen den Frieden zugesprochen und auch angekündigt, ihnen bald den Heiligen Geist zu senden. Am Ende des Lukasevangeliums und am Anfang der Apostelgeschichte wird dann berichtet, wie Jesus vor den Augen seiner Jünger emporgehoben und von einer Wolke aufgenommen wurde, so dass sie ihn nicht mehr sahen. Ein unglaubliches Bild, finde ich. Den Jüngern muss es ähnlich ergangen sein, denn die Apostelgeschichte berichtet dann von zwei Männern in weißen Gewändern, die bei ihnen standen und sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel? – Ich stelle mir die Jünger Jesu gerade vor, wie sie wohl ziemlich verdattert und mit offenem Mund nach oben schauen. „Glotzt nicht so!“ würde man ihnen heute wohl zurufen. Ich sehe darin auch unsere Kirche von heute, die wegen all der Krisen und Skandale, wegen all des ganzen Streits ziemlich gelähmt und versteinert mit offenem Mund dasteht und zum Himmel schaut. Ob das nun Bischöfe sind, die sich vor mutigen Entscheidungen drücken und lieber erst einmal warten wollen, was Rom und die öffentliche Meinung so sagen könnten, oder auch jeder und jede von uns, die wir so gerne Papiere und Konzepte erarbeiten, anstatt direkt ans Werk zu gehen und andere Menschen von der Botschaft Jesu zu begeistern. Die Apostel und Jünger haben doch in den Tagen vor Jesu Himmelfahrt das ganze Handwerkszeug überreicht bekommen, quasi die Gebrauchsanweisung mit der Zusage, dass der Heilige Geist helfen wird; und wenn es schonmal beim Gespräch am Gartenzaun ist. In zehn Tagen ist Pfingsten, da feiern wir das Kommen des Heiligen Geistes. Nutzen wir doch die Zeit bis dahin und auch darüber hinaus dazu, um diesen Geist zu beten und voller Tatendrang ans Werk zu gehen, anstatt mit offenem Mund in den Himmel zu starren. Die Jünger haben es damals ähnlich getan, denn am Ende des Lukasevangeliums heißt es schließlich, dass sie in großer Freude nach Jerusalem zurückgegangen sind. Diese Freude über die Botschaft vom Auferstandenen, die wünsche ich Dir nicht nur heute von ganzem Herzen!

Seit Sonntagabend sind hier bei uns im Olper Mutterhaus 16 Schwestern mit einem Exerzitienbegleiter in ihren Jahresexerzitien. Es sind Schwestern aus verschiedenen Konventen unserer Gemeinschaft, aber auch aus anderen, sehr verschiedenen Ordensgemeinschaften. Und eine Schwester, die am Samstag ihr 65. Ordensjubiläum feiern wird, ist also in die Ordensgemeinschaft eingetreten, als ich selbst 2 Jahre alt war. Wow, dachte ich, dass ist ja unglaublich. 65 Jahre gelebtes Ordensleben im Dienst vor Gott und für die Menschen. Und man könnte doch jetzt denken: Warum muss sie noch Exerzitien, also Übungen im Glaubensleben machen, wenn sie das schon so lange tut? Diese Frage ist dieselbe, die als Frage an Eheleute geht, die seit vielen Jahrzehnten zusammen als Glaubende leben. Sie würden dieselbe Antworte geben: Wir konnten es so lange schaffen, weil wir jeden Tag neu geübt haben. Sich darin geübt, also exerziert darin, miteinander zu glauben, zu hoffen und zu lieben und das Leben mit allen Höhen und Tiefen miteinander zu teilen. Und das Thema dieser Exerzitien ist noch dazu sehr besonders: „Menschen des Weges – mit Wurzeln und Flügeln“. Wir werden in diesen Tagen viele biblische Geschichten anschauen und neu lesen. Geschichten, die immer Bewegungs- und Begegnungsgeschichten sind: mit sich selbst, mit Mitmenschen, mit Jesus Christus und mit Gott. Ganz am Anfang des Kurses war ein Foto zu sehen mit einer Figur, die nur bis zur Brusthöhe dargestellt war. Auf mich wirkte das sehr energisch schauend, ein Ziel anvisierend und einen Stab zur Hand nehmend. Das komplette Bild aber zeigte einen Heiligen, der mit großen Schritten losläuft. Das zeigt es, glaube ich ganz gut: Ich kann, wenn ich fest verwurzelt im Leben und Glauben bin, ganz neue Ziele ins Auge fassen und dann, wie beflügelt, loslegen und mich auf den Weg machen, um mein Ziel, meine Idee, meine Vision zu erreichen.Und in jedem Leben stellt sich dann ja die Frage nach dem, wo ich mich verwurzelt fühle, wo ich quasi geerdet bin, und meine Kraft herbekomme. Und dann als zweites natürlich auch, was und wer verleiht mir Flügel, beflügelt mich um neue Wege zu schauen und auch zu beginnen. Das könnten zwei gute Fragen für Dich und mich heute sein: nach meinen Wurzeln und nach meinen Flügeln.

Gestern haben wir eine Mitschwester zu Grabe getragen und im Gottesdienst, bei der Beerdigung und beim anschließenden Kaffee an sie gedacht. Mit dabei waren Schwestern aus den verschiedenen Konventen und Menschen, die die verstorbene Schwester auf ihren verschiedenen Stationen erlebt und mit ihr gelebt, gearbeitet, gebetet und gefeiert haben.Unter anderem waren vier Mitglieder einer Wallfahrergemeinschaft aus dem Eichsfeld, aus dem die verstorbene Schwester stammte, gekommen. Sie sind mit ihr unglaubliche 28mal von Küllstedt nach Walldürn gewallfahrtet und sie wollten ihr gern mit ihrer Anwesenheit, ihrem Gebet und der Wallfahrerfahne die letzte Ehre erweisen. Und weil ich diese Leidenschaft des Wallfahrens als gebürtige Eichsfelderin auch teile, aber diese Wallfahrt selbst nicht kannte, habe ich mal auf der Internetseite dazu nachgesehen. Was bewegt Menschen, einen anstrengenden Weg voller Entbehrungen und körperlicher Strapazen auf sich zu nehmen - in einer Zeit bitterer Armut, körperlich schwerer Arbeit und Not? Wohl jeder kennt den Ausspruch "etwas hassen wir die Pest" - die wütende Pest auf dem Eichsfeld und das unermessliche Gottvertrauen unserer Vorfahren brachte die Menschen 1682 dazu, um Verschonung vor der Seuche mit diesem Bußgang zu bitten. Am 8. Juni 1683 machten sich 132 Männer und 61 Frauen auf den Weg nach Walldürn. Diese Wallfahrt dauerte, laut einer Chronik, 18 Tage. Das Gelübde aus dem Jahre 1682 war damit erfüllt, doch auch in den folgenden Jahren und Jahrhunderten wurde die Wallfahrt durchgeführt. Darin steht aber auch, dass sie seit 1990 nun wieder in Freiheit den Weg nach Walldürn - gemeinsam mit den Wallfahrern aus Fulda, Baunatal und Unterfranken gehen - ganz bewusst: aus Dankbarkeit für die erlangte Freiheit nach der friedlichen Grenzöffnung, in Einhaltung des Gelöbnisses der Vorfahren mit der Bitte um die Erneuerung des Glaubens im Eichsfelder Land. Etwas hassen wie die Pest und dann nicht dagegen hetzen, tönen und lamentieren, sondern auf Wallfahrt gehen, miteinander singen und beten und alle Sorgen und Nöte Gott anvertrauen und sich gegenseitig stützen und stärken: Diese Art und Weise veraltet nie und sie braucht Menschen, die ein unglaubliches Gottvertrauen haben und einen Glauben, der über den kleinen Alltag hinausgeht. Diese Beerdigung und die Gespräche mit den Mitgliedern der Wallfahrergemeinschaft haben mich beeindruckt und sehr erfreut.

Fällt es Dir eigentlich leicht, montags in die Arbeitswoche, Schul- oder Studienwoche zu starten? Mir fällt es immer ein bisschen schwer, vor allem, wenn ich am Sonntag noch so viel hatte oder das ganze Wochenende so voll und viel war. Egal ob es schöne und freundliche oder auch nicht so tolle Dinge waren, die mich beschäftigt haben.Und wenn es dann am Montag wieder in den normalen Alltag losgehen soll, ach ja, da ist schonmal ein tiefer Seufzer angebracht.Man sagt ja auch nicht für umsonst, dass es Montagsautos oder Montagshandys gibt. Also Produkte, die einfach nicht funktionieren und immer irgendetwas kaputt ist, weil sie an einem Montag von müden und lustlosen Mitarbeitern am Fließband hergestellt worden sind. Und mitten in meine Montagsüberlegungen fällt mir dann so ein interessantes Gebot aus dem Dekalog der Gelassenheit von Papst Johannes XXIII. ein. Er sagt darin: “Nur für heute werde ich etwas tun, wozu ich keine Lust habe, es zu tun. Und sollte ich mich in meinen Gedanken verletzt fühlen, werde ich dafür sorgen, dass es niemand merkt!“Dinge und Aufgaben, zu denen ich keine Lust habe, gibt es sicher bei jedem genug und man schiebt es vor sich her und geht nicht dran. Und dann zu entscheiden und zu sagen, ich mach das jetzt, und es auch zu tun, macht einen großen Unterschied. Du hast sicher auch schon manchmal dann gedacht: Na ja, so schlimm war das auch nicht. Ich muss es nur tun und anpacken. Und dann fühle ich mich wie befreit. Und dann im zweiten Teil dieses Gebotes von Johannes XXIII: wenn ich mich in meinen Gedanken verletzt fühle, dann kümmere ich mich darum, dass es niemand merkt, ist genauso ein starker Auftrag. Und da geht es nicht ums Schauspielern und darüber hinweggehen, dass ich jetzt richtig wütend oder sauer oder beleidigt bin. Es geht darum, es meinem gegenüber nicht anmerken zu lassen. Das hat viel mit Disziplin zu tun oder auch damit, dass ich weiß, wie Menschen ticken und deshalb bereit bin, zu vergeben, zu verzeihen und zu vergessen. Und auch das bleibt Aufgabe – nur für heute.

Es gibt Geschichten, die alltäglich wirken und doch eine tiefe Wahrheit tragen. Freundinnen blättern in einem Brautmodengeschäft durch Reihen von Kleidern, aufgeregt, voller Vorfreude. Manches Kleid wirkt perfekt, anderes erst nach einem längeren Betrachten, und dann passiert es: Ein Kleid zieht die Aufmerksamkeit auf sich, als hätte das Kleid selber es gewusst, wer seine Trägerin sein wird. Es passt einfach. Nicht die Braut findet das Kleid, das Kleid findet sie. Dieses Bild lässt sich übertragen auf die Ehe; nicht einfach zwei Menschen treffen zufällig aufeinander: Es ist eine Begegnung, die getragen wird von etwas Größerem, einem Sinn, der sich erst beim genauen Hinschauen zeigt. Die Heilige Schrift bringt es auf den Punkt. Nie sollen Liebe und Treue dich verlassen, binde sie dir um den Hals, schreibe sie auf die Tafel deines Herzens. Das können wir im Buch der Sprichwörter im dritten Kapitel lesen. Liebe und Treue tragen eine Ehe wie einen sichtbaren Schmuck und gleichzeitig als innere Haltung, tief im Herzen verankert. Das Hochzeitskleid, die Ringe, die Feier – alles sind Zeichen für diese Bindung. Sie zeigen, dass Beziehung Arbeit, Aufmerksamkeit und Pflege braucht. Liebe ohne Treue wäre flüchtig, Treue ohne Liebe nur Pflicht. Erst gemeinsam werden sie zum Schmuck, der sichtbar macht, wie Menschen miteinander verbunden sein können. So wie das Kleid gefunden wird, wird auch ein Mensch gefunden, mit dem man das Leben teilt. In dieser Verbindung spiegelt sich eine einfache, aber tiefe Wahrheit: Liebe ist Geschenk, Verantwortung. Treue ist Mut und Hingabe zugleich. Sie tragen die Menschen durch die Jahre, lassen Freude leuchten. trösten in schwierigen Zeiten und machen eins sichtbar: bindung ist mehr als ein Versprechen, sie ist ein gelebtes Leben miteinander. Liebe und Treue als Schmuck, vielleicht ein Geheimnis zum Glück einer Ehe. Der DOMRADIO-Morgenimpuls: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken zu Gott und der Welt. Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen darüber, wie sie Glauben und Alltag miteinander verbinden. Im Radio um viertel nach 6 Uhr und als Podcast.

Wie das Kaninchen vor der Schlange: Im Angesicht einer Schlange erstarrt das Kaninchen. Es ist unfähig, sich zu bewegen, gelähmt von Angst. Bis heute benutzen wir dieses Bild, wenn Menschen in bedrohlichen Situationen nicht mehr handeln können. Das ist ein bisschen spöttisch, aber sehr treffend. So ähnlich reagieren auch wir Menschen auf das Böse oft. Es lähmt uns, es macht sprachlos. Wir sind dann starr vor Angst. Nicht umsonst wird das Böse vielleicht deswegen in der Bibel mit dem Bild der Schlange beschrieben. Schon im griechischen Wort "Drakon" steckt die Bedeutung der Starrblickende. Das Böse fixiert, es fesselt den Blick, es will verführen. Die Schlange ist Symbol einer Lebensweise, die sich von Gott entfernt hat. Eine gespaltene Zunge steht für ihre Nichtwahrhaftigkeit. Sie häutet sich und verändert sich deshalb nur äußerlich. Sie windet sich ohne einen klaren Standpunkt, sie kriecht auf der Erde und klammert sich fest. Sie wirkt hypnotisch und lässt die Beute erstarren, das wissen wir spätestens seit der Schlange Kaa aus dem Dschungelbuch. Wir Menschen kennen diese Verführung seit Anbeginn, aber entscheidend ist, wir sind ihr nicht ausgeliefert. Das Gegenbild gegen das Böse ist Maria, die wir in diesem Monat Mai besonders verehren. Nicht als ferne Idealfigur, sondern als Mensch mit Mut. Sie lässt sich ausrichten auf Gott, sie bleibt nicht starr, sie handelt. In der Offenbarung im Neuen Testament der Bibel heißt es über sie: "Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel, eine Frau mit der Sonne bekleidet, der Mond unter ihren Füßen und ein Kranz von 12 Sternen auf ihrem Haupt." Maria bringt das Gute in die Welt, ja mehr noch, den Guten selbst. Sie ist die Mutter des neuen Lebens. Dafür steht sie in diesem Mai. Der Schriftsteller Franz Kafka hat das einmal so formuliert: "Es bedurfte der Vermittlung der Schlange, das Böse kann den Menschen verführen, aber nicht Mensch werden." Durch Maria wird Gott Mensch, das Böse lähmt, Gott aber macht lebendig. Der DOMRADIO-Morgenimpuls: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken zu Gott und der Welt. Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen darüber, wie sie Glauben und Alltag miteinander verbinden. Im Radio um viertel nach 6 Uhr und als Podcast.

An diesem 8. Mai, dem Tag der Befreiung vom Hitlerfaschismus, möchte ich mit Dir und Euch beten: An diesem besonderen Tag des Erinnerns bitten wir dich, Gott, um den Mut, in unser Innerstes zu sehen und die Augen offen zu halten. Das Schreckliche wahrzunehmen, das damals vor 81 Jahren ein Ende fand. Die Wunden zu sehen, die Gräber und Grabfelder und die bis heute sichtbaren Verletzungen und Schäden. Hilf uns zu hören, was die Zeitzeugen uns mitgeben. An diesem Tag der Befreiung fragen wir nach deiner friedensstiftenden Kraft, Gott. Nach der Erleichterung, wenn Kämpfe enden und Waffen schweigen,wenn Flüchtlinge Obdach finden, wenn alle gemeinsam Zerstörtes aufbauen und schließlich in ihrem Leben ankommen. Auf der Spurensuche in der Vergangenheit sind wir dankbar, dass der Friede, der damals begann, bis heute hält; in unserem Land und vielen Ländern der Welt. An diesem Tag der Befreiung blicken wir voll Sorge in die Ukraine und die Aggression Russlands und die angezettelten Kriege weltweit.Wir bringen vor Dich die Not, die wieder näher zu uns rückt und die wir nie wieder erleben wollten. Wir bringen vor Dich die Verzweiflung der Friedliebenden und die Sorge der Waffenlieferanten. An diesem Tag der Unsicherheit spüren wir die Not und die Verzweiflung der Menschen damals; ihre Fragen nach der Zukunft, ihren Schmerz, ihre Trauer um Verlorenes, die bange Hoffnung auf Wiedersehen mit geliebten Menschen. Gott, dir vertrauen wir unsere Sorgen an und unsere Zuversicht. Aus der Erinnerung lernen wir im Innersten, dass es Zukunft gibt, die gelingt, die nicht vergisst. Lass uns lernen und deinem Willen zum Frieden vertrauen. Amen. Ganz neu hören wir für unsere Zeit die vertraute Bitte Martin Luthers: „Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott zu unsern Zeiten. Es ist doch ja kein andrer nicht, der für uns könnte streiten, denn du unser Gott alleine.“

Ich weiß nicht, ob Du es gesehen oder gehört hast. Vor ein paar Tagen ging eine Sequenz aus einer Überwachungskamera aus Jerusalem viral. Da war zu sehen, wie eine Ordensfrau eine Straße entlang geht und plötzlich und ohne jegliche Vorwarnung von einem Mann mit brachialer Gewalt von hinten umgestoßen wird. Sie hat überhaupt keine Chance, sich zu wehren oder auszuweichen, sondern sie stürzt nach vorn auf die Straße und mit dem Kopf auf dem Pflaster auf. Diese französiche Schwester kam vom Gottesdienst aus der deutschen Benediktinerabtei Dormitio. Diesmal konnten die Verantwortlichen der Stadt nicht schulterzuckend reagieren, wenn von solchen Vorfällen die Rede ist. Durch die Aufzeichnung konnte der Täter gefasst werden und sitzt in Untersuchungshaft. Dass die Christen weltweit die am meisten verfolgte Religionsgemeinschaft ist, ist lange bekannt. Aber wenn es so deutlich zu sehen ist, wie jemand, wohl aus einer kleinen radikalen Gruppe keinen Respekt vor der Würde eines Menschen hat, die friedlich ihren Weg nimmt, das ist zutiefst verstörend. Wir alle in allen Ländern müssen wirklich aufpassen, dass solche Aktionen, solche Denkweisen und Vorstellungen nicht überhandnehmen. Einzelne laute Kleingruppen in vielen Ländern versuchen mit Hass und Gewalt gegen Andersdenkende, Andersglaubende und scheinbar Fremde vorzugehen und respektlos und aggressiv zu handeln.Im heutigen Abschnitt aus dem Johannesevangelium heißt es: "In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe!"Und nein, es ist nicht naiv, an die Kraft der Liebe zu glauben, die Gott geschenkt und uns durch Jesus Christus gegeben hat, damit wir einander lieben und aus dieser Liebe zu den Mitmenschen leben und arbeiten. Und ich liege garantiert nicht falsch in meiner Annahme, dass der übergroße Anteil der Menschen das ebenso sieht und so leben will. Mit Respekt vor der Würde jedes Einzelnen, egal welcher Religion, Hautfarbe oder Herkunft.

Vor ein paar Wochen hatte ich eine Anfrage von zwei Schülerinnen einer siebten Klasse einer Realschule. In Religion ist in der siebten Klasse Ordensleben auf dem Stundenplan. Und die beiden Freundinnen hatten den Auftrag, ein Referat zu erstellen und Anhand eines Beispiels eine Ordensgemeinschaft vor zu stellen und daran zu erklären, was Ordensleben ist. Sie hatten meine Gemeinschaft im Internet gefunden, sich ziemlich gut belesen und dann angefragt. Nachdem es eine Weile wegen der technischen Modalitäten hin und her ging, haben wir dann doch ein Telefoninterview gemacht und ein Mädel hat die Fragen gestellt und die Freundin meine Antworten mitgeschrieben. Mir macht so etwas grundsätzlich viel Freude und diesmal war es noch viel interessanter, weil beide Mädchen nicht die geringste Idee hatten, was Klosterleben eigentlich ist. Da sind die Fragen nochmal ganz anderer Art und ich muss versuchen, so einfach wie möglich zu antworten. Aber irgendwie hatte ich etwas falsch gemacht. Nachdem wir schon eine ganze Weile geplaudert hatten, haben sie mich dann gefragt: Machen Sie das mit dem Kloster in Ihrer Freizeit, also so wie Sport oder Musik oder sind Sie das Immer? Ich fand die Frage wunderbar und ich habe erzählt, dass ich das immer bin: Ordensfrau, in allem was ich denke und tue, in Arbeit und Freizeit, beim Beten und Essen und Spielen und so weiter. Am anderen Ende der Leitung war es eine Weile still, weil es so viel zu schreiben gab und dann kam ganz professionell gefragt: Möchten Sie noch etwas sagen, was vielleicht noch wichtig wäre, um zu verstehen, was Sie machen? Ich hatte gefühlt drei Sekunden zum Nachdenken und habe dann gesagt: Das Wichtigste an dem, wie ich lebe und was ich tue, ist mein Glaube an Gott und daran, dass Jesus Christus auferstanden ist von den Toten. Wenn ich das nicht glauben würde, wäre die Art wie ich lebe, sinnlos. Sie haben sich bedankt und das Gespräch war zu Ende. Den ganzen Tag aber ist mir diese Frage und meine Antwort noch nachgegangen und ich hoffe sehr, dass die beiden Mädels vielleicht ein bisschen gespürt haben, warum ich so lebe und dass es allein Gott ist, der mich dazu bewegt.

Rudelsingen ist wieder populär. In Stadien sowieso seit Jahrzehnten. Vor den Bundesligaspielen singen sich die Fans warm, erleben schon dadurch ein unglaubliches Gemeinschaftsgefühl und eine Kraft, die sich später, wenn es gut geht, auf die eigene Mannschaft überträgt. Und auch bei Konzerten und Partys jeglicher Art. Es macht erst Spaß, wenn alle mitsingen und man das tolle Gefühl hat, dazu zu gehören. Am Sonntag hatten wir ein ähnliches Erlebnis mit Kaffeeklatsch und Rudelsingen zum Frühling im Olper Mutterhaus. Frühlingslieder, Maigesänge und Oster- und Marienlieder waren geplant. Und es war ein herrliches Erleben für alle. Plötzlich trifft man Leute, die man lange nicht gesehen hat und freut sich wie Bolle. Dann merkt man, dass man viele Lieder tatsächlich noch kann und es klang zwischendurch wie ein 80-köpfiger mehrstimmiger eingeübter Chor. Und ein Gesang, den wir eigentlich nur mal ausprobieren wollten, klang schon so gut, dass wir ihn demnächst als Kanon singen werden. Außer dass die Melodie frisch und munter ist, ist auch der Text schön und lautet:„Singen macht Spaß, singen tut gut. Ja singen macht munter und Singen macht Mut. Singen macht froh, denn Singen hat Charme, die Töne nehmen uns in den Arm. All unsre Stimmen, sie klingen mit im großen Chor, im Klang der Welt.“Das ist wirklich ein gutes Programm: Spaß haben, sich selbst etwas Gutes tun, munter werden, Mut bekommen, froh werden, von schönen Tönen umarmt werden und spüren, dass alle unsere Stimmen einen großen Anteil haben am Klang der weiten Welt. Ich kannte noch von unseren alten Mitschwestern die schöne Feststellung, dass Gesang doppeltes Gebet sei. Also singen und summen wir doch heute zwischendurch fröhlich vor uns hin, tun wir uns selbst und anderen damit Gutes und loben wir Gott.

Hast Du es mitbekommen? Vergangene Woche waren König Charles und seine Frau Camilla in den USA. Ich von mir kann nicht behaupten, Fan von Königreichen zu sein, aber die Rede, die König Charles gehalten hat, war zutiefst beeindruckend. Da hat jemand verstanden, was Sprache ist und wie man Sprache klug verwendet und Inhalte vermittelt, die gut und sachlich und verbindend sind und wo Inhalte das Wichtigste sind und in heiterer Gelassenheit dargebracht werden. Es hat mich begeistert.Wir spüren ja in den letzten Jahren auch bei uns sehr, wie sich Sprache und Sprechen verändert hat. Wo oft nicht mehr in klug abgewogenen Sätzen geredet wird, sondern in hastig dahingeworfenen Halbsätzen mit Halbwahrheiten oder Lügen, die als Fakten dargereicht werden, ohne sie zu überprüfen, sondern sie als alternative Fakten darstellt, die sich als anderen Begriff für Lügen etabliert hat.Da lobe ich mir die klare und unüberhörbare Wahrheit des Evangeliums. Im Abschnitt aus dem Johannesevangelium heute heißt es zum Beispiel: "In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht."Frieden ist die Gabe Jesu an seine Jüngerinnen und Jünger und er gibt sie bis heute. Und es liegt an denen, die sich seine Follower, seine Nachfolger nennen, diesen Frieden anzunehmen und weiter zu verbreiten in allem was sie denken, reden und tun. Und noch etwas ist wichtig. Auf einer Website bemerkt eine Frau: "Es darf keinerlei 'Ausreden' geben, auf das Gebet für den Frieden in der Welt zu verzichten!"Es ist also beides: eine friedliche Sprache und ein friedliches Tun und trotz allem Unfrieden darauf zu vertrauen, dass das Gebet um den Frieden in der Welt unverzichtbar ist. Das eine zu tun und das andere nicht zu lassen ist die Art von Klugheit und Wahrheit, die hier und heute wichtig sind.

"Meine wilden fetten Jahre sind vorbei", um es mal mit einem Zitat aus einem Juli-Song zu sagen. Und mit die wildeste Zeit war natürlich das Abitur. Nicht das Abitur an sich. So das Drumherum. Und ich glaube, das trägt.Wir sind in der Schule mitten im Gipfelanstieg. Das meiste liegt längst hinter uns – bei Lehrkräften und den Lernenden, die jetzt plötzlich Prüflinge heißen. Bei uns gab es nun das erste Mal einen "Segen to go" vor den ersten Prüfungen. Das hat sogar mir gutgetan. Wir tragen keinen den Gipfel hoch, aber wir tragen ein bisschen mit. Wir nehmen nichts einfach ab, aber wir sind noch da. Gipfelanstiege oder Zielgradeneinlauf sind mit am schlimmsten. Jetzt lohnt sich wirklich der Weg zurück nicht. Jetzt aufgeben, wie peinlich. Da warten doch schon alle im Ziel. Die warten nicht nur. Die erwarten etwas. Den Sieg. Den Erfolg. Damit gefeiert werden kann.Gott geht mit. Gott steht nicht erst am Zieleinlauf. Gott begleitet. Mein Gott ist nicht laut. Der brüllt mich nicht an, während ich kämpfe. Der schreit keine platten Motivationssprüche vom Seitenrand. Mein Gott hält. Mein Gott trägt. Mein Gott nimmt mir nicht meine Verantwortung. Mein Gott ist wie ein Trainer, der neben mir mit dem Fahrrad fährt. Der leise sagt, dass es wirklich anstrengend ist, aber das Ziel gar nicht so weit weg und dass er da ist und mein Tempo fährt.Gott erträgt mich, dich und uns und das, was der Welt durch und mit Menschen passiert. Und darin sind gerade die getragen, die so hart kämpfen müssen. Gott erträgt, damit wir getragen sind.

Im Jahr 2024 wurde ICQ eingestellt, ein Nachrichtendienst; und Ende letzten Jahres dann der Musiksender MTV abgeschaltet. Dinge, die meine Jugend geprägt haben, werden plötzlich abgeschaltet. Und ich habe dieses Jahr gemerkt, auch Tanz in den Mai überlasse ich immer mehr der Dorfjugend. Aber in meiner Jugend habe ich gerne Musikvideos geschaut. Geht heute auch noch. Sogar viel einfacher. Aber mache ich kaum noch. Meistens stolpere ich dann über eins, wenn ich Musik oder Inspiration für Wortgottesdienste suche.Einer der letzten Wortgottesdienste vor Wochen war nur mit einzelnen Klassen in unserer Schulkapelle. Das mag ich am liebsten. Da ist mehr Raum, mehr Tiefe, mehr Begegnung. Ich versuche dann herauszufinden, was meine Lernenden so hören und dann berührt mich das plötzlich doppelt. Beim Aussuchen und dann beim Erleben im Moment des Gottesdienstes, wenn wir sogar da manchmal ein Musikvideo gemeinsam schauen.Solange ich da bin – kann dir keiner weh tun. Da bin ich so hängen geblieben bei einem Song von Billi Eilish. Wunderschön. Was für eine Zusage. Was für ein Versprechen. Aber ein Versprechen, das man kaum halten kann. Eine Verantwortung, die kaum zu tragen ist. Und geleichzeitig ist das eine Haltung. Ich bin da.Da schwingt für mich der Gottesname mit. JHWH. "Ich bin, der ich bin." Ich bin da. Und selbst wenn dir einer weh tut, dann schütze ich deine Würde, deinen Kern, dein Du. Das ist keine billige Vertröstung. Das ist Ambivalenz. Weil wir manchmal schrecklich allein sind. Weil wir manchmal und so haltlos fühlen. Weil wir Gott nicht immer spüren können. Und trotzdem ist Gott, der, der er ist und da.Spürst du Gott manchmal? Spürst du seine Zusage? Solange ich da bin – kann dir keiner (wirklich) weh tun, denn ich bin, wer ich bin.

Heute ist der 1. Mai und der Tag hat seine vielfältigen Bedeutungen. Wir haben uns im Konvent darüber unterhalten, wie wir den Tag als Kinder und Jugendliche erlebt haben. Bei einer Mitschwester kommt dann immer der Satz des Vaters der gesagt hat: "Mal ein Feiertag, an dem man nicht in die Kirche muss!" Bei mir kommt auch noch einmal deutlicher heraus, wie wir zum Beispiel in der DDR-Diktatur damit umgegangen sind.Am Abend vor dem 1. Mai sind wir zum Tanz in den Mai gegangen, in der Nacht haben wir den neuen Pfarrer aus dem Bett geklingelt, weil wir wussten, dass er Geburtstag hat und haben mit einer ganzen Truppe bei ihm Frühstück bekommen. Dann sind wir auf den nächsten Berg gewandert, um den Sonnenaufgang zu erwarten und ihn mit Gitarrenbegleitung zu besingen und mit dem mitgebrachten Bier aus den Rucksäcken anzustoßen. Am frühen Nachmittag war dann die Maidemonstration im Dorf, zu der alle Leute verpflichtet waren und für uns das Beste daran war, dass wir unsere Fahrräder mit bunten Krepppapierstreifen schmücken konnten. Und abends war dann in der Kirche die Eröffnung der Maiandachten zu Ehren Marias, der Muttergottes, bei der die Kirche freiwillig proppenvoll, die gefühlvollen Lieder mit Inbrunst gesungen und die Texte schon damals ein bisschen weltfremd waren. Und dann habe ich sehr viel später irgendwann mitbekommen, dass seit 1955 der 1. Mai der Gedenktag des heiligen Josef des Arbeiters geworden war. Meine Güte, das alles an einem Tag!Was ist davon geblieben für mich und für Dich? Vielleicht könnten wir heute mal nachdenken über den Wert der Arbeit bei uns selbst, in unseren Familien, in unserer westlichen Gesellschaft und weltweit. Über die Arbeit, die wir brauchen, um unseren Lebensunterhalt zu verdienen und auch, um uns zu entwickeln und kreativ zu werden. Und was es für die vielen Menschen bedeutet keine Arbeit zu haben.Und natürlich auch den Feiertag genießen mit hoffentlich sonnigem Flair und Lust auf Draußenzeit.

Wie ich hier bei uns im Konvent, so haben viele Leute jeden Tag die Frage, was sie denn heute zum Mittag kochen sollen. Mit dieser Frage sind wir sehr privilegiert. Denn wir haben etwas zu kochen und brauchen nur eine Idee, wie wir die Lebensmittel, die wir haben oder einkaufen können, verarbeiten und zu einem schmackhaften Gericht machen. Millionen von Menschen in unserer einen Welt haben eher die Frage, ob sie heute überhaupt etwas zu essen finden oder für sich und ihre Familien bekommen können.Da spüre ich immer, wie relativ unsere Fragen und Sorgen sind in Bezug auf die, mit denen wir leben. Natürlich können wir auf Hilfswerke und Organisationen verweisen, die sich weltweit darum kümmern. Aber ich muss auch wissen, dass es von meinem Dazutun, von meiner Spendenbereitschaft abhängen kann, wie diese Organisationen die Rationen verteilen können oder nichts zur Verfügung haben. Wenn dann aber der amerikanische Präsident die größte weltweite Hilfsorganisation seines Landes mit einem Federstrich auslöscht und auflöst, ist das zunächst nur ein Verwaltungsakt. Aber was das auslöst, wird in den nächsten Jahren immer deutlicher werden. Mangelernährung und kaum noch medizinische Hilfe werden Millionen von Menschen weiter in Hunger, Armut, Verzweiflung, Flucht und Tod treiben.Die goldene Regel im Evangelium, die man auch nahezu gleichlautend in allen Religionen findet heißt aber: "Was ihr von anderen erwartet, das tut ebenso für sie." Jetzt kann man gut über die da oben schimpfen und bedauern, dass man selbst da nichts dran tun kann. Ich kann aber tatsächlich viel tun: mich an Spendenaufrufen beteiligen und einen Beitrag geben, der meinen Möglichkeiten entspricht, mich bei Tafeln und Hilfsorganisationen einbringen und mithelfen, selbst einen einfacheren Lebensstil leben und keine Lebensmittel verschwenden, regionale Anbieter fördern und so weiter.Manchmal ist es anstrengend, wenn die kleine, leichte und lockere Frage nach dem, was ich heute kochen könnte, in dem großen Zusammenhang der Welternährung endet. Und ich merke bei solchen Gedanken immer auch, wie dankbar ich bin, in einer Region der Welt zu leben, wo ich mir um das tägliche Brot nicht so große Gedanken machen muss.

Die Mutter hat genug zu tun. Immer schon. Sie hat insgesamt 24 Kinder bekommen und ein Teil von ihnen ist auch zunächst groß geworden. Früher war die Familie wohlhabend und adelig. Jetzt müht sich der Vater mit Mitarbeitern und Söhnen in der eigenen Färberei, um das Geld zu verdienen, das die große Familie braucht. Die jüngste Tochter ist schon als Siebenjährige irgendwie anders, schwierig und unlogisch und erzählt ernsthaft, dass ihr Jesus begegnet sei und sie ihm gelobt hat, zu den Dominikanerinnen zu gehen und Gelübde abzulegen. Die Mutter versucht in den Jahren danach, ihrer Tochter diese Flausen auszutreiben und lässt sie als Dienerin und Magd die anstrengendsten Arbeiten machen, versucht mehrfach sie zu verheiraten und an den Mann zu bringen. Dann wird es der Tochter zu bunt. Sie schneidet sich selbst die Haare ab und meldet sich bei den Dominikanerinnen an und wird angenommen, obwohl sie mit 16 Jahren eigentlich dafür zu jung ist. Vielleicht merken auch die Verantwortlichen, dass diese junge Frau irgendwie anders ist. Im Laufe der Jahre wird sie eine sehr bekannte Frau, die sich nicht fürchtet, sich mit Kaisern, Königen und Päpsten anzulegen und harrsche Briefe zu schreiben, wenn ihr klar war, dass sie gegen die herrschenden Zustände etwas tun muss. Dabei kann sie ja zunächst weder schreiben noch lesen, weil es für Mädchen damals nicht notwendig schien. Sie diktiert mehreren Menschen gleichzeitig ihre Briefe und entwickelt ihre Gedanken zum Zusammenleben in Kirche und Stadtgesellschaft. In der Pestepidemie, die ihre Stadt heimsucht, pflegt und betreut sie furchtlos die Kranken und viele Menschen spüren, dass diese Frau durch ihr Gebet und ihre Furchtlosigkeit unglaublich viel bewirkt.Katharina von Siena stirbt mit 33 Jahren und wird schon zu Lebzeiten sehr verehrt. Im Jahr 1461 wird sie heiliggesprochen und 1939 zur Schutzpatronin von Italien erklärt. 1970 erhält sie den Titel "Kirchenlehrerin" und 1999 wurde sie von Johannes Paul II. zusammen mit der heiligen Birgitta von Schweden und Edith Stein zur Patronin Europas erhoben, sie, die viele Jahre in ihrer Familie als schwierige Tochter galt.

Am Samstag hatten wir in Köln zu tun und sind also am frühen Vormittag hingefahren. Zunächst zu unseren Schwestern im fertig renovierten Haus, um noch einige Dinge anzuschauen, zu notieren, zu planen. Da war es ganz ruhig und angenehm. Dann bin ich schnell zum Hauptbahnhof gelaufen, um dort etwas zu besorgen und war schon verblüfft, wie viele Menschen schon unterwegs waren und wie trubelig es war. Und dann sind wir kurz vor Mittag in die Innenstadt gegangen, um einige Einkäufe zu machen, die in unserem kleinen Städtchen nicht so gut gehen.Aber diese vielen Leute, der viele Verkehr, die vollen Geschäfte. Zwischendurch mussten wir echt lachen, weil es so laut war und wir überhaupt nicht mehr klarkamen. Und dann haben wir uns, völlig unlogisch, bei einem Café an einen Außentisch gesetzt und Cappuccino bestellt und etwas zum Mittagessen. Und da saßen wir, mitten im Trubel, bei laufendem Verkehr und vielen Touris und Fußballfans, die zum Spiel am Nachmittag wollten, haben die Sonne genossen und tiefenentspannt alles beobachtet, geplaudert und die Pause sehr angenehm erlebt.Da ist mir bewusst geworden, was den Unterschied macht zwischen genervtem Ertragen und entspanntem Erleben. Es ist die eigene innere Verfasstheit. Wenn ich selbst entspannt, geduldig und ohne Druck bin, kann ich alles andere ringsum gut haben und den lieben Gott einen guten Mann, eine gute Frau sein lassen und seine Menschen auch. Aber wenn ich selbst unter Druck bin, gehetzt und frustriert, in Eile und mit Terminen, dann ist alles ringsum zu viel und macht mich kirre und ich renne herum wie viele andere, die schlecht gelaunt und miesepetrig durch den Tag hetzen.Bei Johann Baptist Metz habe ich vor langer Zeit den bemerkenswerten Satz gelesen "Religion ist Unterbrechung". Diese Aussage, so habe ich in einer Zusammenfassung gelesen, lädt dazu ein, die Rolle der Religion im modernen Leben neu zu betrachten. Sie ermutigt dazu, die alltäglichen Abläufe zu unterbrechen, um Raum für tiefere Überlegungen und spirituelle Erfahrungen zu schaffen. In einer Welt, die oft von Routine und Stress geprägt ist, kann diese Unterbrechung eine wertvolle Gelegenheit zur Selbstreflexion und zur kritischen Auseinandersetzung mit der eigenen Lebensweise bieten. Das könnte auch für heute eine gute Idee sein und vielleicht sogar notwendig und heilsam für Dich und mich.

Ich habe einen Segenstext gefunden, der mir gefallen hat und gleichzeitig Fragen aufwirft. Darin heißt es nach der Bitte an Gott in acht Punkten:Mut erfülle uns – für den täglichen Kleinkram brauche ich vielleicht nicht unbedingt Mut, aber für viele Menschen eben doch, weil sie jeden Tag zu kämpfen haben mit allem, was sie schaffen müssen. Und damit sie nicht mutlos werden, ist diese Bitte sehr real.Freude belebe uns – ich kann nicht immer hocherfreut und mit strahlendem Lächeln durch den Tag wuseln, aber manchen von uns tut es gut, mit Freude und Freundlichkeit durch dich belebt und mit einem kostenlosen Lächeln lebendiger zu werden.Hoffnung beseele uns – das, was uns wirklich antreibt ist die Hoffnung. Egal in welcher Lebenslage ob Krankheit, Katastrophe, Missgeschick, totalem Kummer. Hoffnung auf Zukunft, auf Besserung, auf neue Chance macht unsere Seele lebendig.Beharrlichkeit dränge uns – manchmal geht es einem auf den Geist, wenn jemand echt immer beharrlich dranbleibt an seiner Kritik an seinen Vorschlägen, an seinem Besserwissen. Aber wenn ich mich dann drängen lassen, geht es voran und bekommt Hand und Fuß.Ungeduld mahne uns – die Ungeduld eines anderen mir gegenüber oder meine eigene Ungeduld machen Dinge möglich, die ich und wir in lustloser Lethargie einfach nicht geregelt bekommen. Ungeduld ist keine Tugend, aber oft so notwendig.Vertrauen stärke uns – das gegenseitige Vertrauen ist eine der wichtigsten Grundlagen für ein Zusammenleben in Partnerschaft, Familie, Gemeinschaften und Gesellschaften. Vertrauen in mich selbst, Vertrauen in meine Mitmenschen und Vertrauen in Gott.Licht leite uns – nicht erst seit der Forschung mit Sterbenden und Nahtoderfahrenen wissen wir, dass unser Leben einem wunderbaren Licht entgegengeht. Dieses Licht zu suchen und zu finden und in seine Richtung zu gehen, macht das Leben heller.Friede segne uns – bei all den verrückten Kriegen, die durch ein paar Machtbesessene ausgelöst werden, spüren wir, dass wir oft selbst so wenig dagegen tun können, aber eigener innerer Frieden macht mich und meine Umgebung friedlicher und gesegneter.Und all diese Überlegungen legen wir Gott vor mit der Bitte, uns damit zu segnen, damit auch unser Leben für andere zum Segen werden kann.

Konkurrenz belebt das Geschäft. Das sagen wir Menschen ja recht häufig. Wer ist besser, wer ist größer, wer is schöner, wer hat vielleicht mehr zu verlieren und wer muss sich beweisen? Viele von uns kennen diese Konkurrenzgedanken. Wir versuchen uns abzusichern, was wir haben. Manchmal leider auch mit Gewalt. Die Bibel hat auch schon davon erzählt, dass es Konkurrenten gab. König Saul und David. Saul hasst den jungen, erfolgreichen David, der viel schöner ist als er, und er versucht ihn zu töten. David flieht und er erhält später die Gelegenheit zur Rache. Er könnte Saul umbringen, zweimal! Und er tut es nicht. Beim ersten Mal schneidet er nur den Zipfel von Sauls Gewand ab, beim zweiten Mal raubt er Krug und Speer, direkt neben dem schlafenden König Saul. David zeigt, es wäre ihm leichtgefallen, Saul zu töten, aber er lässt es. Denn er weiß, der Mensch, Saul, steht unter Gottes Schutz. Was bedeutet das eigentlich für uns heute? Auch wir erleben Konkurrenz, Konflikte, ein verletztes Ego. Jesus gab im Evangelium die klare Antwort: Liebe deine Feinde. Was du von anderen erwartest, das tue auch an anderen. Das ist herausfordernd, für manche auch überfordernd. Aber geht es nicht um den Staat, nicht um Strafen oder Gesetze? Es geht um unser eigenes Handeln, um unsere Entscheidung. Versuche alles, damit dein Feind nicht dein Feind bleibt! Lass anderen die Chance zur Umkehr. Hier zeigt sich das Geheimnis der Barmherzigkeit Gottes. Sie schenkt Raum für Veränderung, Hoffnung für die, die gegen uns stehen, und zeigt: Wahre Stärke liegt nicht im Töten, in der Macht, sondern im Verschonen, im Ermöglichen. König David und Jesus, sie lehren uns: Mut, Geduld und Liebe sind größer als unser Hass. Und so kann Konkurrenz nichts zerstören, sondern uns zum Besseren führen. Und es bleibt doch die Weisheit: Konkurrenz belebt das Geschäft. Der DOMRADIO-Morgenimpuls: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken zu Gott und der Welt. Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen darüber, wie sie Glauben und Alltag miteinander verbinden. Im Radio um viertel nach 6 Uhr und als Podcast.

In den letzten Wochen sind manche Hochzeitseinladungen in meinem Briefkasten gelandet. Die Hochzeit-Saison startet langsam; im Mai geht's dann richtig los. Wie ist das eigentlich mit diesen Einladungen? Da machen sich Menschen ja unglaublich viel Arbeit, um andere dazu zu bekommen, bei ihrer Hochzeit dabei zu sein. Eine Hochzeitseinladung begegnet uns indirekt auch in der Heiligen Schrift. Und dabei ist es nur eine ganz kurze Wanderung, von Nazareth nach Kana, gerade mal 13 Kilometer. Doch die Hochzeit im Kontext von Jesus dauerte eine ganze Woche. Gäste kommen und gehen, es gibt viel zu organisieren. Wer würde eine solche Einladung ablehnen oder ausschlagen? Und dann sind alle bei der Hochzeit, und das Problem geht weiter, der Wein geht aus. Wer sorgt für Nachschub? Wer bringt die Fülle in die Feier? Genau da kommt Maria ins Spiel. Sie sieht, dass etwas fehlt und wendet sich an Jesus. “Meine Zeit ist noch nicht gekommen”, sagt er, und trotzdem passiert etwas. Durch ihr Handeln, durch ihre Bereitschaft, durch ihr Mittun kann Jesus wirken. Das Wunder: Wasser wird zu Wein, ein Alltag wird verwandelt, etwas Gewöhnliches wird außergewöhnlich, Gott bringt Fülle, Freude und Leben mitten in das Leben. Und das gilt auch für uns heute. Wir erleben Momente, in denen unser Alltag leer wirkt. Prüfungen, Stress, Beziehungsroutine. Wir fühlen uns manchmal wie die Diener in dieser Geschichte: Was kann ich schon tun? Und doch, wenn wir bereit sind, das zu tun, was möglich ist: Aufmerksam sein, helfen, zuhören, einen Schritt gehen; dann kann etwas Neues entstehen. Das Wunder von Kana zeigt, kleine Handlungen, Offenheit und Vertrauen können Großes bewirken. Aus Wasser wird Wein, aus Gewöhnlichem wird Fülle. Gottes Verwandlung beginnt nicht irgendwo weit weg. Sie beginnt dort, wo wir stehen, in unserem Alltag, in unseren Möglichkeiten, in unserer Bereitschaft das Leben zu gestalten. Letztlich ist es diese Frage: Wollen wir die große Einladung, die Gott uns in unserem Leben macht, annehmen? Der DOMRADIO-Morgenimpuls: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken zu Gott und der Welt. Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen darüber, wie sie Glauben und Alltag miteinander verbinden. Im Radio um viertel nach 6 Uhr und als Podcast.

Am Mittwoch gab es einen Termin, der schon lange ausgemacht war. Eine Mutterhausbesichtigung mit Kaffeeklatsch für Mitglieder der hiesigen Frauengemeinschaft. Geplant für circa 25 Frauen. Alles klar und ordnungsgemäß an der Pforte angemeldet. Dann vor zwei Wochen der Rückruf: Oh, wir sind zu 60 Frauen, geht das? Ja, klar geht das. Also noch eine zweite Schwester organisiert, die eine zweite Führung macht und alles klar. Und dann fünf Tage vorher wieder ein Anruf: Oh, sorry, wir sind 80 Frauen, die gern kommen möchten. Geht das auch noch? Wir haben herzlich gelacht und noch eine dritte Schwester gefragt, ob sie eine Führung durchs Haus übernehmen kann. Und ich kann ehrlich sagen, dass es ein wunderbarer Nachmittag war. In der Mutterhauskirche versammelt, ging es in einem kurzen Impuls um die Frauen, die dort explizit dargestellt sind und die uns ein Lebensbeispiel geben: Maria, die Muttergottes, die mit ihrem Ja zu den Zumutungen Gottes auf ihre eigenen Lebenspläne verzichtet hat. Klara von Assisi, die ein hochherrschaftliches Leben in Reichtum und Ehren ausgeschlagen hat, um in Armut und schwesterlicher Gemeinschaft Gott zu ehren und mit ihrem Gottvertrauen sogar ein großes sarazenisches Heer zu vertreiben. Und Theresia Bonzel, die sich um Waisenkinder kümmern wollte, aber keine Hilfsorganisation gegründet hat, sondern eine geistliche Gemeinschaft mit beidem: Gott zu ehren und den Menschen zu dienen. Und dann die Frage an jede einzelne Frau: was ist es, was spätere Generationen über Dich sagen werden? Was wäre dein Attribut, mit dem man Dich und Dein Wirken darstellen würde? Das ist echt bedenkenswert und hat bei einigen doch Fragezeichen bei sich selbst deutlich werden lassen. Der wirklich schöne Kaffeeklatsch und die drei Führungen durchs Haus haben den Frauen Einblicke gegeben in die Arbeits- und Lebensweise der Schwestern und der dort ansässigen Verwaltung unserer Werke und mancher Frau ein Aha-Erlebnis verschafft. Dieser Nachmittag hatte also die verschiedenen Aspekte von Kirche ganz einfach zusammengebracht: Interesse am Neuen zeigen, gemeinsam Hören, Nachdenken, Beten und gesegnet werden, Mahl halten und in der Gemeinschaft von Glaubenden unterwegs sein.

Eine unserer sehr alten Mitschwestern im Altenheim ist zwischendurch immer mal etwas desorientiert, verwirrt, ein bisschen "neben der Spur", wie man so sagt. Dieser Tage war das auch so. Sie kam ins Nachbarzimmer, hat sich vorgestellt und der dortigen Mitschwester freundlich gesagt, dass sie jetzt hier im Haus eine Weile bleiben wird und das Nachbarzimmer bewohnt. Wir beide haben uns bedankt und ich habe ihr versprochen, sie gleich auch zu besuchen. Im Gespräch dann in ihrem Zimmer haben wir über Gott und die Welt, über den Krieg in der Ukraine und über den wechselhaften April geplaudert, über ihr schlechtes Befinden und darüber, dass man mit 99 nun auch tatsächlich alt ist und dass das Leben noch nie so schwierig war. Dann sind wir so die Etappen ihres langen Lebens entlanggegangen. 1927 geboren, hat sie die Hitlerzeit, den zweiten Weltkrieg, die harte Nachkriegszeit sehr bewusst erlebt und dann im Orden an vielen Stationen sehr segensreich für viele Menschen gearbeitet. Da kommt plötzlich ein Erinnern und sie sagt: "Oh, das ist ja wahr: Es war nie nur leicht und manches echt hart, aber wenn das so jetzt sehe, habe ich ein sehr schönes Leben."Und ihr freundliches Lächeln war wieder da und die Einordnung in Zeit und Raum wieder gegeben. Das Radio, dass sie sonst immer genutzt hat, habe ich ihr wieder angeschaltet, den richtigen Sender gesucht und habe mich von ihr, die jetzt zufrieden in ihrem Sessel saß, wieder verabschiedet. Viele Menschen kennen das: Die alten und sehr alten Mitmenschen kommen mit der scheinbar immer schneller gehenden Gegenwart nicht mehr klar, leiden unter den Kriegsberichten, den Bildern von Angriffen auf Städte und deren Opfer, von Flüchtenden und verletzten Kindern. In der Verquickung mit dem eigenen Erinnern, verheddert sich alles und wird immer unsortierter. Oft tut es dann gut, wenn sich jemand Zeit nimmt, den Geschichten lauscht und bei der Einsortierung hilft. Und wenn man es schafft, Nähe und Vertrauen zu vermitteln, dieses: "Ich bin bei Dir, ich halte Dir die Hand, ich höre Dir zu, ich mag Dich gern." Dass Gott uns zusagt, dass wir bis zum Ende die Würde der Gotteskindschaft besitzen, ist eine wunderbare Gewissheit. Aber dass wir unseren Mitmenschen dabei helfen, sie auch zu spüren und zu haben, ist manchmal ganz leicht und hilft ungemein.

Wir sind ja, ob wir wollen oder nicht, immer irgendwie von Werbung umgeben. Ob im Fernseher oder Radio, ob in den anderen Medien oder beim Weg durchs Städtchen beim Einkaufen. Eine Werbung ist mir dieser Tage tatsächlich buchstäblich ins Gesicht gesprungen. Ein Hörgeräteakustiker, an dessen Geschäft ich vorbeigelaufen bin, hat ein riesiges Plakat im Schaufenster mit zwei älteren, sehr fitten Menschen beim Joggen. Es hätte Werbung für Sportkleidung sein können, so stylisch war sie. Und die Überschrift wirkt zunächst auch so. Da heißt es: Fit für den Frühling? Aber die zweite Überschrift hieß: Gutes Hören hält gesund. Die Werbung hat mich beschäftigt und das ist immer ein gutes Zeichen für gute Werbung. Da ist natürlich sehr gut zu kombinieren, dass ich, wenn ich gut höre, sehr viel besser mit anderen aktiv sein kann und auch leiseren Plaudereien unterwegs gut folgen kann.Ein zweiter Aspekt ist auch, wenn ich gut höre, bin ich im Straßenverkehr sicherer, weil ich besser zuordnen kann, was ringsum passiert und ob jemand hupt, oder ein Warnsignal kommt, ob die Ampel klickt oder ein Fahrzeug schnell auf mich zukommt. Und dann fiel mir noch etwas anderes ein. Wenn ich die Betonung anders setze, heißt es GUTES Hören hält gesund. Wenn ich also mehr die guten Nachrichten heraushöre und nicht an den schlechten hängenbleibe. Wenn ich im Alltag und meiner Umgebung die kleinen oder großen frohen Botschaften vernehme und registriere, dann bleibt mein Geist und meine Seele gesünder. Wir wissen heute, dass Kinder und Jugendliche, die viele Stunden in den sozialen Medien scrollen, unglaublich viel Negatives und Schlimmes sehen und hören, sehr viel mehr psychische Erkrankungen bekommen und Schwierigkeiten mit der Interaktion im normalen Leben haben. Also ist die Idee nicht schlecht, eher auf das GUTE zu hören. Und die gute und beste Botschaft im heutigen Abschnitt des Johannesevangeliums heißt: "Denn es ist der Wille meines Vaters, dass alle, die den Sohn sehen und an ihn glauben, das ewige Leben haben und dass ich sie auferwecke am Letzten Tag." Was brauche ich mehr, um diesen Tag "Fit für den Frühling" zu sein. Für heute und für den letzten Tag. Der vielleicht heute ist.

Vor unserer Haustür haben wir meistens eine Schale mit Blumen oder Grünpflanzen, die so der Jahreszeit entsprechend schön sind. Im Moment blühen noch ein paar Primeln und einige zarte Narzissen. Und mittendrin steckt ein Ast mit schönen bemalten bunten Ostereiern. Manchmal fragen dann Passanten: Ach, Sie haben ja noch Osterdeko hier. Ostern ist doch schon lange vorbei.Und dann kommen wir, wenn Zeit ist, in die schönste Plauderei über Ostern und seine Zeit, über die Neigung vieler Leute, zwar vieles schon lange vorher zu schmücken, und es dann spätestens am zweiten Tag wegzuwerfen und auch darüber, was es denn heißt, wenn wir 7 Wochen Ostern feiern. Meist ist dann komplette Verwirrung angesagt und die Frage nach dem Sinn des Osterfestes und des Glaubens an die Auferstehung. In einem unserer Osterlieder im Gotteslob steht eine witzige Zeile, über die ich immer lachen muss, weil es so drastisch ist: Da heißt es zunächst: Der Glaube ist nun fest verbürgt, die Hölle ist bezwungen. Aber dann heißt die zweite Zeile: Das Leben hat den Tod erwürgt, das Lamm den Sieg errungen. Oh je, denke ich dann beim Singen, weil ich mir das dann immer bildlich vorstelle und völlig aus dem gesungenen Takt gerate. Oh, je, wenn schon wir, die wir in den Dingen des Glaubens altmodische Texte gewohnt und der Kirchensprache mächtig sind, ziemlich verwundert sind. Wie klingt das für heutige Menschen? Die Gegenüberstellung des Lebens und des Todes als zwei miteinander kämpfende Personen stammt aus alter Zeit, damit den Menschen deutlich wird, dass Leben und Tod real und wirklich sind und gegeneinander um das je einzelne Leben kämpfen. Mir ist bei aller komischen Formulierung und Wortbildung der Gedanke schon sehr sympathisch, dass Leben und Tod immer im Kampf sind und dass es aber, durch Jesus Tod und Auferstehung gelungen ist, dem Tod ein Schnippchen zu schlagen und ihn auf keinen Fall mehr gewinnen zu lassen. Franz von Assisi würde sagen: Wer an den Auferstandenen glaubt, dem wird der ewige, der zweite Tod nichts anhaben. Und für solche Überlegungen und Gespräche lasse ich die Ostereier noch eine Weile am Strauß vor der Haustür hängen.

Vielleicht kennst Du das: in den Tagen vor und nach Ostern hat man ringsum in der Wohnung wunderschöne Blumentöpfe mit Narzissen, Osterglocken, Traubenhyazinthen, Tulpen und noch viel mehr. Man freut sich am Grünen und Blühen und alles ist bunt und schön. Und jetzt, so nach zwei bis drei Wochen, sind die Blüten verwelkt, das Grün schon leicht labberig und die Schönheit ist weg. Viele, die dann keinen Garten haben, werfen alles in die Tonne und kaufen zum nächsten Ostern neue wunderschöne Töpfe mit Blüten. Wir haben das Glück, einen kleinen Garten zu haben und so haben wir, wie jedes Jahr, alle abgeblühten Osterschönheiten in den Garten gepflanzt und freuen uns seit Jahren daran, dass immer im Frühjahr alles grünt und blüht und immer voller und bunter wird.Für mich ist das ein schönes Bild für unseren Oster – und Auferstehungsglauben. Jahr für Jahr erinnern und freuen wir uns daran, dass wir eine Zukunft haben, weil Jesus Christus uns durch seinen Tod und seine Auferstehung neue Perspektiven eröffnet hat. Aber dann, damit dieser Glaube nicht verwelkt und vertrocknet und die Blüten verblassen, muss dieser Osterglaube raus aus der Bubbel, aus der schönen österlichen Sonntagskirchenblase. Der Osterglaube muss raus in die Welt, in den Humus des realen Lebens und Wurzeln schlagen und sich in Wind und Wetter bewähren. Im heutigen Abschnitt aus dem Johannesevangelium fragen die Jünger Jesus: Was müssen wir tun, um die Werke Gottes zu vollbringen? Jesus antwortete ihnen: Das ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat. Mein Glaube an die Auferstehung zeigt sich in dem, wie ich mit Menschen umgehen möchte, wie ich mit den alltäglichen Problemen umgehe, wie ich Schwierigkeiten und Sorgen angehe und bearbeite, wie ich immer neu das Evangelium in den realen Tag umzusetzen versuche. Wenn der Auferstehungsglaube so wachsen und gedeihen darf, und mit Gebet und Stille quasi gedüngt wird, kann er wachsen und sich ausbreiten und farbenfroh und kräftig werden. Jahr für Jahr neu und weit über Ostern hinaus!

Jedes Jahr stöhnen die Lehrkräfte – natürlich nie alle – über die Abschlüsse und vor allem aber über die Abi-Gags, die Abi-Streiche. Dann kommt doch immer die Frage auf: Denen wollen wir die Reifeprüfung abnehmen? Ich habe auch schon sehr oft die gleichen dämlichen Spielchen spielen dürfen zum Abschluss und die Mottos der Motto-Wochen waren auch in diesem Jahr nicht so anders als in den Jahren davor. Aber ich weiß bei mir sind dies Wiederholungen. Schon immer das Gleiche. Aber kannst du dich noch an deinen Schulabschluss erinnern? Kita, Grundschule, der erste richtige Schulabschluss. Und dann gibt es noch ganz andere Abschlüsse und Abschiede, die unser Leben prägen. Wenn die Kollegen und Kolleginnen genervt sind und es waren, wenn wir wieder Singstar spielen mussten oder einen Tanzwettbewerb bestreiten, dann schmunzle ich immer und sage: "Ja, für uns ist das immer dasselbe, aber unsere Lernenden erleben das hier nur einmal in ihrem Leben." So denke ich muss das auch ein bisschen in unserem Lebenslauf sein. Es gibt schon Meilensteine, die wir alle gleichermaßen anstreben und erreichen wollen. Schule – Familie – Freunde – Erfolge. Für Gott muss das fast schon langweilig sein, vor allem wenn er wirklich weiß, was alles war, ist und kommt. Aber ich will auch das Gott dann schmunzelt und auch denkt: "Na gut, du machst das ja alles hier zum ersten Mal." Und dann ist das doch wunderbar, wenn Gott weder genervt noch angeödet oder gar gelangweilt ist. Dann ist Gott so nah, obwohl er in all seiner Weisheit und Allmacht mir auch ganz schön weit weg vorkommen mag. Für Gott ist mein und dein Leben keine Wiederholung. Der DOMRADIO-Morgenimpuls: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken zu Gott und der Welt. Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen darüber, wie sie Glauben und Alltag miteinander verbinden. Im Radio um viertel nach 6 Uhr und als Podcast.

In der ersten Woche nach den Osterferien wurde es auf unseren Schulfluren schon etwas leerer. Die Abiturienten sind bereits weg, und wie ich glaube, mit Lernen beschäftigt. Das ist bestimmt jetzt auch an anderen Schulen so. Plötzlich bleiben Klassenräume leer. Vielleicht bist du selbst auch gerade in einer Prüfungsphase? Oder deine Kinder oder Enkel sind gerade in der Lernphase für den Abschluss? Aber sicherlich erinnerst du dich selbst an Abschlüsse und Enden in deinem Leben. Dabei empfinde ich immer erst kurz etwas Erleichterung. Da fallen mir ja Stunden für mich aus. Da bin ich erst einmal dankbar für die Zeit, die ich jetzt gebrauchen kann, um auch mich auf die anstehenden Prüfungen vorzubereiten. Und ich gebe zu, einfach auch mal etwas mehr Freizeit nehme ich auch gerne mit, bevor wir Lehrkräfte dann das Abitur korrigieren, letzte Noten geben und auch einfach mitbangen mit unseren Schützlingen. Ein früherer Kollege verglich sich dabei einmal mit einem Fußballtrainer. Da hat man auch Angst, dass das auf einen zurückfällt, wenn die Mannschaft nicht in Topform ist oder sogar verliert. Aber ich schwanke da auch zwischen Loslassen sowie Vertrauen und Bangen oder Mitfiebern. Ich schwanke in der Zeit bis zu den Prüfungen zwischen Freiraum lassen und mich sorgen. Gott schwankt da nicht. Gott muss diese Perspektive nicht einnehmen, dass da etwas auf ihn zurückfallen könnte, wenn wir versagen. Er weiß, was wir können und was eben nicht und trotzdem ist er da. Gott trägt. Gott lässt aber auch los. Im richtigen Moment. Der DOMRADIO-Morgenimpuls: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken zu Gott und der Welt. Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen darüber, wie sie Glauben und Alltag miteinander verbinden. Im Radio um viertel nach 6 Uhr und als Podcast.

Wir hier im Konvent in Olpe haben zwei kleine Gärtchen. Eins hinterm Haus, das wir immer als Einsiedelei bezeichnet haben. Und eins gegenüber der Haustür auf der anderen Straßenseite. Und jetzt im Frühling, wo auch die Nachtfröste seltener werden, haben wir begonnen, den Garten aus dem Winterschlaf zu holen. Also, altes Laub vom Rasen entfernen, trockene Zweige und Blüten abschneiden und Unkraut jäten. Und dann fiel mir noch rechtzeitig ein, den Rhododendron und die Hortensiensträucher zu düngen. Also Spezialdünger kaufen, ein bisschen frische Erde dazu, ein bisschen einarbeiten und wässern. Dann kann dem Wachsen und Blühen nichts mehr entgegenstehen.Wie ist das eigentlich mit unserem Glauben und Leben als Christen? Lebst Du noch aus den Erkenntnissen Deines Kommunion– oder Firmunterrichts oder aus dem Reliunterricht in der Schule? Auch unser Glaube braucht neue Nahrung, um nicht in den Kinderschuhen stecken zu bleiben, zu verholzen, zu verkümmern oder abzusterben. Es gibt viele Möglichkeiten und die meisten sind gut erreichbar. Es ist gut mal andere Formen von Gottesdiensten mitzufeiern oder neue Gebetsformen auszuprobieren. Taizeabende oder Lichterfeiern sind daher sehr populär. Oder einen Exerzitienkurs oder Glaubensabende mitzumachen, damit man mal andere Themen des Glaubens hört und sich damit beschäftigt. Viele Bücher und auch Podcasts gibt es zu biblischen und Glaubensthemen und da sind AHA-Erkenntnisse vorprogrammiert. Heute kommt eine Studentin zu uns in den Konvent für ein geistliches Wochenende. Wir werden zusammen beten, in der Bibel lesen, Gottesdienste zusammen mitfeiern und uns, wie man so schön sagt, über Gott und die Welt austauschen. Und es wird viel stille Zeit dazwischen geben. Denn auch in Ruhe und Stille mit sich selbst und vor Gott kann sich der innere Mensch sortieren und neu ausrichten und hat wieder Kraft zum Wachsen und Blühen. Ich mag ein kleines Gebet von Pierre Olivaint sehr gern und gebe es Dir mit in den Tag. Es lautet:"Wachse, Jesus, wachse in mir: in meinem Geist, in meinem Herzen, in meiner Vorstellung, in meinen Sinnen.Wachse in mir mit deiner Milde, mit deiner Reinheit, mit deiner Demut, wachse in mir mit deinem Eifer und deiner Liebe.Wachse in mir mit deiner Gnade, mit deinem Licht und mit deinem Frieden.Wachse in mir zur Verherrlichung deines Vaters, zur größeren Ehre Gottes! Amen."

Es kommt nicht oft vor, dass eine große Krankenhausabteilung von einem Ort in eine andere Stadt in ein anderes Krankenhaus umzieht. Das ist hier in Olpe im November geschehen und eine gesamte Psychiatrische Fachklinik mit 4 Stationen, Tagesklinik, Krisencafe, neuen Therapieräumen und vielfältigen andere Angebote sind nach Lennestadt umgezogen. Mit einem Festakt in der Krankenhauskapelle wurde das Ganze nun offiziell eröffnet und unter Gottes Segen gestellt. Für mich das Spannende an diesem Nachmittag war, dass eine Fachärztin in einem Vortrag die Entwicklung der Behandlung von psychischen Erkrankungen im Laufe der Jahrhunderte vorgestellt hat. Von der Gleichbehandlung und weitgehenden Forschung zu diesen Krankheiten in der Antike über das Mittelalter bis heute gab es immer wieder wellenartige Entwicklungen. Während sehr offensichtliche körperliche Erkrankungen sehr viel Aufmerksamkeit bekamen, war die intuitive Angst vor dem Anderssein der psychisch Kranken zum Teil so groß, dass sie weggesperrt und wie Verbrecher behandelt wurden. Das ging von sogenannten Narrentürmen über die städtischen Irrenanstalten bis zu den Euthanasieprogrammen der Nazis im dritten Reich. Und ehrlicherweise sind wir selbst im Urteil oft auch heute nicht frei davon. Der Ortsbürgermeister hat erzählt, dass bei seinen Mitarbeiterinnen im Rathaus Unfallverletzungen, Krebserkrankungen oder anderer körperliche Erkrankungen von Kollegen alles Mitleid und liebevolle Fürsorge bekommen. Wenn aber ein Mitarbeiter wegen Depressionen erkrankt ist, nimmt man Abstand, flüstert hinterm Rücken und weiß nicht, wie man damit umgehen soll. Der Ortspfarrer hat zum Schluss den geistlichen Impuls gegeben und aus den Evangelien zitiert, wo es immer wieder darum geht, wie sich Jesus den Kranken, den Verwirrten und Verstoßenen zugewandt hat und betont, was Jesus immer deutlich gesagt hat: „Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken.“ Alle Kranken!

"Herr, öffne meine Lippen, damit mein Mund Dein Lob verkünde" - so beginnt bei uns im Konvent, wie in allen Klöstern weltweit, das erste Gebet am Morgen. Und wir machen dabei mit dem Daumen der rechten Hand ein Kreuz auf den Lippen. Zu Beginn meines Ordenslebens habe ich diese Geste also gelernt und vollzogen. Je länger ich aber im Kloster lebe, und das sind schon fast 45 Jahre, desto mehr mache ich mir Gedanken über diesen Anfang jeden Tages. Ich bitte Gott, mir die Lippen zu öffnen, damit ich überhaupt in der Lage bin, SEIN Lob zu verkünden. Es ist also nicht nur mein guter Wille, das jetzt zu tun, obwohl ich vielleicht müde oder erkältet, oder wie ich im Moment allergisch auf Pollen bin, oder ob ich vielleicht heute einfach keine Lust habe. Ich bitte Gott um seine Hilfe, dass aus meinem Mund sein Lob verkündet werden kann. Und ich denke immer mehr, dass es nicht nur für die 20 Minuten des Morgenlobes gilt, sondern den ganzen Tag.Das heißt aber, dass ich den ganzen Tag über das Lob Gottes verkünden kann. Nein, nicht den ganzen Tag laut Gebete sprechen, sondern eher: den ganzen Tag lang, alles was ich sage, zum Lob Gottes machen. Bei der Plauderei beim Essen, am Telefon, beim Mailen und bei Haustürgesprächen, beim Einkaufen und bei allem, was ich übern Tag tue.Wenn alles was ich sage, singe und tue, dazu dienen kann, das Lob Gottes zu verkünden, dann geht manches Dumme, Leichtfertige, Gehässige, Sinnlose vielleicht doch nicht mehr so leicht über meine Lippen. Und wenn ich daran denken kann, dass ich Gott gebeten habe, meine Lippen zum Lob zu öffnen, dann schließen ich meine Lippen vielleicht auch öfter mal, wenn das, was da raus will, nicht gerade seinem Lob dient. Bei Politikern und anderen Menschen öffentlichen Lebens merken wir ziemlich schnell, was für krudes Zeug sie von sich geben und wie böse und gemein und unklug vieles davon ist. Bei mir selbst merken ich es meist auch erst, wenn es raus ist und ich selbst erschrocken bin über Wortwahl und Inhalt.Es ist also ein guter Gedanke, für mich und Dich, dieses morgendliche: "Herr, öffne meine Lippen, damit mein Mund DEIN Lob verkünde."

Papst Leo XIV. hat sich auf den Weg gemacht nach Afrika und wird mehrere Länder besuchen, an einer Friedenskonferenz teilnehmen. Los geht es in Algerien. Dort gibt es nur einige tausend katholische Christen und der Islam ist Staatsreligion. Aber dort in Algerien begann das Leben und Wirken des Heiligen Augustinus, einer der großen Kirchenlehrer. In Algerien gründete Augustinus die erste christliche Mönchsgemeinschaft und verwandelte das Haus seines Vaters in einen Ort des Gemeinschaftslebens und der spirituellen Forschung. Man könne also sagen, dass das erste Kloster der Geschichte, das Haus des Vaters des Heiligen Augustinus gewesen ist. Und Papst Leo ist Augustinermönch und hat einige Jahre diesen weltweiten Orden geleitet. Mir war echt neu, dass Augustinus in seinem Elternhaus seine Gemeinschaft zusammengerufen, ein geistliches Leben und theologische und spirituelle Forschung angefangen hat. In den letzten Tagen hatte ich ein Video gesehen, dass eine Familie mit sieben Kindern über den Tag begleitet hat und die Kinder auf einem Touchpad immer ankreuzen konnten, was sie erledigt hatten. Das ging vom "Guten Morgen", über das Waschen, Kämmen und Zähneputzen, Frühstücken, einzelne Tätigkeiten im Haushalt, Schule, Kindergarten und so weiter. Und dann war ein Punkt: zusammen beten. Alle haben zusammen im Wohnzimmer gebetet und Gott für den Tag gedankt und für Mitmenschen Fürbitte gehalten. "Hauskirche" nannte man das früher und es ist und bleibt die Aufgabe von uns Christen, zusammen zuhause zu beten und Kinder und Enkel in diese Praxis zu begleiten. Kinder lernen durch Nachahmung. Wenn sie sehen und erleben, dass Eltern und Verwandte beten, dann wollen sie es auch lernen. In diesen Wochen sind Erstkommunionfeiern überall im Land und manchmal spürt man dabei, dass Kinder gewohnt sind, zu beten, Gebete vorzulesen und in Ruhe mitzufeiern. Vom Heiligen Augustinus stammt auch ein Wort, dass ich Dir gern in den Tag mitgeben will. Er sagt: "Bete, als hinge alles von Gott ab. Arbeite, als ob alles von dir abhinge."

Ich weiß nicht, wie es Dir geht. Ich habe manchmal ein Lied, einen Text, eine Melodie, die mir morgens nach dem Aufwachen aufploppt und mir den ganzen Tag in Kopf und Ohr und Herz herumsingt oder spricht. Es ist dann so, wie es im Deutschen heißt, ein Ohrwurm. Aber es ist eben mehr. Heute ist es ein Lied, dessen Text ich schon lange kenne, aber selten hatte ich das Gefühl, dass er besser passt als zur Zeit. Er gibt uns eine Zusage, die jede und jeder von uns immer wieder braucht und die uns hilft zum Leben, zum Glauben, zum Hoffen und zum Lieben. Er ist im Original von Paul Weißmantel. Und lautet:Ich bin daIn das Dunkel Deiner Vergangenheit und in das Ungewisse Deiner Zukunft,in den Segen Deines Helfens und in das Elend Deiner Ohnmachtlege ich meine Zusage: ICH BIN DA !In die Lichtblicke Deiner Hoffnung und in die Schatten Deiner Angst,in die Enttäuschung Deines Lebens und in das Geschenk Deines Zutrauenslege ich meine Zusage: ICH BIN DA !In das Spiel Deiner Gefühle und in den Ernst Deiner Gedanken,in den Reichtum Deines Schweigens und in die Armut Deiner Sprache lege ich meine Zusage: ICH BIN DA !Ref: In all Dein Sein, in Dein Fühlen und Denken, lege ich meine Zusage: ICH BIN DA!In die Fülle Deiner Aufgaben und in Deine leere Geschäftigkeit, in die Vielzahl Deiner Fähigkeiten und in die Grenzen Deiner Begabung lege ich meine Zusage: ICH BIN DA !In das Gelingen Deiner Gespräche und in die Langeweile Deines Betens, in die Freude Deines Erfolgs und in den Schmerz Deines Versagens lege ich meine Zusage: ICH BIN DA !In das Glück Deiner Begegnungen und in die Wunden Deiner Sehnsucht, in das Wunder Deiner Zuneigung und in das Leid Deiner Ablehnung lege ich meine Zusage: ICH BIN DA !In die Enge Deines Alltags und in die Weite Deiner Träumeund in die Kräfte Deines Herzens lege ich meine Zusage: ICH BIN DA!Ref: In all Dein Sein, in Dein Fühlen und Denken, lege ich meine Zusage: ICH BIN DA!Danke Gott für diese Zusage, die ich heute von Dir bekomme.

"Heute beginnt der Ernst des Lebens." Das hat mir vor ein paar Jahren einmal eine Großmutter erzählt, als ihr Enkel den ersten Tag in den Kindergarten ging. Vielleicht ein bisschen übertrieben, dachte ich damals. Schließlich geht es doch zunächst nur darum, spielerisch Neues zu entdecken, Freundschaften zu schließen und den Alltag ein bisschen selbstständiger zu gestalten. Vielleicht hat sich manch eine Großmutter auch heute Morgen am Weißen Sonntag dazu entschieden, ihrem Enkelkind genau das mitzugeben auf dem Weg zur Feier der Erstkommunion.Heute beginnt der Ernst des Lebens. Darin steckt vielleicht schon der Ernst des Lebens, immer wieder und in allen Lebensphasen, überall dort, wo wir etwas Neues beginnen, Verantwortung übernehmen und nicht genau wissen, wohin der Weg führt. Das gilt auch für die Erstkommunionkinder, die heute Morgen zum ersten Mal an den Tisch des Herrn treten. Studentinnen und Studenten stehen auch oft an einem solchen Punkt. Sie ziehen in eine neue Stadt und organisieren ihr Leben selbst, treffen Entscheidungen über Haushalt, Zeitplanung und die eigenen Ziele. Plötzlich merken sie, Freiheit und Verantwortung gehen Hand in Hand.Schritte ins Ungewisse kennen nicht nur Studierende. Wer einen neuen Job beginnt, in eine andere Stadt zieht, eine Familie gründet, der erlebt den Ernst des Lebens. Gerade an diesem Punkt ist Austausch wichtig, Begegnung und Gespräch, das Teilen von diesen Erfahrungen. All das hilft, die Herausforderungen des Lebens leichter zu tragen. Die Kinder, die heute Morgen zum Tisch des Herrn, zur Eucharistie treten, haben hoffentlich genau diese innere Freiheit, Ja zu sagen zu diesem Leben, das Gott ihnen heute verspricht. Ein Leben, in dem er mittendrin sein will. Das ist Freude, das ist aber natürlich auch Ernst des Lebens.Der heilige Thomas von Aquin, einer der großen Gelehrten des Mittelalters, fasste es einmal so zusammen: Für Wunder muss man beten, für Veränderungen aber arbeiten. Das ist der Ernst des Lebens. Verantwortung und Einsatz gehören zum Leben, getragen von der Hoffnung, Freude und der Bereitschaft, das Leben ernst zu nehmen, ohne es zu vergrämen, ohne daran zu verzweifeln. Dann wird aus der Verantwortung, die wir für unser Leben, für unseren Glauben übernehmen, eine Freiheit und ein Ernst des Lebens, der sich leicht tragen lässt, der uns herausfordert, aber eben auch erfüllt. So hoffentlich heute die Kinder, wenn sie zum Tisch des Herrn treten und Ja sagen und Amen sagen zu dem Gott, der in ihr Leben mit allem Ernst aber eben auch aller Freude hineintreten will. Heute beginnt der Ernst des Lebens.

In diesen Tagen freue ich mich einfach nur noch, weil nicht nur Ostern ist und das so ein wunderbares Fest und wirklich mein Lieblingsfest ist, sondern am Montag geht es in der Hochschulgemeinde in Düsseldorf auch wieder endlich los. Junge Menschen haben mit dem Studium begonnen und die kommen in der nächsten Woche dann schon zu uns. Und dabei weiß man ja: studieren, das heißt ganz besonders, sich auf etwas Neues einzulassen, Fragen zu stellen und vor allem nicht immer alle Antworten schon sofort zu haben.Mancher von denen, die da kommen, hat ein Studium begonnen, ohne genau zu wissen, wohin der Weg führt. Man ist wie auf einer Reise ohne Karte. Wohin es geht, was einem begegnet, das zeigt sich erst unterwegs. Esther kennt das gut. Sie ist im letzten Jahr ganz neu nach Düsseldorf gezogen, um Psychologie zu studieren. Alles ist neu, die Stadt, die Universität, die Menschen, und jeden Tag spürte sie ein kleines mehr Unbehagen, diesen Unterschied. Werde ich den richtigen Weg finden, werde ich Anschluss finden? Und sie ging jeden Tag die Schritte, die nötig sind, in den Hörsaal, in die Mensa, in den Austausch mit ihren Kommilitoninnen und Kommilitonen; Schritt für Schritt, ohne dass sie alles überblicken konnte.Eine ähnliche Bewegung ist ja die österliche Bewegung. Was wussten die Jünger schon nach der Auferstehung, in welche Richtung es jetzt weitergeht? Glaube ist feststehen in dem, was man erhofft, und überzeugt sein von Dingen, die man nicht sieht. So steht es im Hebräerbrief. Vertrauen darauf, dass Gott Wort hält, das macht bereit, neue Schritte zu wagen. Das ist österlich, nicht aus dem Pflichtgefühl, sondern aus der Erfahrung, dass Gott treu ist und mitgeht.Auch heute wagen auch junge Menschen solche Schritte des Vertrauens. In der Stadt Düsseldorf finden Studierende wie Esther den Weg in die Katholische Hochschulgemeinde, so auch sicherlich an ganz vielen anderen Orten in unserem Erzbistum in der Kirche. Sie bitten um Taufe, Firmung oder treten bewusst in diese Gemeinschaft ein. Es ist ein öffentliches Ja zu einem Weg, dessen Ziel sie noch nicht vollständig kennen, ein mutiger Schritt ins Ungewisse. Abraham, der große Urvater des Glaubens, hatte Folgen weit über sein Leben hinaus. Er wurde zum Vater vieler Völker.Auch unsere Schritte des Glaubens bleiben nicht ohne Wirkung. Jeder kleine Schritt des Vertrauens kann anderen Mut machen, selbst aufzubrechen, und wie bei Esther, unserer Studierenden, neue Begegnungen und Chancen entstehen zu lassen. Abraham konnte damals nicht ahnen, wie weitreichend sein Ja zu Gott sein würde. Die Jünger, die dem Auferstandenen begegnet sind, wussten es auch nicht. Aber eins ist klar: Warten wir nicht, bis alles klar und sicher ist, sondern vertrauen wir und gehen wir los. Gott geht mit.

Es ist tatsächlich erst eine Woche her, dass der Freitag Karfreitag hieß und wir uns erinnert haben an Leid und Tod Jesu in Verbindung mit Leid und Tod im Iran, im Libanon, in der Ukraine, in Gaza und und und. Und jetzt ist eine Woche später der Osterjubel noch präsent, die Erleichterung über einen, wenn auch noch so brüchigen, Waffenstillstand und die deutlichen Worte des Papstes gegen den Krieg und die irrsinnige Art, Waffen und Truppen und Kriege zu segnen.Hier sind noch die letzten Ferientage und wir hatten über Ostern Besuch und viele spannende Fragen und Gespräche über unser katholisches Verständnis der Kar- und Ostertage und der Rolle der Frauen in der damaligen Berichterstattung der Bibel und den so verschiedenen Berichten dazu. Herausragend ist natürlich dazu die Geschichte von Maria von Magdala, die den Auferstandenen als erste gesehen hat. Drei Schülerinnen unserer Franziskusschule hier in Olpe, haben dazu einen Text geschrieben und mir erlaubt, ihn vorzulesen:Gedanken von Maria aus MagdalaWer?Wer war er? der junge Mann im weißen GewandWer war er? der mich so erschreckt hatWer war er? dass er wusste, was mit Jesus geschahWer war er? dass er uns nach Galiläa gesandt hatWer war er? war er ein Engel, der die Botschaft der Auferstehung Jesu verkündeteWer war er? war er von Gott gesandtWer war er? war er Jesus von Nazareth selbstWer war ich? dass ich mich fürchteteWer war ich? dass ich einfach wegliefWer bin ich? dass ich niemandem davon erzählen will und es dann doch tue?Soweit der Text, aber soweit auch die Frage an mich und Dich an diesem Osterfreitag: Wer bin ich, die ich mich Christ nenne, wenn ich nichts davon erzähle? Oder erzähle ich doch davon in allem, was ich tue und lasse?

Ostern ist eine verrückte Sache. Nicht nur jetzt in Zeiten von Kriegen, abgedrehten Machthabern und blockierten Meeresengen. Ostern ist eine verrückte Sache. Ostern verrückt nämlich alles. Der Stein, die Grabplatte, als Endpunkt ist einfach weggerollt, weggerückt, weggeschoben. Ein junger Mann sitzt im Grab und bringt die Botschaft des Lebens. Sonst galt wenigstens eins als wirklich sicher: Tot ist tot. Noch nicht mal das gilt seit Ostern mehr. Der Tod ist weggerückt. Und die Botschaft heißt: Geh dahin, wo das Leben pulsiert. Da findest Du den Lebenden. Ostern verrückt unsere Erfahrungen – vom Tod zum Leben – von der Resignation zum Mut – von der Verzagtheit zum Neubeginn.Ostern will gegen jeden Augenschein auf Leben hoffen. Vielleicht tun sich deshalb selbst fast 40 Prozent aller Christen hier in Deutschland so schwer damit, an die Auferstehung zu glauben; vielleicht weil sie so wenig Hoffnung haben. Ostern ist das Fest des Unmöglichen. Es beginnt am Grab, dem Ort der Trauer, wo uns die geliebten Menschen zunächst genommen sind. Das Grab sagt: Das wars und bleibt als Ort der Erinnerung und wirkt wie der Augenschein des absoluten Endes. Aber selbst das leere Grab sagt absolut noch nichts. Die Ratlosigkeit und das Erschrecken bleiben noch lange. Die Jünger und Jüngerinnen sind ziemlich entsetzt und ratlos und wissen mit der Situation nicht umzugehen.Wir heutigen Christen singen oft so schnell und unbedarft das Halleluja und verstehen alle die nicht; die nicht glauben können. Ostern ist die Einladung nicht zum festhalten sondern zum glauben. Geh ins Leben zurück, nach Galiläa, ist die Botschaft an die Jünger. Geh dahin, wo die Zeichen des Lebens vorsichtig aufknospen. Entdecke die Zeichen des neuen Lebens: ein Neugeborenes, eine überstandene Krankheit, eine gelungene Versöhnung, eine Prüfung, die im dritten Versuch bestanden wird. Versuche dann ein zaghaftes, vorsichtiges Halleluja. Vielleicht wird es im Laufe der Zeit größer und kräftiger. Und selbst dann und trotzdem: Ostern ist und bleibt eine verrückte Sache.

Während einer Tagung hat eine Schwester im Morgenlob einen wundervollen Text vorgelesen, der so voller schöner, österlicher Bilder ist, dass ich ihn gerne heute in der Frühe lesen möchte. Er heißt im niederländischen Original "Opstanding" und ist von Jaap Zijlstra, ins Deutsche übersetzt von Katharina Kluitmann.AuferstehungAuferstehung ist ein großes Wort.Ich versuche, es kleiner zu sagen, Maßstab 1:10.000Auferstehung ist Wachwerden und die Drosseln rufen von den Dächernund die Raben von den Kanzeln: Jesus lebt!Auferstehung ist Luther, der nicht mehr dagegen ankam und in großen Buchstaben auf seine Tafel schrieb: "vivit" – Er lebt!Auferstehung ist meine Mutter, totgesagt von allen möglichen Ärzten und einem rasend schlauen Professor. Aber schau: Sie lebt, dreimal mehr als ein Hausspatz.Auferstehung ist eine Dauerwelle aus Blumen, ein Graben voll Leben. Besser kein Vogel in der Hand und zehn in der Luft.Auferstehung ist der Grabstein von Martin Luther King und darauf die Buchstaben:"Gott sei Dank, ich bin endlich frei!"Auferstehung ist Licht, das zurückkehrt zur Sonne, Regen zu den Wolken, Worte zurück in meinen Mund.Auferstehung ist ein Wunder, eine Verwunderung.Du reibst dir die Augen, es ist helllichte Nacht!Auferstehung ist ein Kichern von Licht. Die Augenwinkel kräuseln sich.Deine Augen gehen auf – und zu, von so viel Licht nach so viel Warum.