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Deutsch für Fortgeschrittene! In kurzen Episoden spricht Annik Rubens langsam über deutsche Themen. Es gibt auch einen Premium Podcast mit Lernmaterial! In this podcast, German podcaster Annik Rubens talks slowly about topics of everyday German life, from beergardens to recycling. More informatio…

Annik Rubens


    • Nov 10, 2021 LATEST EPISODE
    • monthly NEW EPISODES
    • 6m AVG DURATION
    • 249 EPISODES

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    Die deutschen Kolonien – SG #242

    Play Episode Listen Later Nov 10, 2021 10:29

    Was für eine komische Vorstellung: Nach Afrika fahren und dort die deutsche Sprache zu hören. Die europäischen Kulturen haben sich gerne in der ganzen Welt ausgebreitet. So auch Deutschland. Über die deutschen Kolonien spricht aber heute kaum noch jemand. Ich erzähle Dir etwas darüber. Was brauchte man, um eine Kolonie aufzubauen? Zunächst mal braucht man Schiffe, um überhaupt in die anderen Länder fahren zu können. Und natürlich politische Ziele, das eigene Land auszuweiten. Andere Länder wie England, Frankreich, Portugal und Spanien hatten beides und waren sehr erfolgreich mit ihren Kolonien. Deutschland nicht. Ein paar Versuche gab es, aber sie waren ohne Erfolg. Gut, eine einzige Kolonie schaffte es früh: 1683 wurde eine deutsche Festung in Ghana gebaut, um mit Gold und Sklaven zu handeln. Mehr passierte lange Zeit nicht. Gut, Deutschland war auch kein geeintes Land, sondern bestand aus vielen kleinen Einzelstaaten. Das war sicher ein Grund dafür. Erst 1871 wurde das Deutsche Reich gegründet - dazu gibt es mehr in der Slow German-Episode 172 zu Otto von Bismarck. In der Verfassung des Deutschen Reiches gab es nun auch einen Artikel über "die Kolonisation". Also war der politische Wille jetzt da. Schiffe hatte man mittlerweile auch. Reichskanzler Otto von Bismarck war aber nicht begeistert vom Gedanken der Kolonien. Die Kosten für so eine Kolonie würden oft den Nutzen übersteigen, sagte er. Und die deutsche Marine sei noch nicht weit genug entwickelt. Statt ganze Länder zu kolonialisieren, baute Deutschland einzelne kleine Stützpunkte auf. 1868 wurde ein deutsches Marine-Krankenhaus in Japan gebaut, es gab Stützpunkte in China und Japan für die deutschen Schiffe und Marinesoldaten. Später dann auch in Afrika. Im Deutschen Reich fanden immer mehr Menschen den Gedanken von deutschen Kolonien reizvoll. Es wurden Vereine gegründet, viele Menschen wollten auswandern. Nach der Reichsgründung im Jahr 1871 wanderten pro Jahr ungefähr 200.000 Menschen aus - viele von ihnen nach Amerika. Aber immerhin einige Zehntausend zogen auch in die neuen Kolonien in Afrika. 1884 gab es dann eine aus heutiger Sicht skurrile Konferenz in Berlin: Bei der "Kongo-Konferenz" verhandelten die USA, Deutschland und das Osmanische Reich darum, welche Bereiche Afrikas sie unter sich aufteilen könnten. Viel war nicht übrig, weil andere Länder sie schon kolonialisiert hatten. Der Rest wurde dann also verteilt. Die afrikanische Bevölkerung wurde nicht nach ihrer Meinung gefragt. Und so reisten einige Kolonialherren nach Afrika und nahmen sich das Land - entweder sie kauften es für wenig Geld oder sie nahmen es sich mit Gewalt. So lief es oft ab: Privatmenschen, das waren meistens Kaufleute, gingen ins Ausland. Dort bauten sie sich etwas auf und baten dann Deutschland um Schutz. Bismarck nannte die Kolonien daher auch lieber "Schutzgebiete". Deutsch-Südwestafrika war das heutige Namibia, Deutsch-Ostafrika war im heutigen Tansania, Burundi und Ruanda. Man schickte Polizisten und Beamte in die neuen Kolonien, baute Schulen, Kirchen und Kultureinrichtungen. Auch christliche Missionare waren unterwegs, um die Menschen in Afrika vom christlichen Glauben zu überzeugen. Was gab es noch? In Afrika noch Togo und Kamerun. Im Pazifik Deutsch-Neuguinea und Deutsch-Samoa. Dort baute man Kaffee, Kakao und Kokosnüsse an. In den Kolonien gab es nunmal viele Dinge, die es in Deutschland nicht gab - für den Handel waren sie also sehr interessant. Einen Gewinn brachten die Kolonien aber dennoch nicht. Trotzdem war 1884 das deutsche Kolonialreich nach dem britischen und französischen flächenmäßig das Größte. Ein geflügeltes Wort wurde der Ausspruch des späteren Kanzlers Bernhard von Bülow. Er forderte einen "Platz an der Sonne". Es wurden nur noch kleine Bereiche in China erworben und ein paar kleine Inseln. Ich möchte hier auch nicht alle Gebiete aufzählen, denn darum geht es nicht. Wichtiger ist, was eigentlich der Gedanke hinter diesen Kolonien war....

    Bundestagswahl 2021 in Deutschland – SG #241

    Play Episode Listen Later Sep 14, 2021

    In Deutschland gibt es momentan nur drei Themen: Die Corona-Pandemie, die Klimakrise und die Bundestagswahl. Am 26. September wird in Deutschland gewählt, und diese Wahl ist etwas Besonderes. Denn danach haben wir einen neuen Kanzler - oder eine neue Kanzlerin. Überall hängen Wahlplakate, im Fernsehen laufen zahllose Politik-Sendungen, und sogar Kinder diskutieren über das Thema, wie ich letztens gehört habe. Jeder deutsche Staatsbürger und jede deutsche Staatsbürgerin darf ab dem Alter von 18 Jahren wählen. Über das Wahlalter wird übrigens diskutiert - manche Parteien möchten auch jüngeren Menschen erlauben, an Wahlen teilzunehmen. Bis jetzt liegt die Grenze aber bei 18 Jahren. Zum ersten Mal dürfen bei dieser Bundestagswahl auch behinderte, schuldunfähige und psychisch kranke Menschen teilnehmen - das hat das Bundesverfassungsgericht 2019 beschlossen. Das sind immerhin 85.000 Deutsche. Blicken wir mal zurück zur letzten Bundestagswahl. Die fand 2017 statt. Damals wählten 76,2 Prozent aller Menschen, die wahlberechtigt waren. Man kann auch sagen: Die Wahlbeteiligung lag bei 76,2 Prozent. Gewonnen hat damals die Union, das sind die beiden Parteien CDU und CSU, mit 32,9 Prozent. Danach kam die SPD mit 20,5 Prozent, die AfD mit 12,6 Prozent, die FDP mit 10,7 Prozent und die Linke mit 9,2 Prozent. Die Grünen waren damals bei 8,9 Prozent. Das bedeutete, dass die AfD zum ersten Mal in den Bundestag kam. Dafür muss eine Partei nämlich über die sogenannte 5-Prozent-Hürde kommen. Mehr zum politischen System gibt es übrigens in Folge 31 von Slow German. Ihr habt es schon ausgerechnet: Eine absolute Mehrheit hatte die Union damals nicht. Also musste sie sich sozusagen einen Partner suchen. Man nennt das "Sondierungsgespräche". Da sprechen die Politiker und Politikerinnen verschiedener Parteien miteinander um zu sehen, ob eine Kooperation möglich ist. Vier Wochen dauerte das. Letzten Endes wurde es eine sogenannte Große Koalition, also eine Regierung aus SPD und Union. Soviel zum Rückblick. Kanzlerin blieb Angela Merkel, die diesen Job seit 2005 macht. Bei der diesjährigen Bundestagswahl sieht die Sache etwas anders aus. Angela Merkel hat gesagt, dass sie nicht mehr Kanzlerin sein möchte. Also streiten sich gerade drei Menschen in Deutschland darum, wer der beste Kanzler oder die beste Kanzlerin wäre. Man nennt sie Kanzlerkandidat und Kanzlerkandidatin. Für die SPD tritt Olaf Scholz an, er war Bürgermeister von Hamburg und ist jetzt Finanzminister. Für die Union geht Armin Laschet ins Rennen, der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. Und für die Grünen tritt Annalena Baerbock an, sie wäre mit 40 Jahren die jüngste Kanzlerin, die Deutschland je hatte - und die einzige mit Kindern. Diese drei liefern sich nun also Fernseh-Debatten, sie geben unzählige Interviews und machen Wahlkampf. Es gab kleine und größere Skandale - und wir sind gespannt, wer gewinnt. In der aktuellen Umfrage zwei Wochen vor der Wahl führt die SPD, gefolgt von der Union und den Grünen. Es gibt aber natürlich weitaus mehr Parteien als die genannten. Insgesamt machen 47 Parteien bei der Bundestagswahl mit, es ist also ein sehr langer Zettel, auf dem wir unsere beiden Kreuzchen machen dürfen. Ich kann das bestätigen, denn ich habe schon per Briefwahl gewählt. Normalerweise gehe ich in das nächste Wahllokal, um dort zu wählen. Bei uns hier ist das in der Grundschule, ich habe aber auch schon im Gebäude einer Feuerwehr-Station gewählt. Dieses Mal muss ich am Wahlsonntag arbeiten, also habe ich per Briefwahl gewählt. Ich konnte zwei Stimmen abgeben: Die Erststimme und die Zweitstimme. Bei der Erststimme standen die Kandidaten und Kandidatinnen, die hier bei mir in der Region für ihre Parteien antreten. Es gibt in Deutschland 299 Wahlkreise, in jedem leben ungefähr 250.000 Menschen. Und mit meiner Erststimme habe ich also einen Menschen aus meinem Wahlkreis gewählt. Wer die meisten Stimmen in einem Wahlkreis bekommt,

    Homosexualität in Deutschland – SG #240

    Play Episode Listen Later Aug 4, 2021 10:42

    In den vergangenen Monaten wurde in Deutschland viel über Homosexualität gesprochen. Der Grund war vor allem die Fußball-Europameisterschaft. München wollte zum Beispiel sein Fußballstadion in den Regenbogenfarben beleuchten, als die deutsche Mannschaft gegen Ungarn spielte. Um ein Zeichen der Toleranz zu setzen. Es wird also Zeit, auch dieses wichtige Thema in Slow German zu besprechen. Fangen wir mal wieder bei den Nationalsozialisten an. Während der Nazi-Zeit wurde männliche Homosexualität als kriminell gehandhabt. Wer erwischt wurde, konnte vor Gericht oder gleich im Konzentrationslager landen. Bis 1945 wurden wohl 50.000 Männer verurteilt. Viele wurden in den Lagern getötet. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg wurden homosexuelle Männer verurteilt. Denn im Strafgesetzbuch gab es den Paragrafen 175 - der bis 1969 in der Nazi-Fassung galt. Danach war schon ein Zungenkuss zwischen Männern strafbar. Und das führte natürlich auch dazu, dass es eine moralische Verurteilung gab. In der Gesellschaft galt es also als nicht normal, wenn sich zwei Männer liebten. Natürlich wurde von einigen Menschen gegen dieses Gesetz gekämpft. Lange Zeit aber ohne Erfolg. Als Grund nannte man unter anderem die Verführungstheorie. Die Menschen hatten damals also Angst, dass Jugendliche zur Homosexualität verführt werden könnten. Das bedeutet, dass sie Angst hatten, Jugendliche könnten plötzlich schwul werden. Diese Theorie wurde weiter verbreitet, obwohl sie wissenschaftlich längst widerlegt war. 1985 gab es dann eine neue Partei, sie nannte sich "Die Grünen". Diese Partei stellte zum ersten Mal den Antrag, den §175 zu streichen. Die CDU/CSU weigerte sich aber lange. Das ist auch verständlich, denn das "C" in den Namen dieser Parteien steht für "christlich". Und die Kirche hat natürlich ein Problem mit Homosexualität. Ich spreche hier erstmal für Westdeutschland, denn Du weißt ja, dass Deutschland nach dem Krieg getrennt war in die BRD im Westen und die DDR im Osten. Und die DDR war in dieser Sache fortschrittlicher als die BRD: Homosexuelle Handlungen unter Erwachsenen waren dort seit 1968 nicht mehr strafbar. Die Entwicklung in den folgenden Jahren ging so weit, dass Jugendliche immer besser vor sexuellen Handlungen geschützt werden sollten - egal ob homo- oder heterosexuell. Und dann kam die Wiedervereinigung. Beide Seiten mussten sich in vielen Punkten einig werden, um ein Land zu werden. Auch in Sachen Homosexualität. Was also tun? Entweder auch in der DDR wieder zurück zu Strafbarkeit - oder in der BRD lockerer werden. Zunächst mal einigte man sich gar nicht. Man diskutierte lieber. 1994 beschloss endlich der Bundestag die Streichung des Paragraphen. Nächster Schritt: Die sogenannte Homo-Ehe. Erstmal gab es so ein Mittelding, das nannte sich "Eingetragene Lebenspartnerschaft". Die gab es ab 2001. Seit 1. Oktober 2017 dürfen in Deutschland nun aber auch zwei Frauen oder zwei Männer richtig heiraten. Im Bürgerlichen Gesetzbuch steht dazu: "Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen". Das ist also alles noch relativ frisch - und das war jetzt auch alles nur die historische oder gesetzliche Seite. Kommen wir zu unserer Gesellschaft. Ist es "ganz normal", in Deutschland schwul oder lesbisch zu sein? Ich glaube, so weit sind wir noch nicht. Es gibt große Unterschiede, was die Region angeht. Die Städte sind in der Regel durch ihre Anonymität offener und aufgeschlossener. In vielen Städten gibt es Straßen oder Viertel, in denen sich viele Bars und Clubs angesiedelt haben, die gerne von Homosexuellen besucht werden. In diesen Gegenden ist es ganz normal, zum Beispiel Männer zu sehen, die Händchen halten. Manchmal gibt es auch spezielle Ampelmännchen, die zwei Frauen oder zwei Männer zeigen mit einem Herzchen dazwischen. Auf einem bayerischen Dorf würden sich allerdings viele Menschen nach einem homosexuellen Paar umdrehen und das nicht unbedingt für normal halten.

    Adele Spitzeder – Schauspielerin, Sängerin, Betrügerin – SG #239

    Play Episode Listen Later Jul 15, 2021 7:41

    Es gibt ein Bild von Adele Spitzeder. Da ist sie sehr züchtig gekleidet, mit einem hohen Kragen und einer Brosche am Hals. Um den Hals trägt sie ein großes Kreuz, die Frisur ist akkurat gescheitelt. 1832 wurde Adele Spitzeder in Berlin geboren. Sie war Schauspielerin und Sängerin - und vor allem war sie eine großartige Betrügerin. Ich erzähle Dir heute ihre Geschichte. Ihr Leben fing prunkvoll an. Ihre Eltern waren Sänger und Schauspieler und schickten die Tochter auf teure Privatschulen. Sie wurde selbst auch Schauspielerin und trat auf verschiedenen Bühnen auf. Anstatt in einer Wohnung zu wohnen, lebte die Spitzeder in Hotels. Eine Angestellte kümmerte sich um sie. Adele hatte sechs Hunde und eine Lebensgefährtin. Das alles kostete natürlich viel Geld - und die Einnahmen aus der Schauspielerei waren nicht hoch. Sie war kein Star. Also musste Adele sich etwas ausdenken, um an mehr Geld zu kommen. Sie begann mit Geldgeschäften. Sie versprach einem Zimmermann zehn Prozent Zinsen im Monat. Das machte der Mann natürlich sofort, es war ein gutes Geschäft für ihn. Er gab Adele also 100 Gulden und bekam dafür jeden Monat 10 Gulden Zinsen. Und zwar bar auf die Hand und zwei Monate im Voraus. Das war damals alles unüblich. Der Mann erzählte anderen Leuten von diesem Geschäft und so konnte Adele immer neue Kunden begrüßen. Sie konnte ihre eigenen Schulden endlich abbezahlen. Gemeinsam mit ihrer damaligen Lebensgefährtin gründete sie eine Bank in München. Die "Spitzedersche Privatbank" wurde immer größer und erfolgreicher. Später hieß sie "Dachauer Volksbank". Adele konnte sich sogar ein eigenes großes Haus kaufen. Hinter den Kulissen herrschte das Chaos. Das Geld war in Säcken verstaut und lag zum Teil einfach so in ihrer Wohnung herum. Es gab keine ordentliche Buchführung, und aus heutiger Sicht kennen wir solche Betrügereien als Ponzi-System oder Schneeballsystem. Adele hatte sich ein kluges System ausgedacht, das sie reich machte. Sie gab Journalisten Geld, damit diese positiv über die Bank schrieben. Sie zahlte hohe Provisionen und verteilte großzügige Spenden. Sie war beliebt bei den Menschen und hatte einen guten Ruf, sie kümmerte sich sogar um die Armen. Adele Spitzeder war eine beeindruckende Erscheinung, vielleicht auch wegen ihres schauspielerischen Könnens. Die Menschen vertrauten ihr. Sie hatte zu ihrer besten Zeit 83 Angestellte. Adele Spitzeder fing auch an, mit Immobilien zu handeln. Lange ging der Betrug gut und niemand kam ihr auf die Schliche. Zwei Jahre lang konnte sie ihre Bank betreiben. Insgesamt 32.000 Menschen legten ihr Geld dort an, für umgerechnet 400 Millionen Euro. Es waren meist Handwerker oder Bauern, die selber nicht viel Geld hatten. Adele Spitzeder tat das nicht, weil sie böse war. Sie war in das Geldgeschäft hineingerutscht. Immer wieder fragte sie Anwälte, ob ihr Tun legal war. Die Anwälte sagten ja. Adele hatte also eine Grauzone entdeckt und diese für sich ausgenutzt. Sie sagte den Menschen auch immer, dass sie keine Sicherheiten bieten könne. Aber das war denen egal, sie sahen nur die hohen Gewinne. Aber wie wir wissen geht so etwas meistens nicht lange gut. Es gab Menschen, die den Schwindel erkannten. Als 60 Gläubiger sich ihr Geld gleichzeitig auszahlen lassen wollten, brach die Bank von Adele Spitzeder zusammen. Kurz darauf wurde sie wegen Betrugs verhaftet und kam ins Gefängnis. Allerdings nur gut drei Jahre lang. Viele Bürger sahen ihr Geld nie wieder, manche von ihnen begingen sogar aus Verzweiflung Selbstmord. Ganze Gemeinden hatten bei Spitzeder Geld investiert und waren nun pleite. Heute könnte so etwas nicht mehr so leicht passieren, weil es viele Aufsichtsgremien gibt. Außerdem ist es heute Pflicht, eine Buchführung vorweisen zu können. Und was geschah mit Adele Spitzeder? Nach dem Gefängnisaufenthalt ging sie ins Ausland, kehrte dann aber nach München zurück. Sie veröffentlichte ihre Memoiren, also ein Buch über ihr Leben. Sie versuchte noch einmal,

    Was wären wir ohne Internet? SG #238

    Play Episode Listen Later Jun 22, 2021 7:14

    Vor einigen Wochen hatten wir knapp 24 Stunden lang kein Internet und kein Telefon. An diesem Tag haben wir als Familie gemerkt, wie abhängig wir mittlerweile von dieser Technologie sind. Du auch? Es fing mit der Unterhaltung an. Ich höre gerne und viele Podcasts - am Freitag immer einen Kinopodcast der BBC. Diesen konnte ich nicht herunterladen. Naja, das war natürlich nicht schlimm, aber ich dachte mir: Ok, dann höre ich eben Musik. Ich höre Musik mittlerweile immer über Spotify - auch das ist ein Internetdienst und war demzufolge nicht verfügbar. Kein Podcast, keine Musik. Auch kein Hörbuch von Audible, denn ich hatte keines heruntergeladen. Nichts zu hören! Selbst das Radio streamen wir heute über das Internet. CD-Player oder Schallplattenspieler haben wir nicht mehr. Nur ein DAB-Radio im Bad konnte uns helfen, kurz die Nachrichten zu hören. Mein Sohn konnte nicht Minecraft spielen, sein Tablet war nutzlos. Eine neue Episode Slow German machen oder ein neues Video für YouTube - auch nicht möglich. Am Abend wollten wir einen Film sehen, aber auch da wurde uns klar: Unsere Fernsehgewohnheiten haben sich geändert. Während wir früher einfach das sahen, was gerade im Live-Fernsehen kam, schauen wir heute nur noch über Netflix oder Amazon Prime und all diese Dienste fern. Wir schauen gezielt Filme oder Serien im Stream. Auch das war ohne Internet nicht möglich. Die Mediatheken der großen Sender waren ebenfalls lahmgelegt. Also blieb nur das Live-Fernsehen, und das war an diesem Abend langweilig. Für mich alles kein Problem, denn ich bin eine Leseratte. Mein Buch funktionierte auch ohne Strom und Internet. Das von meinem Sohn auch. Aber mein Mann surft gerne abends im Internet, er liest viel auf dem iPad - ihm war also langweilig. Der nächste Tag brachte dann noch mehr Probleme mit sich.Ich fange morgens immer an, erstmal eine halbe Stunde Yoga zu machen. Ich nutze dafür eine App, die mir die Asanas zusammenstellt. Ohne Internet konnte diese App nichts laden. Auch meine Meditations-App funktionierte natürlich nicht. Meine Arbeit ist komplett unmöglich ohne das Internet. Zum einen habe ich Konferenzen mit meinen Kolleg:innen, meistens über Microsoft Teams oder Zoom. Das war ohne Internet nicht möglich. Außerdem ist mein Job ja, dass ich als Community Managerin oder Social Media Managerin arbeite - aber Facebook, Instagram, Twitter und YouTube sind Dienste im Internet. Ich musste an diesem Tag also aufgeben und konnte nicht arbeiten, denn auch Mails erreichten mich nicht. Alleine anzurufen und meinem Chef zu sagen, dass ich kein Internet habe, war schwierig - denn normalweise rufe ich ihn über Teams an oder ich schaue in Teams nach seiner Telefonnummer. Jetzt musste ich sie anders herausfinden. Auch die Videokonferenz mit meinen Eltern konnte nicht stattfinden, der Kontakt zu Freunden und Familie in Zeiten der Pandemie war abgebrochen. Unsere Bestellung bei einem Lieferdienst für Bio-Lebensmittel war nicht möglich, denn auch die geht immer über das Internet. Ich konnte keine neuen Bücher für meinen Sohn bestellen, denn auch das mache ich bei einem sozialen Buchversand über das Internet. Keine neuen Klamotten kaufen, kein Lego, kein Geschenk für den nächsten Kindergeburtstag. Das Internet hat sich mittlerweile in so viele unserer Lebensbereiche eingeschlichen! Wir sind abhängig von Online-Banking und Online-Shopping, Online-Arbeit und Online-Homeschooling. Gut, ich gebe zu, ich habe hier etwas übertrieben. Denn natürlich habe ich sofort einen Hotspot über mein Handy eingerichtet und die wichtigsten Dinge dann über meinen mobilen Datentarif gemacht. Aber dennoch haben diese 24 Stunden uns die Augen geöffnet. Unser Leben hat sich in den vergangenen Jahren sehr geändert. Es ist normal geworden, eine gute Datenverbindung zu haben und Filme ohne Ruckeln im Stream anzusehen. Dabei ist Deutschland übrigens gar nicht so gut im Vergleich mit anderen Lländern! Was die Datenrate angeht ist Deutschland derzeit auf dem 31.

    Das Schloss Neuschwanstein – SG #237

    Play Episode Listen Later Jun 16, 2021 6:56


    Auf besonderen Wunsch von Zuzka erzähle ich Dir heute etwas über das wahrscheinlich berühmteste Gebäude in ganz Deutschland: das Schloss Neuschwanstein. Wenn Du es auf der Karte suchen möchtest, dann liegt es im Süden von Deutschland, genauer gesagt in Bayern. Noch genauer gesagt im Allgäu, bei Füssen. Es ist ein Märchenschloss, das jedes Jahr viele Touristen anlockt. Es ist übrigens gar nicht so alt, wie Du vielleicht denkst - erst im Jahr 1869 begann der Bau. Aber ich erzähle Dir lieber die ganze Geschichte. Hauptfigur in dieser Geschichte ist König Ludwig II. Ich habe schon eine Episode über ihn und seine Cousine Sissi gemacht. Er war jung und extravagant. Er liebte Richard Wagner. Und als sein Großvater starb, hatte Ludwig plötzlich eine Menge Geld zur Verfügung. Also baute er sich ein Schloss. Er wollte weg von München, er wollte in Ruhe leben und sich zurückziehen. Der Ort war schnell gefunden: In der Nähe war bereits ein anderes Schloss, das Schloss Hohenschwangau. Es diente als Sommerresidenz seiner Mutter. Er kannte die Gegend also seit seiner Kindheit. Ein Münchner Theatermaler lieferte also die Vorlage einer romantischen Ritterburg. Ein Architekt setzte die Idee dann um. Ein einfacher Chef war der König sicher nicht, denn er ließ sich alle Pläne genau vorlegen und setzte seine Ideen durch. Er hatte immer neue Wünsche, das Schloss wurde immer größer - und immer teurer. Aus dem kleinen Arbeitszimmer wurde ein großer Thronsaal. 1869 begann der Bau, hoch oben auf einem Felsen.Das Gebäude hat Türme und Giebel, Balkone, Zinnen und viele Schnörkel und Skulpturen. 200 Handwerker arbeiteten hier jeden Tag, sie verbauten 465 Tonnen Marmor, 1550 Tonnen Sandstein, 400.000 Ziegelsteine und 2050 Kubikmeter Holz. Das Geld wurde knapp, Ludwig bezahlte das Schloss aus der eigenen Tasche, er verschuldete sich und musste Kredite aufnehmen. Ab 1884 konnte er endlich darin wohnen. Leider starb er zwei Jahre später, er war also nur 172 Tage lang im Schloss, das immer noch nicht fertig war, sondern eher einer Baustelle glich. Fertig sah er es nie. Statt der 3,2 Millionen Mark wie zu Beginn geplant kostete es bis zu seinem Tod fast 6,2 Millionen Mark. Das liebe Geld spielt leider eine große Rolle in dieser tragischen Geschichte: Weil der König so viele Schulden hatte, wurde er entmündigt und für Regierungsunfähig erklärt. Er musste das Schloss verlassen. Einen Tag später ertrank er im Starnberger See. Der König selbst wollte nicht, dass das Schloss für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Sechs Wochen nach dem Tod war es aber so. Die Menschen, die ins Schloss wollten, bezahlten Eintritt. So konnten die Schulden des verstorbenen Königs langsam beglichen werden. Nachdem 1918 die Republik ausgerufen wurde und es also keine Könige mehr in Bayern gab, gehörte das Schloss dem Staat. Und so ist es auch heute noch. Die beiden Weltkriege überstand es zum Glück ohne Schaden. Heute ist das Schloss ein Touristenmagnet, pro Jahr kommen ungefähr 1,5 Millionen Menschen hierher. Wenn ich Besuch von Verwandten aus den USA haben, wollen sie auch alle dieses berühmte Schloss sehen. Es ist nicht idyllisch oder romantisch, sondern es sind überall lange Warteschlangen und unglaublich viele Menschen dort. Zumindest im Sommer. Ich erinnere mich an meinen letzten Besuch. Erst wanderten wir die Straße nach oben und wurden dabei von Kutschen überholt, die von Pferden gezogen wurden. Oben gab es dann drei verschiedene Warteschlangen, für japanische, englischsprachige und deutschsprachige Touristen. Drinnen ist es für meinen Geschmack absolut kitschig - viel Gold und einfach zu viel von allem. Cool finde ich allerdings das Tischlein-deck-dich. Damit der König beim Essen keine Diener sehen musste, wurde der Esstisch durch den Boden in ein anderes Stockwerk gefahren, dort gedeckt und dann wieder zu ihm gefahren. So konnte er in Ruhe essen. Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg237kurz.pdf


    Garten und Balkon in Deutschland – SG #236

    Play Episode Listen Later May 11, 2021 8:32

    Langsam kommt der Frühling. Ich sage langsam, weil es dieses Jahr wirklich lange dauert. Immer wieder war es in der Nacht sehr kalt. Die Bäume haben immer noch keine Blätter. Es gab zwar schon Tage, an denen ich im T-Shirt auf der Terrasse sitzen konnte, aber dann musste ich auch wieder meine Winterjacke rausholen, weil es nachts -6 Grad hatte und es tagsüber schneite. Aber so ist eben das typische April-Wetter. Es gibt einen Spruch dazu, der lautet: April, April, der weiß nicht was er will. Sobald es etwas wärmer wird, arbeiten die Menschen in Deutschland im Garten oder auf ihrem Balkon, um alles wieder schön zu machen. Die ersten Blumen, die sich im Frühjahr zeigen, sind Krokusse und Schneeglöckchen. Nach dem langen Winter freut man sich sehr, ein paar Farbtupfer zu sehen! Denn der Winter ist in Deutschland sehr farblos. Die Bäume verlieren alle ihr Laub, das Gras wird braun oder gelb, die Büsche sind ebenfalls ohne Blätter. Bei uns im Garten gibt es violette und weiße Krokusse, gelbe Narzissen und bald kommen auch die Tulpen hervor. Das sind alles typische Frühlingspflanzen. Weil dieses Jahr so lange Winter ist, gibt es im Supermarkt schon länger Tulpen zu kaufen - so kann man sich den Frühling wenigstens ins Wohnzimmer holen. Wie geht es weiter im typisch deutschen Garten? Normalerweise gibt es eine Rasenfläche, die regelmäßig gemäht werden muss. Viele Familien haben auch Mähroboter, die diese Arbeit erledigen. Ich mache das lieber noch per Hand. Das Gras lasse ich im Garten länger stehen, ich mähe erst ab Juni, damit die Insekten noch Blüten finden. Als Umrandung haben viele deutsche Gärten einen Zaun und eine Hecke. Die Hecke ist oft so dicht und so hoch, dass man nicht in das Grundstück blicken kann. Wer etwas für die Tiere tun möchte, hat eine Vogeltränke im Garten, also ein kleines Becken, aus dem die Vögel trinken können oder in dem sie auch baden können, wenn es heiß ist. Forsythie Auf älteren Grundstücken stehen oft noch hohe Bäume, manchmal Birken, oft Kiefern oder Buchen. Da die Grundstücke immer kleiner werden, ist mittlerweile dafür kaum noch Platz. Wir haben im Garten drei kleine Fliederbüsche, die in unterschiedlichen Farben blühen. Einen Baum haben wir nicht. Magnolien sind auch sehr beliebt in Deutschland, entweder als Strauch oder als Baum. Sie blühen ebenfalls im Frühling. Jetzt kommen wir zu zwei Trends, die ich hier in meiner Umgebung beobachte. Trend Nummer eins: Viele Menschen haben keine Lust auf Gartenarbeit und legen sich daher einen sogenannten Schottergarten an. Das sieht im besten Fall japanisch und edel aus - meistens sieht es aber nur schrecklich tot aus. Insekten finden hier kaum Lebensraum. Daher haben manche Gemeinden und Städte diese Art von Gärten verboten. Es soll grün sein im Garten und nicht steinig. Der zweite Trend geht in Richtung Ernährung: Viele Menschen bauen ihr eigenes Obst und ihr eigenes Gemüse an. Oft werden dazu sogenannte Hochbeete angelegt. Das sind große Holzkisten, in denen dann oben der Salat wächst. Das ist praktisch, weil man sich zum "garteln", wie wir hier in Bayern sagen, also zur Arbeit im Garten, nicht bücken muss. Und Schädlinge wie Schnecken haben es auch schwerer. Angebaut werden gerne Tomaten, Paprika, Gurken, Salat, Karotten, Zucchini und Radieschen. Apfelbaum Ich habe ein anderes Hobby: Ich habe letztes Jahr mit meinem Sohn angefangen, Bonsai zu gestalten. Wir haben heimische Bäume im Miniformat. Also zum Beispiel einen kleinen, blühenden Apfelbaum - ein Foto stelle ich Dir auf slowgerman.com. Wir haben Ahorn, Buche, Eiche und viele andere Mini-Bäumchen. Es ist ein tolles Hobby. Die Bäume haben im Winter geschlafen, und jetzt fangen sie langsam wieder an zu leben. Das ist faszinierend und es macht uns noch ungeduldiger, dass endlich der Frühling kommen soll. Wer übrigens keinen eigenen Garten hat, der zieht oft Obst und Gemüse oder andere Pflanzen auf seinem Balkon. Dafür gibt es extra Balkonkästen,

    Siegfried und Roy, Magier in Las Vegas – SG #235

    Play Episode Listen Later Apr 28, 2021 7:38

    Im Januar ist Siegfried Fischbacher gestorben. Letztes Jahr starb Roy Horn an Covid-19. Berühmt wurden sie nicht einzeln, sondern zusammen: Als das großartige Zauberer-Duo Siegfried und Roy. Ich möchte Dir heute ihre Geschichte erzählen. Siegfried Fischbacher wurde hier in Bayern geboren, und zwar im Jahr 1939, also zu Beginn des Zweiten Weltkrieges. Sein Vater geriet in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Als er zurückkehrte, war er Alkoholiker. Als Siegfried acht Jahre alt war, begann er mit kleinen magischen Kunststücken und versuchte so, die Aufmerksamkeit seines Vaters zu bekommen. Er wurde zum Weber und zog mit 17 Jahren nach Italien an den Gardasee. Dort arbetiete er als Kellner. Mit 20 Jahren heuerte er auf einem Passagierschiff namens „Bremen“ an. Roy Horn hieß eigentlich Uwe Ludwig Horn. Er wurde 1944 in Niedersachsen geboren, war also 5 Jahre jünger als Siegfried. Mit 13 Jahren brach er die Schule ab und begann auf dem gleichen Schiff zu arbeiten - auf der „Bremen“. Dort lernten sich die beiden jungen Männer kennen. Eigentlich sollten sie beide auf dem Schiff als Kellner arbeiten, aber sie liebten Zaubertricks. Also unterhielten sie damit die Passagiere. Der Kapitän des Schiffes bekam das mit und ordnete an, dass die beiden Jungs gemeinsam als Zauberkünstler auftreten sollten. Roy hatte sein „Haustier“ Chico an Bord geschmuggelt, einen Gepard. Der durfte nach einiger Zeit auch mit auftreten. Der Anfang ihrer Karriere. Vier Jahre später gingen Siegfried und Roy von Bord und traten in deutschen Theatern auf. Danach ging es auf Tournee durch Europa. In Monte Carlo traten sie vor Fürstin Gracia Patricia auf - besser bekannt als Grace Kelly. Das war ihr internationaler Durchbruch. Von da an ging es steil bergauf, sie traten am Lido in Paris auf und in Las Vegas. Dort blieben sie, weil sie ein Engagement bekamen. Nach einigen Jahren waren sie die bestbezahlten Künstler in der Geschichte von Las Vegas. Sie bekamen als Magier mehrere Auszeichnungen, gingen für zehn Monate nach Japan, um dort aufzutreten. In ihren sieben Jahren im New Frontier in Las Vegas traten sie über 3500 Mal auf, vor insgesamt mehr als drei Millionen Zuschauern. Später im Mirage feierten sie die größte und teuerste jemals inszenierte Bühnenshow. Sie waren die Könige von Las Vegas. Ihre Show war von Anfang an familienfreundlich, es gab keine nackten Frauen zu sehen, und das war in Las Vegas ungewöhnlich. 1988 wurden sie amerikanische Staatsbürger. Knapp zehn Jahre später bekamen sie einen Stern auf dem „Walk of Fame“ in Hollywood. 1996 feierten sie ihren 15.000. Auftritt in Las Vegas. Insgesamt haben 25 Millionen Menschen ihre Auftritte in Las Vegas gesehen. 2009 sah man sie zum letzten Mal gemeinsam auf der Bühne. 2003 hatte ein weißer Tiger Roy bei einer Show an seinem 59. Geburtstag verletzt. Der Zauberer wurde schwer verletzt und war danach teilweise gelähmt. Ein trauriges Ende der Karriere. Aber genau durch diese Tiere sind Siegfried und Roy berühmt geworden. Sie machten nicht nur Zaubertricks und riesige Illusionen, sondern sie arbeiteten mit Tieren, die durch ihre Seltenheit magisch wirkten. Sie züchteten weiße Königstiger. Hinter den Kulissen waren Tiertrainer beschäftigt, um den Raubkatzen etwas beizubringen. Weiße Tiger, Löwen und Leoparden lebten mit den beiden Deutschen in Las Vegas. Die beiden Männer waren übrigens viele Jahrzehnte ein Paar, was aber erst in ihrer Autobiografie 2007 öffentlich gemacht wurde. Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg235kurz.pdf

    Der Rattenfänger von Hameln – SG #234

    Play Episode Listen Later Apr 8, 2021 9:03

    Ich habe überlegt, welche die wohl bekanntesten Geschichten und Sagen aus Deutschland sind. Über die Loreley habe ich dir schon etwas erzählt - aber vom Rattenfänger von Hameln noch nicht! Also: Wir schreiben das Jahr 1284 und wir sind in einem kleinen Dorf, das in Niedersachsen liegt, ungefähr 50 Kilometer von Hannover entfernt. Es heißt Hameln. Die Geschichte geht so: Eines Tages kam ein Mann in dieses Dorf. Er war sehr bunt gekleidet und trug eine Flöte bei sich. Sein Beruf: Rattenfänger. Sein Name ist nicht bekannt, genannt wurde er aber „Bunting“, wegen seiner Kleidung. In Hameln freute man sich über seine Ankunft, denn das Dorf war von Ratten und Mäusen geplagt. Sie sprangen am helllichten Tag auf Stühlen und Tischen herum, versteckten sich in Ecken und Gassen und waren einfach überall. Also versprach man ihm viel Geld, wenn er das Problem lösen könnte. Der Rattenfänger zückte also seine Flöte und begann zu spielen. Sein Flötenspiel war so bezaubernd, dass die Ratten und Mäuse erstaunt aufhorchten. Sie folgten ihm. Der Rattenfänger spielte weiter und ging langsam aus dem Dorf hinaus und hinunter zur Weser. Das ist ein Fluss, der durch Hameln fließt. Er ging also hinein ins Wasser, und die Tiere folgten ihm. Weil sie nicht schwimmen konnten, ertranken sie im Fluss. Und Hameln war diese Plage endlich los! Anstatt dem Mann aber dankbar zu sein und ihm sein Geld zu geben, verweigerten sie ihm den Lohn. Wütend ging der Mann davon. Aber er kam wieder. Diesmal an einem sehr frühen Sommermorgen. Er sah verändert aus, wie ein Jäger. Er fing wieder an, eine schöne Melodie zu pfeifen. Dieses Mal aber lockte er nicht Ratten und Mäuse aus den Häusern, sondern die Kinder des Dorfes. Sie folgten ihm, und er führte sie weg. Ein Kindermädchen sah es und erzählte den anderen Eltern davon. Doch so sehr sie auch suchten: Der Mann und die Kinder wurden nie wieder gesehen. Nur zwei Kinder kamen zurück, aber da das eine nicht reden konnte und das andere blind war, konnten sie nicht erklären, was aus den anderen Kindern geworden war. Das war also die Rache des Mannes: Er nahm den Menschen von Hameln ihre Zukunft. Diese düstere Geschichte kennen viele Menschen auf der ganzen Welt. Die Gebrüder Grimm haben sie bekannt gemacht. Sie schrieben die Geschichte 1816 in ihrem Buch der Deutschen Sagen auf. Goethe hielt sie 1802 in einem Gedicht fest. Und auch Bertolt Brecht dichtete etwas dazu. Die Internetseite der Stadt Hameln hat übrigens all diese Originaltexte und Übersetzungen in verschiedene Sprachen parat. Ist es wirklich nur eine Geschichte, oder gibt es eine historische Wahrheit dahinter? Das ist schwer zu sagen. Vermutet wird, dass hier zwei Geschichten verknüpft wurden. Wahrscheinlich ist der Teil mit den Ratten eine erfundene Geschichte. Denn Ratten und Mäuse scheinen nicht auf Flötentöne zu reagieren. Aber den Auszug der Kinder könnte es gegeben haben. In dieser Zeit versuchte man, Menschen aus Deutschland im Osten anzusiedeln. Vielleicht waren die Kinder also nach Siebenbürgen, Mähren oder Pommern ausgewandert. Vielleicht gingen sie nicht ganz so weit - denn in Brandenburg gibt es viele Gemeinden, die einen ähnlichen Namen haben wie Hameln. Möglicherweise wanderten also junge Menschen aus Hameln nach Osten aus und ließen sich dann in Brandenburg nieder. Zur Erinnerung benannten sie die Orte dann nach ihrer alten Heimat. Eventuell machte der Rattenfänger einfach Werbung für den Umzug. Klingt nachvollziehbar, finde ich. Noch heute lebt die Sage in der kleinen Stadt Hameln weiter - sie nennt sich auch offiziell die „Rattenfängerstadt Hameln“. Die Figur des Rattenfängers ist auf der Internetseite zu sehen und in Kunstwerken. Männer führen Touristen als Rattenfänger durch die Stadt. 57.000 Einwohner hat sie übrigens heute. Ein Haus heißt auch „Rattenfängerhaus“. Es steht an der Bungelosenstraße. Durch diese Straße soll der Rattenfänger die Kinder geführt haben. Bis heute ist daher in dieser Straße Tanz und Musik ve...

    Teekesselchen – Wörter mit zwei Bedeutungen – Homonyme – SG #233

    Play Episode Listen Later Mar 9, 2021 6:48

    Heute erzähle ich dir etwas über die deutsche Sprache. Und zwar über Wörter, die genau gleich gesprochen und geschrieben werden, aber in verschiedenen Zusammenhängen etwas ganz Unterschiedliches bedeuten. Ich erkläre dir, was Teekesselchen und Homonyme sind. Diesen Text hat Matthias Knuth geschrieben, ich verlinke Dir seine Seite auf slowgerman.com. Ich habe den Text etwas abgeändert und erweitert. Also, es geht um Wörter, die mehrere Bedeutungen haben. Zum Beispiel eine Bank, auf der man sitzen kann, und eine Bank, bei der man ein Konto hat. Oder ein Schloss in der Haustür, in das ich einen Schlüssel stecken kann, und ein Schloss, in dem früher einmal ein König oder Fürst gewohnt hat, also ein Gebäude. In der Sprachwissenschaft werden solche Wörter “Homonyme” genannt. Das Tolle daran: Wir können mit solchen Wörtern gut spielen. Beispielsweise können wir ein Ratespiel mit diesen Wörtern machen, das man in Deutschland “Teekesselchen” nennt. Oder wir können für ein Thema absichtlich eine Überschrift wählen, die zwei Bedeutungen haben kann. Das kommt oft in der Werbung vor, aber auch bei Hashtags auf Twitter. Man erzielt damit mehr Aufmerksamkeit, weil die Leute für einen Augenblick darüber nachdenken müssen, was gemeint ist. Ein weiteres solches Wort mit zwei Bedeutungen ist “Schimmel”. Ein weißes Pferd nennt man “Schimmel”. Aber Schimmel ist  auch der Belag auf verdorbenen Lebensmitteln, der von Schimmelpilzen hervorgerufen wird. Wahrscheinlich kommt die Bezeichnung “Schimmel” für ein weißes Pferd sogar daher, dass diese Pferde nicht weiß geboren werden. Aufgrund eines besonderen Gens werden sie im Laufe ihres Lebens allmählich weiß, als ob sie von Schimmel überzogen würden wie ein Käse oder ein Stück altes Brot. An was denkst du, wenn du an das Wort „Flügel“ denkst? Wahrscheinlich an einen Vogel, oder? Ein Vogel hat zwei Flügel, mit denen er fliegen kann. Aber auch dieses Wort ist ein Homonym, und zwar heißt auch ein großes Klavier „Flügel“. Und auch unser Planet, die Erde, ist ein Homonym. Denn in der deutschen Sprache grabe ich beispielsweise in der Erde, wenn ich im Garten arbeite. Da grabe ich nicht im ganzen Planeten, sondern in der braunen Masse, die wir auch Erde nennen. Bleiben wir im Garten. Du weißt vielleicht, dass ich ein paar Bonsai als Hobby habe. Zum Beispiel eine Kiefer. Na, merkst du was? Genau, wieder ein Homonym. Denn nicht nur der Nadelbaum mit den langen Nadeln heißt Kiefer, sondern auch der große Knochen in unserem Gesicht. Was fällt mir noch ein? Der Ball zum Beispiel. Das kann ein rundes Sportgerät sein, also beispielsweise ein Fußball, aber ich kann auch auf einen Ball gehen - dann ist der Ball eine Veranstaltung, bei der getanzt wird. Und bei einer Birne denken zumindest die älteren von uns an eine Glühbirne und an ein Stück Obst. Die jüngeren kennen wahrscheinlich nur noch LED-Lampen, oder? Du merkst aus diesen Beispielen, dass du keine Angst vor Homonymen haben musst. Denn auch wenn das Wort alleine mehrere Bedeutungen hat, wird aus dem Zusammenhang schnell klar, ob es sich um eine Bank mit Geld oder eine Bank mit Sitz handelt. Spielen wir jetzt noch ein bißchen Teekesselchen? Also: 
Mein Teekesselchen ist oben an jedem Zimmer dran.
 Mein Teekesselchen hält mich im Bett schön warm.
 Die Antwort ist: Die Decke. Oder: 
Mein Teekesselchen ist sehr lästig, vor allem für Kühe.
 Mein Teekesselchen ist eine gute Alternative zur Krawatte.
 Die Antwort ist: Die Fliege. Mein Teekesselchen ruft morgens auf dem Misthaufen, damit alle aufwachen.
 Mein Teekesselchen gibt mir immer frisches Wasser.
 Die Antwort ist: Der Hahn. Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg233kurz.pdf

    Das rätselhafte Findelkind Kaspar Hauser – SG #232

    Play Episode Listen Later Mar 2, 2021 8:42

    Heute erzähle ich dir die Geschichte von Kaspar Hauser. Ein junger Mann taucht plötzlich in Nürnberg auf, am 26. Mai 1828. Er ist ungefähr 16 Jahre alt. Der Junge wirkt geistig zurückgeblieben, redet wenig und hat zwei Briefe in der Hand. Er sagt: Er möchte ein Reiter werden wie sein Vater. Er wird zur Polizei gebracht. Wer ist er? Wo kommt er her? Er spricht bayerischen Dialekt und hat eine Narbe von der Pocken-Impfung. Also vermutet man, dass er aus Oberbayern kam. Vielleicht aus Regensburg. Oder vielleicht auch aus Tirol, also aus Österreich. Genauer wird man es nie erfahren. Man bittet ihn, seinen Namen zu schreiben, und er schreibt: Kaspar Hauser. In den Gesprächen erzählt er langsam mehr von sich. Er habe seine Kindheit und Jugend in einem dunklen Verlies verbracht, das nur mit Stroh ausgelegt war. Es sei sehr niedrig gewesen, er habe dort kaum stehen können. Ernährt habe er sich nur von Wasser und Brot. Andere Menschen habe er nie gesehen oder mit ihnen gesprochen. Zur Beschäftigung habe er nur ein kleines Holzpferd gehabt. Saubergemacht wurden das Verlies und er selbst nur, wenn er schlief. Er bekam es nie mit. Ein Eimer war seine Toilette. Kaspar Hauser wird erstmal wieder eingesperrt, und zwar im Gefängnisturm. Die Menschen machen Experimente mit ihm. Juristen, Theologen und Pädagogen interessierten sich für ihn. Ein Lehrer, sein Name ist Georg Friedrich Daumer, kümmert sich um ihn und Kaspar Hauser fängt sehr schnell an, lesen und schreiben zu lernen. Er beginnt zu malen und ist begabt. Er schreibt auch Gedichte. Die Leute beginnen zu spekulieren: Ist er vielleicht ein Prinz? Ein Adeliger? Ein Thronerbe, den man loswerden wollte? Es wird recherchiert, welche Adeligen um das Jahr 1812 ein Kind verloren haben. Man wird fündig: In Baden soll ein adeliges Kind gestorben sein. War es ausgetauscht worden? War Kaspar das Kind dieser Adeligen, das mit einem kranken Kind vertauscht wurde? Das wäre politisch möglich gewesen, weil dann eine andere Familie den Thron geerbt hätte. Heute ist diese Theorie unwahrscheinlich. Damals wurde sie aber so kontrovers diskutiert, dass sogar der bayerische König seine Meinung dazu sagte. Kaspar Hauser wird von den Menschen bestaunt, er wird „Das Kind Europas“ genannt. Menschen reisen extra nach Nürnberg, um ihn zu sehen. Es herrscht ein richtiger Hype um seine Person, würde man heute sagen. In ganz Europa kennt man die Geschichte, die Zeitungen berichten darüber. Doch damals war es so wie heute: Jeder Hype hat seine Zeit. Irgendwann ist er vorbei. Also interessieren sich nach einem Jahr nicht mehr so viele Menschen für Kaspar Hauser. Aber dann wird er plötzlich angegriffen. Die Waffe hinterlässt eine Wunde auf seiner Stirn. So etwas ähnliches passiert später noch einmal, dann sogar mit einer Pistole. Er wechselt die Familien, in denen er lebt, nach diesen Angriffen. Zum Teil hat er sogar Bewacher, Polizeischutz nennt man das. Und ein englischer Lord nimmt ihn ebenfalls kurze Zeit unter seine Fittiche. Das Interesse an ihm wächst wieder. Und dann kommt das Jahr 1833. Er wird wieder von einem angeblichen Attentäter mit einem Messer attackiert - drei Tage später stirbt er an den Folgen. Es zeigt sich, dass alle drei "Attentate" wahrscheinlich von ihm selbst verübt wurden. Vielleicht wollte er einfach wieder im Mittelpunkt stehen. Was bleibt, sind die vielen Fragen, was die Prinzentheorie angeht. 1996 wird mit modernsten Untersuchungsmethoden geforscht. Kleidungsstücke von Kaspar Hauser werden untersucht, vor allem ein Blutfleck, der auf einer Hose zu finden war. Eine DNA-Analyse ergibt: Kaspar Hauser hatte nichts mit dem badischen Adelshaus zu tun. 2002 ist die Technik noch ein bißchen weiter und wieder wird geforscht. Diesmal nimmt man Haare und analysiert diese. Jetzt kann man plötzlich nicht mehr ausschließen, dass Kaspar Hauser mit dem Adelshaus Baden verwandt war. Viele Fragen bleiben offen. Eine wirklich wissenschaftliche Untersuchung war das allerdings n...

    Wacken – das Heavy-Metal-Festival – SG #231

    Play Episode Listen Later Feb 23, 2021 6:53

    Thomas Jensen und Holger Hübner gehen ein Bierchen trinken in einer norddeutschen Gaststätte. Das war im Jahr 1989. Und während sie da so sitzen, haben sie eine Idee... Jahre später ist ihr Heimatdorf Wacken die Welt-Hauptstadt des Heavy Metal. Wie es dazu kam, erzähle ich dir heute. Beide Freunde waren Heavy Metal-Fans. Ihr Heimatort war Wacken. Das ist eine kleine Gemeinde in Schleswig-Holstein. Heute hat sie 1840 Einwohner. Thomas und Holger jedenfalls hatten die Idee, in einer Kiesgrube ein Konzert zu veranstalten. Die Musikrichtung war klar: Rock und Metal sollten gespielt werden. Und das sollte nicht nur einen Tag dauern, sondern die Besucher und Besucherinnen sollten in Wacken campen dürfen. Sie durften also in Zelten übernachten. Die Idee wurde im nächsten Jahr umgesetzt. 1990 gab es also das erste Festival in Wacken. Es fand im August statt und dauerte zwei Tage lang. Auf der Bühne waren ausschließlich deutsche Bands zu sehen. Wer als Zuschauer oder Zuschauerin dabei sein wollte, musste zwölf Mark Eintritt bezahlen. Und weil das Festival so gut ankam bei den Leuten, wurde es im nächsten Jahr gleich wieder veranstaltet. Da kamen dann schon 1300 Menschen zu Besuch. Die Erfolgsgeschichte nahm ihren Lauf. Im dritten Jahr waren zum ersten Mal international bekannte Bands mit dabei, zum Beispiel "Saxon". 26 Bands traten auf, manche von ihnen aus Schweden, Amerika, Irland und Belgien. Reich wurden die Veranstalter in diesem Jahr nicht. Sie mussten so viel Geld für die Security und die Beseitigung des Mülls ausgeben, dass sie am Ende 25.000 Mark verloren. Aber sie machten weiter. Jeden Sommer lockten neue Bands zum Festival. 1996 waren erstmals 10.000 Zuschauer mit dabei - und die Kiesgrube wurde zu klein. Also zog das Festival um - es blieb aber in der kleinen Gemeinde Wacken. Die nächsten Jahre erzähle ich dir im Schnelldurchlauf. 2006 waren schon 62.500 Besucher in Wacken, und die Veranstalter stießen an ihre Grenzen. Noch größer könnte es nicht werden, so dachten alle. Jedes Festival war Monate im voraus schon ausverkauft. Das heißt, es gab keine Karten mehr zu kaufen. Man verlängerte die Dauer des Festivals auf drei Tage, also von Donnerstag bis Samstag. Natürlich sollen nicht alle Gäste mit dem Auto anreisen - also gibt es seit 2002 einen Sonderzug, der von Zürich über Stuttgart und München und andere Städte in den Norden fährt. Im Zug gibt es einen DJ - es ist wahrscheinlich der lauteste Zug Deutschlands! Was noch? Es gibt ein Fußballturnier in Wacken, auch eine Art Gottesdienst. Es gibt 75.000 zahlende Besucher auf einem Gelände von 240 Hektar mit acht Bühnen. 1300 Toiletten werden für die Leute aufgestellt, dazu 500 Duschen. 5000 Menschen arbeiten für das Festival, 1800 davon sorgen für die Sicherheit und Ordnung. Ach, und seit 2017 gibt es eine Bier-Pipeline, die einen Kilometer lang ist und innerhalb einer Stunde 10.000 Liter Bier transportieren kann. Wir erinnern uns: Beim ersten Wacken-Festival kamen 6 Bands und 800 Teilnehmer zusammen, und man musste umgerechnet 6,14 Euro Eintritt bezahlen. Beim letzten Wacken-Festival 2019 waren es 218 Bands vor 75.000 Besuchern und die Karten kosteten 221 Euro. Ausverkauft war es nach vier Tagen. 2020 fand das Festival aufgrund der Corona-Pandemie nur online statt. Menschen wie ich, die mit Heavy Metal nicht viel am Hut haben, kennen das Festival nur aus den Nachrichten: Da sieht man dann im Sommer fröhliche Menschen im Matsch auf dem Campingplatz feiern. Eine tolle Erfolgsgeschichte. Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg231kurz.pdf

    Die „Sage“ der Loreley am Rhein – SG #230

    Play Episode Listen Later Feb 16, 2021 7:07

    Die Loreley ist ein Felsen am Rhein. Wer auf ihn hinaufklettert, hat einen wunderschönen Blick über die Landschaft. Der Rhein macht hier eine Biegung, man sieht das Wasser und die Wälder am Ufer. Daher ist die Loreley ein beliebter Ausflugsort, viele Touristen kommen hierher. Das hat aber auch mit der Geschichte des Felsens zu tun. Denn die Dichter Clemens Brentano und Heinrich Heine haben aus diesem Felsen eine Frau gemacht. Und diese Frau soll für zahlreiche Schiffsunglücke verantwortlich sein... Aber fangen wir von vorne an. Es gibt also diesen Felsen Loreley in Rheinland-Pfalz. Der Rhein ist hier 160 Meter breit und bis zu 25 Meter tief. Es gibt viele Kurven auf dieser Strecke. Dazu kommen noch starke Strömungen - und eben viele Felsen. Damit war und ist diese Stelle für Schiffe gefährlich. Viele Schiffe gingen hier unter - erst in der jüngeren Vergangenheit wurden einige Felsen mitten im Wasser gesprengt, sodass es nicht mehr ganz so gefährlich ist, hier mit dem Schiff zu fahren. Dennoch passieren auch heute noch Unfälle. Zum Beispiel lief 2003 ein Schiff mit 349 Passagieren auf Grund. Das bedeutet, dass das Schiff auf dem Boden des Flusses aufsetzte. Es ließ sich nicht mehr steuern und prallte nach der Kurve auf das Ufer. 41 Personen wurden verletzt, drei von ihnen schwer. 2011 dann das nächste Unglück an der Loreley, diesmal war es ein Frachtschiff, das 2400 Tonnen Schwefelsäure an Bord hatte. Zwei der vier Besatzungsmitglieder starben bei diesem Unfall. Heute wissen wir, wie solche Unfälle passieren. Wir können die Strömung berechnen, wir haben Kameras, die unter Wasser funktionieren. Aber stell Dir mal vor, wie das früher war. Wenn an einer bestimmten Stelle immer wieder Menschen starben - dann dachte man nicht an Strömungen im Wasser, sondern an Zwerge oder an Geister. Der Dichter Clemens Brentano war dann der Erste, der sich statt eines Zwerges lieber eine schöne Frau vorstellte. In seinem Buch war die Lore Lay eine Frau, die wunderschön war und sehr anziehend auf Männer wirkte. Deswegen hielten manche sie für eine Hexe oder eine Zauberin. Nur der eine Mann, den sie wirklich wollte, bekam sie nicht. Er verließ sie für eine andere Frau. Auf dem Weg ins Kloster bat sie darum, noch einmal den Rhein sehen zu dürfen. Vom Felsen aus blickte sie nach unten - und stürzte in die Tiefe. Sie starb. Die Figur der Lore Lay wird zu einer Art Sirene - sie lockt die Männer an und führt sie in den Tod. Viele Menschen denken, das ist eine uralte deutsche Sage - dabei schrieb Brentano sie im Jahr 1800. Er benutzte den Mythos um einen Felsen und schuf eine Geschichte daraus. Mein Lieblingsdichter Heinrich Heine griff die Geschichte 24 Jahre später auf und schrieb sein wohl berühmtestes Gedicht dazu. Es geht so: Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass ich so traurig bin; ein Märchen aus alten Zeiten, das kommt mir nicht aus dem Sinn. Die Luft ist kühl und es dunkelt, und ruhig fließt der Rhein; der Gipfel des Berges funkelt im Abendsonnenschein. Die schönste Jungfrau sitzet dort oben wunderbar; ihr goldnes Geschmeide blitzet, sie kämmt ihr goldenes Haar. Sie kämmt es mit goldenem Kamme und singt ein Lied dabei; das hat eine wundersame, gewaltige Melodei. Den Schiffer im kleinen Schiffe ergreift es mit wildem Weh; er schaut nicht die Felsenriffe, er schaut nur hinauf in die Höh. Ich glaube, die Wellen verschlingen am Ende Schiffer und Kahn; und das hat mit ihrem Singen die Lore-Ley getan. Hier sind schöne Aufnahmen der Gegend zu sehen: Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg230kurz.pdf

    Der Kaufhaus-Erpresser Dagobert – SG #229

    Play Episode Listen Later Feb 9, 2021 8:42

    Heute erzähle ich dir eine Geschichte, die im Jahr 1988 beginnt. Wir sind in Berlin. Dort steht das sehr bekannte Kaufhaus KaDeWe, das ist die Abkürzung für Kaufhaus des Westens. Ein Unbekannter fordert eine halbe Million D-Mark von diesem Kaufhaus. Das ist eine Erpressung. In der Nacht explodiert in diesem Kaufhaus eine Bombe. Vieles geht kaputt, aber verletzt wird niemand. Jetzt ist die Angst groß, dass so etwas noch einmal passieren kann. Also will das KaDeWe die Summe bezahlen. Der Geldbote bekommt über Funk Anweisungen vom Erpresser. Er soll in einen Zug einsteigen und das Geld an einer bestimmten Stelle aus dem Fenster werfen. Die Übergabe klappt - das Geld ist weg. Ein paar Jahre ist Ruhe. Doch dann passiert in einem Hamburger Kaufhaus etwas ähnliches. Wieder explodiert nachts ein Sprengsatz nach einer Geldforderung. Und so geht es immer weiter. Ungefähr 30 Mal spielen Erpresser und Polizei Katz und Maus. Ich kann mich gut an diese Zeit erinnern, denn diese Fälle waren oft amüsant und irgendwie fieberten wir mit und hofften, er würde nicht erwischt werden. Der Erpresser ließ sich kreative Dinge einfallen, um an das Geld zu kommen ohne erwischt zu werden. Er hatte viel Fantasie. Zum Beispiel sollte das Geld mit einem Magnet an einem Zug befestigt werden und dann per Fernsteuerung abfallen. Oder das Geld sollte in eine Streusandkiste gelegt werden - und der Erpresser entkam durch die Kanalisation. Er hatte vorher alles genau vorbereitet - als Bauarbeiter verkleidet. Er benutzte viel Technik, von Richtmikrofonen über Bewegungsmelder. Seinen Spitznamen bekam er durch eine Zeitungsanzeige: "Dagobert", so wie die Comicfigur Dagobert Duck. Auch wenn kriminelle Menschen etwas Falsches tun - irgendwie mochten wir Dagobert. Er war schlau, er nahm das Geld von Unternehmen und nicht von einzelnen Menschen, und er sorgte dafür, dass keine Menschen verletzt wurden. Das hatte schon etwas von Robin Hood, irgendwie. Auch wenn er das Geld für sich selber behielt und nicht den Armen gab. Einmal war ein Polizist ihm so nah, dass er schon nach seinem Ärmel greifen konnte - doch dann rutschte er aus und Dagobert konnte wieder einmal entkommen. Aber dann wurde er doch gefasst. Da die Polizei immer wusste, wann Dagobert anrufen würde, beobachtete sie zu diesem Zeitpunkt im Frühjahr 1994 viele Kartentelefone im Süden von Berlin. Dabei fiel den Beamten ein Auto auf, in dem ein Fahrrad war - genau mit diesem Fahrrad war der Erpresser einmal geflüchtet. Das Auto war ein Mietwagen, und schon hatten die Ermittler endlich Dagoberts richtigen Namen erfahren: Arno Funke. Beim nächsten Erpresseranruf wurde der observierte - also beobachtete - Funke festgenommen. Die Bilanz: Schäden in Höhe von 10 Millionen D-Mark. Dazu noch viele, viele Polizeieinsätze und extrem hohe Telefonkosten. Neun Jahre lang musste Arno Funke ins Gefängnis, dazu musste er einen Schadensersatz von 2,5 Millionen D-Mark an die Kaufhauskette Karstadt bezahlen. Funke wurde dann aber doch frühzeitig entlassen, und zwar nach sechs Jahren und vier Monaten Haft. Wer steckt also hinter Dagobert? Arno Funke wurde 1950 geboren. Er hat einen hohen IQ, er gilt als hochbegabt und handwerklich geschickt. Er arbeitete in verschiedenen Jobs, zum Beispiel als Fahrer, Fotograf und DJ. Dann auch als Kunstlackierer in einer Autowerkstatt. Dabei atmete er so viele giftige Gase ein, dass sein Gehirn geschädigt wurde. Das führte zu Depressionen und privaten Problemen. Nach eigener Aussage stand er kurz vor dem Selbstmord. Für das Gericht wirkte diese Tatsache schuldmindernd. Das bedeutet, dass seine Gefängnisstrafe wahrscheinlich länger gewesen wäre, wenn er keine psychischen Probleme gehabt hätte. Schon im Gefängnis fing Arno Funke an, zu zeichnen. Daraus machte er einen Beruf - er illustriert auch heute noch die Zeitschrift "Eulenspiegel". Seine Karriere als Dagobert hat er in einem Buch festgehalten. Und 2013 nahm er an der Show "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" teil.

    Der Marshallplan hilft Deutschland – SG #228

    Play Episode Listen Later Feb 2, 2021 6:57

    Hast Du schonmal etwas von dem amerikanischen Außenminister George C. Marshall gehört? Er hatte das Amt von 1947 bis 1949 inne. 1953 bekam er den Friedensnobelpreis für ein Programm, das für immer mit seinem Namen verbunden bleibt: Marshallplan. Der Marshallplan hieß eigentlich European Recovery Program. Dabei handelte es sich um ein Wirtschaftsförderungsprogramm der USA. Europa sollte nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut werden. Viele Städte waren damals vollkommen zerstört, es gab keinen Wohnraum für die Menschen, keine Lebensmittel. Dazu mussten die vielen Flüchtlinge aus den ehemals deutschen Gebieten versorgt werden. Den Winter 1946/47 nennt man den "Hungerwinter". Auch anderen europäischen Ländern ging es schlecht. Der Kalte Krieg zwischen den USA und der Sowjetunion begann - und in den USA wuchs die Angst vor Kommunisten. Die Vereinigten Staaten hatten Angst, dass die Sowjetunion ihren Einfluss ausbauen könnte. Also wollte man Deutschland, Österreich und andere Länder wirtschaftlich wieder stärker machen. Man musste aber vorsichtig sein, denn immerhin war gerade ein großer Krieg zu Ende gegangen und Deutschland musste noch Entschädigungen zahlen, zum Beispiel an Frankreich. Zwei Jahre nach Kriegsende, am 5. Juni 1947, hielt Außenminister Marshall an der Harvard Universität eine Rede. Er schlug darin ein Hilfsprogramm für alle europäischen Staaten vor. Man wolle gegen "Hunger, Armut, Verzweiflung und Chaos" kämpfen und dafür sorgen, dass Europa wieder stabil werde. Es sollte eine Hilfe zur Selbsthilfe werden. Die europäischen Länder sollten sich untereinander verständigen und ihren Beitrag leisten. Bald darauf gab es ein Treffen der Außenminister in Paris. Die Sowjetunion nahm nicht lange an der Konferenz teil - sie verkündete stattdessen den "Molotow-Plan" für die Länder Mittel- und Osteuropas. Am 22. September 1947 wurde der Vertrag dann nach langen Verhandlungen unterzeichnet. Ein halbes Jahr später wurde er in den USA verabschiedet und von Präsident Harry Truman in Kraft gesetzt. Es ging um Hilfen in Höhe von 13 Milliarden Dollar bis 1952. Umgerechnet wären das heute knapp 142 Milliarden Dollar. Vor allem ging es um Darlehen und Kredite und die Lieferung von Rohstoffen und Lebensmitteln. 9,3 Milliarden Dollar der insgesamt 13 Milliarden Dollar waren Subventionen. Diese Subventionen mussten nicht zurückgezahlt werden. Das jeweilige Land musste aber den Gegenwert dieser Subventionen in einen Sonderfonds einzahlen - so wurde der nationale Wiederaufbau finanziert. Um die Wirtschaft zu koordinieren, gründeten 16 europäische Länder die OEEC, die später zur heute noch aktiven OECD wurde. West-Deutschland bekam von 1948 bis 1952 insgesamt 1,4 Milliarden Dollar. 24 Prozent des Geldes aus dem Marshall-Plan flossen nach Großbritannien, 20 Prozent nach Frankreich. Jeweils 10 Prozent nach West-Deutschland und Italien. Warum war Amerika so großzügig zu Europa? Das hat verschiedene Gründe. Zum Beispiel, weil die USA natürlich ein großes Interesse daran hatten, in der Zukunft wieder mit Europa Geschäfte zu machen. Man wollte dorthin Waren exportieren und war am freien Handel interessiert. Übrigens: Deutschland hatte durch diese Hilfen nie richtiges Bargeld zur freien Verfügung. 70 Prozent der Waren, die nach Deutschland gebracht wurden, waren Tabak und Baumwolle aus den USA. Ein Hintergedanke der USA am Marshallplan war also offenbar, der amerikanischen Landwirtschaft zu helfen. Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg228kurz.pdf

    True Crime: Das Verbrechen von Hinterkaifeck – SG #227

    Play Episode Listen Later Jan 13, 2021 9:41

    Die Geschichte, die ich Dir heute erzählen möchte, ist wirklich so passiert. Heute nennt man das ja „True Crime“ - in der deutschen Sprache sagt man wörtlich übersetzt gerne „wahre Verbrechen“ dazu. Wenn du schwache Nerven hast oder wenn Kinder in der Nähe sind, solltest du diese Episode nicht anhören. Wir bleiben hier in Bayern. Im Jahr 1922 steht in Hinterkaifeck ein Einödhof. Das ist ein Bauernhof, der nicht in einem Dorf steht, sondern alleine etwas außerhalb. Der nächste Nachbar ist weit entfernt. Es ist eine ländliche Gegend. Es leben nicht viele Menschen hier. Auf dem Einödhof selbst lebt das Ehepaar Gruber. Der Bauer Andreas Gruber ist 64 Jahre alt, seine Frau Cäzilia 72 Jahre alt. Ihre Tochter Viktoria Gabriel lebt auch hier, denn ihr Mann ist im Ersten Weltkrieg gestorben. Sie ist also mit 35 Jahren schon Witwe. Ihre beiden Kinder hat sie mitgebracht zu den Eltern. Ihr Sohn Josef ist zwei Jahre alt, ihre Tochter Cäzilia ist sieben Jahre alt. Es leben also drei Generationen auf dem Hof. Dann geschehen plötzlich seltsame Dinge an diesem Ort. Es wird eine Münchner Zeitung gefunden, die es hier auf dem Dorf gar nicht zu kaufen gibt. Dann werden Spuren im Schnee entdeckt - sie führen zu dem Einödhof, aber nicht wieder weg. Es verschwindet ein Hausschlüssel. An einer Hütte wird das Schloss aufgebrochen und ein Rind losgebunden. Im Wald wird mehrmals ein Mann mit Bart gesehen, der den Hof beobachtet. Aber das muss alles nichts bedeuten, oder? Im März kommt eine neue Magd auf den Hof. Eine Magd war damals eine weibliche Hilfskraft auf dem Bauernhof, eine männliche Hilfskraft nannte man Knecht. Maria Baumgartner ist 45 Jahre alt, als sie an einem Freitag auf den Einödhof kommt um dort zu arbeiten. Am Sonntag darauf, also zwei Tage später, ist die Familie nicht in der Kirche. Das fällt auf, denn es ist üblich, am Sonntag zum Gottesdienst zu gehen. Am Montag kommt die siebenjährige Cäzilia nicht zur Schule. Der Postbote merkt, dass die Post vom Freitag noch im Briefkasten steckt. Was ist da los? Letztlich werden zwei junge Männer losgeschickt, um nach der Familie zu sehen. Was sie finden, ist grausam: Alle Bewohner und Bewohnerinnen des Hofes sind tot. Sie wurden ermordet. Sogar die Kinder. Die Rekonstruktion des Verbrechens ergibt: Die junge Witwe war nachts in den Stall gegangen und dort erschlagen worden. Ihre Mutter wunderte sich, wo die Tochter blieb, und folgte ihr in den Stall - auch sie wurde ermordet. Danach folgten ihr Vater und ihre kleine Tochter. Der oder die Täter hörten aber nicht auf zu morden, sie gingen ins Haus und fanden dort die neue Magd und das Kleinkind - auch sie wurden getötet. Alle Leichen wurden mit der gleichen Waffe erschlagen und anschließend bedeckt, entweder mit Heu oder mit Bettzeug. Einige Tage lagen sie schon so, als sie gefunden wurden. Seltsam ist: Die Tiere auf dem Hof haben noch Futter, die Kühe wurden gemolken. Und auch im Backofen war noch etwas verbrannt worden. Der oder die Täter sind also nach dem Mord noch einige Zeit auf dem Hof geblieben. Bald ist die Polizei verständigt und beginnt zu ermitteln. Die Leichen werden gleich vor Ort obduziert. Natürlich beginnt auch die Suche nach einem Motiv. War das Verbrechen ein Raubmord? Offenbar nicht, denn obwohl etwas Bargeld fehlt, und ein Zimmer durchsucht aussieht, sind Aktien und Wertpapiere noch da. Verdächtige werden vernommen - aber ohne Ergebnis. Im Zweiten Weltkrieg werden viele Akten zerstört - 1955 wird der Fall dann geschlossen. 16 Jahre später gibt es dann eine neue Spur, eine alte Frau beschuldigt ein Brüderpaar - doch bei der Vernehmung erweist sie sich als verwirrt. Wer war der Täter? War es der Bürgermeister des Dorfes, der in Viktoria verliebt war? War es der Ehemann von Viktoria, den man für tot hielt, der es aber gar nicht war? Oder war es ein Korbmacher, der eine Affäre mit Viktoria hatte? Auf dem Bauernhof wollte nach dem Mord niemand mehr wohnen. Es fand sich kein Käufer.

    Wetter und Klima in Deutschland – SG #226

    Play Episode Listen Later Jan 5, 2021 6:57

    Angenommen, du triffst einen Menschen, den du noch nicht gut kennst. Dann redest du mit ihm natürlich nicht über deine privatesten Träume und Wünsche, sondern eher über allgemeine Themen. Sehr beliebt ist es, in dieser Situation über das Wetter zu sprechen. Zunächst einmal gibt es natürlich die Temperatur. Findest du es sehr heiß heute, oder vielleicht auch sehr kalt? Die Hitze kann drückend sein, sie kann dich antriebslos werden lassen und müde. Klirrende Kälte kennen wir in Deutschland allerdings auch sehr gut. Du sagst also zu deinem Gegenüber zum Beispiel "Ganz schön heiß heute, oder?" oder "Ganz schön kalt heute, oder?" Zwei Worte, die dazu gehören sind "schwitzen" und "frieren". Du schwitzt, wenn dir heiß ist. Du frierst, wenn dir kalt ist. Dann kommen wir zu Wolken und Sonne. Du kannst sagen: "Ein schöner Tag, die Sonne scheint!" oder "Schönes Wetter heute, oder?" Bei schlechtem Wetter und Wolken sagst du einfach: "Schade, es ist bewölkt". Und dann kommen wir zum Niederschlag, das ist also all das Wasser, das aus dem Himmel kommt. "Es regnet schon den ganzen Tag!" kannst du dich beschweren. Oder "Heute morgen hat es sogar geschneit!". Vielleicht ziehen auch dunkle Wolken auf. Dann sagst du "Ich fürchte ein Gewitter zieht auf." oder "Da braut sich was zusammen". Das finde ich eine besonders schöne Redewendung. Etwas brauen sagt man eigentlich, wenn man Bier herstellt. Wenn sich etwas zusammenbraut dann ist das sozusagen die große Himmelsküche, in der die dunklen Wolken entstehen. Vielleicht sagst du dann auch "Ein Sturm zieht auf". Ein Sturm ist ein gewaltiges Gemisch aus starkem Wind, oft Regen und auch Gewittern. Beim Wetterbericht, der zum Beispiel jeden Abend im Fernsehen gezeigt wird und uns vorhersagt, wie das Wetter am nächsten Tag wird, gibt es noch einige andere Faktoren. Zum Beispiel geht es dann um die Luftfeuchtigkeit und den Luftdruck. Ich mag zum Beispiel gar nicht, wenn die Luftfeuchtigkeit in unserem Haus im Winter sinkt. Die Luft wird trocken, weil die Heizung ihr die Feuchtigkeit entzieht. Das tut mir gar nicht gut. Den Luftdruck kann ich mit einem Barometer messen. Auch die Windstärke wird mit speziellen Instrumenten gemessen. Hier in Bayern haben wir übrigens noch ein ganz besonderes Wetter-Phänomen: Den Föhn. Das ist ein warmer Wind, der über die Alpen zu uns kommt. So haben wir manchmal sehr klare Sicht und warmes Wetter, obwohl es ein paar hundert Kilometer ganz anders aussieht. Das Klima ist natürlich etwas anderes als das Wetter. Beim Wetter geht es um eine Momentaufnahme. Um das, was Sonne und Wolken gerade so machen. Beim Klima schauen wir uns die großen Entwicklungen an. Deutschland liegt in der kühlgemäßigten Klimazone. Wir haben sowohl das maritime Klima aus Westeuropa, also den Einfluss des Meeres, als auch das kontinentale Klima aus Osteuropa. Aus dem Westen kommt oft milde Meeresluft vom Atlantik nach Deutschland. Ganz im Westen des Landes gibt es daher nicht so kalte Winter. Die tiefste bestätigte in Deutschland gemessene Temperatur waren -37,8 Grad in Bayern im Jahr 1929. Die höchste Temperatur 2019 in Niedersachsen mit 42,6 Grad. Ich kann hier in München, also in Bayern, sagen, dass wir im Sommer bis zu 30 Grad haben und im Winter bis minus 15. Kälter und wärmer wird es selten. Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg226kurz.pdf

    Der öffentlich-rechtliche Rundfunk – SG #225

    Play Episode Listen Later Dec 29, 2020 11:31

    In Deutschland gibt es den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Es ist ein tolles System, wie ich finde - aber es wird momentan oft kritisiert. Daher erzähle ich dir heute davon. Ich nehme dich erstmal wieder mit in die Vergangenheit. Wie so oft in der deutschen Geschichte geht es um den Zweiten Weltkrieg und um die Nazis. Der Krieg ist endlich vorbei und Deutschland ist in vier Teile aufgeteilt. Die Gewinner des Krieges werden die sogenannten „Besatzer“. Die Sowjetunion, Großbritannien, Frankreich und die USA sind jetzt in Deutschland. Es gibt viel zu tun, die alten Nazis müssen natürlich bestraft werden, aber es gibt noch eine Sache, die wichtig ist: Die Demokratisierung Deutschlands. Und dazu gehören auch die Medien. Während des Krieges hatten die Nationalsozialisten komplett alle Medien übernommen. Es gab nur noch Propaganda und keinen freien Journalismus mehr, denn dieser hätte ja das System kritisiert. Eine freie Presse ist aber wichtig für die Demokratie. Also musste so ein freies System aufgebaut werden. Als Vorbild nahm man sich die britische BBC. Der britische Journalist Hugh Greene wurde der Leiter des neuen Radiosenders „Nordwestdeuscher Rundfunk“, der im September 1945 in Hamburg auf Sendung ging. Langsam wurden weitere Rundfunkanstalten aufgebaut, der Bayerische Rundfunk in Bayern, kurz BR genannt, der Hessische Rundfunk in Hessen, kurz HR genannt und noch einige weitere. 1950 schlossen sich sechs solche Rundfunkanstalten zur ARD zusammen, die es heute noch gibt. Und ab 1963 gab es dann noch das ZDF, das zweite deutsche Fernsehen. Jetzt erstmal die Frage: Warum so viele Radiosender? Das ist ganz einfach zu beantworten: Damit es nicht wieder eine Gleichschaltung gibt. Wenn es also nur einen Radiosender für ganz Deutschland gibt dann ist die Gefahr groß, dass die Politik diesen wieder beeinflussen kann. So aber sind viele Sender unabhängig voneinander - und bleiben dadurch leichter unabhängig. Ihre Aufgabe ist es, die Menschen in Deutschland zu informieren. Mittlerweile machen sie aber viel mehr als das, sie unterhalten uns nämlich vor allem auch. Diese Unabhängigkeit wurde auch extra als Auftrag festgeschrieben. Er muss staatsfern und unabhängig sein. Unabhängig übrigens auch von Firmen. Und damit das klappt, dürfen sie während der Woche bis 20 Uhr nur 20 Minuten Werbung ausstrahlen. Danach gibt es gar keine Werbung, außer eventuell Sponsoring. Heute gibt es in Deutschland neun Landesrundfunkanstalten. An der Spitze jeder Landesrundfunkanstalt steht ein Intendant oder eine Intendantin, das ist also der Chef oder die Chefin. Diese Landesrundfunkanstalten betreiben 74 Radiosender und 21 Fernsehsender, darunter auch einen Kanal nur für Kinder. Die größten und bekanntesten Fernsehsender sind das ZDF und „Das Erste“, in dem beispielsweise auch die „Tagesschau“ läuft und der „Tatort“, der beliebte Fernsehkrimi. Die „Tagesschau“ ist die beliebteste Nachrichtensendung im deutschen Fernsehen, und sie hat eines der größten Korrespondentennetzwerke der Welt mit 100 Funk- und Fernsehkorrespondenten also Reportern in 26 Ländern. Auch die Serie „Der Tatortreiniger“ kommt aus dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen, genauer gesagt vom NDR. Die meisten der Radiosender senden nur in einem Bundesland, sie sind also regional. Dazu gibt es noch den Deutschlandfunk für ganz Deutschland und die Deutsche Welle für die ganze Welt. Neben Fernsehen und Radio gibt es natürlich noch viele Angebote im Internet. 46.000 Menschen arbeiten beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Ich arbeite auch dort, allerdings bin ich nicht fest angestellt, sondern eine sogenannte „feste Freie“. Ich bekomme also Urlaubsgeld und soziale Leistungen, kann aber jederzeit aufhören, dort zu arbeiten. Zurück zum System. Bis hierhin klingt das alles ganz gut, oder? Jetzt kommen wir zum Geld, und das ist der Haupt-Kritikpunkt. Zum einen verdienen die Rundfunkanstalten natürlich durch Werbung ihr Geld - wobei das wie vorhin schon gesagt recht wenig ist....

    Das Zukunftsdorf Feldheim – SG #224

    Play Episode Listen Later Dec 22, 2020 5:13

    Manchmal muss man sich gute Nachrichten suchen, damit die Welt nicht ganz so schlimm aussieht. Das habe ich heute getan. Ich habe etwas über das Dorf Feldheim in Brandenburg gelesen. Dieses Dorf ist winzig, es hat nur 130 Einwohner. Aber es ist trotzdem etwas ganz besonders. Und das ist zwar heute nur eine sehr kurze Geschichte, aber ich möchte sie dir trotzdem erzählen. Feldheim ist nämlich ein Dorf, das energieautark ist. Das bedeutet: Es versorgt sich selbst mit Strom und Wärme. Es braucht kein Erdöl, kein Erdgas, keinen Strom aus einem Atomkraftwerk oder so etwas - es benutzt vor allem erneuerbare Energien. Feldheim ist der einzige Ort in Deutschland, der das geschafft hat. Und so fing das alles an: Kurz nach der Wende, also nach der Deutschen Wiedervereinigung von Ost und West vor mittlerweile 30 Jahren, kam ein Student in dieses Dorf. Sein Name war Michael Raschemann. Und der hatte die Idee, in Feldheim Windräder aufzustellen. Die Menschen im Dorf überlegten kurz und sagten dann: Ja, das können wir probieren. Und sie stellten vier Windräder auf. Später entstand ein ganzer Windpark und heute hat das Dorf 60 Windräder. So kann Feldheim seinen eigenen Strom erzeugen. Es ist unabhängig von den großen Strom-Konzernen. Der Strom ist zudem absolut umweltfreundlich erzeugt. Und der Strom ist nur ungefähr halb so teuer wie „normaler“ Strom in Deutschland. Einen Stromausfall gab es übrigens noch nie. Aber den Feldheimern war das noch nicht genug. Sie überlegten, wie sie ihre Häuser heizen können ohne Heizöl oder Erdgas zu verbrauchen. Also wurde 2009 aus einer Biogasanlage in der Nähe die Wärme durch Leitungen in den Ort verlegt. Jedes Haus bekommt seither die Wärme der Biogasanlage geliefert. In einer Biogasanlage werden Mais und Gülle zu Gas und damit dann auch zu Strom und Wärme umgewandelt. Außerdem gibt es im Ort ein Holzhackschnitzel-Kraftwerk, in dem Reste aus der Holzverarbeitung verbrannt werden, um Energie zu erzeugen. Geplant ist auch eine Photovoltaikanlage, um die Sonnenenergie zu nutzen. Die bisherigen Energiequellen wurden zu einem Versorgungsnetz geknüpft - und eine Elektrotankstelle gibt es auch in Feldheim. Mittlerweile ist Feldheim eine Touristenattraktion. 3000 Besucher kommen jedes Jahr aus der ganzen Welt hierher, um von den Feldheimern zu lernen. Und der Student von damals ist immer noch in Feldheim und hat heute eine große Firma, mit der er in der ganzen Welt Windkraftanlagen baut. Noch eine schöne Geschichte zu Feldheim: Für jeden neu geborenen Bürger und jede Bürgerin pflanzt das Dorf einen Baum. Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg224kurz.pdf

    Arm und reich in Deutschland – SG #223

    Play Episode Listen Later Dec 15, 2020 7:06

    Wie arm oder reich sind die Menschen in Deutschland? Ich habe es herausgefunden. Allerdings sind die Zahlen von 2017. Sie stammen aus dem 5. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung. Also: 15 Prozent der Bevölkerung in Deutschland leben in Armut oder an der Armutsgrenze. Das sind ungefähr 13 Millionen Menschen. Oft sind das kranke und alte Menschen, Menschen ohne Arbeit oder Familien mit vielen Kindern. Besonders betroffen sind auch Alleinerziehende, also Vater oder Mutter, die alleine mit den Kindern leben. Leider sind 19 Prozent aller Kinder arm, das ist also jedes fünfte Kind in Deutschland. Aber was heißt denn überhaupt „arm“? Immerhin ist so etwas immer relativ. Denn Deutschland ist ein wohlhabendes Land, wenn man es mit vielen anderen Ländern der Erde vergleicht. Also berechnen wir aus allen Menschen in Deutschland erst einmal einen Durchschnitt. Wer dann viel weniger hat als diesen Durchschnitt, den nennen wir arm. Die Weltgesundheitsorganisation WHO sagt, wenn ein Mensch weniger als die Hälfte des durchschnittlichen Einkommens seines Landes hat, dann ist er arm. Die Berechnungen der Bundesregierung definieren Armut mit weniger als 60% des mittleren Einkommens. Ein Beispiel mit Zahlen: 2015 war man in Deutschland arm, wenn man weniger als 12.192 Euro pro Jahr verdiente. Netto, also nach Abzug von Steuern und Abgaben. Reich war man mit 40,639 Euro netto pro Jahr. In Deutschland lag die Armutsgrenze im Jahr 2018 für einen Erwachsenen bei 1135 Euro Einkommen pro Monat. Hungern muss in Deutschland kaum jemand, es gibt soziale Hilfen. Aber arme Menschen sind öfter krank und sterben früher, Frauen acht und Männer elf Jahre früher. Sorgen macht mir, dass es immer mehr arme Menschen gibt. Und immer mehr reiche Menschen. Was weniger wird, ist die Mittelschicht. Also die Menschen, die ein mittleres Einkommen haben, denen es eigentlich ganz gut geht. Die Menschen in Ostdeutschland sind sechs Mal so häufig von Armut betroffen wie die in Westdeutschland. Und so richtig reich sind vor allem Männer im Westen: 95 Prozent der Reichen sind Männer, die im Westen leben. 1,35 Millionen Menschen in Deutschland besitzen mindestens eine Million Euro. Und 2400 davon haben mehr als 100 Millionen Dollar. Bleiben wir kurz bei den Reichen. Das reichste Prozent der Deutschen hat 35% des Gesamtvermögens auf ihrem Konto. Einem hundertstel der Menschen gehören also ein Drittel der Gelder. Wenn wir die obersten zehn Prozent nehmen, dann sind es sogar zwei Drittel des Vermögens. Die reichsten Deutschen sind Beate Heister und Karl Albrecht Jr. und die Familie Theo Albrecht. Alle drei haben ihr Geld dem Lebensmittel-Discounter Aldi zu verdanken. Danach kommt Dieter Schwarz, ebenfalls Lebensmittel. Er ist die reichste Einzelperson Deutschlands mit einem geschätzten Vermögen von 41,5 Milliarden Euro. An Platz vier ist die Familie Reimann, von der ich ehrlich gesagt noch nie gehört hatte. Dahinter steckt die Chemiefirma Benckiser. Und an Platz 5 der reichsten Deutschen steht Susanne Klatten, die BMW-Erbin. Bis 1996 gab es in Deutschland eine Vermögenssteuer. Besonders reiche Menschen mussten also einen Teil ihres Vermögens abgeben. Dann entschied allerdings das Bundesverfassungsgericht, dass das nicht gerecht sei: Die Menschen müssen laut dem Grundgesetz gleich behandelt werden. Ich würde mir wünschen, dass viele der besonders reichen Menschen einen großen Teil ihres Vermögens abgeben. Freiwillig. Dass sie damit Gutes tun, arme Menschen unterstützen, für Bildung sorgen oder für gesundheitliche Aufklärung oder Forschung. Manche tun das - die meisten aber tun es nicht. Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg223kurz.pdf

    Der Untergang der „Wilhelm Gustloff“ – SG #222

    Play Episode Listen Later Dec 8, 2020 8:58

    Die Geschichte der Titanic kennst du sicher. Aber kennst du auch die Geschichte der "Wilhelm Gustloff"? Das war ein deutsches Schiff, das von einem U-Boot angegriffen wurde und sank. Zwischen 4000 und 9000 Menschen kamen ums Leben. Ich erzähle dir die ganze Geschichte. Das Schiff wurde in Deutschland gebaut und war 1938 fertig. Adolf Hitler war bei der Schiffstaufe dabei. Es wurde auf den Namen "Wilhelm Gustloff" getauft, das war kurz gesagt ein Nazi. Das Schiff war für den Transport von Menschen gedacht. Es hatte Kabinen mit Kleiderschrank, Waschbecken mit fließendem Wasser, Tisch und Stühlen und einem Sofa. Toiletten, Duschen und Badewannen waren außerhalb der Kabine und wurden von verschiedenen Menschen benutzt. Man teilte sich also das Bad. Außerdem hatte das Schiff noch ein Schwimmbad und einen Aufenthaltsraum, eine Turnhalle, eine Musik- und Theaterhalle, Speisesäle und eine eigene Bäckerei und Schlachterei. Es war also wie du dir vorstellen kannst ein großes Schiff. 208 Meter lang und 23 Meter breit. Zum Vergleich: Die Titanic war ungefähr 60 Meter länger und 5 Meter breiter. Jetzt musst du dir vorstellen, dass die Welt gerade auf den Zweiten Weltkrieg zusteuert. Die Nazis werden immer mächtiger. Sie schicken die "Wilhelm Gustloff" 1938 nach London. Dort soll es die in England lebenden Deutschen besuchen und sie bei der Reichstagswahl wählen lassen. Danach fuhr das Schiff nach Portugal. Später ging es nach Italien, Norwegen, Spanien. Es war also einfach ein Kreuzfahrtschiff. Und dann begann der Krieg. Kreuzfahrten gab es nicht mehr. Die "Wilhelm Gustloff" wurde zum Lazarettschiff. Ein Lazarett ist ein Krankenhaus im Krieg, in dem Verwundete gepflegt werden. Das Schiff transportierte Verletzte und wurde grau gestrichen, damit es sich besser tarnen konnte, also nicht so gut sichtbar war. Und jetzt schauen wir nach Ostpreußen. Das ist ein Gebiet, das heute zu Polen beziehungsweise Russland und Litauen gehört. Gegen Ende des verlorenen Krieges wurden die Menschen von dort evakuiert. Man brachte sie nach Deutschland. Die "Wilhelm Gustloff" half mit und transportierte viele Menschen. Am 30. Januar 1945 legte sie in Gotenhafen ab, sie hatte ungefähr 10.000 Passagiere an Bord. Ungefähr 8800 von ihnen waren Zivilisten, viele davon Kinder. Dazu noch Soldaten der Wehrmacht, einige von ihnen verwundet. Vier Kapitäne waren an Bord. Sie wussten, dass es eine gefährliche Reise werden würde. Denn sowjetische U-Boote waren in dieser Region unterwegs. Was sollten sie tun? Sie überlegten, abgedunkelt zu fahren, also ohne Licht. Oder durch sehr flaches Wasser, wo die U-Boote nicht fahren konnten. Dafür war das Schiff aber zu schwer, es hatte zu viele Menschen geladen. Letztlich fuhren sie beleuchtet durch normal tiefes Wasser - und wurden am Abend von einem sowjetischen U-Boot gesichtet. Vier Torpedos wurden abgeschossen, drei davon trafen die "Wilhelm Gustloff". Das Schiff wollte einen Notruf senden, aber die Anlage war kaputt. Sie versuchten es über ein UKW-Funkgerät, das aber nicht sehr weit funken konnte. Die Notrufe wurden nicht gehört. Die "Wilhelm Gustloff" schoss Leuchtsignale in die Luft, und das Begleitschiff "Löwe" sah diese Signale. Es sendete den Notruf - aber auf der falschen Frequenz. Man kann also sagen dass viele unglückliche Zufälle dazu führten, dass die Notlage des Schiffes viel zu spät bemerkt wurde. Die helfenden Schiffe konnten nur 1252 Menschen retten. Eine Stunde später sank das Schiff. Man weiß nicht genau, wie viele Menschen an Bord waren, da sie in Panik auf der Flucht waren, da gab es keine genaue Registrierung. Schätzungen gehen aber davon aus, dass 9000 Menschen bei diesem Unglück ums Leben kamen. Wie bei der Titanic gab es zu wenige funktionierende Rettungsboote. Außerdem war es -20 Grad kalt in dieser Nacht. War es ein Verbrechen, dieses Passagierschiff zu versenken? Nein. Damals galt das Kriegsvölkerrecht. Die "Wilhelm Gustloff" war eigentlich ein bewaffneter Truppentransporter,

    Verschwörungsmythen und Verschwörungstheorien – SG #221

    Play Episode Listen Later Dec 1, 2020 9:40


    Im Moment verbreiten sich Verschwörungsmythen in Deutschland. Früher nannte man das auch eine Verschwörungstheorie. Was ist das? Es geht darum, dass manche Menschen versuchen, einen Zustand durch eine Verschwörung zu erklären. Eine Verschwörung ist also eine bewusste Aktion einer kleinen Gruppe, die etwas Böses will. Aktuell tauchen diese Verschwörungsmythen vor allem im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie auf. Anstatt auf die Wissenschaft zu hören, glauben einige Menschen, dass es Corona gar nicht gibt. Dass es sich einige reiche Menschen wie Bill Gates ausgedacht haben, um damit die Menschen zu Sklaven zu machen, durch Zwangsimpfungen oder durch einen implantierten Chip. Oder durch Chemtrails, diese Streifen, die Flugzeuge am Himmel verursachen. Verschwörungsmythen sind nichts Neues. Es gab sie schon in der Antike. Antisemitische Verschwörungsmythen halfen mit, den Holocaust möglich zu machen. Hitler verbreitete Angst und Hass auf das von ihm so genannte „Weltjudentum“. Immer gibt es ein Feindbild in diesen Mythen. Immer wird Hass geschürt und Angst, um danach mit Gewalt auf die betroffene Gruppe reagieren zu können. In den USA gibt es bekannte Verschwörungstheorien um das Attentat auf John F. Kennedy oder die Anschläge auf das World Trade Center im Jahr 2001. Und weil wir heute das Internet haben, verbreiten sich solche Ideen viel schneller als früher. Aber wie entstehen solche Ideen? Es ist eigentlich ganz einfach. Unser Gehirn sucht nach Zusammenhängen. So funktionieren wir nunmal. Wenn wir gestresst sind oder eine Situation für uns nicht erklärbar ist, suchen wir eine Lösung. Wir greifen ein paar Fakten auf und versuchen, diese in einen Zusammenhang zu bringen. Weil wir verstehen wollen, was passiert. Und dann liegt der Gedanke nahe, dass es „wir“ und „sie“ gibt. Also „wir hier unten“ und „die da oben“. Dass es Gut und Böse gibt. Dass irgendjemand uns steuert. Solche Mythen entstehen vor allem in Zeiten, in denen wir eine Krise haben. Wenn wir uns bedroht fühlen und Angst haben. Wenn wir Dinge nicht verstehen können, weil sie zu kompliziert sind. Es ist eben viel einfacher daran zu glauben, dass ein Bösewicht hinter den Dingen steht, als einfach nur ein Zufall. Es ist ein sehr spezielles Denken. Den Zufall gibt es für Menschen, die an Verschwörungstheorien glauben, nicht. Alles wird gesteuert, nichts passiert einfach so. Und auch die Dinge, die wir sehen und normal finden, sind nur eine Tarnung. Dahinter passiert etwas anderes, so denken die Verschwörungstheoretiker. Sie sind auf der Suche nach einer geheimen Wahrheit, die wir anderen, dummen Menschen einfach nicht sehen wollen. Sie suchen geheime Muster, sie denken, alles hängt miteinander zusammen. Alles hat einen Sinn. Es gibt kleine Verschwörungstheorien und sehr große. Die kleine, an die vielleicht auch du glauben kannst, ist zum Beispiel die Idee, dass die Mondlandung nie stattgefunden hat. Dann gibt es Verschwörungen, die Erklärungen nicht glauben, zum Beispiel die offizielle Erklärung zum Mord an John F. Kennedy. Sie denken, dass noch etwas anderes dahinter steckt. Vielleicht ist das so - wer weiß. Aber dann gibt es die großen Verschwörungsmythen, die einfach wie Märchen klingen. Zum Beispiel, dass es außerirdische Wesen gibt, die uns beherrschen, die sogenannten Reptiloiden. Oder dass die Erde eine Scheibe ist. Ich persönlich kann nicht verstehen, wie man so etwas glauben kann. Jetzt zu den modernen Verschwörungstheorien, die gerade unterwegs sind. Da gibt es die Leugnung des menschengemachten Klimawandels. Alle Fakten werden bestritten. Es wird behauptet, die Forscher würden ihre Ergebnisse fälschen. Menschen wie Donald Trump machen eifrig mit, solche Ideen zu verbreiten. Er schrieb in einem Tweet 2012, das Konzept des Klimawandels wäre „von den und für die Chinesen erfunden, um der Wettbewerbsfähigkeit der Industrie in den USA zu schaden“. Auch Covid-19 wird nicht einfach als Seuche gesehen, sondern als biologische Waffe,


    Deutscher Film: „Der Schuh des Manitu“ – SG #220

    Play Episode Listen Later Nov 26, 2020 5:48

    Viele meiner Hörerinnen und Hörer haben sich gefreut, dass ich vor kurzem über den Film "Fack Ju Göhte" gesprochen habe. Also habe ich mir gedacht: Heute erzähle ich Dir etwas über den erfolgreichsten deutschen Film aller Zeiten! Er heißt "Der Schuh des Manitu". Dazu muss ich einiges erklären, glaube ich. Fangen wir ganz vorne an: Seit Jahrzehnten sind die Bücher von Karl May beliebt in Deutschland. Karl May lebte von 1842 bis 1912 und schrieb Abenteuerromane. Sehr bekannt wurden seine Bücher über den "Indianer" Winnetou, der sich mit dem weißen Cowboy Old Shatterhand anfreundete. Die Bücher spielen im sogenannten Wilden Westen, also in den USA. Winnetou war in den Büchern ein Häuptling der Apachen. Er kämpfte für Gerechtigkeit und Frieden. In den 1960er-Jahren wurden Filme gedreht, in denen die Figur des Häuptlings Winnetou die Hauptrolle spielte. Gespielt wurde er vom französischen Schauspieler Pierre Brice. Elf derartige Filme gab es in den 60er-Jahren, und sie waren sehr beliebt. So, das war jetzt eine lange Vorgeschichte. Kommen wir zu "Der Schuh des Manitu". Denn dieser Film ist eine Parodie der Winnetou-Filme und des ganzen Genres der Westernfilme. Der Film ist eine Komödie. Hinter diesem erfolgreichen Film, der 2001 ins Kino kam, steht Michael "Bully" Herbig. Er ist ein erfolgreicher Komiker, Schauspieler, Regisseur und noch vieles mehr. In diesem Film schrieb er gemeinsam mit anderen Autoren das Drehbuch, er führte Regie, war Produzent und spielte die zwei Hauptrollen. Worum geht es in dem Film? Der weiße Südstaatler Ranger hat den Häuptling der Apachen Abahachi gerettet. Seitdem sind sie Blutsbrüder. Dann wird es etwas chaotisch, es geht um einen toten Häuptlingssohn, um einen Schatz, um einen Bösewicht und um einen Marterpfahl. Eigentlich geht es aber einfach um die Freundschaft der beiden Männer. Vieles im Film ist einfach Slapstick, es sind einfach sehr viele Witze aneinandergereiht. Für dich wird der Film wahrscheinlich schwer zu verstehen sein - denn die meisten Figuren sprechen mit bayerischem Dialekt. Und dann sind wir auch wieder beim Punkt der politischen Korrektheit. Ist dieser Film politisch korrekt? Ganz klar: Nein. Natürlich werden die "Indianer" als Klischeefiguren dargestellt. Und der Zwillingsbruder des Häuptlings ist ein in rosa gekleideter überzeichnet schwuler Mann. Natürlich ist das alles Quatsch - aber niemals bösartig. Fast 12 Millionen Menschen sahen den Film im Kino. Und Michael "Bully" Herbig machte danach mit seinen beiden Freunden Rick Kavanian und Christian Tramitz noch viele weitere, sehr erfolgreiche Filme, zum Beispiel "(T)raumschiff Surprise", eine Parodie auf Star Trek, das auf Deutsch "Raumschiff Enterprise" hieß. Bekannt wurden die drei übrigens durch eine Fernsehsendung namens "Bullyparade" - hier ein Sketch daraus, der schon über 20 Jahre alt ist und in der die Figuren des Indianerhäuptlings und des Rangers schon vorkommen: Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg220kurz.pdf

    Muslime in Deutschland – SG #219

    Play Episode Listen Later Nov 16, 2020 8:47

    Deutschland ist ein christlich geprägtes Land. Ich habe Dir schon in einer anderen Episode von den Religionen hier erzählt. Heute möchte ich eine Religion herausgreifen, und zwar den Islam. In Deutschland leben ungefähr 4 Millionen Muslime. Das sind etwas mehr als 5 Prozent der Gesamtbevölkerung. Knapp 2,5 Milionen dieser Menschen haben türkische Wurzeln. 45% der in Deutschland lebenden Muslime sind mittlerweile deutsche Staatsangehörige, haben also einen deutschen Pass. Nach 1961 kamen viele Menschen aus der Türkei nach Deutschland, um hier als sogenannte Gastarbeiter zu arbeiten. Viele von ihnen blieben für immer in Deutschland und bekamen hier Kinder. Deswegen gibt es hier schon viele Türkinnen und Türken in der dritten Generation, die perfekt integriert sind. Die größte Glaubensrichtung der Muslime in Deutschland bildern die Sunniten mit fast drei Vierteln aller muslimischen Männer und Frauen in Deutschland. Ein Drittel der muslimischen Menschen in Deutschland ist stark gläubig, ihnen ist ihre Religion also sehr wichtig. 50% sind "eher" gläubig, also etwas weniger als die andere Gruppe. Es gibt mehr als 2000 islamische Gemeinden in Deutschland, in vielen ist ein Imam tätig. Die meisten dieser Imame kommen aus der Türkei für einige Jahre nach Deutschland und gehen dann wieder zurück. Es gibt zwar 159 Moscheen mit Kuppel und Minarett in Deutschland, viele andere Moscheen sind aber eher versteckt und oft am Stadtrand. Das Stadtbild prägen sie nicht - hier sind nur die vielen Kirchen zu sehen. Um für einen Dialog zwischen den Kulturen zu sorgen, gibt es die Deutsche Islam Konferenz. Sie wurde 2006 vom Bundesministerium des Innern gegründet. Der damalige Innenminister Wolfgang Schäuble sagte: "Der Islam ist Teil Deutschlands und Teil Europas. Er ist Teil unserer Gegenwart und er ist Teil unserer Zukunft. Muslime sind in Deutschland willkommen. Sie sollen ihre Talente entfalten und sie sollen unser Land mit weiter voranbringen". In den Jahren 2011 bis 2015 kamen viele Menschen aus anderen Ländern nach Deutschland. 2015 war der Höhepunkt der sogenannten Flüchtlingskrise. In diesen vier Jahren kamen 1,2 Millionen muslimische Menschen nach Deutschland. Es gibt immer wieder Konflikte, die in der deutschen Gesellschaft diskutiert werden. Gestritten wird zum Beispiel über das Kopftuch, das manche muslimische Frauen tragen. In einigen Bundesländern wurde verboten, dass Lehrerinnen an Schulen und Hochschulen ein Kopftuch tragen. Allerdings hat das Bundesverfassungsgericht, also das oberste Gericht Deutschlands, entschieden, dass so ein pauschales Verbot nicht möglich ist. Denn in Deutschland gibt es die Glaubensfreiheit. Menschen dürfen also nicht aufgrund ihrer Religion bestraft oder diskriminiert werden. Allerdings ist es seit 2017 verboten, beim Autofahren einen Gesichtsschleier zu tragen. Hier geht es natürlich um die Verkehrssicherheit. Es gibt aber noch andere Unterschiede: Bei den Grundschulkindern ist es in Deutschland üblich, dass Jungen und Mädchen gemeinsam Sport machen. Das möchten viele Eltern von muslimischen Mädchen allerdings nicht. Es gibt auch Schwimmunterricht in vielen deutschen Schulen, an denen die muslimischen Mädchen oft nicht teilnehmen dürfen, weil ihre Familien das nicht möchten. In den deutschen Schulen gibt es Religionsunterricht. Hier im katholischen Bayern haben die Kinder in der dritten und vierten Klasse drei Stunden Religionsunterricht pro Woche. Wer nicht in den evangelischen oder katholischen Religionsunterricht geht, der kann in einen Alternativunterricht gehen, der sich "Ethik" nennt. Hier werden die Weltreligionen durchgenommen und viele Philosophien. An 900 Schulen in Westdeutschland und Berlin gibt es mittlerweile auch islamischen Religionsunterricht. Diesen gibt es natürlich nur, wenn genug muslimische Kinder an einer Schule sind. Und wenn es überhaupt organisiert werden kann, einen Lehrer oder eine Lehrerin dafür zu bekommen. 60.

    Die Hobbys der Deutschen – SG #218

    Play Episode Listen Later Oct 28, 2020 5:08

    Was sind die liebsten Hobbies der Menschen in Deutschland!? Darüber möchte ich dir heute etwas erzählen. Eine Studie hat ergeben, dass mehr als 28 Prozent der Menschen in Deutschland ihre Freizeit im Garten verbringen. Kennst du das Wort Gartenarbeit? Das umfasst alles, was ich im Garten mache, zum Beispiel Obst und Gemüse anpflanzen und ernten, Unkraut jäten, den Rasen mähen oder Blumen düngen. Gut daran ist vor allem die frische Luft und die körperliche Betätigung im Grünen. Das hält fit. Auf Platz zwei der liebsten Hobbies ist das Shopping, also Einkaufen. Ob Lebensmittel oder Kleidung – viele Menschen gehen gerne shoppen. Ist schon wieder Schlussverkauf? Ab zum nächsten Klamottenladen! Oder man ist nur kurz bei E-bay, und Zack - gekauft. Online-Shopping ist einfach sehr verlockend. 27% der Menschen in Deutschland geben das als ihr Hobby an. Rätsel zu lösen ist als Hobby ebenfalls sehr beliebt, 17% machen das gerne. Das Alter spielt dabei keine Rolle. Beliebt sind vor allem Sudokus und Kreuzworträtsel. Die sind übrigens auch sehr gut als Übung geeignet, um Deutsch zu lernen! Die nächste Gruppe passt besser zu mir als die Rätsellöser: 16 Prozent der Deutschen verbringen ihre Freizeit lieber in einem Restaurant. Das kann ich gut verstehen. Bei diesem Hobby hätte ich selber vermutet, dass die Zahl größer ist: 13 Prozent der Menschen in Deutschland haben ein besonderes Interesse an Spielen. Dazu gehören Computerspiele und Glücksspiele. Am Computer zu spielen nennt man übrigens auch gerne zocken. Einige Deutsche führen auch kleinere und einfache Reparaturen an ihrem Haus oder in ihrer Umgebung aus, sobald sie etwas Freizeit haben. Zum Beispiel streichen sie das Wohnzimmer oder tapezieren das Schlafzimmer. Da während der Corona-Pandemie alle Menschen viel Zeit zu Hause verbrachten, haben viele ihre Wohnungen renoviert und es sich gemütlicher eingerichtet. Ich habe das an den langen Schlangen im Baumarkt gemerkt. Nur 9% der Menschen verbringen ihre Freizeit in Sportvereinen und Fitnessstudios. Und auch wenn viele Leute denken, dass Fußball eines der zehn besten Hobbys in Deutschland ist, sieht die Realität anders aus: Fußball ist keineswegs die beliebteste Hobby-Sportart in Deutschland. Es ist zwar beliebter als Mountainbiken und Rennrad fahren, Tanzen, Walking sowie Turnen und Gymnastik schneiden in der Statistik besser ab. Übrigens gehen mehr als 7% gerne in die Sauna oder das Dampfbad. So, das waren die wichtigsten Hobbies der Menschen in Deutschland. Was fällt mir noch ein? Puzzles machen, Katze streicheln, reiten... Mein Hobby ist seit diesem Jahr Bonsai. Und ich lese gerne, komisch, dass das nicht in der Statistik aufgetaucht ist. Welche Hobbys hast du? Schreib mir gerne in die Kommentare! Diese Episode hat mein Hörer Bahman recherchiert und als Entwurf geschrieben. Danke! Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg218kurz.pdf

    Konsum in Deutschland – SG #217

    Play Episode Listen Later Oct 13, 2020 6:19

    Ich habe eine interessante Tabelle gefunden, aus der ich dir heute etwas erzählen möchte. Es geht dabei um die Konsumausgaben privater Haushalte in Deutschland. Es ist also die Frage, wofür die Menschen in Deutschland ihr Geld ausgeben. Ich werde dir dabei die Originalbegriffe aus der Tabelle nennen und sie erklären. Jeder Haushalt in Deutschland gibt pro Monat im Durchschnitt 2704 Euro aus. Vielleicht sollte ich das Wort Haushalt erklären. Wenn ich alleine in einer kleinen Wohnung wohne, dann ist das ein Haushalt. Wenn eine Familie mit drei Kindern in einem Haus wohnt, ist das auch ein Haushalt. Es ist also jeweils eine Wohneinheit. Am meisten Geld, nämlich 908 Euro pro Monat, geben die Menschen für Wohnen, Energie und die Wohnungsinstandhaltung aus. Wohnen ist klar, das ist also die Miete für eine Wohnung oder der Kredit für ein Haus. Das ist ein Drittel aller Ausgaben. Energie ist auch klar, das sind Stromkosten oder Gas oder Heizöl. Und Wohnungsinstandhaltung sind Ausgaben, bei denen man etwas repariert oder modernisiert. An zweiter Stelle steht der Verkehr, also das Fahrrad, das ich mir neu kaufe, oder das Auto, oder auch Bahnfahrkarten. 379 Euro gibt ein normaler deutscher Haushalt dafür jeden Monat aus. Und an dritter Stelle kommen in Deutschland dann Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren. Nahrungsmittel nennt man auch Lebensmittel, das sind also Obst, Gemüse, Fleisch, Nudeln und andere Dinge, die wir essen können. Getränke sind klar, und Tabakwaren sind Zigaretten und Zigarren. Das sind immerhin noch 360 Euro pro Monat. Diese drei Posten waren jetzt eigentlich die wichtigsten, denn da geht es darum, dass wir ein Dach über dem Kopf haben, etwas zu essen und uns bewegen können. Mal sehen, was auf Platz vier steht. Da ist der Punkt „Freizeit, Unterhaltung und Kultur“. Wir möchten gerne Sport machen, auf ein Konzert gehen oder ins Kino gehen. Das kostet alles Geld. 304 Euro gibt ein deutscher Haushalt dafür pro Monat im Schnitt aus. Ins Restaurant gehen, in einem Hotel schlafen oder in ein Café gehen - das kostet den deutschen Haushalt 168 Euro im Monat. Für Innenausstattung, Haushaltsgeräte und -gegenstände sind es 137 Euro, das sind also Möbel oder Küchengeräte. Für Bekleidung und Schuhe sind es 122 Euro pro Monat, für die Gesundheit 115 Euro. Handy und Telefon kosten im Durchschnitt 71 Euro pro Monat - und dann kommt etwas, was ich traurig finde: Für das Bildungswesen gibt ein normaler deutscher Haushalt nur 28 Euro aus. Das Bildungswesen, das sind alle Arten von Schulen. Bei größeren Haushalten ist das mehr, denn diese haben dann natürlich auch mehrere Kinder, die noch in die Schule gehen. Jetzt weißt du, wofür die Menschen in Deutschland ihr Geld ausgeben. Wie ist das in deinem Land oder bei dir selbst? Schreib gerne eine Mail an mich oder einen Kommentar! Den Link zur Tabelle findest du auf slowgerman.com. Die Zahlen sind vom Statistischen Bundesamt, Stand Februar 2020. https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Einkommen-Konsum-Lebensbedingungen/Konsumausgaben-Lebenshaltungskosten/Tabellen/privater-konsum-haushaltsgroesse-evs.html Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg217kurz.pdf

    Birkenstock – die Schuhe und die Firma – SG #216

    Play Episode Listen Later Oct 6, 2020 6:28

    Ich stelle dir immer wieder gerne deutsche Firmen vor. Du kennst das bestimmt: Eine Marke ist berühmt auf der ganzen Welt, aber irgendwie weiß niemand, wer eigentlich dahintersteckt! So ging es mir mit der Marke Birkenstock. Birkenstock stellt Schuhe her, vor allem Sandalen, also offene Schuhe. Man erkennt sie sofort. Ich wusste aber nicht, dass dahinter eine so alte Firma steckt! Plakat des blauen Fußbetts von Birkenstock / Foto: BIRKENSTOCK Wir reisen also zurück in das Jahr 1774. Ja, wirklich, 1774! Damals gab es einen Schuhmachermeister namens Johann Adam Birkenstock. Er lebte in einem kleinen Ort in Hessen. Recht viel mehr weiß ich nicht von ihm, aber immerhin wurden damals schon Birkenstock-Schuhe gemacht. 1896 hat dann ein Konrad Birkenstock zwei Schuhgeschäfte in Frankfurt am Main eröffnet. Er erfand das „Blaue Fußbett“. Ein Fußbett ist der Teil des Schuhs, den Dein Fuß berührt. Innen im Schuh. Bei normalen Schuhen ist das Fußbett einfach nur eine glatte Fläche, aber bei Birkenstocks blauem Fußbett passte sich das Fußbett an den Fuß des Trägers an. Eine Revolution! Heute haben das natürlich viele Schuhe. Damals war es neu. Ein Enkel von Konrad, sein Name war Carl Birkenstock, führte diese Idee fort und verbesserte sie noch weiter. Er erfand das Kork-Fußbett, das heute berühmt ist für Birkenstock-Sandalen. Die erfand Carl übrigens 1964. Waren sie damals schon modisch und cool? Nein, überhaupt nicht! Erstmal trugen nur Ärzte und Ärztinnen oder Pfleger und Pflegerinnen diese Schuhe. Sie waren weiß und sahen eher langweilig aus. Aber sie waren bequem und man konnte gut den ganzen Tag damit laufen. Dann entdeckten die amerikanischen Hippies die Sandalen und in den 1980er-Jahren fanden auch einige Deutsche die Schuhe super, und zwar vor allem Menschen aus der Friedensbewegung. Viele trugen die Schuhe aber nur zu Hause oder in ihrer Freizeit. Sie galten in Deutschland lange als „Ökolatschen“. Die Produktion eines Schuhs / Foto: BIRKENSTOCK Heute hat die Firma Birkenstock 3800 Mitarbeiter weltweit, 95% davon in Deutschland. Der Umsatz lag bei 770 Mio. Euro. im Jahr 2019. Die Sandalen sind heute bunt und beliebt, ich sehe sie an den Füßen von jungen Mädchen und alten Männern. Das Marketing hat schlau einen Imagewechsel bewirkt: Eine Mode-Designerin half mit, die Schuhe kamen auf den Laufsteg und sogar auf die Oscar-Verleihung - und plötzlich waren sie hip. Charlize Theron trug sie - was kann da noch schiefgehen? 30 Millionen Paar Schuhe verkaufte Birkenstock im Jahr 2019. Unglaublich, oder? Ist mir die Firma sympathisch? Ich selber habe nur als Teenager Birkenstock-Sandalen getragen, und zwar als Hausschuhe in der Schule. Ja, sie waren bequem - aber ich mochte sie nicht. Ich habe gelesen, dass Birkenstock Frauen im Betrieb einen Euro weniger pro Stunde zahlte als den Männern - ein Minuspunkt in meiner Bilanz. Andererseits habe ich auch gelesen, dass Birkenstock sich mit Amazon angelegt hat - ein Pluspunkt. Außerdem werden die meisten Birkenstocks hier in Deutschland produziert. Birkenstock ist der größte Schuhhersteller Deutschlands. Brav. Also ist mein Verhältnis zu Birkenstock ausgeglichen. Und du? Magst du Birkenstock-Schuhe? Danke an die Firma BIRKENSTOCK für die hier kostenlos bereitgestellten Fotos! Diese Fotos dürfen NICHT kopiert werden. Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg216kurz.pdf

    Die Gender-Debatte in Deutschland – SG #215

    Play Episode Listen Later Sep 29, 2020 9:08

    Es tut mir leid, dass ich in diesem Fall nicht so richtig vom Anglizismus wegkomme. Natürlich kann ich sagen, dass es in der heutigen Episode über die Geschlechterdebatte geht - aber das Wort Gender hat sich in Deutschland mittlerweile durchgesetzt. Es geht heute also um Männer, Frauen - und nicht nur das. Natürlich ist das mal wieder ein Thema, das ich nur oberflächlich besprechen kann. Immerhin gibt es ganze Forschungszweige darüber. Denn wir reden heute auch über das dritte Geschlecht. So bezeichnen wir Menschen, die sich weder als „männlich“ noch als „weiblich“ einordnen möchten oder können. Seit 2018 dürfen sich diese Menschen in ihren Ausweis das Geschlecht „divers“ eintragen lassen. Der Bundestag hat das als Gesetz verabschiedet. Das bedeutet, dass bei der Geburt eines Kindes auch das „diverse“ Geschlecht eingetragen werden kann, wenn diese Kinder nicht eindeutig das männliche oder weibliche Geschlecht haben. Früher war es so, dass die Eltern sich entscheiden mussten. Seitdem ist es übrigens auch üblich, dass bei Stellenanzeigen zum Beispiel steht „Verkäufer (m/w/d). Für viele Menschen in Deutschland war das alles ein großes Problem. Sie regten sich auf, als es Diskussionen über Toiletten gab. Ein Beispiel: Eine als Frau geborene Person fühlt sich eigentlich als Mann. Das nennt man transgender. Der Körper bleibt aber der einer Frau, wenn sich diese Person keinen Operationen unterzieht. Auf welche Toilette sollte die Person also gehen? Auf der Frauentoilette würde niemand etwas merken - aber die Person selber würde sich nicht wohlfühlen. Auf der Männertoilette würde sie sich selber gut fühlen, die Männer dort wären aber verwirrt. Daher wurde diskutiert, entweder wieder Unisex-Toiletten einzuführen, also Toiletten für alle Menschen, egal welchen Geschlechts. Oder man wollte spezielle Toiletten bauen, die für all jene wären, die sich weder als „Mann“ noch als „Frau“ sehen. Als „Gender-Wahn“ oder „Gender-Gaga“ wurden Gespräche über das dritte Geschlecht oft abgetan. Sehr ernst wird auch eine andere Diskussion geführt, und zwar jene um die Ungleichbehandlung von Männern und Frauen. Der sogenannte „Gender Pay Gap“ ist natürlich auch in Deutschland ein Thema. Frauen verdienen im Durchschnitt weniger als Männer mit der gleichen Qualifikation. Oft werden auch die höheren Posten mit Männern besetzt, nicht mit Frauen. In der Politik tut sich da zum Glück einiges: Angela Merkel ist schon sehr lange unsere Kanzlerin. 40 Prozent der Ministerposten sind mit Frauen besetzt. Im Parlament sitzen aber nur 30 Prozent Frauen. Weiterhin bleibt die Familie Frauensache in Deutschland: Nur 55 Prozent der Frauen arbeiten, bei den Männern sind es 78 Prozent. Ein Thema, das mich gerade sehr beschäftigt, ist das Thema Sprache. Unsere deutsche Sprache geht in der Regel von Männern aus. Ein Beispiel: In den Nachrichten wird von einer aktuellen Forschung berichtet. Der Sprecher sagt dann: „60 Wissenschaftler haben eine Entdeckung gemacht“. Es sind also Wissenschaftler - nicht Wissenschaftlerinnen. Um das zu verhindern, gibt es verschiedene Möglichkeiten: Lange Zeit sah man dann ein großes „I“ im Wort. Dann waren es also WissenschaftlerInnen. Dieses sogenannte Binnen-I sollte Männer und Frauen gleich behandeln und für eine geschlechtergerechte Sprache sorgen. In der offiziellen deutschen Rechtschreibung gibt es das große „I“ mitten in einem Wort nicht. Und ich hatte auch gerade beim Schreiben des Textes das Problem, dass meine Autokorrektur das große „I“ als Tippfehler entfernt hat. Außerdem sieht es immer aus wie ein kleines „l“, oder? Wie kann ich denn dann kennzeichnen, dass ich alle Geschlechter meine? Viele verwenden das sogenannte Gendersternchen, also dann wären es die Wissenschaftler*innen. Aber das sieht auch immer komisch aus, finde ich. Es trennt das Wort. Und: Screenreader, die beispielsweise für blinde Menschen den Text vorlesen, lesen dann so wie ich gerade „Wissenschaftler*innen“.

    Der Film „Fack Ju Göhte“ – SG #214

    Play Episode Listen Later Sep 22, 2020 5:25

    Es wird mal wieder Zeit für einen deutschen Kinofilm! Ich erzähle dir heute etwas über den Film „Fack Ju Göhte“, der 2013 in die Kinos kam. Es ist eine Komödie ab 12 Jahren, das bedeutet, dass er für Kinder unter 12 Jahren nicht geeignet ist. Das liegt vor allem daran, dass im Film sehr viel geflucht wird - Sex und Gewalt kommen auch vor. Und er ist garantiert nicht politisch-korrekt… Der Film beginnt im Gefängnis. Ein junger Mann wird entlassen. Wieder draußen in der freien Welt will er als Erstes an das Geld kommen, das er bei seinem letzten Raubzug erbeutet hat. Aber das ist blöderweise unter einer neuen Schul-Turnhalle vergraben - und er kommt nicht mehr ran. Also wird er kurzerhand Aushilfslehrer an der Goethe Gesamtschule, um ungehindert nachts suchen zu können. Nachts sucht er also, und tagsüber macht er den Lehrer-Job. Den macht er aber natürlich ganz anders als die richtigen Lehrer und Lehrerinnen. Es geht vor allem um Teenager und deren ganz normale Probleme im Schulalltag. Genauer gesagt um Teenager, die wenig Chancen für ihre Zukunft sehen und als Versager gelten. Und dann geht es natürlich noch um die Liebe. Und es geht darum, dass man ein besserer Mensch werden kann - wenn man es selber möchte. Also alles keine wirklich neuen Themen - aber gut umgesetzt. Der Film ist lustig und derb, er hat Tempo und gute Schauspieler. Gespielt wird die Hauptrolle des Zeki Müller von Elyas M’Barek. Er muss gleich die schlimmste Klasse der Schule übernehmen. Das ist eine Klasse voller Verlierer, die den Lehrern Streiche spielen und nichts lernen möchten. Mit sehr unkonventionellen Mitteln bringt der Aushilfslehrer die Teenager dazu, mehr von ihrem Leben zu wollen. Die zweite Hauptrolle spielt Karoline Herfurth, die eine sehr gewissenhafte und idealistische Referendarin spielt, also eine Lehrerin in Ausbildung. Die restlichen Rollen wurden entweder mit Nachwuchsschauspielern besetzt oder mit altbekannten Größen. Die Rektorin wird von Katja Riemann gespielt, eine Lehrerin von Uschi Glas. Beide Frauen kennt in Deutschland wahrscheinlich jeder Mensch über 30. Der Film spielt übrigens in München, gedreht wurde auch an einer echten Schule in München. „Fack Ju Göhte“ war extrem erfolgreich. In den ersten 17 Tagen nach Kinostart hatten ihn schon drei Millionen Kinobesucher gesehen. Mittlerweile liegt er auf Platz 8 der erfolgreichsten deutschen Filme seit 1968 mit über 7 Millionen Zuschauern. Kein Wunder, dass gleich zwei Jahre später die Fortsetzung ins Kino kam und weitere zwei Jahre später Teil 3. Hinter dem Film steckt Bora Dagtekin, der das Drehbuch geschrieben hat und Regie führte. Ich bin sehr gespannt, wie du den Film findest. Wenn du ihn gesehen hast - in Deutschland ist er gerade bei Netflix zu sehen, dann schreib gerne in die Kommentare! Hier kannst Du den Film bei Amazon Prime sehen: https://amzn.to/2G0Wsfu Hier kannst Du den Film bei Netflix sehen: https://www.netflix.com/title/80014999 Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg214kurz.pdf

    Kinderrechte in Deutschland – SG #213

    Play Episode Listen Later Sep 17, 2020 7:57

    In Deutschland gelten alle Menschen bis 18 Jahre als Kind. Welche Rechte haben Kinder in Deutschland? Zum Glück viele! 1973 wurde verboten, dass Kinder in der Schule körperlich bestraft werden. Bis zu diesem Zeitpunkt durften Kinder in der Schule noch „gezüchtigt“ werden - so nannte man das damals. Meine Mutter hat das noch erlebt - wenn sie nicht brav war in der Schule, dann wurde ihr mit einem Stock auf die Finger geschlagen. Seit 1989 gibt es die UN-Kinderrechtskonvention. Die Vereinten Nationen haben also festgelegt, wie wir Menschen mit Kindern umgehen sollen. Dazu gehören das Recht auf Schutz vor Gewalt, auf Bildung, auf Beteiligung, auf Gleichbehandlung und das Recht auf Freizeit, Spiel und Erholung. Fast alle Länder der Welt haben diese UN-Kinderrechtskonvention unterschrieben. Es geht vor allem um das Kindswohl. Dem Kind soll es gut gehen. Wir müssen versuchen, Kinder vor Diskriminierung, Gewalt und Mobbing zu schützen. Familien stehen natürlich im deutschen Grundgesetz, also in unserer Verfassung. Die Ehe und die Familie werden vom Staat geschützt. Eltern dürfen und müssen ihre Kinder erziehen. Kinder dürfen nicht ohne Grund von ihren Eltern getrennt werden. Mütter werden geschützt. Uneheliche Kinder werden genauso behandelt wie eheliche Kinder. Das bedeutet: Es ist egal, ob die Eltern verheiratet sind oder nicht. Spezielle Kinderrechte stehen allerdings nicht im Grundgesetz. Einige Vereinigungen möchten das ändern, beispielsweise das Deutsche Kinderhilfswerk. Auch die UN hat dies schon zwei Mal kritisiert. Die Politik möchte das nun ändern und ein Kindergrundrecht im Grundgesetz schaffen. Welche Rechte sollten Kinder haben? Zunächst einmal gilt bei ihnen wie bei allen Menschen: Sie haben alle die gleichen Rechte. Kein Kind sollte wegen seiner Hautfarbe, seiner Religion, seines Geschlechts, seiner Sprache oder wegen anderen Unterschieden benachteiligt werden. Kinder haben ein Recht auf Spiel, Freizeit und Erholung und natürlich ein Recht auf Bildung. Sie dürfen sich informieren und ihre eigene Meinung bilden. Sie haben ein Recht auf Privatsphäre - das bedeutet, dass wir zum Beispiel nicht ohne ihre Erlaubnis Kinderbilder bei Facebook posten dürfen. Sie sollen keine Not leiden müssen und in Geborgenheit aufwachsen. Kinder haben ein Recht auf die bestmögliche Gesundheit, auf sauberes Trinkwasser, gesundes Essen und eine sichere Umgebung. Natürlich müssen auch Kinder mit einer Behinderung gefördert werden. Und Kinder sollen mitsprechen dürfen. Das kann ich dir an einem Beispiel erklären: Kinder haben das Recht, beide Eltern zu sehen, wenn diese sich getrennt haben. Sie werden auch nach ihrer Meinung gefragt, wenn es um wichtige Entscheidungen geht, beispielsweise darum, wo sie nach einer Trennung der Eltern leben möchten. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich viel getan. Die Kinder haben mehr Rechte als früher. Zum Beispiel dürfen Eltern ihre Kinder in Deutschland seit dem Jahr 2000 nicht mehr schlagen oder anderweitig körperliche Gewalt anwenden. Kinder haben das Recht auf eine „gewaltfreie Erziehung“. Seit 2013 haben Kinder beziehungsweise ihre Eltern auch einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz ab dem ersten Lebensjahr. Das bedeutet: Jedes Kind sollte in eine Kindertagesstätte, eine Krippe oder einen Kindergarten gehen können. Das klingt zwar super - funktioniert aber leider noch nicht wirklich. Außerdem gibt es eine Schulpflicht für alle Kinder. Kinder dürfen übrigens bis zu ihrem 15. Lebensjahr nicht arbeiten. Ausnahmen gibt es dazu - zum Beispiel dürfen Kinder natürlich mal im Haushalt helfen und dafür ein wenig Geld bekommen. Oder sie dürfen kleine Tätigkeiten machen, wenn sie schon 13 Jahre alt sind. Aber ihr Hauptjob ist und bleibt die Schule. Den Kindern in Deutschland geht es gut, wenn man die Situation mit vielen anderen Ländern vergleicht. Perfekt ist es aber nicht hier bei uns. Jedes fünfte Kind in Deutschland lebt in Armut. Das sind 2,8 Mio. Kinder und Jugendliche.

    Die Schweiz – SG #212

    Play Episode Listen Later Aug 11, 2020 9:34


    Ich bin in Konstanz geboren und aufgewachsen. Das ist eine deutsche Stadt südlich des Bodensees - drumherum ist auf der einen Seite Wasser und auf der anderen die Schweiz. Wir konnten also zu Fuß über die Grenze gehen und in der Schweiz einkaufen. Manches war dort billiger als in Deutschland. Und weil man zumindest in einem Teil der Schweiz Deutsch spricht, stelle ich Dir heute unser Nachbarland vor. Die Schweiz ist ein kleines Land, es ist von Norden nach Süden nur 220 Kilometer lang und von Osten nach Westen fast 350 Kilometer . Die Hälfte des Landes ist bergig, denn die Alpen führen mitten durch die Schweiz. 8,5 Millionen Menschen leben in der Schweiz. Die größten Städte sind Zürich, Genf, Basel, Bern, Lausanne, Winterthur und Luzern. In Zürich leben 415.000 Menschen, damit ist sie die größte Stadt der Schweiz. Aber nicht nur das: Zürich ist in der Liste der teuersten Städte der Welt auf Platz 4. Platz 5 ist Genf. Dieses kleine Land hat gleich vier Amtssprachen: Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch. Fast 65% der Schweizer sprechen Deutsch. Aber Vorsicht, es ist ein anderes Deutsch, als ich es spreche. Denn in der Schweiz gibt es viele verschiedene Dialekte, die zusammengefasst als Schweizerdeutsch bezeichnet werden. Es gibt auch ein Schweizer Hochdeutsch. Auf slowgerman.com kannst Du hören, wie Schweizerdeutsch klingt: Jetzt wird es noch komplizierter: Die Schweiz ist nämlich nicht nur sprachlich aufgeteilt, sondern auch noch in 26 Kantone. Kantone sind so etwas wie in Deutschland die Bundesländer. Die Regierung der Kantone trifft sich im Nationalrat, der ein Teil der Bundesversammlung der Schweiz ist. Parlament und Regierung befinden sich in Bern. Der Bundeskanzler heißt Walter Thurnherr. Zum Thema Religion: 38 Prozent der Schweizer sind Katholiken, 25 Prozent gehören zur evangelisch-reformierten Kirche. Die Religionsfreiheit steht in der Verfassung. Interessant fand ich zu lesen, dass der Buddhismus in der Schweiz stärker vertreten ist als in anderen europäischen Ländern - es sind aber nur 0,33 Prozent der Schweizer Buddhisten. Sausen wir noch kurz durch die Geschichte des Landes: Die Römer haben es erobert, davor waren die Kelten da. Danach kamen die Germanen und später die Franken. Ach, es ist zu kompliziert, das alles aufzuzählen. 1291 jedenfalls schlossen sich die ersten drei Kantone zusammen. Dies gilt als Geburt der Schweiz und wird auch heute noch am 1. August als Nationalfeiertag gefeiert. Napoleon Bonaparte verordnete der Schweiz 1803 eine föderalistische Verfassung mit autonomen Kantonen. Warum er das so einfach konnte? Weil die Schweiz zwischenzeitlich zu Frankreich gehörte. Der Staatsname "Schweizerische Eidgenossenschaft" wurde festgelegt - er gilt bis heute. Dann wurden die Grenzen der Schweiz im Wiener Kongress international anerkannt. Und 1848 gab es eine neue Bundesverfassung. Bei so vielen Sprachen und kulturellen Hintergründen frage ich mich, wie das Land sich eigentlich definiert. Wie hält es zusammen? Es ist nicht die Sprache, nicht die Kultur, sondern eher das Schweizer-Sein an sich. Die Schweizer glauben an die direkte Demokratie, dort werden viel mehr Entscheidungen direkt vom Volk getroffen als in Deutschland. Außerdem wird vieles regional entschieden, die Schweizer sind also sehr selbstbestimmt. Und bei einer Straßenumfrage zu typischen Merkmalen der Schweiz würde wahrscheinlich noch ein Wort fallen: Neutralität. Das Land beteiligt sich nicht an Kriegen zwischen Staaten. 1647 beschlossen die Schweizer durch den schlimmen Dreissigjährigen Krieg "immerwährende bewaffnete Neutralität". Das bedeutet aber nicht, dass das Land keine Armee hat. Es gibt ein Heer und eine Luftwaffe, um sich verteidigen zu können. Nur 5% der Soldaten sind allerdings bezahlte Soldaten - der Rest sind Bürger des Landes zwischen 20 und 34 Jahren. Sie haben ihre persönliche Ausrüstung und ihre Waffe zu Hause. Alle Männer müssen zum Militärdienst oder alternativ Zivildienst le...


    Die Firma Siemens und ihr Gründer Werner Siemens – SG #211

    Play Episode Listen Later Jul 29, 2020 7:24

    Die Familie Siemens gibt es seit über 600 Jahren. Sie stammt aus Goslar in Niedersachsen. 14 Kinder bekamen Christian und Eleonore. Das vierte Kind nannten sie Werner. Er wurde 1816 geboren und um ihn geht es heute. Bald zeigt sich, dass Werner besonders gut in Mathe ist. Einen Schulabschluss macht er aber nicht, er geht vorher von der Schule ab. Studieren kann er nicht, dazu haben seine Eltern zu wenig Geld. Also geht er zum Militär, denn dort gibt es auch eine Ingenieur-Schule. Dort wird er in vielen Fächern ausgebildet, zum Beispiel in Mathematik, Physik, Chemie und Geometrie. Als seine Eltern sterben, muss Werner für seine jüngeren Geschwister sorgen. Er ist Leutnant in einer Artillerie-Brigade. Doch dann geschieht etwas: Werner ist Sekundant bei einem Duell. Bei einem Duell stehen sich zwei Männer gegenüber und schießen aufeinander. Der Sekundant ist sozusagen der Helfer eines der Männer, die sich duellieren. Duelle sind eigentlich verboten, und Werner Siemens kommt ins Gefängnis. Damals gab es verschiedene Arten von Gefängnissen. Werner Siemens kommt in sogenannte Festungshaft in eine Zitadelle, das ist ein Gebäude das wie eine Burg aussieht. Festungshaft war eine "ehrenhafte" Strafe, die Häftlinge durften dort rauchen und Besuch empfangen. Es war also nicht so schlimm. Werner Siemens freut sich sogar über diese Zeit der Isolation. Er hofft, dass sie wie ein kleiner Urlaub ist. Er will die Zeit nutzen und Experimente machen. Also lässt er sich verschiedene Dinge dafür in seine Zelle schmuggeln und baut ein Versuchslabor auf. Die Zeit in Festungshaft ist dann aber kürzer als gedacht, und enttäuscht muss Siemens wieder als Soldat arbeiten. Das tut er einige Jahre, aber nebenher erfindet er weiter Dinge. Zum Beispiel ferngezündete Seeminen, Regler für Dampfmaschinen und eine Presse zur Herstellung von Kunststein. 1842 schafft er es, einen Teelöffel mit Hilfe von Gleichstrom aus Batterien zu vergolden oder zu versilbern. Er bekommt ein Patent auf diese Erfindung. Er hat viele Ideen, entwickelt sie mit seinen Brüdern und mit anderen Erfindern. Mit Georg Halske verbessert er einen Telegrafen - mit diesem neuen Zeiger-Telegrafen können nun auch Laien ihre Botschaften an andere Menschen schicken. Vorher konnten das nur Menschen, die extra dafür ausgebildet worden waren, denn sie mussten das Morse-Alphabet beherrschen. 1847 meldet Werner Siemens ihn zum Patent an. Eine Woche vorher hat er mit seinem Kollegen die Firma "Telegraphen-Bauanstalt Siemens & Halske" gegründet. Der heutige Weltkonzern war in einem Berliner Hinterhof geboren. Die Werkstatt hat zehn Mitarbeiter. Siemens ist ein Vordenker im Bereich der Starkstromtechnik. Er ist ein kreativer Erfinder. Und er ist ein Unternehmer. 1848 legt das Unternehmen die Telegraphenleitung von Berlin nach Frankfurt. Danach kommen auch Aufträge aus Russland und England. Die Firma legt die erste Telegraphenleitung durch den Atlantik und bringt die elektrische Straßenbeleuchtung nach Berlin. 1881 schickt Siemens die erste elektrische Straßenbahn durch Berlin. Vorher wurden die Straßenbahnen von Pferden gezogen - das ist jetzt nicht mehr nötig. Der Firma geht es gut - und Werner Siemens denkt nicht nur an sich selbst, sondern auch an seine Mitarbeiter. Leitende Mitarbeiter bekommen Prämien, werden also belohnt, wenn es der Firma gut geht. Die tägliche Arbeitszeit wird auf neun Stunden reduziert, drei Stunden weniger als üblich. Gearbeitet wird an sechs Tagen pro Woche. Und privat? Werner Siemens heiratet und hat vier Kinder. Mit seiner zweiten Frau hat er zwei weitere Kinder. Er stirbt mit 75 Jahren 1892 in Berlin. Sein Bruder und zwei Söhne führen die Firma weiter. Werner Siemens wurde übrigens vier Jahre vor seinem Tod in den Adelsstand erhoben und durfte sich von da an Werner von Siemens nennen. Heute ist der Konzern ein Mischkonzern. Vielleicht ist Dir auch schon ein Gerät aufgefallen, auf dem der Name "Siemens" steht. Vielleicht ein Geschirrspüler,

    Die Uhrzeit – SG #210

    Play Episode Listen Later Jul 9, 2020 6:04

    Heute beschäftigen wir uns mit der Uhrzeit. Es ist gar nicht so leicht, in einer Fremdsprache zu sagen, wie spät es ist, oder? Wenn Du selber nicht weißt, wie spät es ist, kannst Du Menschen auf der Straße fragen indem Du sagst: "Entschuldigung, wie spät ist es?" oder "Entschuldigung, wieviel Uhr ist es?". Jetzt erkläre ich Dir, wie wir Uhrzeiten benennen. Fangen wir an mit der sogenannten vollen Stunde. Eine volle Stunde ist, wenn der Minutenzeiger der Uhr oben steht, auf der 12. Wenn es also genau ein Uhr ist. Oder zwei. Oder drei Uhr. Ich sage dann: Es ist drei Uhr. In der Umgangssprache kannst Du auch einfach sagen "es ist drei". Das reicht. Jetzt kommen die Minuten dazu, und dann wird es schon ein wenig komplizierter. Also sagen wir mal, es ist zehn Minuten nach drei. Dann sage ich: "Es ist zehn Minuten nach drei". Ich muss auch hier nicht "drei Uhr" sagen, denn bei der Zeitangabe versteht sich das von selbst. Noch kürzer kannst Du sagen: "Es ist zehn nach drei". Lassen wir fünf weitere Minuten verstreichen. Dann ist es 15 Minuten nach drei. Hier gibt es jetzt noch eine neue Möglichkeit. Ich kann sagen: "Es ist viertel nach drei". Wandert der Zeiger der Uhr nach unten, dann ist eine halbe Stunde vergangen. Ich sage: "Es ist halb vier". Nach einer weiteren Viertelstunde sage ich: "Es ist viertel vor vier". Eine andere Möglichkeit für diese Uhrzeit ist "Es ist dreiviertel vier". Danach kann ich sagen: "Es ist fünf vor vier". Bis hierhin ist es logisch. Es gibt aber einige Besonderheiten, die je nach Region unterschiedlich sind. Zum Beispiel sagen manche Menschen in Deutschland auch gerne "Es ist fünf vor halb acht." Da muss man erstmal rechnen, was das wirklich bedeutet, oder? Es ist 7:25 Uhr. Fünf vor halb acht. Noch eine Variante: Es ist fünf nach halb eins. 12:35 Uhr ist fünf nach halb eins. Für mich immer schwer zu verstehen ist es, wenn Leute sagen: "Wir treffen uns um Viertel sieben". Ist das dann 7:15 Uhr oder 6:15? Es ist 6:15. Das ist Viertel 7. Verwirrend, oder? Dass der Tag 24 Stunden hat, wissen wir in Deutschland natürlich auch. Aber meistens ergibt sich aus dem Kontext, ob wir den Nachmittag und Abend meinen oder den Vormittag. Wenn es nicht so genau feststeht, sagt man es lieber dazu. Dann sagt man also: "Wir treffen uns morgen früh um acht". Oder: "Wir treffen uns morgen Abend um acht". In Deutschland halten die Menschen Verabredungen übrigens pünktlich ein. Meistens jedenfalls. Wenn Du betonen möchtest, dass Dein Partner pünktlich sein soll, sagst Du: "Wir treffen uns morgen Abend um Punkt acht". Wenn offiziell über die Uhrzeit gesprochen wird, dann wird die 24-Stunden-Variante verwendet. Es gibt also alle Uhrzeiten von 0 bis 24 Uhr. 0 Uhr ist Mitternacht, dann werden die Zahlen hochgezählt bis mittags um 12 Uhr. Danach geht es aber normal weiter mit 13 Uhr - das ist dann 1 Uhr mittags. 23 Uhr ist 11 Uhr abends. Der Nachrichtensprecher im Fernsehen wird also sagen: "Die Sondersendung beginnt um 20.15 Uhr". Das ist abends um Viertel nach acht. Wenn Du gerade den Text mitliest, dann wirst Du sehen, dass ich anders spreche als es dort steht. 20.15 Uhr ist die korrekte Schreibweise. Wir sagen aber 20 Uhr 15. Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg210kurz.pdf

    SG Dialog #11: Mein Kind ist krank

    Play Episode Listen Later Jun 23, 2020 2:55

    Diesen Dialog hat Oliver mit Ellen eingesprochen – die beiden leben bei Augsburg und haben einen eigenen Podcast, das "Morgenradio". Das ist eine gute Alternative zum Radio am Morgen. Keine hysterisch-gutgelaunte Moderatoren und keine schlechten Nachrichten aus aller Welt, sondern zwei echte Menschen und eine gute Geschichte. Hier der Text des Dialoges: Hast du heute Zeit für einen Spaziergang? Leider nicht. Mein Sohn ist krank. Oh je. Was hat er denn? Er ist heute morgen mit Fieber aufgewacht. Er hat ein wenig Schnupfen und Husten. Und vorhin hat er gesagt, dass er Kopfweh hat. Das klingt nach einer Grippe. Ja, oder eine Erkältung. Er muss jetzt viel trinken. Ich habe ihn in der Schule entschuldigt. Gehst du mit ihm zum Arzt? Ich weiß es noch nicht. Wenn es ihm morgen nicht besser geht, werde ich mit ihm zum Kinderarzt gehen. Würde ich auch so machen. Du kannst ihm gegen das Kopfweh ein Schmerzmittel geben. Das werde ich tun. Ich habe einen Saft, der gegen Fieber und Schmerzen hilft. Ich hasse das Gefühl, ein krankes Kind zu haben. Ja, ich wäre auch lieber selber krank. Aber man kann es nicht ändern. Jetzt im Winter sind einfach viele Viren unterwegs. In der Schule haben die Kinder viel Kontakt zueinander. Da stecken sie sich dann halt auch an. Aber als Kind war ich eigentlich ganz gerne krank, erinnere ich mich. Kein Wunder! Mein Sohn darf den ganzen Tag fernsehen, ich bringe ihm Essen und Getränke und die Katze hat auch bei ihm geschlafen. Das ist doch perfekt, um gesund zu werden. Stimmt! Na dann wünsche ich deinem Sohn gute Besserung. Danke. Ich werde es ihm ausrichten. Hoffentlich steckst du dich nicht an! Bleib gesund! Ich gebe mir Mühe. Ich war erst vor zwei Wochen krank. Wirklich? Das habe ich gar nicht mitbekommen! Doch, da konnte ich zwei Tage nicht in die Arbeit gehen. Zum Glück war ich am dritten Tag wieder fit, sonst hätte ich ein Attest vom Arzt gebraucht. Ich bin auch froh, wenn ich nicht zum Arzt muss. Im Wartezimmer zu sitzen mit lauter anderen kranken Menschen ist nicht so toll. Stimmt, aber manchmal geht es eben nicht anders. Vor allem wenn man ein Rezept braucht für Medikamente. Also dann - ich melde mich übermorgen nochmal bei dir. Vielleicht hast du dann Zeit für einen Spaziergang. Gerne. Bis dann! Bis dann!   Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg209a.pdf  

    Aberglaube in Deutschland – SG #209

    Play Episode Listen Later May 31, 2020 6:42

    Meine beste Freundin ist Chinesin. Mit ihr habe ich über Aberglaube gesprochen. Denn wenn wir zusammen essen gehen, dürfen wir nicht vier verschiedene Dinge bestellen - denn vier ist eine Zahl, die Unglück bringt. So ist das zumindest in China. Hier in Deutschland mögen wir die vier als Zahl. Viele Produkte sind so abgepackt, dass sie vier Einzelteile enthalten. Vier Brötchen, vier Stifte, vier Äpfel. Vier ist irgendwie eine schöne Zahl, finde ich, weil sie zwei Paare ausdrückt. In China klingt die Zahl aber so wie die Wörter von sterben und Tod - also schlecht. Das alles ist aber nur die Vorgeschichte dafür, wie unterschiedlich die Kulturen und Nationen mit ihrem Aberglauben umgehen. Und natürlich gibt es auch Dinge, die in Deutschland abergläubischen Menschen Angst machen. Fangen wir mit den Zahlen an. Bei uns ist die 13 die Zahl, die Pech bringt. Es gibt im Flugzeug keine 13. Sitzreihe, im Hotel kein 13. Stockwerk. Weiter geht’s mit dem Aberglauben: Ich selber liebe Katzen, vor allem wenn sie schwarz sind. Aber wenn eine schwarze Katze von links über den Weg läuft, dann kann das Pech bringen. Die Ursache dafür ist wie so oft das Mittelalter. Im Mittelalter verbrannte man Hexen, man hatte Angst, dass manche Frauen magische böse Kräfte hätten. Schwarze Tiere sollten ebenfalls dämonisch sein, zum Beispiel Raben oder eben schwarze Katzen. Also wurden diese oft getötet. Heute gibt es kaum Katzen, die komplett schwarz sind! Dass es vor allem Pech bringt, wenn die Katze von links nach rechts läuft, ist auch interessant. Man sagt nämlich auch, wenn jemand schlechte Laune hat: „Der ist wohl mit dem falschen Fuß aufgestanden“, und meint damit den linken Fuß. Pech bringt es in Deutschland auch, wenn man unter einer Leiter hindurchgeht. Angeblich bilden Leiter, Wand und Boden ein Dreieck, und das Dreieck ist die heilige Form. Wer da durchgeht, der macht die Form kaputt, und dann erlebt er Böses. Ich kann mir vorstellen, dass dieser Aberglauben aber einen ziemlich praktischen Ursprung hat: Wenn nämlich oben auf der Leiter ein Maler steht, wird man sicher ganz schön dreckig, wenn man direkt darunter hindurch läuft. Wenn du Geburtstag hast und mit den Menschen an deinem Tisch anstoßen möchtest, nimmst du dein Glas in die Hand und hältst es den anderen Menschen hin. Sie tun das gleiche und stoßen mit dir an. Ganz wichtig: In Deutschland musst du deinem Gegenüber in die Augen schauen, während sich die Gläser berühren! Die Strafe ist sonst besonders schlimm: Sieben Jahre schlechter Sex… Das zumindest sagt der Aberglaube. A propos sieben: Wenn du einen Spiegel kaputt machst, dann hast du sieben Jahre Unglück. Denn im Spiegel siehst du deine Seele, und die zerbricht dann mit dem Spiegel. Nach sieben Jahren ist sie wieder geheilt. Komischer Aberglaube, denn auf der anderen Seite haben wir das Sprichwort „Scherben bringen Glück“. Du darfst übrigens auch keinem oder keiner Deutschen vor seinem eigentlichen Geburtstag zum Geburtstag gratulieren! Sag also ja nicht am Tag davor: „Alles gute zum Geburtstag!“ Sonst wird dich dieser Mensch sehr böse anschauen. Denn du hast das Schicksal herausgefordert. Wer weiß, was bis morgen noch passiert? Also erst gratulieren, wenn der Tag wirklich da ist. Es gibt auch positiven Aberglauben: Wenn du in eine neue Wohnung oder ein neues Haus einziehst kann es sein, dass deine deutschen Nachbarn oder Freunde dir ein Brot und Salz mitbringen. Das sind die Geschenke, die dir Glück bringen sollen. Wenn du übrigens Salz verschüttest dann bringt das wieder Unglück - und zwar mal wieder sieben Jahre. Die arme Zahl sieben, was hat sie nur verbrochen… Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg209kurz.pdf

    Corona / Covid-19 in Deutschland – SG #208

    Play Episode Listen Later May 15, 2020 10:56

    Ende Januar wurde ein Mann in München krank. Es war ein 33-jähriger Mann der bei der Firma Webasto arbeitete. Dieser Mann war der erste bestätigte Fall von Covid-19 in Deutschland. Danach wurden weitere Mitarbeiter dieser Firma getestet - viele landeten im Krankenhaus. Die Firma wurde geschlossen und alle Mitarbeiter mussten zwei Wochen in Quarantäne. München war also der erste Hotspot der neuen Krankheit in Deutschland. Eine Frau aus China hatte die Mitarbeiter bei einer Schulung angesteckt. Man kann in der deutschen Sprache übrigens das Virus sagen und der Virus. Aber weiter in der kleinen Chronologie. Ende Februar waren nur so wenige Menschen erkrankt, dass die Gesundheitsämter eine gute Strategie anwenden konnten: Sie isolierten alle Menschen, die mit einem Kranken in Kontakt gekommen waren. So breitete sich die Krankheit erstmal nicht aus. Aber dann passierte etwas in Deutschland. Und zwar der Fasching. Jedes Jahr im späten Winter feiern die Menschen Fasching. Und diejenigen, die Fasching blöd finden, freuen sich dennoch über die Faschingsferien. Dann fahren sie zum Beispiel gerne nach Österreich oder Italien zum Skifahren. Fasching und Skifahren - zwei Situationen, in denen viele fremde Menschen sehr eng aufeinandertreffen. Nach den Faschingsferien jedenfalls gab es viele neu angesteckte Patienten, vor allem in Bayern und Nordrhein-Westfalen. Freitag der 13. März: Die Schulen werden geschlossen An Freitag den 13. März erinnere ich mich noch gut. Das passt, denn Freitag der 13. gilt als Tag voller Pech und Unglück. An diesem Tag gab der bayerische Ministerpräsident Markus Söder eine Pressekonferenz. Und er verkündete: Die Schulen und Kindergärten in Bayern werden geschlossen. Dazu musst Du eines wissen: In Deutschland gibt es das sogenannte föderale System. Die Bundesländer dürfen viele Dinge selbst entscheiden. Daher ist es auch in Sachen Corona so, dass es in jedem Bundesland anders ist. Das ist für die Bürgerinnen und Bürger oft schwer zu akzeptieren. Hier in Bayern ist es also nun so: Wir durften zwei Monate lang das Haus nur aus triftigen Gründen verlassen. Also nur um zum Beispiel zum Einkaufen oder in die Arbeit zu gehen. Wir durften keine Menschen treffen, die nicht zu unserem eigenen Haushalt gehörten. Also auch keine Oma, keine Freunde, keinen Onkel. Alle Großveranstaltungen wie Konzerte oder Theaterveranstaltungen sind bis Ende August abgesagt. Die Grenzen waren geschlossen. Beim Einkaufen galt Maskenpflicht und nur wichtige Läden wie Supermärkte waren offen - alles andere war geschlossen. Auch Hotels und Restaurants. Ich sage das in der Vergangenheit, denn wir haben Glück: Da sich die Krankheit nicht weiter ausgebreitet hat, wurden viele Maßnahmen wieder gelockert. Manche Kinder dürfen wieder in die Schule gehen, zum Beispiel die Erstklässler. Die Geschäfte haben wieder geöffnet. Und die Biergärten freuen sich auch wieder über Gäste. Wie das alles gesteuert wurde und wird kann ich auch noch kurz erklären. In Deutschland gibt es das RKI, das Robert-Koch-Institut. Es ist die Bundesbehörde für Infektionskrankheiten. Ihre Aufgabe ist es, die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland zu beobachten und auch zu forschen. Dieses RKI muss nun also auch Corona im Blick behalten. Jeden Tag hat es am Anfang der Epidemie über die neuen Zahlen informiert. Wissenschaftler informieren in Podcasts Weil die Menschen natürlich verängstigt waren, haben zum Glück auch einige Wissenschaftler sich dazu bereit erklärt, uns zu informieren und uns damit die Angst etwas zu nehmen. Zwei Virologen sind mittlerweile so bekannt wie Popstars: Christian Drosten von der Charité in Berlin und Alexander Kekulé von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Beide sind regelmäßig in Podcasts zu hören und beantworten dort Fragen zum Virus. Die Podcasts: Das Coronavirus-Update mit Christian Drosten Kekulés Corona-Kompass Wie gehen die Menschen in Deutschland nun mit der neuen Situation um?

    Das deutsche Urheberrecht – SG #207

    Play Episode Listen Later Apr 10, 2020 6:27

    Ich habe bemerkt, dass viele Menschen im Internet meine Audios verwenden, um damit auf YouTube neue Videos zu erstellen und damit Geld zu verdienen. Das ist nicht ok. Also habe ich diese Urheberrechtsverletzungen gemeldet. Die Videos wurden entfernt. In der Diskussion mit den Menschen, die meine Inhalte gestohlen hatten, ist mir aufgefallen, dass viele Menschen nicht wissen, dass es in Deutschland ein Urheberrecht gibt. Das amerikanische Copyright ist bekannt, aber das deutsche Urheberrecht nicht. Also möchte ich auf diesem Weg erklären, was es damit auf sich hat. Stell dir vor, du hast einen Text geschrieben. Es ist ein wissenschaftlicher Text oder eine kleine Kindergeschichte oder vielleicht ist es auch kein Text, sondern ein gemaltes Bild. Ohne dass du etwas tust, besitzt du an dieser Schöpfung das Urheberrecht. Es geht hier um dein geistiges Eigentum. Es geht um ein Werk, das du geschaffen hast. Wenn du ein Erfinder bist, dann schützt ein Patent deine Erfindung. Beim Urheberrecht geht es um die Wissenschaft, die Kunst und Literatur. Du bleibst Urheber deiner Werke. Erst 70 Jahre nach deinem Tod werden die Werke gemeinfrei. Bis dahin bekommen beispielsweise noch deine Erben das Geld, das du mit deinen Werken verdient hast. Das Urheberrecht kann also vererbt werden. Du kannst es aber nicht zu Lebzeiten an jemanden übertragen, es bleibt immer dein eigenes Urheberrecht. In Deutschland wird dieses Recht sehr ernst genommen. Wer dagegen verstößt, kann eine Geldstrafe bezahlen müssen. Im schlimmsten Fall muss er für bis zu drei Jahre ins Gefängnis. Erst im 19. Jahrhundert wurden die Werke von Autoren und Künstlern langsam geschützt. Erst gab es eine zehnjährige Schutzfrist des Werkes, dann eine die bis 30 Jahre nach dem Tod des Künstlers reichte. Das heute gültige deutsche Gesetz gibt es seit 1965. Noch kurz zu pro und contra in dieser Sache: Gut am Urheberrecht ist, dass Autoren und Künstler geschützt werden. Wenn alles einfach kopiert werden dürfte, hätten die Kreativen keine Einnahmequelle mehr. So aber ist ihre Arbeit geschützt, in die sie viel Zeit und Energie investiert haben. Kritisiert wird oft, dass die Kreativität durch das Urheberrecht eher gehemmt wird. Denn ein Musiker darf zum Beispiel nicht kleine Teile eines anderen Musikstückes verwenden, ohne die Erlaubnis des Urhebers zu haben. So etwas wie Mashups sind daher rechtlich schwierig. Ich selber finde es wichtig, dass es das Urheberrecht gibt. Allerdings gibt es in Deutschland eine zweite Sache, die eng damit zusammenhängt: Abmahnungen. Zwei davon habe ich bereits für Slow German erhalten. Das bedeutet, dass ein Anwalt mir schreibt, ich hätte unrechtmäßig (also verboten) ein Foto benutzt. Ich muss Strafe zahlen und versprechen, das nie wieder zu tun. Oder ich kann vor Gericht gehen. Einige hundert Euro musste ich dafür schon bezahlen. Wie das passiert ist? Ich habe Fotos verwendet, die in der Wikipedia als gemeinfrei gekennzeichnet waren. Das stimmte aber nicht. Der Fotograf hat mich danach abgemahnt. Seitdem habe ich nur noch garantiert gemeinfreie Bilder auf meiner Internetseite oder Bilder, die ich selber gemacht habe oder Freunde von mir. Ich habe meine Lektion gelernt. Es gibt dazu ein passendes Sprichwort: Aus Schaden wird man klug. Hier noch zwei interessante Videos zum Thema: Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg207kurz.pdf

    Brief schreiben – So schreibe ich einen Brief! SG #206

    Play Episode Listen Later Mar 24, 2020 6:05

    Normalerweise erzähle ich dir etwas über Deutschland und die deutsche Kultur. Jetzt habe ich mir aber eine andere Idee: Ich sage dir, wie du einen Brief schreiben kannst. Das ist wichtig im Alltag. Wir nehmen an, du schreibst einen formellen Brief. Das ist ein Brief an eine Firma oder ein Amt. Kein Brief an einen Freund oder ein Familienmitglied. Vielleicht möchtest du dich irgendwo auf einen Job bewerben. Oder du möchtest eine Beschwerde loswerden. Dann schreibst du einen Brief. Überlege dir zunächst gut, was du schreiben möchtest. Alles was oben auf dem Brief steht, nennt man Briefkopf. Ganz oben links steht deine Adresse. Du bist der Absender. Schreibe deinen Namen auf und deine Adresse, vielleicht auch deine Mailadresse und Telefonnummer, wenn du so erreicht werden möchtest. Diese Daten können links oben stehen, du kannst sie aber auch rechts oben hinschreiben. Dann schreibst du links auf die Seite, an wen du den Brief schicken möchtest. Diese Person nennt man Empfänger. Also erst Vorname und Nachname, dann die Straße und Hausnummer und in die letzte Zeile die Postleitzahl und den Ort. Oben rechts, unter deiner Adresse, steht der Ort, an dem du den Brief schreibst, und das Datum. Also zum Beispiel München, 24. Februar 2020. Dann kommt die sogenannte Betreffzeile. Du kannst diese fett schreiben, damit man sie gut sieht. Hier schreibst du in einer Zeile, worum es geht. Zum Beispiel: „Ihr Schreiben vom 13.1.2020 bezüglich meiner Kündigung“. Oder „Frage zu Ihren Produkten“. Nach dem Betreff kommt die Anrede. Sie sollte höflich sein. Standard ist „Sehr geehrte Damen und Herren,“. Am Ende der Anrede kommt ein Komma, der nächste Satz wird klein geschrieben. Wenn Du weißt, welche Person den Brief bekommen soll, schreibst du „Sehr geehrte Frau Müller,“ oder „Sehr geehrter Herr Schmid“. Als nächstes schreibst du kurz und knapp, worum es geht. Bleibe sachlich und schreibe höflich. Wenn du die Person ansprichst, dann duzt du sie nicht. Siezen ist wichtig. Schreib also „ich bitte Sie“ oder „ich möchte Ihnen mitteilen, dass…“. Dann schreibst du, worum es geht. Also zum Beispiel „Ich möchte Ihnen mitteilen, dass mein Sohn Hans nicht mehr länger in den Schwimmunterricht kommen kann.“. Oder „Ich weise Sie hiermit darauf hin, dass ich nicht bereit bin, die Kosten für das Verfahren zu tragen.“ Am Ende kommt dann nur noch die Grußformel und deine Unterschrift. Standard ist als Grußformel „Mit freundlichen Grüßen“. Dann schreibst du deinen ganzen Namen. Wenn der Brief mit dem Computer getippt wurde, unterschreibst du anschließend noch einmal per Hand. Jetzt ist dein Brief fertig. Hole dir einen Briefumschlag, ein Kuvert. Links oben schreibst du deinen Namen und deine Adresse hin, das ist der sogenannte Absender. Rechts unten schreibst du deutlich den Empfänger und seine Adresse hin. Rechts oben klebt dann die passende Briefmarke. Übrigens: Wenn du sichergehen möchtest, dass dein Brief ankommt und dir das auch bestätigt wird, dann kannst du ihn per Einschreiben schicken. Das kostet dann zwar mehr, aber dafür kannst du beweisen, dass der Brief auch wirklich abgeschickt wurde. Frag einfach beim Postamt nach oder schau im Internet, dort kannst du dir eine Briefmarke ausdrucken. Ein kleiner Tipp von mir: Schreib doch Menschen, die dir wichtig sind, einen netten Brief und schicke ihn per Post! Sie werden sehr erstaunt sein und sich freuen. Und für dich ist es eine gute Übung. Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg206kurz.pdf

    DAX, der Deutsche Aktien Index – SG #205

    Play Episode Listen Later Mar 6, 2020 6:49

    Wenn es in den deutschen Nachrichten um Finanzen und vor allem um die Börse geht, dann hört man immer wieder das Wort „DAX“. DAX ist die Abkürzung für Deutscher Aktien Index. Das ist ein Verzeichnis von 30 Aktiengesellschaften. Eine Aktiengesellschaft ist eine Firma, von der man Anteile kaufen kann, also Aktien. Abgekürzt wird Aktiengesellschaft mit AG. Die 30 AGs sind die wichtigsten und größten Aktiengesellschaften aus Deutschland. Man nennt die DAX-Aktien in der Fachsprache auch Blue Chips. Diese 30 Aktiengesellschaften machen ungefähr 80 Prozent des Grundkapitals aller deutschen Unternehmen aus, die an der Börse notiert sind. Man nennt so etwas in der Finanzsprache Leitindex. In den USA ist das vergleichbar der Dow Jones. Den DAX gibt es seit 1. Juli 1988. Damals startete er mit 1000 Punkten. Heute hat er etwa 12.000 Punkte. An jedem Börsentag zwischen 8.50 Uhr am Morgen und 22 Uhr am Abend wird der Index immer wieder neu berechnet. Zum DAX gehören solche Unternehmen wie BMW, Bayer, Siemens, adidas, SAP, Wirecard, BASF, Henkel, Volkswagen, Deutsche Telekom oder die Deutsche Bank (hier gibt’s die aktuelle Liste der Unternehmen und ihren Wert). Nicht alle Unternehmen sind gleich wichtig in der Berechnung: Siemens hat zum Beispiel einen stärkeren Einfluss auf den Index als die Deutsche Bank. Der DAX zeigt sehr gut, wie es der deutschen Wirtschaft gerade geht, weil eben diese großen und wichtigen Unternehmen zusammengerechnet werden. Auch wenn es manchen gerade schlecht geht, geht es hier um den Durchschnitt aller 30 Unternehmen. Der DAX ist also so etwas wie ein Barometer: Er zeigt an, wie gut oder schlecht es Deutschland gerade an der Börse geht. Wenn der DAX über längere Zeit steigt, dann geht es der Börse in Deutschland gut. Wenn er längere Zeit fällt, geht es der Börse schlecht. Natürlich bleiben die 30 Unternehmen nicht für immer und ewig gleich: Jedes Jahr im September entscheidet die Deutsche Börse darüber, welche Unternehmen im DAX sein dürfen. Manche werden aus dem Index genommen, andere kommen neu hinzu. Es ist natürlich klar geregelt, wie das entschieden wird. Da ist zum Beispiel die Größe des Unternehmens: Es muss einen bestimmten Umsatz und Gewinn erwirtschaften. Es muss auch einen Sitz in Deutschland haben. Weil das aber sehr allgemein ist, gibt es auch spezielle Aktienindizes für einzelne Branchen. Zum Beispiel den TecDAX für Unternehmen aus der Computerbranche. Jeden Abend vor der Tagesschau um 20 Uhr gibt es die Sendung „Börse vor acht“. Dann berichtet ein Finanzjournalist aus dem Börsenstudio, wie sich der DAX und andere Aktien über den Tag entwickelt haben. Wer sich für Aktien interessiert, der behält den DAX genau im Auge. In einen DAX-Fonds zu investieren hat ein relativ geringes Risiko. Allerdings gab es auch Krisen, in denen der DAX sehr stark an Wert verloren hat: Anfang 2009 war sein Wert auf die Hälfte gefallen, weil die Finanz- und Bankenkrise die Unternehmen erschüttert hatte. Mittlerweile hat er sich zum Glück wieder erholt. Der DAX reagiert natürlich nicht nur auf die Situation in Deutschland, sondern auch auf internationale Krisen. Der Kurs brach zum Beispiel nach dem Terroranschlag am 11. September 2001 auf das World Trade Center ein. Auch als der Corona-Virus die chinesische Wirtschaft lahmlegte, merkte man das deutlich am DAX. Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg205kurz.pdf

    SG Dialog #10: Jobsuche

    Play Episode Listen Later Feb 25, 2020 2:42

    Diesen Dialog hat Oliver mit Ellen eingesprochen – die beiden leben bei Augsburg und haben einen eigenen Podcast, das "Morgenradio". Das ist eine gute Alternative zum Radio am Morgen. Keine hysterisch-gutgelaunte Moderatoren und keine schlechten Nachrichten aus aller Welt, sondern zwei echte Menschen und eine gute Geschichte. Hier der Text des Dialoges: Sag mal, ich wollte dich mal was fragen. Was denn? Ich bin gerade auf der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle. Und ich dachte mir, vielleicht weißt du was? Oh. Nein, leider nicht. Was ist denn mit deiner alten Stelle? Da wurden leider einige Mitarbeiter entlassen. Entlassen? Wieso denn? Weil das Geschäft nicht gut läuft. Also hat man die Mitarbeiter, die noch nicht so lange im Betrieb waren, entlassen. Geht das einfach so? Nein, ganz so war es auch nicht. Ich habe eine gute Abfindung bekommen. Was ist eine Abfindung? Eine Abfindung ist Geld, damit ich nicht von heute auf morgen ohne Einkommen dastehe. Aha, verstehe. In welchem Bereich suchst du denn? Ich würde gerne weiter im Bereich Marketing arbeiten. In den letzten Jahren habe ich mich vor allem auf Social Media Marketing spezialisiert. Und möchtest du Vollzeit arbeiten? Nein, Vollzeit kann ich leider nicht arbeiten, weil ich drei Kinder habe. Aber Teilzeit wäre super. Dann kann ich vormittags arbeiten und mich nachmittags um die Familie kümmern. Hast du sonst noch Einschränkungen? Ich habe leider kein Auto, daher wäre es gut, wenn ich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in die Arbeit fahren könnte. Ansonsten ist eigentlich alles flexibel. Das Geld ist mir nicht so wichtig. Ich hoffe natürlich auf nette Kollegen, aber das zeigt sich ja erst später, wenn man dort arbeitet. Ich habe da eine Idee. Ein Bekannter von mir arbeitet in einer recht großen Firma, und er hat erst vor kurzem gesagt, dass sie zu wenig im Bereich Facebook und so machen. Oh, das wäre super! Könntest du ihn mal fragen, ob ich mich vorstellen kann? Das mache ich! Schick mir doch mal deine Initiativbewerbung per Mail, dann gebe ich sie weiter. Gerne. Ich danke dir tausend mal! Kein Problem. Bis bald! Bis bald! Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg204a.pdf  

    Österreich – SG #204

    Play Episode Listen Later Feb 18, 2020 5:44

    Ich war gerade für ein paar Tage in Wien. In vier Stunden kann man von München mit dem Zug nach Wien reisen. Und weil man natürlich auch in Österreich die deutsche Sprache spricht, erzähle ich heute etwas über dieses Nachbarland. Das dortige österreichische Deutsch unterscheidet sich in der Aussprache sehr - und auch viele Wörter sind anders. Während wir Aprikosen essen, essen die Österreicher Marillen. Tomaten heißen Paradeiser, Pfannkuchen Palatschinken und Taxifahrer sind dort die Taxilenker. Zudem gibt es natürlich noch unterschiedliche österreichische Dialekte - manche davon sind auch für mich schwer zu verstehen. Fast drei Viertel des Landes sind gebirgig, denn die Alpen ziehen sich durch Österreich. Der höchste Berg ist der Großglockner mit 3798 Metern. Am westlichen Ende des Landes gehört ein Teil des Bodensees zu Österreich. Österreich hat 8,8 Millionen Einwohner und neun Bundesländer: Das Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, die Steiermark, Tirol, Vorarlberg und Wien. Wien ist die größte Stadt des Landes und gleichzeitig die Hauptstadt. Andere große Städte sind Salzburg, Innsbruck, Linz und Graz. Wer durch Wien geht, der sieht im Zentrum die Hofburg. Das ist ein imposantes Schloss. Denn ab 1246 herrschten die Habsburger, das war eine adelige Familie. Vielleicht kennt Ihr auch die bekannte bayerische Prinzessin Sisi, die später zur österreichischen Königin wurde und dann sogar zur Kaiserin? Sie lebte in diesem Schloss. Ich kann nicht die gesamte Geschichte Österreichs in einer Episode dieses Podcasts wiedergeben. Kurz gesagt war es einmal ein großes und mächtiges Land. Denn ab 1804 gab es hier das Kaisertum Österreich, ab 1867 sogar die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn - es war damit der zweitgrößte Staat Europas. Eine wichtige Rolle spielte Franz Joseph. Er war erst 18 Jahre alt und löste den kranken Kaiser ab. Unter ihm wurde das Land zur konstitutionellen Monarchie. 68 Jahre lang regierte er das Land. Heute ist Österreich keine Monarchie mehr. Der Adel wurde abgeschafft. Die Republik gibt es seit dem Ende des Ersten Weltkrieges 1918. Österreich-Ungarn hatte den Krieg verloren. Südtirol ging an Italien über und gehörte nicht mehr zu Österreich. Auch Ungarn trennte sich. Die Landesgrenzen wurden neu gezogen. Zwanzig Jahre später herrschten die Nazis in Österreich, Adolf Hitler war Österreicher. 1938 waren die Deutschen einmarschiert. Auch hier gab es die Judenverfolgung. Nach dem Kriegsende 1945 und dem Ende der Besatzung wurde Österreich 1955 wieder ein eigener Staat. Politisch ist Österreich eine föderale, parlamentarisch-demokratische Republik. Es gibt ein Zweikammersystem, das aus Nationalrat und Bundesrat besteht. Regiert wird das Land heute von Bundeskanzler Sebastian Kurz und es ist Mitglied in der Europäischen Union. Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg204kurz.pdf

    Die deutsche Polizei – SG #203

    Play Episode Listen Later Feb 11, 2020 8:31

    Es gibt eine Sache, die wechselt gerade die Farbe in Bayern. Und damit meine ich nicht die Politik. Ich meine die Polizei. Früher waren die Polizeiautos nämlich grün-weiß. Später dann grün-silber. Jetzt werden die Polizeiautos langsam silber-blau. Das ist doch ein schönes Zeichen dafür, etwas mehr über die Polizei in Deutschland zu erzählen, oder? Die Polizei ist verantwortlich für die innere Sicherheit. Sie sorgt dafür, dass wir hier sicher leben können und dass Gesetze eingehalten werden. Sie ist die sogenannte Exekutive. Es gibt verschiedene Arten von Polizei in Deutschland. Fangen wir an mit der Bundespolizei. Bis 2005 hieß diese Polizei "Bundesgrenzschutz", denn das war ihre Hauptaufgabe. Sie musste die Grenzen Deutschlands schützen. Die Bundespolizei siehst Du auch am Flughafen oder am Bahnhof. Sie sichert Ministerien und ist auch im Ausland unterwegs und sie hilft bei Katastrophen. Rund 47.000 Menschen arbeiten hier. Ebenfalls deutschlandweit arbeitet das Bundeskriminalamt. Hier geht es kurz zusammengefasst um schwere Kriminalität und Terrorismus sowie den Staatsschutz. Die Terrorismus-Abteilung wurde 1975 aufgebaut, um gegen die RAF zu ermitteln. Der Generalbundesanwalt kann das abgekürzt BKA genannte Bundeskriminalamt mit Ermittlungen beauftragen. Das BKA ist auch für DNA-Analysen zuständig: Hier werden die DNA-Daten von Kriminellen und Tatorten gespeichert. Das BKA ermittelt, wenn es um Drogen, Waffen, Sprengstoff oder Falschgeld geht. Das BKA schützt Bundespräsident und Kanzlerin und weitere wichtige Personen. In den verschiedenen Standorten des BKA arbeiten rund 5500 Menschen. Die dritte deutsche Polizeibehörde ist die, die am wenigsten bekannt ist. Sie nennt sich "Polizei beim Deutschen Bundestag" oder einfach nur Parlamentspolizei. Sie ist wie der Name schon sagt für das Gelände und die Gebäude des Bundestages verantwortlich. 210 Beamte arbeiten hier. Die Parlamentspolizei wurde nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffen. Sie soll gewährleisten, dass die Politiker sicher und ungestört ihrer Arbeit nachgehen können. Jetzt kommen wir zu den einzelnen Bundesländern. Die Länder haben die Polizeihoheit - das steht in der deutschen Verfassung, also dem Grundgesetz. Das hatten die Alliierten nach dem Krieg schon so angeordnet. Vieles hat man aus der Nazizeit gelernt. Daher wurden einige Bereiche voneinander getrennt, damit nicht zu viel Macht an der gleichen Stelle ist. Es gibt Polizeigesetze, in denen genau festgehalten ist, welche Aufgaben die Polizei hat, was sie darf und was nicht. Ihre Hauptaufgabe ist die sogenannte Gefahrenabwehr. Das sind die Polizisten, die man durch die Gegend fahren oder gehen sieht. Sie sorgen für die Sicherheit der Menschen. Man nennt das übrigens "auf Streife gehen". Die zweite Zuständigkeit ist die Strafverfolgung. Wenn eine kriminelle Tat geschehen ist, zum Beispiel ein Diebstahl, dann versucht die Polizei, diese Tat aufzuklären. Sie versucht also, den Täter zu finden, damit er bestraft werden kann. Du merkst schon: Die Polizei hat viele verschiedene Aufgaben. Sie macht zum Beispiel Alkoholkontrollen bei Autofahrern, hilft bei Unfällen, nimmt Drogendealer fest und sichert große Veranstaltungen wie das Oktoberfest in München. Aus eigener Erfahrung kann ich Dir aber auch sagen, dass die Polizisten an Schulen gehen um dort den Kindern sicheres Fahrradfahren beizubringen. Manchmal spielen sie sogar ein kleines Puppentheater, um den Kindern die Verkehrsregeln zu erklären. Die alte Uniform der Polizisten waren übrigens eine sandfarbene Hose und ein grünes Oberteil, eine Art Jacke. Die neuen Uniformen sind moderner und dunkelblau. Es gibt uniformierte Polizisten und Polizisten in Zivil, die nicht erkannt werden. Polizisten sind Beamte auf Lebenszeit, sie sind also beim Staat angestellt. Insgesamt sind rund 300.000 Menschen bei der Polizei beschäftigt. Erst seit den 80er-Jahren dürfen übrigens auch Frauen die Polizeiuniform tragen. In Bayern dauerte es sogar bis 1990.

    Nachhaltigkeit und Klimawandel – SG #202

    Play Episode Listen Later Feb 4, 2020 9:41

    Ich weiß, dass Slow German auf der ganzen Welt gehört wird. Das freut mich sehr. Du weißt sicher, dass der Klimawandel fast nicht mehr aufzuhalten ist. Er wird das Leben auf der Erde stark verändern. Und weil wir alle zusammen nun dafür sorgen müssen, dass unsere Erde auch für unsere Kinder und Enkel bewohnbar bleibt, möchte ich heute über die Dinge sprechen, die jeder einzelne von uns tun kann. Was meinst Du - hast Du Lust, mitzumachen? Überdenke Dein Leben und versuche eine Kleinigkeit zu verbessern. Das reicht schon! Fangen wir an mit der Müllvermeidung. Bei uns sind die Mülltonnen immer sehr voll. Und ich bringe viel Plastikmüll zum Container. Wie kann ich das ändern? Ich versuche schon beim Einkauf darauf zu achten, wie Dinge verpackt sind. Ich versuche, Plastikverpackungen zu vermeiden. Zum Beispiel kaufe ich festes Shampoo und Zahnputz-Tabletten. Beide sind in Papier verpackt. Ich kaufe Tomaten unverpackt und nehme meine eigenen kleinen Netze mit, um sie zu transportieren. Und ich kaufe Dinge im Laden, anstatt sie mir schicken zu lassen - so wird auch Verpackungsmüll und Transport-Energie gespart. Ganz wichtig: Nur so viel kaufen, wie wir auch brauchen. So landen nicht so viele Lebensmittel im Müll. Denn diese wurden mit viel Energie hergestellt und transportiert, also sollen sie nicht im Müll landen. Ich habe übrigens immer eine kleine Stofftasche dabei, wenn ich einkaufen gehe. So vermeide ich Plastiktüten für den Transport. Nächster Punkt: Der Konsum. Es macht Spaß, Dinge zu kaufen. Das ist für viele Menschen so. Wir denken oft nicht darüber nach. Frust in der Arbeit? Shoppen gehen ist für manche Menschen die Lösung. Das sollte nicht so sein. Wir sollten überlegen, was wir kaufen. Ich habe begonnen, Dinge wieder zu reparieren, wenn sie kaputt sind. Früher habe ich sie weggeworfen. Ich teile mir auch Dinge - zum Beispiel die Heckenschere. Früher hätte ich meine eigene gekauft. Überlege Dir vor dem Kauf, ob Du die Dinge wirklich brauchst, und versuche, weniger zu kaufen. Ist es unbedingt nötig, alle zwei Jahre ein neues Handy zu haben? Nein. Das hat uns nur die Werbung so gesagt. Beim Energie sparen macht die Sache schon fast Spaß: Ich versuche jedes Jahr, weniger Strom zu verbrauchen. Denn in Deutschland kommt viel Strom noch aus Kohlekraftwerken, und die sind für das Klima schädlich. Ich beziehe zwar Ökostrom, also Strom der aus regenerativen Energien wie Wind und Sonne kommt, aber trotzdem geht es ums Sparen. Mach das Licht aus, wenn Du einen Raum verlässt. Kaufe Dir LED-Lampen, die viel weniger Strom brauchen als Glühbirnen. Und wenn Du das nächste Mal einen Kühlschrank oder ein anderes Gerät kaufst achte darauf, dass es wenig Strom verbraucht. Vielleicht kannst Du auch Deine Wäsche in der Wohnung oder im Garten aufhängen, anstatt einen Trockner zu benutzen. Das spart sehr viel Strom! Gehe durch Deine Wohnung und überprüfe, wo Strom verschwendet wird. Zum Beispiel durch Standby-Geräte. Viele Geräte sind nie ganz aus, sondern auf Standby. Auch das verbraucht Strom. Bei uns hängen diese Geräte an einer abschaltbaren Steckerleiste. Wenn sie aus sind, sind sie aus. Auch der Computer wird ausgeschaltet, statt die ganze Nacht auf Standby zu sein. Am schwierigsten finde ich es, mein Verhalten zu ändern, was den Verkehr angeht. Aber genau hier geht es um die sogenannte CO2-Bilanz und den Klimawandel. Wir sollten weniger unterwegs sein. Vor allem weniger fliegen. Ich werde versuchen, dieses Jahr gar nicht zu fliegen - oder sehr wenig. Ich werde mehr mit der Bahn fahren. Auch versuche ich, seltener mit dem Auto zu fahren. Kleine Strecken gehe ich zu Fuß oder fahre mit dem Fahrrad, auch wenn das länger dauert und bei schlechtem Wetter unbequem ist. Ich versuche, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. Kannst Du das auch probieren? Kannst Du versuchen, weniger zu fliegen oder weniger mit dem Auto zu fahren? Das wäre toll! Drei Punkte habe ich noch für Dich. Einer davon sind Bio-Produkte. Ich weiß nicht,

    Thomas Mann – SG #201

    Play Episode Listen Later Jan 28, 2020 6:33


    Wenn Du mich ein wenig kennst, dann weißt Du, dass ich eine Leseratte bin. So nennt man einen Menschen, der gerne Bücher liest. Ich liebe Bücher. Und daher habe ich hier in Slow German auch schon oft über deutsche Literatur gesprochen. Zum Beispiel über Hermann Hesse, Heinrich Heine oder Schiller und Goethe. Eine große Figur habe ich bislang ausgelassen, und das hole ich heute nach: Thomas Mann. Thomas Mann wurde 1875 in Lübeck geboren, das liegt im Norden von Deutschland. Sein Vater war ein Kaufmann. In der Schule war Thomas nicht gut, er blieb sitzen und schrieb auch in Deutsch schlechte Noten. Aber er schrieb schon als Teenager gerne Geschichten. Nach dem Tod des Vaters wurde die Firma verkauft. Der Vater hatte im Testament angeordnet, dass das geschieht. Offenbar traute er seinen Söhnen nicht zu, das Unternehmen weiterzuführen. Also zog die Mutter mit ihren Kindern nach München. Thomas arbeitete in einem Büro und langweilte sich. Er hatte Glück und seine erste Novelle wurde 1894 veröffentlicht. Der Erfolg tat ihm gut: Er kündigte seinen Job und ging mit seinem Bruder nach Italien. 1901 folgte dann Manns erster Roman: "Buddenbrooks". Es ist die Geschichte einer Familie. Thomas Mann verarbeitet darin die Geschichte seiner eigenen Familie und anderer Menschen, die er aus Lübeck kannte. Das Buch ist so erfolgreich, dass Thomas Mann ab jetzt keine finanzielle Unterstützung seiner Familie mehr braucht. 28 Jahre später bekam er für dieses Buch den Nobelpreis für Literatur. Es gilt als ein wichtiges Werk der Weltliteratur. Thomas Mann heiratete und bekam mit seiner Frau sechs Kinder. Heute werden ihm "homoerotische Neigungen" zugeschrieben, aber wahrscheinlich war die Zeit einfach noch nicht reif, um diese auch offen zu leben. Seine Frau Katia unterstützt ihn sehr. Die Kinder sagen später, dass es eine glückliche Ehe war. Sein Roman "Der Zauberberg" wurde ein großer Erfolg. Als Hitler an die Macht kam war Thomas Mann ein wichtiger Gegner des Nationalsozialismus. Er nannte ihn barbarisch. Die Nazis nahmen den Manns Großteile ihres Vermögens weg, später auch die deutsche Staatsbürgerschaft. Der Schriftsteller rief jeden Monat über die BBC die Deutschen zum Widerstand auf. Die Familie emigrierte zuerst nach Frankreich und dann in die Schweiz. 1938 zogen sie dann endgültig in die USA. Es war schwer für die Familie, ihre Heimat zu verlassen. Thomas Mann fühlte sich entwurzelt, sagte aber in einem Interview mit der New York Times: "Wo ich bin, ist Deutschland. Ich trage meine deutsche Kultur in mir." Er arbeitete sehr diszipliniert. Jeden Vormittag schrieb er drei Stunden lang, dann machte er einen Spaziergang und aß zu Mittag. Danach widmete er sich Recherchen für neue Projekte und nach einer kleinen Pause schrieb er Briefe. Abends wurde erst gegessen, dann las er seiner Familie vor, was er vormittags geschrieben hatte. 1952 zog er wieder in die Schweiz zurück. Dort starb er im Alter von 80 Jahren. Insgesamt hat Thomas Mann acht Romane geschrieben. Schon zu seinen Lebzeiten war er sehr erfolgreich. Aber nicht alle mochten ihn. Viele Leser warfen ihm vor, zu intellektuell zu sein. Manchen war er zu deutsch oder zu bürgerlich. Ich habe seine Bücher sehr gerne gelesen, aber man braucht Zeit dafür: Der Zauberberg beispielsweise ist über 1000 Seiten lang. Das Foto: Bundesarchiv, Bild 183-H28795 / CC-BY-SA 3.0 "Buddenbrooks" wurde mit vielen berühmten deutschen SchauspielerInnen verfilmt. Hier der Trailer: Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg201kurz.pdf


    Frühstück und Arbeit / Kleiner Alien Dialog #3

    Play Episode Listen Later Jan 21, 2020 5:01

    Ein kleiner Außerirdischer kommt auf die Erde. Er möchte mehr über Deutschland lernen. Also stellt er Fragen. Guten Morgen! Zacki, so früh schon auf den Beinen? Ja, ich habe mir extra den Wecker gestellt, um zu Dir zu kommen. Das ist nett von Dir. Finde ich auch. Und warum musste es heute so früh sein? Weil ich wissen wollte, was Ihr Deutschen morgens so macht. Ach so. Also die meisten Deutschen lassen sich von ihrem Wecker wecken und dann stehen sie auf. Sie machen sich fertig: frühstücken, putzen die Zähne, duschen und ziehen sich an. Was frühstücken die Deutschen denn? Viele Deutsche trinken zum Frühstück Kaffee. Denn von Kaffee wird man wach. Es gibt aber natürlich auch Leute, die Tee oder Saft trinken. Dazu gibt es meistens Brot. Manche mögen süße Dinge frühstücken, also zum Beispiel Marmelade oder Honig, andere eher Wurst und Käse. Und nach dem Frühstück? Nach dem Frühstück verlassen viele Leute das Haus oder die Wohnung. Sie gehen in die Schule, zur Uni oder in die Arbeit. Die Schule und die meisten Jobs beginnen um 8 Uhr morgens. Mittags gibt es eine Pause. Nach acht Arbeitsstunden haben die meisten Menschen in Deutschland dann Feierabend. Sie feiern den Abend? Naja, ein bißchen schon. Sie freuen sich, frei zu haben. Feierabend nennt man einfach das Ende der Arbeitszeit. Die Menschen gehen dann von ihrer Arbeit nach Hause und essen zu Abend. Oder sie gehen noch mit Freunden weg, zum Beispiel ins Kino. Nach der Arbeit kommt die Freizeit. Freizeit klingt schön. Wie ist das mit dem Abendessen? Gibt es da auch Marmelade? Vielleicht. Aber ich kenne niemanden, der abends Marmelade isst. Abends essen viele Deutsche das sogenannte Abendbrot. Sie essen also Brot mit Wurst und Käse, dazu Gurken und Tomaten und solche Dinge. Es ist ein kaltes Abendessen. Viele Familien haben das aber umgestellt und essen auch abends warm. Ich mag es, wenn mein Bauch warm ist. Das mag ich auch! Vor allem im Winter. Ich muss aber auch noch etwas erklären: Nicht alle Menschen arbeiten tagsüber. Es gibt auch viele Menschen, die nachts arbeiten und am Wochenende. Krankenschwestern zum Beispiel. Oder Busfahrer. Viele Menschen arbeiten im Schichtdienst, das bedeutet dass sie zu verschiedenen Zeiten arbeiten, mal früh und mal spät. Ist das nicht sehr anstrengend? Doch, absolut. Aber in manchen Berufen geht es eben nicht anders. Wir brauchen zum Beispiel auch am Wochenende Ärzte in den Krankenhäusern. Also musste eine Lösung gefunden werden. Ihr seid komisch. Ich weiß. Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg200akurz.pdf

    SG #200: Menschen mit Behinderung

    Play Episode Listen Later Dec 31, 2019 10:15

    Das hier ist die 200. Episode meines Podcasts Slow German. Ich habe lange überlegt, über welches Thema ich sprechen soll. Besonders wichtig ist die Frage, wie es Menschen mit Behinderung in Deutschland ergeht. In Deutschland leben rund 10 Millionen Menschen mit einer Behinderung, davon sind mehr als 7,6 Millionen schwerbehindert. Einer von ihnen ist Steffen Prey (Foto links). Mit ihm habe ich gesprochen, um mehr zu erfahren. Eine Besonderheit: Das Original-Interview kannst Du Dir hier anhören: Es ist nicht leicht zu verstehen - wir sprechen normal schnell und durchs Telefon. Daher habe ich es auch abgetippt - hier kannst Du den Text mitlesen (--> PDF). Noch eine Besonderheit: Zu dieser Folge siehst Du das Premium-Material, auch wenn Du kein Abonnent bist. Also Lernmaterial als PDF am Ende dieser Seite und einen zweiten Player mit der schnelleren Version. Viel Spaß! Fangen wir mit der Sprache an. Wie spreche ich überhaupt korrekt über dieses Thema? Früher sagte man "Behinderte". Heute ist es richtiger, "Mensch mit Behinderung" oder "Mensch mit Beeinträchtigung" zu sagen. Der Hintergrund dazu: Jeder Mensch ist unterschiedlich. Er definiert sich nicht ausschließlich dadurch, dass er eine Behinderung hat, sondern über viele verschiedene Faktoren. Ein Behinderter ist in erster Linie behindert. Ein Mensch mit Behinderung ist in erster Linie ein Mensch. Auch das englische Wort Handicap wird oft benutzt. Du kannst also auch sagen: Ein Mensch mit Handicap. Oder sogar eingedeutscht "ein gehandicappter Mensch". Noch ein Wort hat sich geändert. Während früher Menschen die nicht hören konnten oft als "taubstumm" bezeichnet worden sind, gilt das heute als Beleidigung. Der richtige Ausdruck ist "gehörlos". Und dann gibt es natürlich noch die blinden und sehbehinderten Menschen. Bleiben wir bei den Begriffen, die wir für dieses Thema brauchen. Das Wort Barrierefreiheit fasst viele Dinge zusammen. Zum einen geht es darum, wie zum Beispiel Menschen im Rollstuhl sich in der Stadt fortbewegen können. Gibt es einen Lift zur U-Bahn oder nur eine Rolltreppe? Ist der Gehweg an der Ampel abgesenkt oder hoch? Hat der kleine Laden an der Ecke eine schwere Eisentür oder eine Schiebetür, die sich von selbst öffnet? Zur Barrierefreiheit gehören aber auch andere Bereiche des Lebens, zum Beispiel im Internet. Hat ein Video Untertitel, damit gehörlose Menschen mitlesen können? Gibt es Bildbeschreibungen für Sehbehinderte? In all diesen Bereichen müssen wir darauf achten, dass sie für alle Menschen zugänglich sind. Wenn ich ins Einkaufszentrum fahre, dann gibt es bestimmte Parkplätze in der Tiefgarage, die mit einem Rollstuhl-Symbol gekennzeichnet sind. Das sind spezielle Parkplätze für Menschen mit einer Behinderung. Hier dürfen aber nicht alle Menschen mit Behinderung parken. Reserviert ist der Parkplatz für blinde Menschen (die natürlich nicht selber fahren, sondern gefahren werden) und für stark gehbehinderte Menschen, also zum Beispiel Rollstuhlfahrer. Und weil in Deutschland die Behörden alles sehr exakt regeln, gibt es für Menschen mit Behinderung einen sogenannten Schwerbehindertenausweis. Dieser Ausweis zeigt an, welchen Grad einer Behinderung ein Mensch hat. Steht dort beispielsweise ein "G" bedeutet das, dass der Mensch nicht gut laufen kann, sich also nicht normal bewegen kann. Steht dort ein "H", dann bedeutet das, dass der Mensch hilflos ist. Das kann beispielsweise bei Demenzerkrankungen so sein. Dann gibt es noch weitere Einstufungen für blinde oder gehörlose Menschen und einige andere. Dieser Ausweis bringt einige Vergünstigungen. Steffen darf zum Beispiel mit einer Begleitperson kostenlos mit dem Bus oder der U-Bahn fahren. Er muss auch weniger bezahlen, wenn er ins Kino geht, denn der Schwerbehindertenausweis ermöglicht ihm günstigere Tickets. Bei manchen Behinderungen müssen die Betroffenen weniger Steuern für ihr Auto bezahlen. Oder sie bekommen kostenlos Hilfe im Alltag von einer so genannten Assistenz...

    SG #199: Jakob Fugger und die Fugger-Familie

    Play Episode Listen Later Dec 24, 2019 6:15


    Jeff Bezos und Bill Gates sind die beiden reichsten Männer der Welt. Ich möchte Dir aber heute etwas von einem Mann erzählen, der in seiner Zeit noch viel reicher war als diese beiden Herren: Jakob Fugger. Wenn Du es auf heutige Verhältnisse umrechnest, betrug sein Vermögen 400 Milliarden Dollar. Und: Er war der erste dokumentierte Millionär überhaupt. Geboren wurde Jakob Fugger 1459 in Augsburg, das liegt in Bayern. Seine Familie waren erfolgreiche Handelsleute. Sie hatte ihr Geld hauptsächlich mit dem Baumwollhandel mit Italien verdient. Jakob war also bereits wohlhabend, als er zur Welt kam. Er hatte in Venedig gelernt, ein guter Kaufmann zu sein, er lernte über das Bankwesen und über das Metallgeschäft. Danach baute er das Familienunternehmen aus, er machte es also größer. Die Fugger bauten Silber und Kupfer ab und andere Bodenschätze. Sie lieferten es bis nach Indien. Aber es gab noch einen weiteren Geschäftszweig: Jakob Fugger wurde Bankier. Er finanzierte den Aufstieg eines Kaisers und lieh den herrschenden Adeligen Geld. Dadurch konnte Jakob Fugger die damalige Politik in Europa beeinflussen. Er war eng mit den Habsburgern verbunden, und als diese an die Macht kamen lieferte Fugger ihnen Waffen und Geld. Um immer gut informiert zu sein, schuf Fugger einen eigenen Nachrichtendienst. So wusste er als Erster, wenn ein Schiff gesunken war oder etwas anderes nicht geklappt hatte. Er arbeitete viel, knüpfte Kontakte und ging auch Risiken ein, um Gewinn zu machen. So wurde er immer reicher. Bis hierhin klingt das noch nicht so toll, oder? Jakob Fugger stiftete eine Kapelle in der Augsburger St. Anna-Kirche. Es ist der erste Renaissancebau Deutschlands und dort wurden die Fugger-Brüder später auch begraben. 1521 wurde die Fuggerei gestiftet. Das war eine Armensiedlung in Augsburg, in der Handwerker leben konnten. Sie existiert noch heute und ist die älteste erhaltene Sozialsiedlung der Welt. 52 Reihenhäuser waren es zu Beginn, später dann 67. Heute leben hier 150 Menschen. Nicht jeder Mensch darf hier wohnen, denn es gibt Regeln, die seit 1521 eingehalten werden müssen. Einziehen dürfen nur arme Augsburger. Sie müssen katholisch sein und täglich drei Gebete für die Familie Fugger sprechen. Dafür bezahlen sie für eine 60 Quadratmeter große Wohnung weniger als einen Euro Miete - pro Jahr. Dazu kommen noch Heizkosten. Jakob Fugger kaufte Grafschaften und wurde durch seinen Landbesitz in den Adelsstand erhoben. Dass ein Kaufmann zum Grafen werden konnte, das war damals noch nie dagewesen. Die Menschen nannten ihn "der Reiche". Sein Einfluss reichte bis in den Vatikan: Als es einen neuen Papst gab, finanzierte Fugger die Anwerbung der Schweizergarde, also die Bewacher des Papstes, die es heute noch gibt. Und privat? Nun, privat heiratete Jakob Fugger im Alter von 39 Jahren eine 18-Jährige. Kinder bekamen sie keine. 1525 starb Jakob Fugger im Alter von 66 Jahren. Sein Vermögen ging an die beiden Neffen über. Komm mit in die Fuggerei - so sieht es da aus: Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg199kurz.pdf


    SG #198: Banken und Finanzen in Deutschland

    Play Episode Listen Later Dec 17, 2019 8:43

    Die Stadt Frankfurt am Main ist das Finanzzentrum Deutschlands. Hier haben die großen Banken ihre Zentrale. Es wird höchste Zeit, dieses Thema mal anzupacken, auch wenn Wirtschaft und Finanzen eher trocken sind. Wenn ein Thema trocken ist bedeutet das, dass es nicht sehr spannend ist, sondern sehr theoretisch. Ich versuche es trotzdem für Dich so spannend wie möglich zu machen, ok? Das Bankensystem nennt man übrigens Bankwesen. Und das deutsche Bankwesen ist eines der größten der Welt. Was Du genau bei einer Bank machen kannst, darüber habe ich schon in Episode 54 von Slow German geredet. Es gibt aber eine Sache, die ist im deutschen Bankwesen anders als im Rest der Welt. Bevor ich Dir verrate, was das ist, muss ich Dir erstmal erklären, welche drei wichtigen Arten von Banken es in Deutschland gibt. Man nennt das auch ein Dreisäulensystem. Erstens: die öffentlich-rechtlichen Banken. Das sind Banken wie die Sparkasse. Diese Banken gehören der Gemeinde, dem Landkreis oder dem Bundesland. Sie sind regional beschränkt, arbeiten also nicht in ganz Deutschland, sondern in ihrem kleinen Gebiet. Sparkassen siehst Du überall, in jedem kleinen Dorf. Hier tragen Kinder ihr Taschengeld hin und zahlen es auf das erste Sparkonto ein. Denn die Sparkasse ist wie der Name schon sagt dafür da, dass die Menschen ihr Vermögen vermehren durch Sparen. Sparkassen geben aber natürlich auch Kredite. Zweitens: die Genossenschaftsbanken. Bei einer Genossenschaftsbank kannst Du nicht nur Kunde sein, sondern Mitglied. Du kannst sogenannte Genossenschaftsanteile kaufen. Dadurch gehört Dir dann ein kleiner Teil der Bank. Die bekannteste Genossenschaftsbank in Deutschland ist wohl die Volks- und Raiffeisenbank. Auch sie arbeitet regional und hat in vielen kleinen Gemeinden eine Filiale. Drittens: die Privatbanken. Zu den Privatbanken gehören die großen internationalen Banken aber auch deutsche Banken wie die Commerzbank und die Deutsche Bank. Und was ist jetzt anders in Deutschland als im Rest der Welt? Ich verrate es Dir: In Deutschland haben die Privatbanken einen sehr niedrigen Anteil. Fast 1900 Geldinstitute gibt es in Deutschland, insgesamt mit mehr als 32.000 Filialen. Sind die Deutschen gut, was das Bankwesen angeht? Nein. Verglichen mit anderen Ländern sind die deutschen Banken nicht sehr profitabel. Kurz ein paar Worte zur Geschichte der Banken: Die erste deutsche Bank gab es schon 1486. Es war die Fugger-Bank. Wer die Fugger waren, muss ich Dir unbedingt bald erzählen, das ist eine sehr interessante Familie. Später entstanden die ersten Sparkassen. Ihr Sinn war es, dass ärmere Menschen ihr Geld einzahlen konnten und dieses dann durch Zinsen mehr wurde - damit sie im Alter oder bei Krankheit darauf zurückgreifen konnten. Auch die ersten Genossenschaftsbanken wollten etwas Gutes für die Menschen tun. Nachdem es im Jahr 1842 eine sehr schlechte Ernte gab, bei der die Bauern kaum Gewinne einfahren konnten, rief ein Herr namens Friedrich Wilhelm Raiffeisen eine Kreditgenossenschaft ins Leben. Hier sparten die Mitglieder Geld an, konnten sich aber auch Geld günstig leihen, wenn sie zum Beispiel Vieh oder Geräte kaufen wollten. Die Menschen halfen einander. Und die Großbanken, die wir heute kennen, sind auch schon sehr alt: 1870 entstand die Commerzbank, einen Monat später die Deutsche Bank und zwei Jahre später die Dresdner Bank. Die Commerzbank übernahm 2008 für fast 10 Milliarden Euro die Dresdner Bank. Zwei Wochen später ging Lehman Brothers pleite - und die Finanzkrise war da. Die Commerzbank musste vom deutschen Staat gerettet werden. Viele Milliarden Euro an Steuergeldern wurden investiert. Seither gehören 15% der Commerzbank dem deutschen Staat. 2019 wurde über eine mögliche Fusion von der Commerzbank mit der Deutschen Bank berichtet - aus der wurde aber nichts. So, und jetzt noch ein Satz zur sogenannten Bundesbank. Das ist die Zentralbank von Deutschland. Sie ist eine Bundesbehörde.

    SG #197 – Gewerkschaft und Betriebsrat

    Play Episode Listen Later Dec 10, 2019 8:40

    Zunächst einmal möchte ich erklären, was eine Gewerkschaft ist. Eine Gewerkschaft ist eine Gruppe von Arbeitern, die sich freiwillig zusammengeschlossen haben. Diese Gewerkschaft kämpft meistens für eine bestimmte Branche. Ihre Ziele sind höhere Löhne, die Verkürzung der Arbeitszeit oder die Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Denn stelle Dir diese Situation vor: Du bist ein kleiner Arbeitnehmer und Dein Chef verlangt von Dir plötzlich, für die Hälfte zu arbeiten. Du kannst Dich natürlich wehren - aber Du hast nur eine kleine Stimme. Daher wird Dir in Verhandlungen nicht zugehört. Wenn aber eine Gewerkschaft verhandelt, dann ist diese viel stärker als ein einzelner Arbeitnehmer. Daher schließen sich Menschen aus dem gleichen Berufszweig zusammen. In Deutschland gibt es viele verschiedene Gewerkschaften. Man kann sie auch Interessensvertretung nennen, weil sie für die Interessen der Arbeiter kämpfen. Es gibt acht besonders große Gewerkschaften. Über ihnen steht der DGB, der Deutsche Gewerkschaftsbund. Man nennt den DGB eine Dachorganisation. Und jetzt kommen die acht großen Gewerkschaften: IG Metall, Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, IG Bergbau, Chemie, Energie, IG Bauen-Agrar-Umwelt, Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und die Gewerkschaft der Polizei. Du merkst schon, die meisten Berufe sind hier schon abgedeckt. Die Gewerkschaften verhandeln oft mit den Arbeitgebern über so genannte Tarifverträge. In solchen Verträgen steht drin, dass für die gesamte Branche einheitliche Löhne bezahlt werden. In die Verhandlungen darf sich der Staat nicht einmischen. Das geht nur die Arbeitgeber und die Arbeitnehmer etwas an. Oft führen die Verhandlungen zu einem Streik der Arbeitnehmer, wenn sie mit den angebotenen Bedingungen nicht einverstanden sind. Das kann ein Warnstreik sein, bei dem die Arbeitnehmer für eine bestimmte Zeit die Arbeit niederlegen. Es kann aber auch länger dauern. Gemerkt haben das viele, als zum Beispiel die Erzieher von Kindergärten gestreikt haben. Oder wenn mal wieder die Fluglotsen streiken und niemand in den Urlaub fliegen kann. So ärgerlich das für viele Menschen ist - es ist wichtig, dass die Angestellten sich durch einen Streik gegen schlechte Arbeitsbedingungen wehren können. Früher waren die deutschen Gewerkschaften übrigens wichtiger als heute. Immer weniger Menschen organisieren sich heute in Gewerkschaften. In den DGB-Gewerkschaften sind es noch rund 6 Millionen Arbeitnehmer. Entstanden sind die nationalen Gewerkschaften in Deutschland in den Jahren 1848/1849. Die älteste noch existierende Gewerkschaft ist die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer. Gewerkschaften sind aus den Arbeiterkämpfen der industriellen Revolution entstanden. Weißt Du, wie die Gewerkschaften sich finanzieren? Durch Mitgliedsbeiträge. Jedes Gewerkschaftsmitglied zahlt einen jährlichen Mitgliedsbeitrag. Kommen wir zum zweiten Thema dieser Episode: Dem Betriebsrat. Das ist nämlich auch eine gute Sache für die Arbeitnehmer. Sobald ein Betrieb größer ist als fünf ständige Mitarbeiter, darf er einen Betriebsrat wählen. Dieser Betriebsrat ist dann sowas wie eine kleine Gewerkschaft für den Betrieb. Der Betriebsrat verhandelt mit den Arbeitgebern und versucht, einen guten Weg für die Arbeiter zu finden. Natürlich auch im Hinblick auf Tarifverträge und Gewerkschaften. Der Betriebsrat wird für vier Jahre gewählt. Er bekommt dafür kein Geld. Der Chef darf den Betriebsrat nicht einfach kündigen - auch dafür gibt es Regelungen. Wenn ein Arbeiter gekündigt werden soll, muss der Betriebsrat davon erfahren. Er kann dieser Kündigung dann in wichtigen Fällen sogar widersprechen. Betriebsrat und Gewerkschaft sollen den Arbeitnehmer stärken. Sie sollen für ihn kämpfen und ihn unterstützen. Durch diese Einrichtungen soll sozusagen ein Gleichgewicht hergestellt werden zwischen den Angestellten und ihren Chefs.

    SG #196 – Juden in Deutschland

    Play Episode Listen Later Dec 3, 2019 10:01


    Ich habe letztens eine Zahl gelesen, die mich überrascht hat. In Deutschland leben weniger als 100.000 Juden. Ich dachte, die Zahl wäre viel höher. Es macht mich traurig, das zu lesen. Zum Vergleich: Es leben über vier Millionen Muslime in Deutschland. Welche berühmten deutsch-jüdischen Menschen fallen mir ein? Albert Einstein, Heinrich Heine, Karl Marx? Aus der neueren Zeit denke ich an Michel Friedman, den man oft in Talkshows sieht, wenn es um das Thema geht. Er war Politiker und Moderator, er schreibt Bücher und ist Jurist. In dieser Folge möchte ich über die Geschichte der Juden in Deutschland sprechen. Es ist nicht leicht, alles so kurz zusammenzufassen. Aber es ist wichtig, das Thema nicht zu ignorieren. Juden leben schon sehr lange in Deutschland. Es gibt Beweise, dass es sie in Köln schon im Jahr 321 gab. Damals war die Stadt noch von den Römern besiedelt. Im 10. und 11. Jahrhundert stieg die Zahl der jüdischen Bürger auf 20.000 an. Jüdische Kaufleute kamen an den Rhein. 1012 wurde die erste Synagoge in Köln gebaut, es wurden jüdische Schulen und Friedhöfe gegründet. Da die Christen damals keine Zinsen verlangen durften, weil es so in der Bibel stand, übernahmen die Juden das Kreditgeschäft. Beide Religionen lebten damals friedlich zusammen beziehungsweise nebeneinander. Das blieb leider nicht so. Die Kreuzzüge begannen 1096. Menschen zogen in Europa los, um Palästina zu erobern. Auslöser war die Predigt des damaligen Papstes. Bereits auf ihrem Weg wurden Juden ermordet, so auch in der Region um Köln. Sie wurden als Gottesmörder beschimpft. Einige Jahre später wurde beschlossen, dass sie keine Waffen tragen durften. Nochmal hundert Jahre später wurden alle Juden zu unfreien Knechten des Kaisers. Sie mussten sich kennzeichnen. Im 14. Jahrhundert wurden Tausende von ihnen umgebracht. 1348 war die Zeit der Pest. Viele Menschen starben an der Seuche. Wie sich die Krankheit übertrug verstanden sie nicht. Also wurden die Juden verantwortlich gemacht. Ihnen wurde vorgeworfen, Brunnen vergiftet zu haben. Viele von ihnen wurden verfolgt und getötet. Es ging immer so weiter: Christliche Prediger wetterten gegen Juden. Auch die Schriften von Martin Luther waren antisemitisch. Die Bevölkerung handelte danach und verfolgte sie. Sie wurden vertrieben, auf dem Scheiterhaufen verbrannt oder auf andere Art getötet. Bis 1520 waren sie aus den großen Städten verschwunden. Ghettos entstanden. Wer konnte, der floh nach Böhmen, Polen und Osteuropa. Um das Jahr 1600 lebten bis zu 10.000 Juden in Deutschland. Auch wieder in den Städten. Das Verhältnis zu den Christen entspannte sich etwas. Nach dem Dreißigjährigen Krieg und der Aufklärung ging es ihnen besser in Deutschland. Weil sie an ihren Namen aber sofort erkannt wurden, gaben sich im 18. Jahrhundert viele von ihnen neue Familiennamen. Napoleon brachte ihnen erst die Emanzipation, später wieder Einschränkungen. So war es auch später, mal bekamen sie neue Rechte, dann wurden sie ihnen wieder genommen. 1847 wurde ein einheitliches Judengesetz geschaffen. Juden durften danach manche Staatsämter übernehmen und in manchen Fächern als Professoren unterrichten. Juden waren Staatsbürger. Sie begannen, ihre Religion zu reformieren, es gab zum Beispiel erste Predigten auf Deutsch. Die Reichsverfassung 1871 machte alle deutschen Juden zu gleichberechtigten Bürgern. Der Antisemitismus der Menschen blieb jedoch erhalten. Die jüdischen Gemeinden blühten auf, vielen Juden ging es finanziell sehr gut. Sie waren erfolgreich. Das brachte Neid und Hass. Es gründeten sich erste politische Parteien gegen die Juden. Antisemitismus wurde gesellschaftsfähig. 1933 wurde Adolf Hitler zum Reichskanzler und die systematische Judenverfolgung begann. Ziel war die Vertreibung und Vernichtung der deutschen Juden. 1938 wurden in der Reichspogromnacht Synagogen und jüdische Geschäfte zerstört. Juden wurden in Vernichtungslagern systematisch umgebracht.


    Universität / Studieren – Kleiner Alien Dialog #2

    Play Episode Listen Later Nov 26, 2019 6:31

    Ein kleiner Außerirdischer kommt auf die Erde. Er möchte mehr über Deutschland lernen. Also stellt er Fragen zum Thema Universität. Hallo! Oh, Hallo Zacki! Was machst Du denn hier? Ich wollte Dich besuchen. Das freut mich. Was machst Du hier? Das ist eine Uni. Uni ist die Kurzform für Universität. Ich studiere hier. Ich bin Studentin. Neudeutsch sagt man dazu auch Studierende. Ich bin eine Studierende. Wieso sagt man das so? Damit man am Wort selber nicht mehr das Geschlecht erkennt. Früher war es der Student und die Studentin. Heute sind beide einfach die Studierenden. Ah. Und was bedeutet Studieren? Studieren bedeutet, dass ich hier etwas lerne. Es ist wie eine Schule. Aber nicht für Kinder, sondern für Erwachsene. Ich habe mir einen Studiengang ausgesucht. Also ein Fach, das mich besonders interessiert. In diesem Fach lerne ich jetzt viel. Das kann Jura sein, Englisch, Mathematik oder auch Sport und Musik. Und warum lernst Du das? Für meinen späteren Beruf! Wenn ich zum Beispiel Lehrerin werden möchte oder Rechtsanwältin, dann muss ich vorher studieren. Ich lerne dann alles, was ich für diesen Beruf brauche. Am Ende mache ich eine Prüfung. Dann darf ich in diesem Beruf erst arbeiten. Ich kann auch selber an der Uni arbeiten und Dozentin werden oder Professorin. Darf jeder Mensch in Deutschland studieren? Nein, leider nicht. Erst geht jeder Mensch in Deutschland neun Jahre lang in die Schule. Mindestens. Die höchste Schule ist das Gymnasium, die dauert sogar 13 Jahre lang. Und danach gibt es eine Prüfung, das Abitur. Das Abitur nennt man auch Hochschulreife. Erst wenn ich dieses Abitur habe, darf ich an der Uni studieren. Das ist ganz schön kompliziert. Studierst Du jeden Tag? Nein, ich habe manchmal auch Semesterferien. Jedes Jahr hat zwei Semester. Ein Wintersemester und ein Sommersemester. In dieser Zeit finden Vorlesungen statt. Und Seminare, das sind dann Arbeitsgruppen mit weniger Studierenden. Manche Seminare sind Pflicht, ebenso manche Vorlesungen. Ich muss Scheine machen. Das bedeutet, dass ich eine bestimmte Anzahl an Vorlesungen und Seminaren besuchen muss, um Scheine zu bekommen. Nur wenn ich diese Scheine habe, darf ich das Studium später abschließen. Zwischen den Semestern habe ich Semesterferien. Was machst Du dann? In den Ferien arbeite ich meistens. Denn ich muss Geld verdienen, um mir meine Studentenbude leisten zu können. Bude? So nennt man die kleine Wohnung, in der ein Student lebt. Oder oft ist es ein Zimmer in einem Studentenheim. Ich habe Hunger. Kein Problem, dann lass uns in die Mensa gehen. Mensa? Ja, die Mensa ist der Ort, wo die Studierenden essen gehen können. Es ist sehr billig. Es kostet also nicht viel Geld. Dafür schmeckt es auch meistens nicht so toll. Dann habe ich doch keinen Hunger. Was machst Du jetzt? Ich gehe in die Bibliothek. Dort kann ich mir Bücher ausleihen oder in den Büchern lesen, die dort vorhanden sind. Im Lesesaal hab ich meine Ruhe. Auch vor Außerirdischen. Ihr seid komisch. Ich weiß. Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg195akurz.pdf

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